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Laufbandanalysen habe ich schon so einige hinter mir. Mal mehr, mal weniger professionell. Aber nach der Winkels-Analyse muss ich sagen: bisher hatte sich offensichtlich noch niemand meine Laufbewegung so richtig angesehen…

Vorgeschichte

Als ich vor gut zwei Jahren mit dem Laufen (wieder) angefangen habe, war ich mehrfach auf dem Laufband. Im Fachhandel. Dabei ging es aber nur darum, ein passendes Schuhmodell für mich zu finden. Beim Saucony Stride Lab vor dem Köln Halbmarathon habe ich erstmals Hinweise auf meinen Laufstil bekommen. Das fand ich ganz wertvoll, daher hat mich das Thema auch weiter beschäftigt.

Über den Winkels Bewegungsstützpunkt bin ich schon sehr bald gestolpert. Ich hatte das professionelle Angebot aber in Berlin, Köln oder München vermutet. Vielleicht sogar im Uni-Umfeld. Dementsprechend überrascht war ich, dass Bernd Winkels nur einen Katzensprung von mir entfernt ist: Haltern am See war für mich in wenigen Autominuten zu erreichen. Und ich habe mich sehr über sein Angebot gefreut, seine Analyse einfach mal kennenlernen zu dürfen.

Anzeige: Bernd Winkels war so nett die Analyse für diesen Bericht kostenfrei durchzuführen. Dies hatte keinen Einfluss auf den Inhalt meines Testberichts. Der Beitrag ist frei verfasst und gibt ausschließlich meine persönlichen Erfahrungen wieder.

Die Winkels-Analyse

Das Winkels-Lauflabor in der Halterner Innenstadt

Das Winkels-Lauflabor in der Halterner Innenstadt

Ich hatte zeitnah einen Termin in Haltern bekommen und war sehr gespannt, was mich dort erwartet. Im Vorgespräch gab es den Hinweis, eine sehr kurze Laufhose mitzubringen und 1-2 Paar Laufschuhe. Vor Ort fiel mir als Architekt sofort das sehr gut gestaltete Ladenlokal auf. Bernd Winkels hatte mich schon auf der Strasse abgefangen und übergab mich für die erste Datenaufnahme an eine Kollegin.

Chic und modern ist es beim Winkels

Chic und modern ist es beim Winkels

3D-Fußscan

3D-Fußscan

3D-Fußscan

Für die Analyse musste aber doch der Chef persönlich ran. 😉 Es ging los mit einem Scan meiner Füße ohne Belastung (also im Sitzen) und im Stehen. Dazu öffnete sich vor meinem Sitz unter einer Klappe eine Glasfläche – mit der entsprechenden Technik darunter. Schon diese ersten Bilder wiesen eine kleine Auffälligkeit auf: ich belaste meinen rechten Zehen im Stehen deutlich weniger als den linken. Woran das liegt, würden wir sicher später noch feststellen.

Fußdruckmessung

Fußdruckmessung in der Bewegung mit rechts...

Fußdruckmessung in der Bewegung mit rechts…

Weiter ging es mit einer elektronischen Fußdruckmessung mittels einer Messplatte, auf die ich in der Bewegung treten sollte – jeweils mehrfach mit dem rechten und linken Fuß. Heraus kam die Druckverteilung meiner Füße in Bewegung und eine Linie, die erstmal unauffällig war.

... und links.

… und links.

Vorgespräch

Für die Anamnese ging es dann in die heiligen Hallen des Bewegungsstützpunktes. Ein großzügiger, schlichter Raum, der halb an einen Fitnessraum erinnert und halb an ein Uni-Labor. Auf viele der Fragen wusste ich zunächst keine richtige Antwort, da mir Schmerzen oder Zimperlein beim Laufen fremd sind. Dazu sollte mir im Lauf der nächsten Stunde aber noch das ein oder andere einfallen…

Funktionstests, Erfassen der Muskelspannung

Dass es jetzt ernst werden würde merkte ich schon, als Bernd meine Splits immer noch zu viel Hose war. „Keine Diagnose durch die Hose!“ Also ging es weiter im Schlüpper. Unter seinen fachkundigen Augen durfte ich einige Kniebeugen machen, auf jeweils einem Bein balancieren und musste anschliessend auch noch auf die Liege. Dort bekam ich zahlreiche Markierungen aufgemalt, die bei der weiteren (Video-) Analyse hilfreich sein würden.

