Vorgeschichte

Wenn zwei Freunde vor haben, ihren ersten Halbmarathon zu laufen – und das auch noch in Berlin – bin ich natürlich dabei. Als vor einem halben Jahr die Anfrage kam, brauchte ich nicht lange zu überlegen und war kurz danach auch angemeldet. Der Termin passt nicht nur gut in meine Elternzeit, sondern lieferte auch meiner Frau einen Grund, endlich mal wieder in die Hauptstadt zu reisen.

Mit zwei Kindern ist so ein verlängertes Wochenende natürlich durchaus eine Herausforderung. Und die fängt bereits bei der Unterkunft an. Wir haben uns letztendlich für eine Ferienwohnung mit Schlafmöglichkeiten in zwei getrennten Zimmern entschieden – auch, wenn wir den Kleinen dann doch zuhause gelassen haben.

Wochenende in Berlin

Die Anreise am Donnerstag war kürzer als gedacht. Wir waren bereits kurz nach Mittag in der Wohnung im Kollwitz-Kietz und haben den Rest des Tages genutzt, um durch die Stadt zu bummeln. Freitag haben wir gemütlich im Tous les Jours gefrühstückt und uns anschließend bei Freunden getroffen. Erster Programmpunkt: Startunterlagen abholen. Das wurde dann doch keine Gemeinschaftsaktion, weil ein Mitläufer noch anreisen musste und ich etwas mehr Zeit auf der Messe verbringen wollte.

Anschließend waren wir noch lange im Park am Gleisdreieck und haben das bombastische Wetter genossen. Und natürlich immer mal wieder über den Lauf gesprochen. 😉 Nach einem leckeren Grillabend sind wir totmüde ins Bett gefallen. Gut, dass wir die eigentlich verabredete Laufeinheit haben ausfallen lassen. Samstag dann viel zu reichhaltiges Frühstück im Anna Blume und Treffen am Kollwitz-Platz. Chic in der Sonne sitzen und den Kindern beim Spielen zuzusehen hatte was… Aber das Programm sah noch eine Fahrt mit der 100, die Besteigung der Siegessäule und einen Gang durchs Brandenburger Tor vor.

Ich habe versucht meine Beine zu schonen, weil mir natürlich der Lauf in Venlo noch ganz schön in den Gliedern steckte. Trotzdem waren sie auch am Samstagabend wieder sehr schwer, wodurch ich zumindest gut einschlafen konnte. Am Sonntag war dann „nur noch“ der Halbmarathon zu bewältigen – und natürlich die Rückfahrt.

Berlin Halbmarathon

Messe Berlin Vital

Das Abholen der Startunterlagen am Freitag war unumgänglich verbunden mit dem Besuch der Messe „Berlin Vital“. Für den größten Halbmarathon Deutschlands sind viele Aussteller angereist, um ihre Produkte zu zeigen. Ich wollte die Gelegenheit wahrnehmen, um einige Kontakte persönlich zu treffen.

Nicklas und Lars von SAYSKY

Nicklas und Lars von SAYSKY

Die erste Station war für mich ganz klar SAYSKY. Die junge dänische Marke hatte ich vor einem Jahr entdeckt und trage seither mit großer Begeisterung deren Laufklamotten. Ich hatte gehofft Nicklas dort zu treffen, mit dem ich regelmäßig E-Mail-Kontakt habe. Aber ich hätte nicht erwartet, dass er gleichzeitig das hauseigene Fotomodell ist. 😉 Auch Lars Pedersen, der Gründer der Marke, war vor Ort und so konnte ich wirklich interessante Gespräche mit den beiden führen. Zum Glück ist SAYSKY noch nicht so bekannt, dass der Stand völlig überlaufen gewesen wäre. Denn so war auch Zeit dazu. 😉

Meinen zweiten Halt hatte ich bei GARMIN eingeplant. Die brandneue Forerunner 935 war bereits live zu bestaunen und wäre sogar am Stand zu kaufen gewesen! Im Online-Shop ist sie noch nicht verfügbar… Viel Neues konnte mir der GARMIN-Mitarbeiter allerdings nicht dazu erzählen. Da war ich mit dem DC Rainmaker Review bereits deutlich besser informiert als er. 😉

Bei GARMIN traf ich auch auf Mathias. Wir haben uns gleich erkannt, obwohl wir uns noch nie getroffen hatten. Gut, das mag bei mir auch an der Harlerunner-Cap gelegen haben… 😉 Wie auch immer: ich fand unser Gespräch über die Polar V800 und die neue Fenix-5-Reihe sehr interessant. Er hat sich die Modelle noch weiter erklären lassen, während ich mich wieder ins Getümmel warf.

