Seit einem Jahr benutze ich den Vitalmonitor Pro zur morgendlichen Prüfung meiner Herzratenvariabilität und habe sicherlich noch keine fünf Messungen versäumt. Das zeigt deutlich wie wertvoll die Erkenntnisse daraus für mich sind. Jetzt hat der Vitalmonitor einen kleinen Bruder bekommen: den FLOW HRV.

Produkttest

Pulse7 FLOW HRV

Herstellerlink
Pulse7 FLOW HRV
Preis
199 Euro
Aktiv getestet
4 Monate

Sponsored Post: Pulse7 hat mir den FLOW für diesen Test auf meine Anfrage hin zur Verfügung gestellt. Dies hatte keinen Einfluss auf den Inhalt meines Testberichts. Der Beitrag ist frei verfasst und gibt ausschließlich meine persönlichen Erfahrungen im Training wieder.

Review

Hintergrund

Der Körper passt durch autonome Regulation ständig die Herzfrequenz den momentanen Erfordernissen an. Bei Belastung steigt die Herzfrequenz und mit der Entspannung sinkt sie wieder. Die Anpassung findet quasi von Herzschlag zu Herzschlag statt. Das Maß der unterschiedlichen langen Zeit zwischen zwei Schlägen ist die Herzfrequenzvariabilität (HRV).

Eine hohe Variabilität deutet darauf hin, dass der Körper sehr gut in der Lage ist, seine Herzfrequenz anzupassen. Das geht normalerweise mit einem geringen Stresslevel einher, dessen Quelle unter anderem natürlich auch die sportliche Belastung durch Training ist. Ist die HRV gering, liegt wahrscheinlich eine Verarbeitung dieser Reize vor oder der Körper verarbeitet zum Beispiel eine Krankheit.

Die Messung der Herzfrequenzvariabilität kann also für einen Läufer Aufschluss darüber geben, ob der Körper bereit für neue Trainingsreize ist, oder die vorherigen noch verarbeitet – oder sogar eine Pause sinnvoll wäre, weil eine Erkrankung im Anmarsch ist.

Die Messung ist allerdings nicht ganz trivial. Eine Möglichkeit ist der Brustgurt, wie er zu vielen aktuellen Laufuhren dazu gehört. Die Messung der Gurte wird immer als „EKG-genau“ beschrieben. Doch ein echtes EKG wird weder aufgezeichnet noch ist die Pulsmessung nachvollziehbar.

Das Problem daran ist: Fehlmessungen sind nicht transparent. Ein EKG weist normalerweise mehrere charakteristische Zacken auf. Am deutlichsten zu erkennen ist die R-Welle – oder genauer: der QRS-Komplex. Darauf folgt irgendwann die T-Welle und kurz vor dem nächsten QRS-Komplex noch die P-Welle. Es gibt also grundsätzlich drei messbare Ausschläge. Der Vitalmonitor Pro gibt einen Einblick in diese Messung, weil er ein echtes EKG aufzeichnet.

Der FLOW HRV

Verpackung

Verpackung

Der neue FLOW HRV positioniert sich technisch zwischen einem echten EKG und herkömmlichen Brustgurten der Laufuhren-Hersteller. Die Technik darin ist spezialisiert darauf, die für die HRV-Messung kritischen R-Wellen zu erfassen.

FLOW HRV Brustgurt

FLOW HRV Brustgurt

Vom ersten Anschein her unterscheidet er sich allerdings nicht von seinen Kollegen. In der Verpackung findet man einen elastischen Brustgurt vor, in den der FLOW eingeklipst ist. Auf der Innenseite des Gurts gibt es die zwei bekannten Kontaktflächen, die ihren Dienst auf der Haut am Besten leicht angefeuchtet verrichten.

Mehr Anleitung braucht es nicht ;)

Mehr Anleitung braucht es nicht 😉

Der FLOW HRV wird mit einer herkömmlichen Knopfzelle betrieben, die eine halbe Ewigkeit halten sollte. Zumal die Messung immer nur wenige Minuten dauert.

Messvorgang

Startbildschirm der App

Startbildschirm der App

Wie beim Vitalmonitor wird zwischen zwei Messungen unterschieden: Morgenmessung und Statusmessung. Zur Kalibrierung des Gerätes – das bedeutet zur Anpassung an den eigenen „Normalzustand“ – wird eine tägliche Messung am Morgen empfohlen. Idealerweise immer zur gleichen Zeit und in der gleichen Position: sitzend mit angelehntem Rücken. Was sich ein wenig sperrig anhört, integriert sich sehr schnell in den Alltag. Ich messe mit dem großen Bruder ja bereits seit einem Jahr und dieser morgendliche Vorgang ist zu einem festen Ritual geworden.

Erster Teil der Messung

Erster Teil der Messung

Für die Messung selbst ist eine auf dem Handy installierte App notwendig, die per Bluetooth eine Verbindung zum Brustgurt herstellt. Diese lässt einmal am Tag eine Morgenmessung zu, aber jederzeit eine Statusmessung. Der Vergang selbst hat zwei Phasen: in der ersten atmet man ruhig und natürlich, in der zweiten gibt die App den Atemrhythmus vor. Nach etwa drei Minuten wird das Ergebnis präsentiert.

Zweiter Teil der Messung

Zweiter Teil der Messung

Im Gegensatz zum Vitalmonitor Pro läuft im unteren Bereich kein EKG mit, sondern eine Darstellung der gemessenen Pulswerte und deren Varianz. Somit lassen sich unsaubere Messungen auch ganz gut erkennen. Ich hatte zweimal deutliche Peaks ganz zu Anfang und konnte so entscheiden die Messung nochmal neu zu starten.