Frisch mit Markierungen versehen, geht es aufs Laufband

Frisch mit Markierungen versehen, geht es aufs Laufband

Analyse des Bewegungsmusters

So vorbereitet ging es dann endlich aufs Laufband. Barfuss. Und fast nackt. Aber was tut man nicht alles für den Sport. 😉

Barfuß auf dem Laufband

Barfuß auf dem Laufband


Falsch herum auf dem Laufband. Lustig, oder? ;)

Falsch herum auf dem Laufband. Lustig, oder? 😉

Nein, ich habe mich da ganz wohl gefühlt. Vor allem, nachdem ich einigermaßen warmgelaufen war. Die Laufrichtung wurde geändert und anschließend durfte ich das Ganze noch mit Laufschuhen wiederholen. Ich entschied mich für die Saucony Kinvara 6, weil ich in ihnen bisher die meisten Kilometer gelaufen bin und mich ausserdem sehr wohl in ihnen fühle. Anschließend gab es das erste kurze Feedback am Auswertungsplatz.

Man fühlt sich auch mit Schuhen nicht weniger nackt... ;)

Man fühlt sich auch mit Schuhen nicht weniger nackt… 😉


Fußaufsatz ist relativ flach und ok

Fußaufsatz ist relativ flach und ok

Die gute Nachricht: meine Laufbewegung ist schon ziemlich ok, allerdings gibt es im Detail natürlich Verbesserungsmöglichkeiten. Der erste aufgezeigte Punkt ist der Winkel meines Beines beim Fußaufsatz. Offensichtlich könnte das Bein dabei etwas gestreckter sein, um die Oberschenkelmuskulatur zu entlasten. Aber die Abweichung zum Optimum war zum Glück nur geringfügig.

Winkelmessung

Winkelmessung

Zweite Erkenntnis: ich setze die Füsse sehr eng. Allerdings dann doch nicht so eng, dass es zu einem Problem führen würde (Overcrossing). Ich musste aber schon zugeben, dass ich Dreckstreifen an der Innenseite der Unterschenkel durchaus kenne…

4D-Rückenoberflächen-Vermessung

Körperstatik

Körperstatik

Aber erstmal ging es noch weiter ins Detail. Nachdem mir am PC eindrücklich die Auswirkungen der Rückenstatik auf die Laufbewegung gezeigt wurde, stand ich selbst vor dem Scanner. Das aufgenommene Lichtmuster auf meinem Rücken wurde zu einem Modell verrechnet, das einige grundlegende Eigenschaften meines Körpers aufzeigten.

4D-Rückenoberflächen-Vermessung

4D-Rückenoberflächen-Vermessung

Mir war bekannt, dass meine Wirbelsäule nicht ganz gerade verläuft. Zumindest hat mich die Untersuchung an eine solche Aussage von vor zwanzig Jahren erinnert. Neu war mir allerdings die Verdrehung des Beckens. Die geringe Schiefstellung war noch im Toleranzbereich, aber die Verdrehung hat durchaus Auswirkungen.

Auswertung und Besprechung

Die Beinöffnung könnte grösser sein

Die Beinöffnung könnte grösser sein

Wieder am Auswertungsplatz, kam die ganze Wahrheit auf den Bildschirm. Den Winkel im Knie beim Fußaufsatz hatten wir ja schon. Hinzu kam noch, dass die Hüfte beim Fußabdruck leicht nach vorne kippt und ausserdem die Beinöffnung größer sein könnte. Schuld daran sei vermutlich eine Verkürzung der Oberschenkel- und vorderen Hüftmuskulatur. Beides für mich sehr nachvollziehbar. Die Dehnung dieser Muskelgruppen vernachlässige ich wirklich total.

Vermessen und bestätigt: rechts sinkt die Hüfte deutlich zu weit ab...

