An der Suunto Vertical 2 in Titanium kam ich nicht vorbei, denn das Schwestermodell, die Race 2, hatte mich bereits überzeugt. Was die Vertical 2 besser macht, wo sie an Grenzen stößt lest ihr hier.
Kein Testmuster: Die Suunto Vertical 2 Titanium habe ich aus eigener Tasche gekauft. Kein Einfluss von Suunto auf den Inhalt — der Beitrag gibt ausschließlich meine persönlichen Erfahrungen wieder.
Die Suunto Vertical 2 ist das aktuelle Outdoor-Flaggschiff von Suunto, erschienen September 2025. Mit 689 Euro (Titanium) bzw. 589 Euro (Edelstahl) positioniert sie sich klar im Premiumsegment. Wer ein cleanes, funktionales Gesamtpaket mit langer Akkulaufzeit, Offline-Karten und ernsthafter Outdoor-Tauglichkeit sucht — und keinen Wert auf Garmin-Ökosystem oder App-Wald legt —, bekommt hier eine der überzeugendsten Uhren auf dem Markt. Wer einen App Store wie bei Garmin oder kontaktloses Bezahlen erwartet, schaut woanders hin.
Inhalt / Content
Suunto Vertical 2 Titanium
Suunto Vertical 2: Technische Daten auf einen Blick
| Display | LTPO AMOLED, 1,5 Zoll, 466 × 466 Pixel, bis zu 2.000 Nits, Saphirglas |
| Gehäuse | Titan (Titanium) / Edelstahl, 49 mm Durchmesser, 13,6 mm Stärke |
| Gewicht | 74 g (Titanium) / 87 g (Edelstahl), ohne Armband |
| GPS | Dualband-GNSS (GPS, GLONASS, Galileo, BeiDou, QZSS), bis zu 32 Satelliten |
| Herzfrequenz | Neu entwickelter optischer OHR-Sensor, flache Gehäuseunterseite |
| Akku | bis zu 20 Tage (Alltagsmodus), 65 Std. mit GPS (höchste Genauigkeit), 250 Std. (Tour-Modus) |
| Wasserdichtigkeit | WR100 (100 m) |
| Robustheit | MIL-STD-810 |
| Sportprofile | 115+ |
| Navigation | Offline-Karten, Heatmaps, Aufstieg-Anleitung, Suunto Route Planner |
| Sonstiges | Integrierte LED-Taschenlampe (weiß/rot), Bluetooth-Multi-Sensor-Kopplung |
| Preis | 589 Euro (Edelstahl) / 689 Euro (Titanium) |
Erster Eindruck


Die Vertical 2 macht beim Design für mich alles richtig: fünf Knöpfe, klare Lünette, saubere Optik. Die Titanium-Version in Schwarz sitzt angenehm am Handgelenk; mit 74 Gramm ist sie auch spürbar leichter als die Edelstahlvariante. Das neue flachere Gehäuse auf der Unterseite liegt besser an — was man nicht nur beim Tragekomfort merkt, sondern auch bei der Herzfrequenzmessung. Dazu gleich mehr.



Was ist neu gegenüber der Vertical 1?
Wer von der Vertical 1 kommt, bekommt kein komplett neues Produkt — aber ein in den richtigen Punkten überarbeitetes. Das Wichtigste zuerst: das Display. Der Wechsel von MIP auf LTPO AMOLED mit 2.000 Nits ist kein Gimmick. Bei Sonnenlicht ist das MIP-Display noch mindestens ebenbürtig, aber abends, in der Dämmerung, beim Nachlesen von Kartendaten — da ist der Unterschied erheblich. Und die Watchfaces? Wow. ;)

Dann die Taschenlampe. Man kann drüber schmunzeln — bis man sie das erste Mal braucht. Weiß für die Wegbeleuchtung, Rot für den Nightvision-Modus. Man kann sich die Funktion gut erreichbar auf eine der Gehäusetasten legen.

Das neue Ladegerät war überfällig. Der Magnetmechanismus der Vertical 1 war ein Geduldsspiel; die neue Version hält einfach. Außerdem unterstützt die Vertical 2 jetzt Bluetooth-Multi-Kopplung für Sensoren einer Kategorie — also Brustgurt und Oberarmsensor lassen sich nun wechseln ohne zu entkoppeln. Praktisch, wenn man zwischen Trainingsformen wechselt.


Das Dualband-GNSS mit bis zu 32 Satelliten macht einen soliden Job — in meinen Tests gab es keine nennenswerten Ausreißer in der Aufzeichnung, auch im dichten Wald nicht. Kein Alleinstellungsmerkmal mehr gegenüber Garmin oder Coros, aber es funktioniert. Punkt.
Was mehr Freude macht: die Verbesserungen bei strukturierten Trainingseinheiten. Wie bei meiner Race-2-Erfahrung — die ich hier schon ausführlich besprochen habe — ist die Bedienung von Intervallworkouts auch auf der Vertical 2 viel besser geworden. Die Anzeige von Zielkorridor, aktuellem Wert und Abweichung auf einen Blick macht es einfacher, ein strukturiertes Workout sauber durchzuziehen, ohne dauernd auf die Uhr zu starren. Klingt klein, macht im Alltag einen echten Unterschied.

