Suunto 7 – Smartwatch oder Laufuhr?

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Zwischen der Suunto 5 und der Suunto 9 war noch Platz für ein weiteres Uhrenmodell. Kann die Suunto 7 (aktuell) diese Lücke füllen?

Modellpolitik

Ich muss zugeben: das Bild mit der Lücke ist idealisiert. Wer sich im Suunto-Shop umsieht, findet neben den aktuellen „Nummer-Modellen“ auch noch die Spartan-Reihe und sogar Ambit3-Modelle. Auch innerhalb der Produktlinien haben die Modelle graduelle Unterschiede in der Funktionalität. Übersichtlich ist das nicht…

Trotzdem war klar, dass die neue Nummerierung bisher einen Platz frei gelassen hatte. Auch funktionell gab es eine deutliche Lücke zwischen der Suunto 5 und der Suunto 9 (Baro). Denkbar war dort eine Uhr, die zum Beispiel ein Barometer hat, aber keinen Touchscreen. Dafür aber ein großes Farbdisplay und vielleicht sogar eine Kartendarstellung oder gar WLAN. Daher war ich natürlich gespannt auf die Suunto 7.

Suunto 7

Herstellerlink
Suunto 7
Preis
479 Euro
Aktiv getestet
4 Wochen

Um es direkt vorweg zu nehmen: das hier ist kein Review. Zumindest nicht in dem Sinn, dass ich alle Funktionen der Uhr vorstellen werde. Warum das so ist, werdet ihr schnell merken. ;)


Die Suunto 7 kommt im großen Gehäuse der Suunto 9 und hat nicht nur ein Touch-Display, sondern sogar ein AMOLED-Display mit einer deutlich höheren Auflösung. Dafür ist die angegebene Batterielaufzeit deutlich schlechter (12 Stunden GPS-Aufzeichnung), was vor allem dem größten Unterscheidungsmerkmal der Uhr geschuldet ist: sie basiert auf Googles WearOS-Betriebssystem.


Damit setzt man natürlich auf ein bestehendes Ökosystem – mit allen Vor- und Nachteilen. Polar ist mit der M600 vor ein paar Jahren bereits den gleichen Weg gegangen, mit eher mäßigem Erfolg. Für Suunto war es meiner Meinung nach ein unterwarteter und auch irgendwie spannender Schritt.

Suunto 7 als Smartwatch

Mit Wear OS hat man sich also ein fertiges Betriebssystem auf die Uhr geholt, das voll aus der Google-Welt schöpfen kann (wobei die Anbindung an ein iPhone genau so gut möglich ist). Nach der Ersteinrichtung findet man sich als Android-Nutzer in einer sehr bekannten Umgebung wieder: Bedienkonzept und Funktionen unterscheiden sich kaum von aktuellen Mobiltelefonen mit dem Google-Betriebssytem.


Über den Google Play-Store lassen sich (Wear OS) Apps installieren, Google Pay ermöglicht kontaktloses bezahlen mit der Uhr, Google Fit fungiert als Activity Tracker und Benachrichtigungen sind wirklich smart. Kurz: ich konnte die Suunto 7 vom ersten Moment an als Smartwatch benutzen und das hat mir auch großen Spaß gemacht. Alles ist sehr flüssig und performant, das Display ist einfach super (Größe und Auflösung) und die Akkulaufzeit mit ca. zwei Tagen im üblichen Rahmen.

Suunto 7 als Laufuhr

Die Integration der Suunto-Welt läuft letztendlich auch über eine WearOS-App. Die ist zwar über einen der Gehäusedrücker sehr gut erreichbar, aber es bleibt eine (isolierte) App. Warum betone ich das? Nun, daran hängen so einige Vor- und Nachteile. So greift die Suunto-App nicht auf Daten anderer Apps zurück.

Google Fit zum Beispiel sammelt als Activity Tracker Daten, auf die Suunto keinen Zugriff hat (z.B. Schritte). Das ist zunächst irritierend, denn von einer Laufuhr bin ich das anders gewohnt: entweder die Uhr zeichnet Schritte auf, oder ich stelle die Funktion ab. Dass die Daten aber an einer Stelle zur Verfügung stehen, während eine andere nichts davon weiss…

Auf der Suunto-Plattform landen dem entsprechend nur die Daten, die durch die Suunto-WearOS-App gesammelt werden. Das sind die GPS-Aufzeichnungen der aufgezeichneten Aktivitäten und die zugehörige Pulsmessung am Handgelenk. Externe Sensoren lassen sich zum jetztigen Zeitpunkt (03/2020) nicht verbinden. Bluetooth-Brustgurte werden zwar von der Uhr erkannt, können aber nicht genutzt werden. Ein Stryd lässt sich nichtmal koppeln, geschweige denn nutzen.




