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Seit meinem Bericht über den Stryd Pioneer (Brustgurt) ist fast ein Jahr vergangen. In dieser Zeit stand die Entwicklung der Powermeter für Läufer nicht still. Daher gibt es viel Neues zu berichten.

Entwicklungen bei Stryd

Vom Brustgurt…

Mit dem Stryd-Pioneer-Brustgurt hatte Stryd ja bereits die zweite Version eines Wattmessers auf den Markt gebracht. War das ursprüngliche Crowd-Funding-Projekt noch als Clip für die Laufhose gedacht, verbesserte man mit dem dann ausgelieferten Brustgurt die Qualität der auszuwertenden Bewegungsdaten und brachte die gleichzeitige Messung der Herzfrequenz als zusätzlichen Bonus mit ein. Schließlich war man sowieso mit einem Brustgurt unterwegs und durch die Kompatibilität mit den Funkstandards Bluetooth und ANT+ konnte der Stryd Pioneer quasi jeden Pulsgurt ersetzen.

Cool… Ich bin sowas von gespannt auf dieses Ding! 😀 #stryd #laufen #running #harlerunner

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…zum Footpod

Es hat nur ein Jahr gedauert, bis Stryd seine Weiterentwicklung und derzeit aktuelle Version des Leistungsmessers vorstellte: den Stryd Summit. Das Gerät ist jetzt ein Footpod, wird also am Laufschuh getragen. Auch die gelieferten Metriken unterscheiden sich etwas vom Pioneer (dazu später mehr).

Produkttest

Stryd Summit Footpod

Herstellerlink
Stryd Summit Footpod
Preis
ab ca. 220 Euro
Aktiv getestet
seit Februar 2017

Hinweis: Ich habe den STRYD Summit ganz regulär beim Hersteller gekauft. Der Beitrag ist frei verfasst und gibt ausschließlich meine persönlichen Erfahrungen wieder.

Review

Erster Eindruck

STRYD Summit Footpod

STRYD Summit Footpod

Der STRYD Summit kommt in einem kleinen „Schneewittchensarg“ und ist darin richtig in Szene gesetzt. Entsprechend den Höhenlinien eines Berges (Summit = Berggipfel) entwickelt sich nicht nur die Oberfläche des Footpods, sondern auch die der Verpackung.

STRYD Summit Footpod

STRYD Summit Footpod

Der helle Fleck in der Mitte ist eine LED, die Auskunft über die erfolgreiche Verbindung mit dem Summit gibt und als Status-LED beim Ladevorgang dient. Bei den neueren Modellen ist die Fläche mittlerweile etwas anders gestaltet, so dass nur noch ein Lichtspalt zu sehen ist.

Inhalt der Verpackung

Inhalt der Verpackung

Unter dem eigentlichen Footpod verbirgt sich das mitgelieferte Zubehör. Neben zwei Clips zur Befestigung des STRYD am Schuh ist das vor allem das Ladegerät mit zugehörigem USB-Kabel.

Lieferumfang

Lieferumfang

Den (kontaktlosen) Ladevorgang zeigt der STRYD über das Dauerleuchten der LED an. Ist der Footpod aufgeladen, erlischt das Leuchten. Die Ladetechnologie ist Qi-konform. Das bedeutet, dass der STRYD Summit auch mit jedem anderen Qi-Ladegerät aufgeladen werden kann.

STRYD auf Ladegerät

STRYD auf Ladegerät

Befestigung am Schuh

Positionierung
STRYD wird an der Schnürung des Laufschuhs befestigt. Die weist oft so viele Schlaufen auf, dass man den Footpod an verschiedenen Stellen montieren könnte. Angeblich soll eine besonders hohe Position (also nah an der Schleife) die besten Ergebnisse liefern, aber dagegen spricht leider häufig die Befestigungslasche der Zunge. Auch am unteren Ende der Schnürung gibt es manchmal eine Mittellasche, die eine Befestigung erschwert. Man sollte den Footpod auf jeden Fall immer möglichst gleich auf allen Schuhen positionieren, weswegen sich eigentlich nur eine Befestigung ungefähr in der Mitte der Schnürung eignet.

Sicher befestigt

Sicher befestigt

Ausserdem sollte man nicht zwischen linkem und rechtem Schuh wechseln. Einmal festgelegt, sollte STRYD am selben Fuß bleiben. Es gibt immer Asymmetrien in der Bewegung der beiden Füße, daher könnte ein Wechsel eine (leichte) Veränderung der gelieferten Daten bedeuten.

