TrainingPeaks
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TrainingPeaks

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Garmin Connect, Movescount, Strava, Runalyse… Eigentlich sind meine Trainingsdaten schon auf zu viele Portale verteilt. Die Neugier hat mich nun auch auf das größte amerikanische Portal getrieben: TrainingPeaks. Hier die Gründe und erste Erfahrungen.

TrainingPeaks

TrainingPeaks ist ein herstellerunabhängiges Portal zur Dokumentation und Auswertung von Ausdauersportarten. Seine Wurzeln scheinen eher im Cycling und Triathlon zu liegen, aber Läufer sind ganz klar eine der großen Zielgruppen.

Im Gegensatz zu Strava oder Runalyze bietet TrainingPeaks auch eine Planung von zukünftigen Trainingseinheiten an – samt komfortabler Jahres- und Wettkampfplanung. Seine Stärken liegen in dem System von Metriken und berechneten Kennwerten, das sich über die Weiterverarbeitung in WKO4 noch auf die Spitze treiben lässt.

Die Plattform synchronisiert sich automatisch mit allen großen Herstellerportalen und importiert darüber hinaus eine Vielzahl weiterer Informationen von Anbietern wie MyFitnessPal oder Withings.

Hintergrund

Geschichte

TrainingPeaks basiert auf den Erfahrungen von Joe Friel und seinem Sohn Dirk als Trainer. Ende der 90er suchten sie einen Weg, ihre Athleten besser zu betreuen und setzten auf das damals gerade aufkommende Internet als Plattform. TrainingPeaks war dann wohl das erste Online-Trainingstagebuch der Welt.

Das Portal war darauf ausgelegt, Trainern die Arbeit zu erleichtern und eine große Anzahl an Sportlern zu betreuen. So gibt es auch heute noch eine Athlete- und eine Coach-Edition des professionellen Tools.

Mit WKO+ entwickelte man dann noch eine Desktop-Software zu detaillierten Auswertung der Trainingsdaten – maßgeblich begleitet von Hunter Allen und Dr. Andy Coggan. Und so stecken im gesamten System „TrainingPeaks“ natürlich die Vorgehensweisen, Metriken und Vorlieben der drei Herren. Davon abgesehen läßt sich die Plattform aber von allen Athleten und Trainern unabhängig von ihrer Trainingsphilosophie nutzen.

Basic oder Premium?

TrainingPeaks läßt sich in den Grundfunktionen kostenlos benutzen. Man kann also sein Training per Web, App oder als Sync von den Herstellerportalen festhalten, seine Ausrüstung tracken und mit einem Trainer zusammenarbeiten. Dazu gehört sicher auch die Nutzung der (kostenpflichtigen) Trainingspläne, die online angeboten werden.

TrainingPeaks Unterschied Basic und Premium
TrainingPeaks Unterschied Basic und Premium

Neben der Basic-Version gibt es auch die kostenpflichtige Premium-Variante. Als neuer Nutzer bekommt man die natürlich erstmal für eine Zeit vor die Nase gehalten, um den vollen Funktionsumfang kennenzulernen. Nach einer Woche (!) fallen diese für die Basic-Nutzer dann aber weg.

Premium-Kunden bekommen deutlich mehr Werkzeuge zur Auswertung und Planung des Trainings an die Hand. Man kann zukünftige Trainingseinheiten planen und sein komplettes Trainingsjahr geführt oder individuell periodisieren. Trainingseinheiten lassen sich in einer Bibliothek ablegen bzw. aus einer vorgefertigten nutzen. Der erstellte Plan wird dann auch noch mit Outlook, Google Kalender oder per iCal synchronisiert.

Wenn man TrainingsPeaks wirklich nutzen will, kommt man an der kostenflichtigen Version also nicht vorbei. Ganz günstig ist das nicht – es sei denn, man bindet sich mindestens ein Jahr an die Plattform. Dann fallen „nur“ 119 Dollar pro Jahr bzw. ca. 9,90 Dollar pro Monat an. Bei einer monatlichen Laufzeit ist es doppelt so viel.

Ich habe mich für den goldenen Mittelweg entschieden und ein halbes Jahr bezahlt. Mehr als ein paar Wochen Erfahrung wird man schon brauchen, um die Nützlichkeit des Angebots wirklich beurteilen zu können.