Eine weitere Limittierung: die Anzeige der Suunto-App lässt sich nicht anpassen. Man kann derzeit weder das Layout verändern, noch die Datenfelder. Die Anzeigen sind zwar für die verschiedenen Sportmodi ganz sinnvoll gewählt, aber ich fühle mich doch sehr stark an den Launch der Spartan Ultra erinnert. Leider… Das macht alles einen sehr unfertigen Eindruck. Ich gehe zwar sehr stark davon aus, dass Suunto die fehlenden Funktionalität über Updates nachliefert, kenne aber keinen kommunizierten Zeitplan dafür.

Da die Uhr auf WearOS basiert, lassen sich natürlich auch andere Apps für die Sportaufzeichnung nutzen. Strava ist zum Beispiel verfügbar, allerdings in seiner Funktionalität auch sehr begrenzt. Andere Apps werben sogar mit der Unterstützung von externen Sensoren, das allerdings nur kostenpflichtig. Daher habe ich es auch nicht getestet.

Da ist die Suunto-App doch die bessere Wahl, zumal es sogar eine ganz gute Kartendarstellung gibt, die für eine Suunto-Uhr neu und einzigartig ist. Das Kartenmaterial kann sogar auf der Uhr gespeichert werden, so dass es auch offline zur Verfügung steht. Allerdings sieht man nur Position und den aufgezeichneten Track – Navigation oder das Ablaufen eines Tracks sind nicht möglich.

Potential

Was nicht ist, kann ja noch werden. Die Funktionserweiterungen bei „normalen“ Laufuhren sind sehr limitiert. Bei einer WearOS-Uhr eröffnen sich da ganz andere Möglichkeiten. Vielleicht macht Suunto aus seiner App auf der Suunto 7 ein kleines Funktions-Wunderwerk. Mit echter Navigation, Unterstützung des Stryd samt Zonen und Alerts, oder sogar dem Sync von strukturierten Trainigseinheiten aus TrainingPeaks.

Oder wenn es Suunto nicht macht, könnte es ein anderer Anbieter umsetzen (Stryd, TrainingPeaks, …) und man installiert und nutzt dann einfach deren App. Dagegen spricht wahrscheinlich der kleine Marktanteil, den WearOS in Gegensatz zu Apple bei den Smartwatches hat. Vielleicht ist es gar nicht attraktiv solche Apps zu entwickeln, weil die Anwenderzahlen zu gering sind. Das wird sich alles zeigen müssen. Worauf ich nur hinauswollte ist, dass WearOS eben auch eine Chance für solche Entwicklungen bietet.

Fazit

Was ist die Suunto 7 nun also? Eine Smartwatch, eine Laufuhr oder beides? Mit ihrer jetzigen Funktionalität ist sie auf jeden Fall keine Laufuhr, die in die Reihe zwischen die Suunto 5 und die Suunto 9 gehört. Selbst die Suunto 3 bietet mehr Funktionen für Läufer.

Ich würde sie eher als (gute!) Smartwatch sehen, die einige Funktionen für den Gelegenheitssportler mitbringt: mal eine Radfahrt aufzeichnen, eine Wanderung oder auch einen Lauf. Dafür ist der Preis dann allerings sehr ambitioniert – selbst gute WearOS-Smartwatches sind für die Hälfte zu haben.

Aber ich sehe in der Plattform Potential, das man nach dem Kauf von Fitbit durch Google nicht vom Tisch kehren sollte. Und sicher hat Suunto die Uhr auf den Markt gebracht, bevor alle geplanten Funktionen entwickelt und umgesetzt waren. Auch hier steckt also noch einiges an Möglichkeiten.

Bei einer guten Unterstützung von allen Sensoren und einer der Suunto 5 gleichwertigen Funktionalität fürs Laufen, könnte ich jedenfalls mit der kurzen Akkulaufzeit gut leben, weil ich dafür eben auch eine Smartwatch bekomme, die mir im Alltag viel Spaß macht.

    1. Wobei die Apple Watch zumindest Sensoren wie den Stryd unterstützt. Und das sogar nicht nur irgendwie, sondern optimal: Stryd entwickelt alle neuen Funktionen der App erstmal für die Apple Watch.

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Ich bin der Harlerunner

Hier schreibt Thomas Pier über das Laufen und (deutlich mehr als nur die notwendige) Ausrüstung. Ich laufe weder besonders schnell noch weit. Aber ich teile gerne meine Erfahrungen, die ich als ambitionierter Freizeitläufer, neugieriger Early-Adopter und als mein eigener Trainer sammele.

Ich freue mich über jede digitale Kontaktaufnahme - noch mehr allerdings über jeden gemeinsam gelaufenen Kilometer.

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