Befestigung am Schuh

Befestigung am Schuh

Befestigung
Der STRYD Footpod sollte immer so an der Schnürung befestigt sein, dass er sich mit der Hand keinen Millimeter bewegen lässt. Bei ganz dünnen Schnürsenkeln kann das dazu führen, dass man den Clip untere mehrere Schlaufen schieben muss, damit die nötige Haltekraft gegeben ist.

Mehr Schlaufen – mehr Sicherheit (und Genauigkeit)

Sollte der Summit zu viel Bewegungsfreiheit haben, kann das die Ergebnisse enorm verfälschen. Ich habe schon Läufe gehabt, da schwankten die Werte um 50 Watt un mehr. Schuld war nur die Befestigung am Schuh. Mit einer Schlaufe mehr unter dem Clip konnte es mit sauberen Wattwerten weiter gehen.

Funktionsumfang

Watt kann der Footpod denn? 😉 Sorry, der musste sein… Natürlich „mißt“ der Stryd Summit die beim Laufen aufgebrachte Leistung in Watt. Zusammen mit der Schrittfrequenz (cadence) und der Bodenkontaktzeit (ground contact time) sind das die drei Metriken, die auch schon der Pioneer beherrschte. Dafür ist natürlich die Herzfrequenz weg gefallen und auch die vertikale Bewegung (vertical oscillation).

Distanz und Pace
Viel spannender ist allerdings, was neu hinzu gekommen ist: der Stryd Summit überträgt jetzt auch Distanz und Pace an die Uhr. Bisher wurden Footpods dazu genutzt, um unter Einbeziehung des GPS-Signals und der Schrittfrequenz bessere Ergebnisse in der Messung zu erzielen. Also zum Beispiel, um bei schlechtem GPS-Empfang trotzdem eine realistische Pace-Angabe zu haben. Oder um schneller ein Feedback bei schnellen Tempowechseln zu haben.

Der Stryd Footpod liefert allerdings Pace und Distanz unabhängig vom GPS-Signal! Das heisst: Stryd liefert diese Werte auch Indoor oder bei schlechtem GPS-Empfang (Stadt-Marathons!). Nach eigenen Aussagen liegt die Genauigkeit dabei unkalibriert mindestens gleichauf mit dem GPS-System. Erfahrungswerte von Benutzern aus dem Stryd Club scheinen sich häufig in der Größenordnung von wenigen Prozent Abweichung bei der Distanz von vermessenen Strecken zu bewegen. Bei größeren Abweichungen scheint ein Kalibrierungsfaktor die Werte in den richtigen Bereich bringen zu können. Fellrnr listet den Stryd Footpod nach eigenen Tests als das genaueste Gerät zur Messung von Distanz und Pace.

Nach meinen eigenen Messungen liegt die Genauigkeit wirklich sehr nah an den GPS-Werten: Abweichungen von unter 0,1% sind eher der Normalfall als die Ausnahme. Durchschnittlich komme ich auf etwa 0,5%, die Stryd zu kurz misst. Allerdings gibt es auch seltene Ausnahmen, die bis zu 2% über den GPS-Werten liegen. Im direkten Vergleich (zum Beispiel über das Fit File Repair Tool) ist zu sehen, dass die Ungenauigkeit sogar eher auf Seiten des GPS zu suchen ist, denn immer mal wieder gibt es kleine Peaks in der Pace, die der Footpod nicht hat. Das Ergebnis finde ich phänomenal und hat bereits dazu geführt, dass ich mich bei allen Läufen nur noch auf Pace und Distanz des Stryd verlasse.

Form Power
Hinzu gekommen ist beim Stryd Summit auch die Angabe der Form Power. Sie ersetzt quasi die Messung der vertikalen Bewegung und drückt nicht mehr die Oszillation in Zentimetern aus. Vielmehr geht es um die Leistung, die vom Läufer aufgewendet werden muss, ohne dabei am Vortrieb beteiligt zu sein. Dazu gehört auch der Leistungsaufwand für die Vertikalbewegung.

Leg Spring Stiffness (LSS)
Neben der Bodenkontaktzeit ist die „Steiffigkeit der Beinfeder“ (schlecht übersetzt…) ein Wert, der anscheinend sehr gut mit Laufeffizienz und Leistungsfähigkeit korreliert. Die Feder wird hierbei durch die Muskeln und Sehnen des Fußes gebildet, der gerade auf den Boden aufkommt. Je stärker diese Feder (vor-)gespannt ist (und je höher der LSS-Wert ist), desto weniger Energie muss beim Abdruck aufgewendet werden, um die Geschwindigkeit beizubehalten.