Funktionen

Trainingstagebuch (Basic)

TrainingPeaks Kalenderansicht (Basic-Account)

TrainingPeaks ist ein digitales Trainingstagebuch. Die Plattform bietet also die Möglichkeit, Einträge für eine Vielzahl von Sportarten zu erstellen und somit darüber Buch zu führen. Die Workouts lassen sich manuell eintragen oder automatisch von allen großen Herstellerportalen synchronisieren. Ich mache das z.B. derzeit mit Garmin und Suunto und das klappt wirklich hervorragend.

TrainingPeaks Workout Summary (Basic-Account)
TrainingPeaks Workout Summary (Basic-Account)

Zusätzlich zu den aufgezeichneten und berechneten Daten (dazu später mehr), verwaltet TrainingPeaks auch die verwendete Ausrüstung. Zumindest rudimentär… denn mehr als Laufschuhe oder (Renn-) Räder sind hier nicht vorgesehen. Und das Ganze ist auch nicht besonders gut zugänglich. Ist wohl kein Kernfeature der Software. ;)

TrainingPeaks Workout Analyze (Basic-Account)
TrainingPeaks Workout Analyze (Basic-Account)

Dafür bekommt man seine Workout-Daten sehr schön aufbereitet angezeigt. Natürlich sind Karte und Kurven so miteinander verzahnt, dass man die Mausposition im Zeitstrahl auch auf der Karte angezeigt bekommt – und umgekehrt. So lassen sich auffällige Punkte in der Kurve direkt auf der Karte nachvollziehen.

TrainingPeaks Workout File-Management
TrainingPeaks Workout File-Management

Auch gut gelöst ist das Datenmanagement. Man hat jederzeit Einsicht in das grundlegende File, das die Daten liefert. Über die Bezeichnung lässt sich auch erkennen, von welcher Plattform es synchronisiert wurde. Gibt es z.B. mehrere konkurrierende Aufzeichnungen zu einem Lauf, lässt sich diese Datei hier auch austauschen und die Daten neu berechnen. Auch können mehrere Dateien, die zeitlich hintereinander entstanden sind, zu einer Laufeinheit zusammengefügt werden.

TrainingPeaks Dashboard (Basic-Account)
TrainingPeaks Dashboard (Basic-Account)

In der kostenloses Basic-Edition gibt es nur sehr wenige Auswertungen, die einem im Dashboard angezeigt werden. Im Grunde kann man den Teil komplett ignorieren, wenn man kein zahlender Kunde ist. Ich finde die Anzeigen kein bisschen hilfreich… :( Aber die kostenlose Version scheint auch eher für Läufer gedacht zu sein, die ihre Trainingslogs einem Trainer zur Verfügung stellen wollen, der auch TrainingPeaks benutzt. Der hat dann natürlich alle Möglichkeiten spezielle Auswertungen zu machen und diese als Grundlage für weitere Trainingsempfehlungen zu nutzen.

Ohne Trainer macht die Basic-Edition meiner Meinung nach keinen Sinn – außer während der einwöchigen Probezeit.

Trainingsplanung (Premium)

TrainingPeaks Kalenderansicht (Premium-Account)
TrainingPeaks Kalenderansicht (Premium-Account)

Ein großer Vorteil der Premium-Edition ist die Möglichkeit, zukünftige Trainingseinheiten planen zu können. Man legt also ein neues Workout in der Kalenderansicht an und gibt diesem alle Angaben mit, die zur Definition des Trainings notwendig sind. Das kann nur die Distanz oder die Zeit sein, eine Kombination aus beidem oder sehr viel mehr.

TrainingPeaks Workout Library
TrainingPeaks Workout Library

Neben dem manuellen Eintrag jeder einzelnen Einheiten, kann man sich auch aus einer Workout Library bedienen, die man im Idealfall sogar vorher selbst bestückt hat. So kann man per Drag & Drop ganz schnell seinen Wochen- oder Monatsplan befüllen und greift immer auf bewährte Standards zurück.

TrainingPeaks Workout Summary Library
TrainingPeaks Workout Summary Library

Eine ganz neue Möglichkeit Trainingseinheiten zu gestalten bietet TrainingPeaks mit dem Workout Builder. Hier zieht man Blöcke wie „Aufwärmen“, „Tempo“ oder „Intervall“ in das Workout und erstellt so im Handumdrehen den gewünschten Ablauf.

