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DIY-Energy-Gel selber machen: Warum Maltodextrin, Fructose und Pektin die einzig sinnvolle Basis sind

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Ich mache meine Sportgels seit über einem Jahr selbst — und meine letzten gekauften Tuben verstauben gerade im Schrank, weil ich sie einfach nicht mehr brauche. Der Weg dahin war aber nicht „einfach Zutaten aus dem Supermarkt mischen“. Ich bin über Haushaltszucker, Agavendicksaft und Gelierzucker gestolpert, bevor ich verstanden habe, warum an Maltodextrin, reiner Fructose und Pektin eigentlich kein Weg vorbeiführt ;)

Wer sich mit Sporternährung beschäftigt, kommt an einem Begriff nicht vorbei: dem 2:1-Verhältnis von Glucose zu Fructose. Das ist kein Marketing-Gag der Gel-Hersteller, sondern schlicht Physiologie — Glucose und Fructose werden im Dünndarm über unterschiedliche Transporter aufgenommen (SGLT1 für Glucose, GLUT5 für Fructose). Nutzt man beide gleichzeitig, kann der Körper deutlich mehr Kohlenhydrate pro Stunde verarbeiten als mit einer einzelnen Zuckerart — bis zu 90–120 g/h statt der sonst üblichen ~60 g/h. Für längere Läufe ist das bares Tempo.

Die naheliegende Frage: Warum dann nicht einfach Zutaten aus dem Küchenschrank nehmen? Ich habe genau das versucht — und bin an der Chemie gescheitert, nicht an der Küche.

Warum Haushaltszucker nicht funktioniert

Der erste Griff geht meistens zum Haushaltszucker, weil er billig, überall verfügbar und einfach ist. Chemisch ist Haushaltszucker aber Saccharose — ein Zweifachzucker, bei dem ein Glucose- und ein Fructose-Molekül fest aneinandergebunden sind. Das Verhältnis liegt bei exakt 50:50, also 1:1 — und das lässt sich nicht verändern. Man kann Zucker nicht „entmischen“.

Rechenbeispiel: 100 g Haushaltszucker enthalten 50 g Glucose und 50 g Fructose. Für das gewünschte 2:1-Verhältnis bräuchte man aber doppelt so viel Glucose wie Fructose. Mit reinem Haushaltszucker ist das Verhältnis fix bei 1:1 — man müsste zusätzliche reine Glucose oder reine Fructose beimischen, um überhaupt in Richtung 2:1 zu kommen. Mit Haushaltszucker allein bleibt man bei jeder Menge und jeder Verdünnung bei 1:1. Punkt.

Warum Agavendicksaft das Problem nicht löst, sondern umdreht

Agavendicksaft klingt nach der natürlichen, „gesünderen“ Alternative — und wird in vielen DIY-Rezepten im Netz auch so verkauft. Das Problem: Agavendicksaft besteht, je nach Verarbeitungsgrad, zu 70–90 % aus Fructose und nur zu 10–25 % aus Glucose. Das ist fast das exakte Gegenteil dessen, was man für ein Sportgel braucht.

Rechenbeispiel: Bei einem angenommenen Fructose-Anteil von 75 % enthalten 100 g Agavendicksaft ~75 g Fructose und ~25 g Glucose — also ein Verhältnis von 1:3 zugunsten der Fructose. Für ein Sportgel bräuchte man aber 2 Teile Glucose auf 1 Teil Fructose. Man müsste also die dreifache Menge an zusätzlicher Glucose beimischen, um das Verhältnis nur umzudrehen — von den Kalorien und der Süße, die man sich damit einhandelt, ganz zu schweigen. Agavendicksaft ist mit Blick auf 2:1 im Grunde die am wenigsten geeignete Zuckerquelle überhaupt, die einem im Supermarkt begegnet.