Messprotokoll

Als Einsteigergerät zeigt der FLOW HRV die Messergebnisse „nur“ auf 10% genau an. Alle Werte sind also in 10%-Sprüngen angegeben, während der Vitalmonitor hier auf 1 Prozent genau arbeitet.

Das Protokoll besteht aus sieben Werte. Ganz oben steht der Regenerationsstatus – eingeteilt in „erschöpft“, „regeneriert“ und „super-kompensiert“. Ein Regenerationsstatus von 100% entspricht dem Ende des Bereichs „regeneriert“, so dass auch mehr als 100% als Ergebnis möglich sind. Dann geht es in den Bereich der Super-Kompensation.

Auswertung der Messung

Auswertung der Messung

In der zweiten Zeile findet man die maximale Trainingsempfehlung für Ausdauerbelastungen. Diese reicht von Pause über die typischen Trainingsbereiche REG, GA1, GA2 und EB bis hin zu INT. Eine Markierung zeigt an, welche maximale Belastung der Körper nach Einschätzung des FLOW HRV im Moment verkraften kann. Das ist also keine Trainingsempfehlung, sondern eine Empfehlung für die Obergrenze. Steht also ein Grundlagenlauf auf dem Trainingsplan, der FLOW würde aber auch einen Lauf im Entwicklungsbereich zulassen, gibt es keinen Grund an dem Plan etwas zu ändern. Umgekehrt hat die Empfehlung schon häufiger zu Änderungen in meinen Plänen geführt. Ich habe aus Erfahrung gelernt auf den Vitalmonitor zu hören – und der FLOW gibt hier definitiv keine schlechteren Empfehlungen. Dazu später mehr.

Die nächste Zeile gibt eine ähnliche Empfehlung fürs Krafttraining. Damit habe ich mich ehrlich gesagt nicht besonders beschäftigt. Mir ist nur aufgefallen, dass die Empfehlungen zu Kraft und Ausdauer nicht immer überein stimmen. Manchmal wird ein hartes Krafttraining zugelassen, obwohl ich im Ausdauerbereich eher die Füße still halten sollte.

Der letzte Balken gibt Auskunft über den gemessenen Stress – psychisch bzw. physisch. Insgesamt ist es wie bei den anderen Werten schon so, dass man das Ergebnis bei einem halbwegs guten Körpergefühl tendenziell vorhersagen kann. Zumindest grob. Ich könnte natürlich nicht wie der FLOW sagen, ob ich bis in den Entwicklungsbereich gehen könnte/sollte oder nur bis GA2. Aber ob ein Ruhetag dran ist, oder ich einfach Vollgas geben kann, weiß ich auch ohne den Sensor.

Es folgen noch die Werte für Bio Age, Ruhepuls und Herzraten-Variabilität. Besonders die letzten beiden sind wirklich wertvoll für die tägliche Kontrolle. Darüber hinaus kann man manuell sein Gewicht, die Schlafdauer, Schlafqualität, aktuelles Befinden, Arbeitsbelastung und die Intensität des letzten Trainings festhalten. Das ist schnell gemacht und gibt später wichtige Hinweise für die Interpretation – genau wie das abschließende Kommentarfeld.

Im Gegensatz zum Vitalmonitor werden die Messdaten des FLOW HRV nicht an das hauseigene Online-Portal geschickt und stehen somit nur in der App zur Verfügung. Daran gekoppelt besteht auch nicht die Möglichkeit einem Trainer seine Daten zugänglich zu machen.

FLOW HRV und Vitalmonitor im Vergleich

FLOW HRV und Vitalmonitor im Vergleich

FLOW HRV und Vitalmonitor im Vergleich

Pulse7 positioniert die beiden Geräte unterschiedlich. Während der Vitalmonitor ein echtes Profigerät ist mit EKG, hoher Genauigkeit, Online-Portal und der Möglichkeit dort einen Trainer einzubinden, wird der FLOW HRV als Einsteigergerät verkauft. In der Praxis macht das für mich allerdings keinen Unterschied.

Ich habe beide Gerät jetzt vier Monate im direkten Vergleich genutzt und die Messungen parallel und gleichzeitig gemacht. Das bedeutet beide Brustgurte gleichzeitig zu tragen und zwei Handys mit der Pulse7-App in der Hand zu haben… In den ersten vier Wochen gab es immer mal wieder Tage, in denen der FLOW leicht abweichende Empfehlungen gab. Er sah also zum Beispiel ein Training im Bereich GA1, während der Vitalmonitor GA2 anzeigte. Nach dem ersten Monat sind die Ergebnisse allerdings ausnahmslos identisch gewesen! Das heisst, auch wenn die Messungen des FLOW auf 10% „gerundet“ sind, ist das Ergebnis absolut mit dem Vitalmonitor Pro vergleichbar.

Meine Meinung

Der FLOW HRV steht dem grossen Bruder in nichts nach. Trotz geringerer Genauigkeit sind die Ergebnisse absolut vergleichbar und kein Stück schlechter. Wer auf die Online-Plattform verzichten kann, bekommt für die Hälfte des Preises ein überzeugendes Produkt.

Bewertung
HRV-Messung mit dem FLOW HRV
9.5von 10 Punkten
Qualität10
Funktion10
Aussehen9
Preis / Leistung9