TrainingPeaks Workout Editor Library
TrainingPeaks Workout Editor Library

Die Tempovorgaben beziehen sich immer auf einen Prozentsatz zur Threshold-Pace, also der Geschwindigkeit an der anaeroben Schwelle. Diese ist natürlich genau wie die Herzfrequenzzonen im persönlichen Profil des Läufers hinterlegt. Warum arbeitet man nicht direkt mit Geschwindigkeiten? Die Möglichkeit gibt es natürlich auch, allerdings passt sich die Workout-Vorlage dann nicht an den Trainingsfortschritt an. „120% of Threshold-Pace“ kann jetzt gerade 4:00 min/km bedeutet und in einem halben Jahr vielleicht schon 3:50 min/km. Durch den prozentualen Ansatz ist das Workout also auch in Zukunft noch aktuell und muss nicht angepasst werden.

TrainingPeaks Workout Editor Library
TrainingPeaks Workout Editor Library

Die konkreten Tempovorgaben berechnet TrainingPeaks automatisch, sobald das Workout in den Kalender gezogen wurde. Als kleines Highlight kann man diese Vorgabe dann als FIT-Datei herunterladen und direkt z.B. mit seiner Garmin-Uhr verwenden. Das mache ich gerade bei Intervallen, aber auch bei Tempoläufen sehr regelmäßig und finde das extrem praktisch. Garmin und TrainingPeaks haben kürzlich auch eine ConnectIQ-App vorgestellt, die das Übertragen der Trainingeinheit auf die Uhr automatisiert. Diese ist auf der neuen Forerunner 935 sogar schon vorinstalliert!

Kleiner Wermutstropfen: bei einem auf Garmin Connect geplanten Training kann man für den letzten Abschnitt angeben, dass er bis zum Drücken der Lap-Taste gehen soll – also bis man zuhause auf Stop drückt. Beim TrainingPeaks-Workout ist die Einheit nach der geplanten Distanz oder Zeit einfach vorbei und die Aufnahme stoppt. Wer zu diesem Zeitpunkt noch auf der Strecke ist, kann die Aufzeichnung natürlich direkt fortsetzen – wenn man sich dieses Umstandes bewusst ist und das Ende des geplanten Workouts mitbekommt. Hat bei mir nicht gerade von Anfang an geklappt… ;)

Ganz neu ist auch die Möglichkeit, durch ein Overlay das geplante Workout den real gelaufenen Daten gegenüber zu stellen. So kann man direkt sehen, wie gut man sich an die Vorgaben halten konnte.

Workout Builder Analyse Overlay
Workout Builder Analyse Overlay

Neben diesen sehr speziellen Möglichkeiten der Trainingsplanung, sind aber auch ganz grundlegende Funktionen in der Premium-Version deutlich erweitert. Das Dashboard zeigt zum Beispiel eine große Auswahl an Grafiken, die Aufschluss über die Trainingsbelastung bzw. deren Verteilung auf Herzfrequenz- oder Pace-Bereiche. Einige der Graphen – wie das Performance Management Chart PMC – sind wirklich aufschlussreich und bringen einen deutlichen Mehrwert.

TrainingPeaks Dashboard (Premium-Account)
TrainingPeaks Dashboard (Premium-Account)

TrainingPeaks Trainingspläne

TrainingPeaks Trainingspläne
TrainingPeaks Trainingspläne

Wer sich nicht selbst coachen möchte, kann sich bei TrainingPeaks einen Trainer suchen (Michael Arend arbeitet zum Beispiel mit der Plattform) oder einen vorgefertigten Trainingsplan kaufen. Dieser wird dann wohl mit allen notwendigen Angaben zu den einzelnen Trainingseinheiten in den TrainingPeaks-Kalender übertragen und kann dann abgearbeitet werden. Das habe ich allerdings noch nicht selbst ausprobiert.

Im Falle einer Betreuung durch einen Trainer läuft das Ganze natürlich „interaktiv“ ab. Das heisst der Trainer gibt individuell geplante Trainingseinheiten vor, kann jederzeit die Umsetzung prüfen und ggf. weitere Einheiten an die reale Entwicklung anpassen.

Jahresplanung

Eine relativ neue, starke Funktion ist auch der Annual Training Plan ATP – also eine Jahresplanung. Diese kann größtenteils automatisch erfolgen. Grundlage ist die Eingabe des Trainingsvolumens (zum Beispiel als durchschnittliche Stunden pro Woche) und die Angabe und Priorisierung der Wettkämpfe.