Leider waren die weiteren Anlaufpunkte nicht mehr so spannend, weil meine Ansprechpartner anscheinend nicht auf der Messe waren. Abschließend habe ich mich bei HIGH5 noch mit Energie für den Lauf versorgt.

adidas

Mein Kontakt zu adidas ist noch relativ frisch. Aber als einer der Hauptsponsoren des Berlin Halbmarathon waren sie so nett, mich zu fragen ob ich bei dem Lauf nicht für die „adidas Runners Berlin“ an den Start gehen möchte. Das habe ich natürlich gerne gemacht, denn so hatte ich auch Zugang zum Rahmenprogramm. 🙂 Nachdem ich das erste Kennenlernen am Freitag leider nicht wahrnehmen konnte, fand ich mich am Samstag aber zeitig bei der adidas Runbase Berlin ein, von wo aus ein Shake-Out-Run starten sollte.

So eine Runbase ist schon eine coole Einrichtung. Im Innen- und Aussenbereich war viel los! Einige brachen gerade zu einer Laufrunde auf oder kamen davon zurück, andere machten sich draussen mit der Blackroll vertraut oder chillten einfach in der Sonne. Es gibt eine Bar, eine Küche, Umkleiden und Duschen.

Und anscheinend auch eine wirklich große Community, denn nach und nach mischten sich unter die schwarzen „adidas Runners Berlin“-Shirts auch welche aus Copenhagen, Istanbul, Frankfurt und Zürich. So bildete sich eine Gruppe von etwa 150 Läufern, die begleitet von Philipp Pflieger ein paar Kilometer durch die Stadt laufen wollten. Und das wirklich bei allerbestem Wetter. Ziel war natürlich der neue adidas Running Store in der Münzstrasse, wo auch die Race-Shirts für Sonntag ausgegeben wurden.

adidas Running Store

adidas Running Store

Vor dem Start

Die Nacht vor dem Lauf war ok – auch wenn ich noch lange Sachen raus gelegt und Koffer gepackt habe. Morgens machte ich mich dann bereits früh auf den Weg zum Startbereich, um mich mit den Anderen zu treffen. Zufällig lag unser Treffpunkt direkt vor der adidas Racebase im „Kosmetiksalon Babette“.

Dort konnte ich auch sehr bequem meinen Kleiderbeutel abgeben, noch einen letzten Happen frühstücken und mir die Schlange vor den Dixies ersparen. 😉 Nachdem das restliche Dream-Team auch eingetroffen und versorgt war, hatten wir noch genug Zeit uns zwischen den anderen Läufern im Startblock F aufzuwärmen.

Um kurz nach 10 Uhr fiel der Startschuss für die erste Welle. Irgendwann auch der für die zweite, doch bei uns bewegte sich noch nichts. Gaaanz langsam ging es dann voran, nachdem auch unser Start bereits zu hören war. Zeit für letzte Rennvorbereitungen: Silvia peilte eine Zeit unterhalb von zwei Stunden an und Philipp wollte bei seinem ersten Halbmarathon ungefähr einen Schnitt von 6:00 min/km laufen, während Mike sich durchaus 1:45 h als Zielzeit vorstellen konnte. Damit waren wir im letzten Startblock natürlich total falsch… Wir machten aus links zu bleiben und dort zu versuchen unser Tempo aufzunehmen. Ich wollte vorlaufen, Mike in meinem Windschatten, bis wir aus dem Pulk heraus sind.

Los geht’s !

Start! Endlich am Start!

Start! Endlich am Start!

Über die Startlinie ging es doch tatsächlich bereits laufend! 😉 Aber wie erwartet war das Starterfeld so dicht, dass wir kaum auf unsere Pace kamen. Mike ist mir so einige Male fast davon gelaufen, weil er einen besseren Weg durch die Menge gefunden hatte.