Weitere Unterschiede zwischen Pioneer und Summit

Watt ist nicht gleich Watt
Ein wichtiger Unterschied zwischen der Leistungsmessung bei Läufern und der bei Radfahrern ist, dass Stryd keine absoluten Watt-Werte liefert. Es wird schließlich nicht direkt eine Kraft gemessen, sondern diese per Beschleunigungssensoren und schlauer Formeln errechnet.

Dadurch sind die Watt-Werte verschiedener Läufer nicht 100% vergleichbar – und leider auch nicht die Werte von Brustgurt und Footpod. 🙁 Bei mir ergab sich zunächst eine Differenz von 20-25 Watt, die sich durch eine Kalibrierung des Brustgurtes auf 10-15 Watt reduzieren ließ. Trotzdem bedeutet das natürlich, dass man Stryd Pioneer und Stryd Summit nicht im Wechsel benutzen sollte, wenn man seine Leistungsentwicklung erfassen will.

Mir stellt sich da natürlich die Frage: wären denn die Werte zweier Footpods beim gleichen Läufer identisch? Sprich: was passiert, wenn mein Summit defekt ist und ausgetauscht werden muss? Sitze ich dann plötzlich auf Monaten aufgezeichneter Daten, die nicht weiter zu verwenden sind?! Mit dem neuen RunScribe Plus ist gerade auch ein neuer Pod (eigentlich gleich zwei…) auf den Markt gekommen, der auch die Laufleistung messen (berechnen…) kann. Derzeit liegen die Watt-Werte deutlich neben denen des Stryd. Ein Wechsel des Produkts würde also zu einem Bruch bei den Daten führen.

Akkulaufzeit
Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Stryd-Geräten ist die Stromversorgung. Wurde der Pioneer noch herkömmlich mit einer (selbst zu wechselnden) Knopfzelle versorgt, verfügt der Summit über einen eingebauten Akku, der kontaktlos über die mitgelieferte Station aufgeladen wird.

Bei einem Brustgurt mit Knopfzelle muss man sich um einen Austausch monate- bis jahrelang keine Gedanken machen. Beim Stryd Footpod sollte man das Aufladen ca. einmal in der Woche nicht vergessen, sonst kommt halt ohne Vorwarnung nichts bei der Uhr an…

Garmin, Suunto und Polar

Nachdem der Pioneer ursprünglich nur von Suunto-Uhren unterstützt wurde, ist das Laufen mit Wattmesser mittlerweile bei allen Herstellern als Thema angekommen. Allerdings gibt es feine, aber wichtige Unterschiede in der Unterstützung.

Suunto
Suunto unterstützt auch den Stryd Summit nativ. Das bedeutet, dass man „Watt“ genauso wie „Pace“ oder „Herzfrequenz“ verwenden kann. Die Leistung kann beliebig oft auf den frei konfigurierbaren Anzeigeseiten der Uhr platziert werden, man kann sich Watt pro Runde, die durchschnittliche Wattzahl usw. anzeigen lassen. Dafür sind alle weiteren von Stryd gelieferten Metriken derzeit nicht verfügbar. Ausserdem bleibt die gleichzeitige Nutzung von Stryd als Pace- und Leistungsquelle den Spartan-Modellen vorbehalten. Die gute, alte Ambit3 verarbeitet entweder das eine, oder das andere (frei wählbar).

Polar
Auch Polar hat kürzlich durch ein Firmware-Update seine V800 stryd-fähig gemacht. Genau so wie bei Suunto wird die Laufleistung dabei nativ unterstützt – mit allen oben genannten Vor- und Nachteilen.

Garmin
Bei Garmin läuft der Hase komplett anders. 😉 Man kann Stryd als „normalen“ Footpod koppeln und ihn damit auch als Pace-Quelle konfigurieren. Bei den Uhren, die grundsätzlich auch mit Bike-Powermetern arbeiten können (Triathlon-Modelle wie die Forerunner 735XT, Forerunner 935 oder die ganzen Fenix-Modelle), steht auch die Leistung in Watt zur Verfügung – allerdings nur im Bike-Modus nativ! Startet man eine Laufeinheit, muss man einen etwas anderen Weg gehen, um Stryd voll nutzen zu können.

