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Der Venloop ist schon fast legendär. Eine riesen Party soll da abgehen – doch ich war noch nie da. Bis heute! Und die Premiere habe ich gleich mit einem Weltrekord gekrönt. 😉

Training

Der Halbmarathon beim Venloop stand schon seit dem letzten Jahr im Plan. Trotzdem tauchte der Termin fast schon unpassend in der konkreten Trainingsplanung 2017 auf. Nachdem ich über den Winter wirklich gut und konsequent nur Grundlagentraining gemacht hatte, blieben nur noch ca. 8 Wochen für die Aufbauphase vor dem Lauf.

Das war im Grunde auch ok, denn so früh im Jahr wollte ich eh keine Höchstleistungen anstreben. Nach vier Wochen mit 400er und 800er Intervallen, habe ich noch vier Wochen Tempo- bzw. Schwellenläufe angehängt. Wobei die Phase eher halbherzig war. Der Coesfelder Heidelauf musste da schon als Trainingseinheit zählen, um überhaupt genug Einheiten zusammen zu bekommen.

Trotzdem prognostizierte mir Runalyze eine Halbmarathonzeit von ca. 1:40h, was meiner bisherigen Bestzeit entspricht. Ganz so schlecht im Training lag ich also doch nicht. Und nachdem mein Laufbuddy Norbert in Frankfurt die 100 Minuten deutlich unterboten hatte, wollte ich doch mal wissen, ob ich das nicht auch schaffe – zumal er mir beim Venloop im Nacken sitzen würde. 😉

Anreise

Venlo ist von uns aus nur knapp 90 Minuten entfernt. Kaum das Ruhrgebiet erreicht, geht es auch schon über die Grenze. Venlo ist dann nur noch ein Katzensprung. Da wir beide noch nicht dort waren, steuerten wir einen der beiden großen Parkplätze mir Shuttle-Transfer an. Der Parkplatz war zwar schon voll, aber die Holländer hatten ein Lösung dafür: Parken am Straßenrand. Kilometerlang… Trotzdem waren wir sehr zeitig im Startbereich und konnten uns noch ein wenig umsehen.

Venloop 2017

Venloop 2017

Vor dem Start

Da ist Eddie!!!

Da ist Eddie!!!

In dem ganzen Trubel war nicht zu erwarten, eines der erhofften bekannten Gesichter zu entdecken. Aber schon nach kurzer Zeit ist mir Eddie in die Arme gelaufen und wir konnten ein wenig quatschen. Das haben wir auch beim Anstellen in die Toilettenschlange fortgesetzt, denn nach der Autofahrt hatte ich ein dringendes Bedürfnis… Doch es ging nicht so richtig voran und die Zeit wurde immer knapper. Wir mussten auch noch zurück zu den Schließfächern und Norbert musste sich noch umziehen. Also haben wir uns etwas abrupt von Eddie verabschieden müssen – unverrichteter Dinge.

Beim Hersteller des Laufschuhs waren wir uns einig

Beim Hersteller des Laufschuhs waren wir uns einig

Vor dem Start

Vor dem Start

Fünf Minuten vor dem Start standen wir dann – halbwegs warm gelaufen – in der Startzone. Allerdings gab es ein kleines Upgrade, weil der Bereich für die Läufer „1:30-1:45“ schon so voll war. Schneller als 1:30 sind anscheinend nicht so viele, den dort war noch Platz. Natürlich lag auf dem Weg zum eigentlichen Start noch ein Kreisverkehr, vor dem eine Sambatruppe Stimmung machte.

Startzone

Startzone

Dort traf ich auch Benjamin, der mit den Tide Runners aus Hamburg unterwegs war. Viel Zeit war allerdings nicht, da ganz vorne wohl schon der Startschuss gefallen war.

Start

Die Absprache war ja eigentlich, dass wir mit einer Pace von ca. 4:50 min/km ins Rennen gehen und mal sehen wie es so läuft. Für eine neue Bestzeit würde das nicht reichen, also war ich von Anfang an schneller unterwegs. Das bedeutete – je nach Möglichkeit – auch mal mit 4:30 min/km. Denn gerade auf den ersten Kilometern war es doch oft eher eng und man konnte nicht überholen. Das musste dann natürlich aufgeholt werden.