Ein weiterer Punkt: zu viel unverdünnte Fructose auf einmal (>25–30 g pro Stunde) kann bei vielen Läufern Magen-Darm-Probleme auslösen, weil die passive Aufnahme über GLUT5 langsamer ist und leicht überfordert wird. Agavendicksaft treibt einen genau in diese Richtung, statt davon weg.

Warum Gelierzucker eine charmante, aber falsche Idee ist

Die dritte Idee, auf die ich gestoßen bin: Gelierzucker, weil er ja „Pektin“ bereits enthält und damit das Geliermittel gleich mitliefert. Klingt praktisch — ist es aber nicht, wenn man genauer hinschaut.

Gelierzucker (auch die 2:1- oder 3:1-Variante) besteht zu 95–97 % aus reinem Haushaltszucker, dazu ein kleiner Anteil Pektin und Säuerungsmittel. Die Zahlen „2:1“ oder „3:1“ auf der Packung beziehen sich übrigens nicht auf ein Zucker-Verhältnis, sondern auf das Mischverhältnis von Frucht zu Zucker beim Marmeladekochen — mit Sportgel-Chemie hat das gar nichts zu tun.

Rechenbeispiel: 100 g Gelierzucker 2:1 enthalten also weiterhin ~95 g Saccharose — und damit wieder ~47,5 g Glucose und ~47,5 g Fructose im festen 1:1-Verhältnis. Der Pektin-Anteil liegt bei vielleicht 2–3 g auf 100 g. Man handelt sich exakt dasselbe Grundproblem wie beim Haushaltszucker ein (1:1 statt 2:1) — nur eben mit ein bisschen Pektin, das man auch separat und günstiger kaufen kann.

Die Lösung: Maltodextrin + reine Fructose + Pektin getrennt kaufen

Der einzige Weg, der wirklich funktioniert: die drei Bestandteile einzeln kaufen und selbst im gewünschten Verhältnis mischen.

ZutatRolleZusammensetzung
MaltodextrinGlucose-BausteinReine, kurzkettige Glucose-Ketten — geschmacksneutral, sehr gut verträglich
Reine FructoseFructose-Baustein100 % Fructose, klar dosierbar
Pektin (Pulver)GeliermittelVerleiht die Gel-Konsistenz, ganz ohne Zucker-Ballast

Genau das ist auch die Basis meines eigenen Rezepts: Maltodextrin, Fructose und Pektin im Verhältnis 2:1:0,1. Damit lässt sich das physiologisch sinnvolle 2:1-Verhältnis exakt und reproduzierbar treffen — ganz ohne Kompromisse durch fest gebundene Zuckerarten.

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Rechenbeispiel zum Vergleich: 100 g meiner Basismischung enthalten ~87 g Maltodextrin, ~43,5 g Fructose und ~4,3 g Pektin (bei einem 2:1:0,1-Verhältnis, auf 100 Gewichtseinheiten hochgerechnet) — ergibt exakt ein 2:1-Glucose-Fructose-Verhältnis, unabhängig davon, wie viel man am Ende einer Flasche zugibt. Die Investition in die Grundzutaten lohnt sich also nicht nur wegen der Freiheit bei Geschmack und Dosierung, sondern schlicht, weil es die einzige Variante ist, die überhaupt zum Ziel führt.

Das Geschmacksproblem: Zitrone, Limette — und eine bessere Lösung

Reines Maltodextrin-Fructose-Pektin-Pulver schmeckt für sich genommen ziemlich neutral bis leicht süßlich fad. Mein erster Ansatz war frischer Zitronen- und Limettensaft — schmeckt gut, keine Frage. Das Problem: die Fruchtsäure. Zusätzlich zur ohnehin schon säurehaltigen Fructose kann das auf einen ohnehin belasteten Magen während des Laufens ordentlich draufsatteln.

