Warum ein guter Schuh keinen Mut zur Veränderung braucht: Salomon Ultra Glide 4 im Test

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Der Salomon Ultra Glide 4 ist ein vielseitiger Trail- und Alltagsschuh für 150 €, der auf Evolution statt Neuerfindung setzt. Das neue Obermaterial sitzt besser, die bewährte Sohle bleibt unverändert. Empfehlenswert für Läufer, die einen robusten Allrounder für moderates Gelände und entspannte Trainingsläufe suchen.

Anzeige: Der Hersteller hat mir das Produkt für diesen Test auf meine Anfrage hin zur Verfügung gestellt. Dies hatte keinen Einfluss auf den Inhalt meines Testberichts. Der Beitrag ist frei verfasst und gibt ausschließlich meine persönlichen Erfahrungen wieder.


Was ist neu beim Ultra Glide 4?

Der Ultra Glide 3 hatte mich überzeugt: ein Trailschuh, der auch bei längeren Läufen komfortabel bleibt, mit einer charakteristischen Zwischensohlengeometrie, die sich von den meisten Konkurrenten klar abhebt. Die Erwartung an die neue Version war entsprechend einfach: bloß nichts kaputtmachen.

Salomon hat sich daran gehalten. Die Überarbeitung fällt so behutsam aus, dass man schon genauer hinschauen muss, um die Unterschiede zu finden.

Der auffälligste Wechsel betrifft das Obermaterial. Statt des bisherigen Mesh kommt jetzt ein Engineered Mesh zum Einsatz – eine Konstruktion, bei der die Webart je nach Belastungszone variiert wird. Das soll gleichzeitig leichter, atmungsaktiver und langlebiger machen. Gerade bei Hitze und Feuchtigkeit verspricht das spürbar kühlere Füße. Das klingt nicht spektakulär, ist aber genau die Art Detailarbeit, die bei langen Läufen einen Unterschied macht.

Weniger offensichtlich, aber trotzdem relevant: Die Zwischensohle verwendet jetzt optiFOAM anstelle des bisherigen energyFOAM. Optisch und vom Aufbau her bleibt die Sohle unverändert – die charakteristische, wellenförmige Relieve Sphere-Geometrie, die Aufprallkräfte verteilt und unebenes Gelände abfedert, ist identisch mit dem Vorgänger. Ebenso die All Terrain contaGRIP-Außensohle mit ihren 4 mm langen Noppen, die auf gemischtem Untergrund zuverlässig funktioniert.

Das Quicklace-System und das großzügige Polster an Zunge und Knöchel sind ebenfalls unverändert geblieben – für alle, die beides schätzen, ist das eine gute Nachricht. Wer weniger Polster bevorzugt, wird beim Ultra Glide 4 nicht glücklicher werden als beim Vorgänger.

Auf der Waage kommen beide Schuhe in meiner Größe auf 666 Gramm, was eine Einordnung ins Mittelgewicht bedeutet. Da tummeln sich auch die langlebigen Allrounder, also keine ganz unpassende Kategorie.

Technische Daten

MerkmalWert
ModellSalomon Ultra Glide 4
Preis150 €
Gewicht285 g (Herren)
Sprengung6 mm
DämpfungMaximal
Noppentiefe4 mm
GeländeGemischtes Terrain, Langstrecke
ZwischensohleoptiFOAM (EVA)
AußensohleAll Terrain contaGRIP + Relieve Sphere
ObermaterialEngineered Mesh
VerschlussQuicklace™
InnenkonstruktionEndoFit™
BreiteRegular

Erfahrungen beim Laufen

Die Theorie des Engineered Mesh lässt sich auf dem Trail gut nachvollziehen. Das Obermaterial sitzt etwas luftiger als beim Vorgänger, die Belüftung ist besser – besonders auf längeren Läufen bei wärmerem Wetter ist das ein spürbarer Unterschied.