TrainingPeaks ATP Details (Premium-Account)
TrainingPeaks ATP Details (Premium-Account)

Nach dem System von Joe Friel ermittelt TrainingPeaks dann Makro- und Mesozyklen mit dem zugehörigen Trainingsvolumen. Das führt natürlich noch nicht zu einem ausführbaren Trainingsplan, gibt aber eine ganz gute Orientierung -zumal die Schwerpunkte der Zyklen mit angegeben werden und sich weitere Informationen zum zugrunde liegenden System leicht anlesen lassen (meine Empfehlung: „Triahtletes Training Bible“* ###).

TrainingPeaks Annual Training Plan ATP (Premium-Account)
TrainingPeaks Annual Training Plan ATP (Premium-Account)

In der Kalenderdarstellung sind die geplanten Werte einsehbar und werden dem konkreten Wochenplan gegenüber gestellt. Beim Befüllen der Trainingswoche sieht mal also sofort, ob das mit der Jahresplanung übereinstimmt.

TrainingPeaks Kalenderansicht (Premium-Account)
TrainingPeaks Kalenderansicht (Premium-Account)

Als Grundlage für die Jahresplanung sind die Wochenstunden aber nur bedingt geeignet. Eigentlich beruht TrainingPeaks auf den Training Stress Score TSS, der nicht nur die Zeit der Belastung, sondern auch die Intensität berücksichtigt (dazu später mehr). Dem entsprechend kann (und sollte) der Jahrestrainingsplan nach einem jährlichen bzw. durchschnittlichen wöchentlichen TSS entwickelt werden.

Die automatischen Zyklen können zwar nachträglich verändert werden. Wer aber nicht Joe Friel, sondern einem anderen System folgen will, kann bei der Erstellung des ATP auch direkt angeben, dass er die Zyklen manuell anlegen möchte.

TrainingPeaks ATP Details (Premium-Account)
TrainingPeaks ATP Details (Premium-Account)

Analyse

TrainingPeaks Workout Analyze (Basic-Account)
TrainingPeaks Workout Analyze (Basic-Account)

Wie schon gesagt ist TrainingPeaks die richtige Plattform für Daten-Junkies. ;) Es wird mit so einigen Werten gearbeitet, die nicht unbedingt auf den ersten Blick verständlich sind. Ich habe selbst eine ganze Zeit gebraucht, bis ich auch nur die Hälfte der Informationen im Analyse-Fenster verstanden habe. Aber es lohnt sich definitiv sich da rein zu arbeiten. Anbei einige Begriffe und Definitionen.

TSS Training Stress Score

Der Training Stress Score ist eine Zahl, die Auskunft über die Intensität und Dauer des Trainings gibt – immer in Relation zum persönlichen „functional threshold“, also der maximalen Anstrengung (im Sinne von Pace oder Watt), die man über ca. eine Stunde halten kann. Dem entsprechend ist auch ein Lauf über eine Stunde mit eben dieser maximalen Leistung als 100 TSS-Punkte definiert.

Der Clou dahinter ist das Einbeziehen der Intensität in den Wert. Denn nur Zeit, Kilometer oder Pace sind nicht hinreichend aussagekräftig für die Einschätzung der Trainingsbelastung einer Einheit. 10 km in einer Stunde könnte ein lockerer Dauerlauf gewesen sein, oder ein kraftraubender Lauf in den Bergen. TSS macht beide Läufe vergleichbar.

NGP Normalized Graded Pace

Normalized Graded Pace gibt eine Antwort darauf, wie schnell man bei „gleichen Kosten“ (Anstrengung) auf einer ebenen Fläche gelaufen wäre. Als Grundlage muss natürlich der real gelaufene Geländeverlauf bekannt sein, um von den dort erreichten Geschwindigkeiten zurück zu rechnen. Auch hier geht es wieder darum Leistungen vergleichbar zu machen – zum Beispiel die Pace auf einer leichten Steigung mit der auf einem steilen Anstieg. Wo war ich relativ gesehen schnell? NGP verrät es.

IF Intensity Factor

Der Intensitätsfaktor setzt die Belastung des Laufs (als Power oder NGP) ins Verhältnis zur persönlichen Schwellenbelastung (Threshold). Es lässt sich daran also ablesen, in welche Belastungskategorie der Lauf fällt. Bis etwa 0.75 war es sicherlich ein eher regenerativer Lauf, Werte um 1 sprechen für Intervalle im Schwellenbereich und bei einem IF über 1 war es wahrscheinlich ein Wettkampf.