Deutlich besser funktioniert bei mir ein zuckerfreier Getränkesirup — den gibt es in sehr vielen Geschmacksrichtungen, und ein kleiner Spritzer reicht bereits für ordentlich Geschmack. Damit sind die kleinen, mitunter nicht ganz günstigen Fläschchen tatsächlich sehr ergiebig, weil man wirklich nur ein, zwei Sprühstöße pro Flask braucht — kein Vergleich zur Säure-Attacke aus frischem Zitrussaft.

Transport und Portionierung: die Softflask macht den Unterschied

Das letzte Puzzleteil war für mich nicht die Rezeptur, sondern der Transport. Fertige Gel-Tuben zum Aufreißen sind zwar praktisch, aber unflexibel — entweder alles auf einmal oder gar nicht, und irgendwann kleben Finger und Verpackung.

Meine Lösung: Softflasks in 150 ml oder 250 ml. Darin lassen sich DIY-Gels unkompliziert direkt anrühren, und man kann in kleinen Schlucken über die Distanz portionieren, ohne dass alles verklebt. Ich nutze dieselben Flasks inzwischen auch für gekaufte Gels bei Wettkämpfen — einfach reinquetschen, verdünnen, schluckweise trinken.

Praktisch sieht mein System so aus: Ich habe immer ein Glas mit der fertigen Basismischung (nur Pulver, kein Wasser) griffbereit stehen. Je nach Bedarf schöpfe ich davon in die Flask und fülle mit Wasser auf — so entscheide ich vor jedem Lauf frei, wie viele Kohlenhydrate ich mitnehmen möchte.

FlaskFüllungKohlenhydrateEinsatz
150 ml1 EL Premix + Wasser~12 gStandard-Shot, Pre-Race 5 km
150 ml1,5 EL Premix + Wasser~18 gPre-Load 10 km (60 Min. vor Start)
250 ml1,5 EL Premix + Wasser~19 gEinheiten 60–75 Min.
250 ml3 EL Premix + Wasser~38 gEinheiten über 75 Min. (2 Portionen)

(1 Esslöffel Premix = 12,5 g = ~12 g Kohlenhydrate. Optional: eine Prise Salz bei Hitze oder langen Läufen, ein Schuss Koffeinpulver für den Renntag.)

Meine Meinung: Lohnt sich der Aufwand?

Ja — und zwar aus drei Gründen, die für mich mittlerweile schwerer wiegen als die Bequemlichkeit fertiger Tuben. Ich entscheide vor jedem Lauf völlig frei über Dosierung und Geschmack, statt mich nach dem zu richten, was gerade im Schrank liegt. Die Softflask-Lösung ist praktischer im Transport als jede Einweg-Tube. Und ich spare, bei den Preisen mancher Markengels, spürbar Geld — meine letzten gekauften Tuben brauche ich gerade eher auf, weil ich mit den DIY-Gels schlicht besser fahre.

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Der Umweg über Haushaltszucker, Agavendicksaft und Gelierzucker war dabei kein verschwendeter Versuch, sondern ziemlich lehrreich: Er zeigt gut, warum am Ende nur die getrennte Beschaffung von Maltodextrin, reiner Fructose und Pektin zum Ziel führt — alles andere ist Chemie, die sich nicht so einfach hinbiegen lässt, wie man es sich am Küchentisch wünscht … ;)


Hinweis: Die genannten Kohlenhydrat-Mengen und Mischverhältnisse sind auf mein eigenes Renn- und Trainingsgewicht sowie meine Distanzen abgestimmt. Wer selbst experimentiert, sollte neue Rezepturen unbedingt zuerst im Training testen — nie am Wettkampftag zum ersten Mal.

