Kann Laufen eine Art der Meditation sein? Ist Meditation auch in der Bewegung möglich? Meditation und Laufen müssen für Sakyong Mipham keine getrennten Tätigkeiten sein.

Sponsored Post: Der Verlag hat mir auf meine Anfrage hin ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Dies hatte keinen Einfluss auf den Inhalt meines Artikels. Der Beitrag ist frei verfasst und gibt ausschließlich meine persönliche Meinung wieder.

Hintergrund

Ich lese nicht mehr so viel Bücher, wie ich es früher mal gemacht habe. Für viele Themen hat das Internet das Buch als verlässliche und aktuelle Informationsquelle abgelöst – jedenfalls für mich. Es gibt da aber zwei Ausnahmen: das fundierte Fachbuch und (ich nenne es mal) zeitlose Bücher. Die Fachbücher in meinem Regal sind entweder berufsbezogen oder haben mit dem Sport zu tun. Die Bücher aus der zweiten Kategorie beschäftigen sich mit Zen-Buddhismus und verwandten Themen. Sie nehmen den weitaus größten Teil meiner Bibliothek ein.

Auf das Buch “Running Buddha* war ich also sehr gespannt. Schließlich verspricht es die beiden Bereiche Meditation und Laufen zu verbinden. “Laufend zu sich selbst finden” verspricht der Untertitel und ein kleiner Zusatz sagt, es sei “das andere Meditationsbuch”. Ist es nun also ein Laufbuch oder ein Meditationsbuch? Um es gleich vorweg zu nehmen: ja. 😉

Sakyong Rinpoche Mipham: "Running Buddha"

Sakyong Rinpoche Mipham: “Running Buddha”

Worum geht es in dem Buch?

Sakyong Mipham versteht es beide Welten nicht nur gleichwertig nebeneinander zu stellen, sondern so miteinander zu verweben, dass eigentlich keine Trennung mehr statt findet. Meditation ist Laufen. Laufen ist Meditation. Dazu schöpft er aus seiner eigenen Erfahrung als Meditierender und als Marathon-Läufer. Behutsam nimmt er den Leser in beide Erfahrungswelten mit und stellt sehr anschaulich die Gemeinsamkeiten dar.

Der erste Teil des Buches führt langsam in die Themen ein und enthält rudimentäre Anleitungen für die Meditation und das Laufen. Im weiteren Verlauf übernimmt er die in seiner Meditationstradition überlieferten vier Stufen der Entwicklung, um diese Schritte sowohl für die Meditation als auch für das Laufen anschaulich darzustellen. Schließlich löst er die Trennung dieser beiden Disziplinen mehr und mehr auf und entlässt den Leser in die so gefundene Freiheit, die am Ende des Weges steht.

Meine Meinung

Ich konnte Sakyong Mipham in seinen Gedankengängen sehr gut folgen. Die nahe Verwandschaft von Meditation und Laufen war mir auch vorher schon sehr bewusst. Auch die Übertragung der Entwicklungsphasen von der Meditation auf das Laufen fand ich sehr passend. Ich glaube, das ihm da jeder erfahrene Läufer gut folgen kann – auch wenn er mit der Meditation nichts am Hut hat. Gleichzeitig öffnet das Buch für den (Sitz-)Meditierenden vielleicht eine neue Welt durch die Meditation in Bewegung.

Ist es also nun ein Buch für Läufer oder für Meditierende? Ich glaube am meisten profitiert der Leser von der Lektüre, der mit beiden Bereichen bereits etwas anfangen kann.