Nachdem ich gut warmgelaufen war, habe ich die Watt-Anzeige gecheckt. Der Stryd-Summit-Footpod zeigte irgendwas um die 300 Watt an. Daran wollte ich mich im Weiteren orientieren, um auf den Steigungen nicht zu viel Kraft zu verschenken. So gab es auch Abschnitte mit 5:30 min/km bergauf und 4:10 min/km bergab. Gerade bei den langgestreckten und damit fast unmerklichen Steigungen war das enorm hilfreich, weil ich immer im gleichen Belastungsbereich bleiben konnte. Nach Pace und Herzfrequenz wäre das kaum möglich gewesen. Dem entsprechend schwankt meine Watt-Kurve bis kurz vor dem Ziel auf nur geringfügig um die 300 Watt herum.

Nachdem ich die letzten Halbmarathon-Wettkämpfe immer ohne Trinken oder Gels gelaufen war, wollte ich das diesmal anders angehen. Ich hatte mir also zwei Gels eingesteckt, die bei Kilometer 7 und 14 eingeplant waren. Natürlich passte das nicht so richtig zu den Verpflegungsstellen, aber es gab hin und wieder auch inoffizielle. Somit hatte ich gerade mein erstes Gel intus als Wasserflaschen gereicht wurden. Davon habe ich bestimmt 200 ml getrunken und alles war gut.

Zwischendurch hatte ich immer mal wieder das Gefühl, Norbert verloren zu haben. Trotz Schulterblick rechts und links war er nicht zu sehen. Abgehängt? Verdammt… Doch auf der langen Steigung zur Autobahnbrücke bei Kilometer 14 war er dann wieder dran. Ich hatte mich wieder an der Wattzahl orientiert und die Pace raus genommen. Auch die Gruppe um Benjamin schloss wieder auf und überholte sogar, nachdem ich erst kurz vorher nach einem kurzen Plausch vorbeigezogen war.

Das zweite Gel ging nicht ganz so gut runter. Es fehlte vor allem auch das Wasser, denn trotz Gehpause zum Trinken an der Verpflegungsstelle habe ich nicht viel runter bekommen. Das rächte sich kurz darauf mit Aufstossen und Alarmreaktionen des Körpers. Fast schon hätte es mich wie in Münster erwischt, aber ich hatte das Gel zum Glück erst teilweise geschluckt und wusste, dass die nächste Wasserstelle nicht weit entfernt war. Dort habe ich nochmal ausreichend getrunken, was mir wirklich gut tat. Echt ärgerlich, denn vom Gefühl her hätte ich das Gel nicht unbedingt gebraucht…

Letztes Drittel

Etwa ab Kilometer 16 wurden die Beine doch etwas schwer. Dank dem Connect iQ Race Screen auf meiner Forerunner 735XT war ich ziemlich genau im Bilde, was meine mögliche Zielzeit anging. Es schwankte so um die Bestzeit, aber ein Puffer war da definitiv nicht drin. Die letzte Brücke bei Kilometer 19 war nochmal echt schwierig, aber als es wieder bergab ging, konnte ich einiges an Zeit gut machen.

Kilometer 20 habe ich mit etwa 4:30 min/km passiert und war guter Dinge, dass es klappe müsste mit dem Weltrekord. Norbert schien nun schon seit einiger Zeit definitiv nicht mehr in meinem Windschatten zu sein. Dafür waren die Tide Runners immer in Blickweite, was ganz hilfreich war. Offensichtlich hatte sie eine ähnliche Zeit im Blick.

Die letzte Schleife durch die Innenstadt zog sich ganz schön… Wie lang doch ein Kilometer werden kann, wenn man eigentlich schon an der Grenze läuft. Ich musste zwischendurch sogar leicht an Tempo raus nehmen, um dann aber doch noch mit 4:20 min/km über die Ziellinie rasen zu können.

Ziel

Fix und fertig im Ziel

Fix und fertig im Ziel

Meine Uhr zeigte 1:39:27 an. Es musste also für eine offizielle Zeit unter 1:40h gereicht haben! Wahnsinn! Während ich mir den Rest des Gels und etwas Wasser zuführte, kam Norbert auch schon ins Ziel. Wie sich nachher herausstellte, ist er nur denkbar knapp über den 100 Minuten geblieben. Aber mit einer Zeit von 1:38:32 in Frankfurt hatte er sich heute auch sicher nichts zu beweisen. Und ich bin mit meiner offziellen 1:39:22 auch wirklich sehr zufrieden.