Für Trail und Outdoor kommt der neue Routenplanner im Browser hinzu — GPX-Export inklusive, damit auch markenunabhängig nutzbar. Tourenplanung am großen Bildschirm, dann auf die Uhr übertragen. :)
Herzfrequenz: endlich zuverlässig — mit dem richtigen Armband
Das war das Kapitel, auf das ich am meisten gespannt war. Der OHR-Sensor der ersten Vertical-Generation hatte seine Tücken — und auch bei der Race 2 war die optische Messung für mich noch nicht. Mal traf sie voll ins Schwarze, mal nicht. Zwischenzeitlich hat ein Firmware-Update hier nochmal Verbesserung gebracht.

Bei der Vertical 2 hat Suunto zweierlei gemacht: den neu entwickelten Sensor verbaut und die Unterseite des Gehäuses flacher gestaltet, damit die Uhr besser anliegt. Was oft unterschätzt wird — und bei mir der entscheidende Punkt war: ein Textilarmband. Mit dem schmiegt sich die Uhr deutlich gleichmäßiger ans Handgelenk, und seitdem läuft der OHR-Sensor tatsächlich zuverlässig, auch bei höheren Intensitäten. Mit dem Standard-Silikonband hatte ich manchmal noch kleine Aussetzer am Anfang einer Einheit. Wer also mit dem OHR hadert: erst das Armband wechseln, bevor man zum Brustgurt greift.
Für alle, denen Genauigkeit bei HRV-Auswertung und wattbasiertem Training wirklich wichtig ist — der Brustgurt bleibt die zuverlässigere Wahl. Keine Schwäche der Vertical 2 spezifisch, das gilt für alle optischen Sensoren. Aber für Alltagsbetrieb und moderate Intensitäten: es funktioniert jetzt.
Akku: Versprechen wird gehalten
65 Stunden im Höchstgenauigkeitsmodus — das ist eine Ansage. Im Alltagsbetrieb mit aktiver Herzfrequenz komme ich auf knapp zwei Wochen — das liegt auf dem Niveau, was andere Tester berichten. Das ist in dieser Geräteklasse ein Top-Wert, zumal das AMOLED-Display die Laufzeit kaum spürbar verkürzt. In 2 Stunden vollgeladen — wer lange Abenteuer plant, kennt das Ritual. ;)
Pluspunkte
- LTPO AMOLED-Display mit 2.000 Nits — erheblich besser als das alte MIP-Display in Low-Light und im Alltag
- Klare, funktionale Menüführung ohne Schnickschnack — Suuntos größtes UX-Asset bleibt unangetastet
- Integrierte LED-Taschenlampe (weiß/rot) — echter Nutzwert für frühe und späte Einheiten
- Überarbeiteter OHR-Sensor mit flacherer Gehäuseunterseite — mit Textilarmband endlich zuverlässig
- Strukturierte Trainingseinheiten mit verbesserter Anzeige — klarer als bei der Vertical 1
- Akku bleibt trotz AMOLED konkurrenzlos im Segment — rund 2 Wochen im Alltagsmodus
- Neues Ladegerät mit starken Magneten — endlich kein Geduldsspiel mehr
- Titanium-Variante mit nur 74 g — spürbar leichter als Edelstahl (87 g)
- Suunto Route Planner im Browser mit GPX-Export — auch markenunabhängig nutzbar
Minuspunkte
- Taschenlampe während einer Aktivität nur über mehrere Menüebenen erreichbar — Firmware-Update nötig
- AMOLED-typisch: Display nicht dauerhaft aktiv — kleiner Gewöhnungseffekt beim Ablesen aus dem Augenwinkel. Läßt sich aber umstellen.
- Kein App Store, keine kontaktlosen Zahlungen — wer das braucht, ist bei Garmin besser aufgehoben
- OHR-Genauigkeit bei sehr hohen Intensitäten weiterhin begrenzt — Brustgurt für präzises Training empfehlenswert
- Titanium-Lünette der neuen Generation weniger hell als beim Vorgänger — Geschmackssache, aber merkbar
Meine Meinung:


Autor und Betreiber von Harlerunner.de. Läufer seit mehr als zehn Jahren, über 100 Wettkämpfe von 5 km bis Halbmarathon im Gepäck, bisher mehr als 500 Produkte getestet. Kein Labortest — alles kommt aus dem echten Training in und um Coesfeld. Was du hier liest, hat er selbst an den Füßen, am Körper, am Handgelenk oder im Ohr gehabt.
Author and owner of Harlerunner.de. A runner for over ten years, with more than 100 races under his belt – ranging from 5 km to half-marathons – and having tested over 500 products to date. No lab tests – everything is based on real-world training in and around Coesfeld. Everything you read here is something he has personally worn on his feet, on his body, on his wrist or in his ear.