  1. Hallo Thomas, es wird parallel das Mischungsverhältnis 1:0,8 diskutiert und im Handel angeboten.
    Die KI sagt dazu: „Der Vorteil des 1:0,8-Verhältnisses zeigt sich vor allem oberhalb von ~90 g/h. Wer im Bereich 60–90 g/h zuführt, wird zwischen 2:1 und 1:0,8 kaum einen Unterschied merken – dort ist das 2:1-Verhältnis nach wie vor völlig brauchbar.“
    Hängt wie von dir bereits beschrieben mit der limitierten Glucoseaufnahme zusammen und soll auch bei längeren Distanzen wie beim Triathlon Vorteile wegen Magen-Darm bringen. Ich würde das in die Betrachtung einfließen lassen, letztlich kann und sollte man beides probieren wegen individueller Unterschiede und Zielvorgaben. Vielleicht geht man wegen marginaler Unterschiede im Bereich 60-90g/h generell auf 1:0,8 und ist nach oben hin besser aufgestellt, nur so als Idee. Dein Artikel hat mich jedenfalls motiviert, das jetzt gezielter anzugehen. Danke! LG Maik

    1. Hi Maik,

      genau genommen gibt es zur hohen Glucoseversorgung eine neue, viel grundsätzlichere Diskussion (siehe zum Beispiel hier https://coachingprofessor.substack.com/p/the-two-pool-problem). Danach sieht es so aus, als würde eine geringe, aber stetige Dosis den gleichen Effekt bringen.

      Für mich persönlich sehe ich in einer sehr hohen Glucoseaufnahme auch keinen Vorteil. Oder sagen wir mal so: ich bin mir sicher, dass die limitierenden Faktoren meiner Laufleistung woanders zu suchen sind. ;) Mit 30-50 g/h bin ich erfahrungsgemäß im Halbmarathon gut versorgt, wenn ich alle paar Kilometer einen kleinen Schluck nehme. Und ich glaube nicht, dass ich schneller wäre, wenn ich die Menge verdopple.

      Abseits von Dosierung und deren Sinnhaftigkeit finde ich den DIY-Weg einfach total schlau, weil der Einsatz so flexibel ist.

  2. Hi Thomas,

    vielen Dank für den tollen Artikel! Bisher bin ich bei der Mischung meiner eigenen Gels noch in der Theorie stecken geblieben, da ich erst noch meine vorhandenen Gel-Vorräte aufbrauchen möchte. Im wesentlichen kam ich zu der gleichen Erkenntnis wie du: Es führt kein Weg am Mischen aus Einzelkomponenten vorbei.
    Ich stelle mir aber noch zwei Fragen:
    – Warum das zusätzliche Pektin? Eigentlich sollte es doch ohne dieses leichter aus der Softflask laufen und es hat nach meinem Wissen keinen physioligischen Sinn.
    – Sollte nicht auch noch den Natriumverlust entgegengewirkt werden? Beispielsweise mit Natriumcitrat.

    Viele Grüße

    Markus

    1. Hi Markus,

      das Pektin ist nur als Geliermittel drin. Ich habe es auch nur so dosiert, dass die Mischung ein klein wenig dickflüssiger wird und nicht komplett wässrig bleibt. Dann läuft es immer noch genauso gut aus dem Beißverschluss der Flask, bleibt aber gleichzeitig etwas sicherer drin. Ich finde es auch im Mund angenehmer. Es geht aber natürlich auch komplett ohne.

      Was weitere Komponenten angeht wie Natrium oder auch Koffein ist man komplett frei und kann bei Bedarf dazu mischen, was man braucht. Bei einem heissen Marathon kann Natrium hilfreich sein, bei einem 10er braucht man es vielleicht nicht. Ist ja alles DIY! :)

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Hier schreibt Thomas Pier über das Laufen und (deutlich mehr als nur die notwendige) Ausrüstung. Ich laufe weder besonders schnell noch weit. Aber ich teile gerne meine Erfahrungen, die ich als ambitionierter Freizeitläufer, neugieriger Early-Adopter und als mein eigener Trainer sammele.

Ich freue mich über jede digitale Kontaktaufnahme - noch mehr allerdings über jeden gemeinsam gelaufenen Kilometer.

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