Vermessen und bestätigt: rechts sinkt die Hüfte deutlich zu weit ab…

Deutlich dramatischer war aber die Schiefstellung meines Beckens, wenn ich mich auf dem linken Fuß befinde. Mir selbst ist das auf dem Filmmaterial zunächst nicht aufgefallen, aber einmal darauf hingewiesen, war es fast schon schockierend. Ist die Hüfte auf der einen Seite noch halbwegs stabil, fällt sie auf der anderen Seite doch deutlich ab. Krass… Hätte ich so nicht vermutet und ist selbst glaube ich auch gar nicht festzustellen. Zumindest nicht, solange daraus noch kein ernst zu nehmendes Problem geworden ist.

Im Detail sieht man es noch besser

Im Detail sieht man es noch besser

Daher war es für mich natürlich auch sehr spannend, die Einschätzung des Experten zu hören. Für Bernd Winkels war auch der Armschwung ein Ansatzpunkt und er zeigte mir sofort auf dem Laufband die Auswirkungen einer Änderung. Ausserdem hat er mir dringend empfohlen, die Gesäßmuskulatur zu stärken – in der Hoffnung, dass diese früh genug aktiviert wird, um die Hüfte zu stabilisieren.

Auch hierfür gab es sofort ganz konkrete Übungsvorschläge, die er mir mit vollem Körpereinsatz demonstrierte. 😉 Jeder Läufer weiß, dass er Rumpfstabilisationsübungen machen sollte (oder doch nicht…?). Aber es macht einen großen Unterschied, wenn man spezifische Übungen für seine individuellen Schwächen gezeigt bekommt.

Übung für die Gesäßmuskulatur

Übung für die Gesäßmuskulatur


Sieht anstrengend aus... ;)

Sieht anstrengend aus… 😉

Das passende Theraband bekam ich gleich mit auf den Weg. Ausserdem zeigte er mir noch ein paar Übungen, die ich vor dem Lauf machen solle, um das Aufrichten des Oberkörpers zu unterstützen.

Vor dem Lauf: Aufrichten und Muskulatur aktivieren

Vor dem Lauf: Aufrichten und Muskulatur aktivieren


Das sah einfacher aus als es in der Bewegung ist...

Das sah einfacher aus als es in der Bewegung ist…

Fazit

Dokumentationsmappe mit einer Zusammenfassung aller Ergebnisse

Dokumentationsmappe mit einer Zusammenfassung aller Ergebnisse

In den gut 90 Minuten bei Bernd Winkels habe ich enorm viel über mich und meine Laufbewegung gelernt – und, dass man sich beim Laufen in Unterhose nicht filmen will… 😉 Er hat ganz konkrete Problemstellungen aufgezeigt und erklärt, so dass ich mich sehr gut beraten gefühlt habe. Ausserdem blieb es ja nicht nur bei der Analyse, denn die passenden Übungen, um die Probleme anzugehen, hat er mir auch sofort gezeigt. Ich weiss jetzt also nicht nur genau woran ich bin, sondern auch was ich konkret tun kann.

Bernd Winkels verpackt seine zwanzig Jahre Erfahrung während der Analyse in eine ruhige, lockere und sehr angenehme Atmosphäre. Erst im Anschlußgespräch ist mir klar geworden, wie anstrengend der Termin auch für ihn sein muss. Ganz offensichtlich ist diese Spezialisierung und diese Art der Arbeit mit Menschen seine große Leidenschaft. Daher hört die Unterstützung auch nicht bei der Analyse auf: zu seinen Mitarbeitern gehören auch eine Physiotherapeutin und ein Sportwissenschaftler, die mit den Erkenntnissen weiterarbeiten. Sollte ich meine Problempunkte also mit professioneller Hilfe angehen wollen, gibt es den richtigen Ansprechpartner direkt im Haus. Genau so wäre auch eine Einlagenversorgung (soweit notwendig) durch ihn möglich. Und passende Laufschuhe gibt es auch, denn er hat mit On-Running schon vor Jahren einen guten Partner gefunden. Wer andere Schuhe oder weitere Experten braucht, kann sicher mit Empfehlungen aus seinem Netzwerk rechnen.

Für mich war der Termin überaus lohnend und ich bin sehr froh darüber so eine Analyse frühzeitig gemacht zu haben – bevor Probleme aufgetaucht sind. Ich kann mir gut vorstellen im nächsten Jahr wiederzukommen, um mir die richtige Unterstützung beim Angehen meiner Problempunkte zu holen.