EF Efficiency Factor

Auch für die Effizienz gibt es bei TrainingPeaks einen Faktor. Hier wird die normalisierte Pace (NGP) ins Verhältnis zur durchschnittlichen Herzfrequenz der Einheit gesetzt. Im Grunde gibt der Wert also Auskunft darüber, wie gut die aerobe Ausdauerfähigkeit ist. Denn der Wert ist höher, wenn bei gleicher Herzfrequenz ein höheres Tempo gelaufen werden kann. Man sollte den EF also im Auge behalten, um seine Entwicklung in diesem Bereich über die Zeit zu verfolgen.

Trainingseinheit

In der Premium-Version hat man daneben noch eine Vielzahl grafischer Auswertungen für jede Trainingseinheit. Die zeitliche Verteilung auf Herzfrequenz- oder Pace-Zonen ist ja auch auf anderen Plattformen Standard. Die Peak-Grafiken geben darüber hinaus noch Aufschluss über z.B. die maximale Geschwindigkeit, die man über 5 Sekunden, 2 Minuten oder eine halbe Stunde halten konnte.

TrainingPeaks Workout Analyse (Premium-Account)
TrainingPeaks Workout Analyse (Premium-Account)

Allerdings finde ich diese Charts nicht sonderlich spannend. Ich werfe da schon gerne mal einen Blick rein, aber einen Grund dafür zu zahlen sehe ich eigentlich nicht.

Performance Management Chart

Anders sieht das schon beim PMC aus. Das ist für mich das Herzstück der Analysemöglichkeiten – nicht nur bei TrainingPeaks, sondern auch bei der erweiterten Analyse in WKO4. Das Chart gibt Auskunft über die derzeitige Trainingsbelastung, den Erholungs- und Fitnesslevel. Dazu muss man allerdings wieder die zugrunde liegenden Metriken verstehen.

Performance Management Chart
Performance Management Chart
CTL Chronic Training Load

Der CTL-Wert ist die (gewichtete) durchschnittliche Trainingsbelastung der letzten 42 Tage. Als Grundlage dient dafür der TSS-Wert der einzelnen Trainingeinheiten. Im Grunde geht es also darum, wie viel man in den letzten sechs Wochen trainiert hat. Oder anders ausgedrückt: an welche Belastung der Körper dadurch gewöhnt ist. Daher wird der CTL auch als Maß für die Fitness verwendet.

Der Anstieg (oder Fall) des CTL über einen definierten Zeitraum wird als „Ramp Rate“ bezeichnet. Grundsätzlich ist ein steigender CTL-Wert im Sinne des Trainings anzustreben. Um es dabei nicht zu übertreiben, sollte er nicht um mehr als 5-8 TSS/Tag steigen. Bei mir als Hobbysportler sind es eher so 3 TSS/Tag, die ich gut verpacken kann.

ATL Acute Training Load

Der ATL-Wert funktioniert prinzipiell genau so wie der CTL-Wert, sieht dafür aber nur sieben Tage in die Vergangenheit. Er gibt also die aktuelle Trainingsbelastung wieder und wird auch als Fatigue (Ermüdung) bezeichnet.

TSB Training Stress Balance

Der TSB-Wert errechnet sich aus dem gestrigen CTL minus dem gestrigen ATL. Es ist also die Differenz der langfristigen und kurzfristigen Trainingsbelastung (basierend auf dem TSS) und gibt die aktuelle Form an. Dabei ist Form nicht mit Fitness-Level zu verwechseln. In intensiven Trainingsphasen rutscht der TSB deutlich ins Negative (-10 bis -30) und zeugt so von einer „schlechten Form“, obwohl natürlich gerade stark an der Fitness gearbeitet wird.

Der hohe Trainingsstress führt aber natürlich dazu, dass man nicht in „bester Form“ an den Start eines Rennens geht. Dazu wird ja im Tapering die Trainingsbelastung zurück gefahren, so daß man fit und erholt in den Wettkampf gehen kann – eben in guter Form. Der TSB ist dann (je nach persönlicher Vorliebe) ungefähr ausgeglichen oder sogar deutlich im Positiven.

Bewegt sich der TSB über Wochen im Bereich zwischen 10 und -10 ist dies allerdings ein Zeichen für einen zu geringen Trainingsreiz. Diese Werte sollten eigentlich nur in den letzten zwei Wochen vor einem wichtigen Wettkampf oder als Erholungsphase in den Wochen danach auftauchen.