Und los geht’s!

Und los geht’s!


Durch’s Brandenburger Tor laufen - was für ein Gefühl!

Durch’s Brandenburger Tor laufen – was für ein Gefühl!

Bereits nach drei Kilometern läuft man durchs Brandenburger Tor und anschliessend an der Siegessäule vorbei. Das ist schon ein besonderes Gefühl. Auf dem Weg zum Kreisel hatte ich Mike wieder eingefangen und gebremst, denn 4:40 min/km waren definitiv zu schnell – auch wenn man auf der Gegenfahrbahn ausnahmsweise mal etwas Platz zum Laufen hatte.

Siegessäule

Siegessäule

Die Dichte des Läuferfelds nahm kein Stück ab und so waren wir ständig damit beschäftigt einen guten Weg durch die teilweise deutlich langsameren Teilnehmer zu finden. Den VP bei Kilometer sechs hatte Mike bereits zum Trinken benutzt, ich war erst bei 10 Kilometern dran. Und obwohl ich mich 1000 Mal umgesehen hatte, haben wir uns da aus den Augen verloren… 🙁 Was bei den vielen Läufern wirklich nicht schwierig war.

Ich vermutete ihn hinter mir und bin kurz nach der Getränketheke am Rand stehen geblieben. Als er auch nach einer gefühlten Minute nicht auftauchte, bin ich wieder los. Wenn er vor mir unterwegs war, musste ich echt Gas geben! Zum Glück war er nach einiger Zeit wieder im Blickfeld und wir konnten weiter zusammen laufen.

Mike immer schön im Schlepptau

Mike immer schön im Schlepptau

Bei Kilometer 15 lagen wir endlich genau auf Zielkurs. Mikes Beine waren noch ok, ihm würde eher die Luft ausgehen – so der kurze Zwischencheck. Meine Beine signalisierten auch so langsam, dass ich den 5er-Schnitt nicht „mal so eben“ bis zum Ende laufen würde.

Die letzten Kilometer

Die Strecke ist wirklich rekordverdächtig. Es geht fast nur geradeaus und bis auf wenige, kleine Steigungen ist der Kurs total flach. Leider liegen die Steigungen eher im letzten Teil, was besonders Mike zu schaffen machte. Immer wieder musste er leicht abreißen lassen. Und irgendwann war es dann passiert: er war nicht mehr hinter mir. Zumindest konnte ich ihn nicht sehen. In der Hoffnung, dass er sich wieder ranarbeiten würde, bin ich unser vereinbartes Tempo weiter gelaufen. Tendenziell sogar etwas langsamer, damit er mich nicht aus den Augen verliert. Die fehlenden Sekunden wären auf der Zielgerade vielleicht noch aufzuholen.

Leider hat er mich nicht mehr eingeholt. Und auch auf dem letzten Kilometer war keine Zeit gut zu machen: man kam ja kaum durch! Ich war froh überhaupt über die Ziellinie laufen zu können, weil viele Halbmarathonis bereits vorher ins Gehen verfielen und somit einen Stau provozierten. Am Ende fehlten ganze 12 Sekunden auf die geplante 1:45 h! Das wäre also eine gute Punktlandung für Mike gewesen.

Im Ziel

Im Ziel

Wir haben uns alle erst am morgendlichen Treffpunkt wieder gesehen – und alle waren sehr zufrieden mit dem Lauf. Philipp ist mit 2:03:19 sogar noch schneller gewesen als geplant und Mike hat sich mit 1:47:11 auch wirklich gut geschlagen. Auch Silvia ist mit 1:52:29 sehr gut ins Ziel gekommen – besonders, weil sie ganz ohne Uhr gelaufen ist und die Zeit wohl erst zuhause erfahren hat! 😉

Abschluss

Was für ein grandioses Wochenende! Es war ein schöner Familienausflug, ein Treffen mit Freunden und ein phantastisches Sportevent. Und das alles bei traumhaftem Wetter. Von mir aus können wir das im nächsten Jahr wiederholen. 🙂 Dann allerdings mit einem Start aus dem richtigen Startblock… Die Strecke und die Stimmung an der Strecke waren auf jeden Fall genial. Dazu noch der Lauf an vielen Sehenswürdigkeiten vorbei – einfach klasse.