Die Zwischensohle macht dort weiter, wo der Vorgänger aufgehört hat. Die Relieve Sphere-Geometrie ist eine von diesen Konstruktionen, die man auf dem ersten Blick vielleicht skeptisch betrachtet – diese wellenförmigen Erhebungen auf der Sohle sehen ungewöhnlich aus. Im Lauf merkt man aber schnell, was sie tun: Unebenheiten werden gleichmäßig abgerollt, der Fuß wird nicht von einzelnen Steinen überrascht. Für Läufe auf Forstwegen oder gemischtem Terrain mit wechselndem Untergrund ist das eine ausgesprochene Stärke.

Der Grip der contaGRIP-Außensohle ist für diesen Schuhtyp passend – kein Stollen-Monster, aber auf nassem Waldboden und lockerem Schotter zuverlässig. Für alpines, sehr technisches Gelände ist der Ultra Glide 4 nicht gedacht; auf mittelschwierigen Trails und langen Distanzen spielt er seine Stärken aus – und kommt auch auf Asphaltabschnitten gut zurecht.

Eine Kleinigkeit, die beim längeren Tragen auffallen kann: Das reichliche Polster an Zunge und Knöchelbereich ist Geschmackssache. Wer eine straff sitzende Passform bevorzugt, sollte den Schuh vor dem Kauf probetragen – an der Übergangszone zwischen Zunge und Knöchelpolster kann es je nach Fußform zu Druckpunkten kommen.

Für wen eignet sich der Ultra Glide 4?

Wer den Ultra Glide 3 geliebt hat, bekommt hier im Wesentlichen dasselbe – mit einem frischeren, besser belüfteten Obermaterial. Für alle, die bisher zufrieden waren, gibt es keinen Grund zum Zögern.

Darüber hinaus passt der Schuh gut zu Läuferinnen und Läufern, die:

  • hauptsächlich auf Forstwegen, Schotter und gemischtem Untergrund unterwegs sind
  • langen Komfort über mehrere Stunden suchen, kein Wettkampfgerät
  • nicht auf maximale Plüschweicheit bestehen, aber ein deutlich besseres Dämpfungsverhalten als in einem Standard-Trailschuh erwarten

Wer wenig Polster bevorzugt, für den könnte der S/LAB Ultra Glide 2 die interessantere Alternative sein. Und wer bisher mit den Quicklaces von Salomon nicht warm geworden ist – daran ändert der Ultra Glide 4 nichts.

Meine Meinung

Warum ein guter Schuh keinen Mut zur Veränderung braucht: Salomon Ultra Glide 4 im Test
Gut geblieben
Der Salomon Ultra Glide 4 macht genau das, was man von einem gelungenen Nachfolger erwarten sollte: Er verbessert das Obermaterial, passt die Zwischensohle behutsam an und lässt das an, was funktioniert hat. Das Ergebnis ist ein Schuh, der seine Stärken kennt – Langstreckenkomfort, solider Grip auf gemischtem Terrain, gute Alltagstauglichkeit auf dem Trail.

Wer den Vorgänger mochte, wird hier nichts vermissen. Wer ihn noch nicht kennt: Der Ultra Glide 4 ist ein vernünftiger Einstieg in den Salomon-Trail-Kosmos – ohne die Kompromisse, die manche technischeren Modelle mit sich bringen.
Qualität
Funktion
Begeisterung
Preis / Leistung
4.8
Bewertung

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Hier schreibt Thomas Pier über das Laufen und (deutlich mehr als nur die notwendige) Ausrüstung. Ich laufe weder besonders schnell noch weit. Aber ich teile gerne meine Erfahrungen, die ich als ambitionierter Freizeitläufer, neugieriger Early-Adopter und als mein eigener Trainer sammele.

Ich freue mich über jede digitale Kontaktaufnahme - noch mehr allerdings über jeden gemeinsam gelaufenen Kilometer.

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