Gerade über den TSB lässt sich das Tapering vor einem Wettkampf sehr gut planen und kontrollieren. Ich weiß zum Beispiel, dass ich meine Bestzeiten bisher immer dann gelaufen bin, wenn der TSB am Vortag leicht positiv war (ca. 5) und ich eine Woche vorher noch eine höhere Belastung hatte. Nun kann ich mein Training also so planen, dass ich genau diese Bedingungen vor dem nächsten Wettkampf schaffe.

Man sieht über das PMC auch sehr leicht, wenn man das Training nicht fordernd genug angelegt hat. Das konnte ich im Rückblick auf das letzte Jahr sehr gut beobachten, denn da habe ich nach dem ersten Saisonhöhepunkt die Trainingsbelastung nicht erhöht und blieb somit bei TSB-Werte im „Graubereich“. Dem entsprechend waren auch die nächsten Wettkämpfe nicht so berauschend.

Meine Meinung

unbedingt mal ansehen
Ich habe die Entscheidung, einen Premium-Account von TrainingPeaks zu bezahlen, noch keinen Moment bereut. Die Plattform ist schnell zur neuen, herstellerunabhängigen Sammelstelle aller meiner Trainingseinheiten geworden.

Ich mache regen Gebrauch von der Möglichkeit, mein Training strukturiert zu planen. Die Übertragung der Workouts auf Garmin-Uhren ist einfach genial und erspart doppelte Arbeit (die ich vorher hatte).

Insgesamt ist TrainingPeaks eine sehr durchdachte Plattform, die ständig weiterentwickelt und verbessert wird. Vielen Funktionen und Möglichkeiten habe ich hier nur anschneiden oder gar nicht erwähnen können.

Wer den finanziellen Aufwand scheut, ist mit Runalyze allerdings ähnlich gut bedient – zumindest was die Auswertung der Läufe angeht. Nicht ohne Grund füttere ich auch dieses Tool weiterhin regelmäßig.

  1. Hallo Thomas,
    da hast du wieder mal ein interessantes Thema bzw. ein interessantes Programm gefunden ;-)
    Wenn meine Zeit es irgendwann zulässt, schaue ich mir das genauer an – bis dahin ist es leider zu teuer, um es nur „nebenbei“ zu benutzen und die einfache Auswertung meiner Einheiten über die Garmin-App muss reichen.
    Als Unterstützung zur Vorbereitung eines großen Laufziels erscheint es mir auf jeden Fall sehr hilfreich und sinnvoll!

  2. Kurze frage zu WKO4 (meine Testversion ist lange abgelaufen)… kann das mittlerweile mehrere FTPs händeln? Oder sind multiple FTP weiterhin nur der Online-Version vorbehalten?

    1. Jeder Athlet in WKO4 kann nur einen FTP haben. Willst Du z.B. Laufen und Radfahren unterscheiden, kann man das schon per Formel regeln, wenn man runpower und bikepower benutzt. Ansonsten legen viele User zwei Athleten an und füttern den einen nur mit den Läufen, den anderen nur mit den Rad-Einheiten.

      1. Sch…ade. Ich müsste dann 4 Athleten anlegen und diese getrennt von einander verwalten, da ich multisportiv bin. Eine Gesamtübersicht hätte ich dann nicht, oder? Das habe ich eine Zeit lang mit GoldenCheetah gemacht, hat sich aber für mich nicht bewährt; keine Gesamtübersicht.

          1. Tja… dann ist das wahrscheinlich nur über vier Profile umzusetzen. Wenn man die vier Disziplinen anhand eines durch WKO4 auszuwertenden Kriteriums unterscheiden kann, lässt sich allerdings auch jeweils ein spezieller FTP ermitteln.

  3. Hey, eine Frage zu TrainingPeaks, passt sich die eingegebene Threshold Values Pace automatisch an oder muss man es immer Manuel ändern? Ich laufe mit der Garmin 630, da sehen ich ja immer meine aktuelle Laktatschwelle. Die Threshold Values ist ja entscheidend für alle weiteren Berechnungen. Vielen Dank für deine Antwort und super Artikel.

    1. Hi David, TrainingPeaks kann auf Grundlage der übermittelten Workouts selbständig eine Änderung des Thresholds erkennen und schickt dann eine Benachrichtigung. Das kann sogar so eingestellt werden, dass TP die neuen Wert auch sofort übernimmt. Das ist natürlich nicht unbedingt sinnvoll, falls die Berechnung mal daneben liegt. Ich würde die manuelle Anpassung bevorzugen – obwohl die bei mir erkannten Werte immer ganz brauchbar waren.