Mit Connect IQ hat Garmin bei allen neuen Uhren eine Plattform am Start, die Erweiterungen der Uhrenfunktionen möglich macht. Für den Stryd gibt es ein Datenfeld, dass die Leistungswerte des Footpods für Läufer darstellt und gleichzeitig noch alle anderen Stryd-Metriken im Fit-File abspeichert. Und das ist derzeit auch der einzige Weg, wie man über die Verbindung zu einer Laufuhr alle Stryd-Daten aufzeichnen kann.

Angeblich arbeitet Garmin bereits daran Leistungsmesser wie den Stryd auch im Laufmodus nativ zu unterstützen. Ein erster Vorstoß des Herstellers in Richtung „Laufen mit Watt“ nutzt aber wohl erstmal den Weg über die CIQ-Apps. Ich bin gespannt, wie sich das weiter entwickelt.

Stryd PowerCenter

Grundsätzlich besteht auch die Möglichkeit den Stryd Summit ohne Verbindung zu einer Laufuhr zu benutzen. Dazu kann man eine Laufeinheit zum Beispiel über die Stryd-App auf dem Handy starten und aufzeichnen. Die Daten werden anschließend zur Herstellerplattform, dem „PowerCenter“, übertragen und können dort ausgewertet werden.

Man kann den Stryd-Footpod auch so konfigurieren, dass er alle Bewegungsdaten eines Laufs in den internen Speicher schreibt. Diese können dann nachträglich über die App ausgelesen und ins PowerCenter übertragen werden. Das geht auch, wenn man den Stryd an eine Laufuhr gekoppelt hat. So hat man noch eine unabhängige Datenquelle, wenn die Uhr (aus welchem Grund auch immer) Unsinn aufgezeichnet hat. Leider habe ich davon schon mehr als ein Mal Gebrauch machen müssen…

Zum PowerCenter selbst kann ich gar nicht so viel sagen, denn ehrlich gesagt benutze ich es nicht. Daher kann ich auch nicht beurteilen wie hilfreich die dort angebotenen Analysewerkzeuge sind. Es wird zum Beispiel für jeden Lauf ein Running Stress Score (RSS) auf Basis der Powerdaten ermittelt, der zur Trainingssteuerung dienen könnte. Weitere Auswertungen sehen vielversprechend aus, sind aber (so meine Einschätzung) eher noch in der Entwicklung.

Stryd PowerCenter Stryd PowerCenter Stryd PowerCenter Stryd PowerCenter

Schlussbemerkung

Ich kratze hier nur an der Oberfläche von dem, was das kleine Gerät leisten kann, wenn man sich auf das „Laufen mit Watt“ wirklich einlässt. Daher habe ich mich auch erstmal nur an das Nötigste gehalten. Quasi eine Kurzvorstellung des STRYD. Welche Auswirkungen STRYD auf mein Training und meine Wettkämpfe hat, werde ich nach und nach in einigen Praxisbeispielen beschreiben, die sich unter dem Tag „Stryd“ hier auf dem Blog finden lassen werden.

Informationsquellen

Wer sich jetzt schon weiter in das Thema einlesen will, sollte sich folgende Quellen mal genauer ansehen:
STRYD Club (Support-Forum für User)
Facebook Stryd Community
Stryd Community deutsch
Michael Arends Videoreihe „Trailrunning mit Watt“
Laufen mit Watt – Offizieller Händler für Stryd in Deutschland
Buch: Jim Vance „Run with Power“ / „Wattmessung für Läufer“ *
Buch: Hans van Dijk und Ron van Megen „The Secret of Running“ / „Das Geheimnis des Laufens“ *

Besonders für den Einstieg empfehlen kann ich ein neues Video von Michael Arend, in dem er die Grundlagen zum Laufen mit Watt wirklich gut und anschaulich erklärt:

Bewertung

Meine Meinung: Ausprobieren!

Stryd ist der Pionier bei den Wattmessern für Läufer und hat Standards gesetzt. Die Entwicklung geht sicher in die Richtung weiter, doch jedes neue Gadget wird sich auf absehbare Zeit an dem Stryd Footpod messen lassen müssen. Wer den Einstieg ist dieses spannende Thema wagen will, kann also bedenkenlos zu dem Summit greifen. Dahinter steht auch eine sehr aktive Community und ein ebenso aktives Entwicklerteam!

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