  4. Hi, mega guter Review! Erklärt wirklich alles bis ins letzte Detail. Bereue die Premium TP bis jetzt auch noch überhaupt nicht. Eine Frage hätte ich jedoch: Lädt es die Trainings die man in TP erstellt hat, dann automatisch in die TP App auf der FR935? Dies funktioniert bei mir komischerweise nicht..
    Freue mich über eine Antwort.
    LG

    1. Hi Basti, nochmal vielen Dank für das Lob. Wir haben Deine Fragen ja schon im Chat geklärt.

      Für die anderen ganz kurz: die Workouts müssen mit dem Workout Builder erstellt worden sein und es wird immer nur das Workout des heutigen Tages übertragen. So klappte es dann auch. :)

  5. Interessant. Nach der Lektüre von Joe Friels „Fast after 50“ habe ich begonnen, manuell (auf Papier…) meine Planung umzustellen. Als Läufer über 60 habe ich mich von Friels Ansatz überzeugen lassen, weniger lange zugunsten von intensiveren (Intervalle, Laktat-Schwelle/Tempo-Läufe) zu machen – ergänzt durch mein angeleitetes Krafttraining im Studio. Ich lief die vergangenen 8-10 Jahre (M, HM) nach der „Schule“ von Bill Pierce – Run Less, Run Faster – 3-Run-a-Week Training Program. Dort wird das Kraftraining zugunsten von Cross-Training (Spinning, Rudern) stiefmütterlich behandelt (Krafttraining ja, aber ohne intensive systematische und rigide Integration in den Wochenplan).
    Meine Daten zeichne ich mit Garmin (jahrelang Foreunner 210, jetzt 230) auf. Die überarbeitete Garmin Connect gibt mir eine gute generelle Übersicht des Gelaufenen. Nichts desto trotz macht mich nach dem Lesen und Durcharbeiten des Friel-Buches die Software von Training Peaks neugierig. Die Basic Version ist dürftig, da ist im Vergleich mit der Garmin Connect kein Mehrwert. Nur ist eine Woche echt kurz für das Ausprobieren. Werde Deine Beschreibung detailliert durcharbeiten. Danke für den Tipp der 6-Monats-Version. Das ist in der Tat ein vertretbarer Kompromiss.

    1. Hallo Hermus, vielen Dank für den ausführlichen Kommentar. „Fast after 50“ steht auch noch auf meiner Wunschliste – ganz so lange habe ich bis zur M50 nicht mehr. ;) Aber ich merke schon, dass Standard-Trainingspläne sich eher an junge Athleten richten und ich nicht alles so wegstecken kann, was da vorgeschlagen wird. Krafttraining war bisher für mich noch keine Option, wohl aber sehr intensive Einheiten. Die machen mehr auch mehr Spass als die langen Läufe. :)

  6. Hallo, ich habe eine ganz platte Frage. Da bei mir der Englisch Unterricht leider in Französisch gewandelt wurde, stellt sich bei mir die Frage ob man TrainingPeaks auf deutsch einstellen kann? Sonst ein wirklich toller Bericht. Danke !!!

    1. Hi Oli, das geht leider nicht. Die Plattform ist nur auf englisch verfügbar. Mit ein wenig Sprach-Grundkenntnissen ist das Führen des Trainingstagebuchs sicher kein Problem. Wenn man sich etwas mehr einlesen will, stößt man aber halt fast ausschließlich auf englische Quellen.

  7. Moin. Nutzt du TP noch? Bin jetzt erst im Zuge der Umstellung auf Suunto drauf aufmerksam geworden, weil man das in der (neuesten) Suunto App als externer Dienst eintragen kann. Ganz praktisch, als Backup, falls der Sync zu Strava mal hakt. Auf TP kann man nämlich FIT-Dateien runterladen.

    1. Klar, bin immer noch zahlender Kunde, damit ich automatisch zu WKO4 synchen kann. Zudem ist die Auswertung dort deutlich besser als auf anderen Plattformen und man kann die Daten auch bearbeiten (verkorkste HF-Messungen löschen z.B.).

  8. Hallo,

    super Beitrag der endlich mal den Unterschied gut darstellt.
    Mal noch eine Frage…Was ist dann noch der Unterschied zu WKO4?
    Ich weiß nicht ob ich mir nur WKO4 oder TP Basic oder TP Premium oder eine Kombi aus TP Basic und WKO4 holen soll.

    Danke schonmal für eine Antwort. :)

    1. Hi, das kommt darauf an, was Du machen willst. TrainingPeaks kann man ja gefahrlos ausprobieren, denn man bekommt ja erstmal für 30 Tage alle Funktionen freigeschaltet (meine ich). Danach kann man sich entscheiden, ob man die Premium-Funktionen wirklich braucht. Für mich ist da der wichtigste Grund die Trainingsplanung. WKO4 hingegen ist ein Tool, das eigentlich eher für Trainer gedacht ist. Brauchen wirst Du das mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht – so wie ich auch nicht. ;) Aber mir macht es halt Spaß mit den Daten zu arbeiten. Was ich mit WKO4 so mache, findest Du ja auf dem Blog.

  9. Hallo Thomas,
    WKO4 finde ich ein fantastisches Programm zur Auswertung des Trainings. Ein paar der Charts habe ich auch schon ein klein wenig an meine Bedürfnisse angepasst. Was mir noch nicht gelungen ist, die CTL-Kurve mit den Vorjahres-Werten in einem Chart überlagert anzeigen zu lassen. Es gibt die Funktionen athleterange () und workoutrange (), mit denen sich die Werte von RHE überschreiben lassen. Aber meine Versuche haben nicht zum Erfolg geführt. Kannst Du mir sagen, wie die Funktion dafür aussehen muss?

    1. Hi Leo, Du koenntest doch einfach zwei Zeitraeume im RHE markieren, dann hast Du genau den Vergleich. Den anderen Weg halte ich dafuer nicht so geeignet.

  10. Wow, danke für die schnelle Antwort und den Tipp. Die Lösung kann manchmal so einfach sein.
    Im Performance Manager werden die Zeiträume zwar getrennt, aber übereinander angezeigt, sodass der Vergleich einfacher ist, als wenn sich die Daten auf einer Timeline befinden. In den anderen Charts (PMC Zoom, Actual and Planned CTL,ATL…) aber werden die Daten in einem Diagramm übereinander gelegt. Einfach perfekt – genauso habe ich es mir vorgestellt! Die Legende passt sich zudem noch an indem sie sich zu einer kleinen Matrix wandelt, wo die Parameter in Reihen und die Zeiträume in Spalten dargestellt werden. Je nach Cursorposition im Diagramm wird dann zur aktuellen Position des Cursor die Vorjahreswerte angezeigt. Ich bin begeistert. Nochmals ganz herzlichen Dank für den tollen Tipp und ein Lob an das Entwicklerteam von WKO4. Das ist schon ein verdammt gut durchdachtes Programm.

  11. Sehr interessanter Bericht- vielen Dank dafür!

    Mal eine blöde Frage: Spricht etwas gegen die Verwendung von WKO4 und TP-basic? Ich verstehe die WKO4 „FAQs“ so, dass ein bidirektionaler Sync mit WKO4 aller Daten auch mit TP-basic funktionieren soll.

  12. Hallo,
    beschäftige mich aktuell mit TrainingPeaks und finde diesen Artikel hilfreich zur Entscheidungsfindung – vielen Dank.
    In den Kommentaren wird ab und an von der Anlegung mehrerer Profile gesprochen – könnten also mein Mann und ich die Plattform gemeinsam nutzen, oder muss jeder einen eigenen Zugang haben?
    Besten Dank

    1. Hallo Brigitte,

      um Aussagen über das eigene Training zu bekommen, muss jeder Sportler einen eigenen Zugang haben. Anders macht es ehrlich gesagt keinen Sinn. Da die Basic-Version kostenlos ist, stellt das eigentlich auch keinen Hinderungsgrund dar. Worüber in den Kommentaren diskutiert wird, ist der Trennung der einzelnen Sportarten bei Multisportlern also zum Beispiel Triathleten. Dabei geht es aber weniger um ein Problem in TrainingPeaks (was sehr gut damit umgehen kann), sondern in der Analysesoftware WKO4.

      Kurzum: legt einfach für jeden einen persönlichen Zugang an. :)

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Ich bin der Harlerunner

Hier schreibt Thomas Pier über das Laufen und (deutlich mehr als nur die notwendige) Ausrüstung. Ich laufe weder besonders schnell noch weit. Aber ich teile gerne meine Erfahrungen, die ich als ambitionierter Freizeitläufer, neugieriger Early-Adopter und als mein eigener Trainer sammele.

Ich freue mich über jede digitale Kontaktaufnahme - noch mehr allerdings über jeden gemeinsam gelaufenen Kilometer.

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