intervals.icu kann viel — nur sieht die Oberfläche aus, als wäre sie für Daten gebaut und nicht fürs tägliche Reinschauen. Geplant wird mein Training ohnehin woanders, über einen KI-Assistenten; intervals.icu verwaltet bei mir vor allem die Daten und schiebt die Workouts auf die Uhr. Die Funktionen, die ich wirklich täglich brauche, habe ich deshalb in ein eigenes Werkzeug gepackt: „Loop UI“. Eine HTML-Datei, mein Plan im Magazin-Stil, live mit dem echten Konto verbunden — und mit ein paar Auswertungen, die es so anderswo gar nicht gibt.
Hinweis: loop ist kein Produkt, das man kaufen oder herunterladen kann — es ist ein privates Bastelprojekt für meinen eigenen Plan, hinter einem Passwort. Dieser Artikel ist also kein Test zum Nachkaufen, sondern ein Werkstattbericht … ;)
Inhalt / Content
- Loop UI
- Warum überhaupt eine eigene Oberfläche?
- Das Cockpit — meine Woche auf einen Blick
- HRV nach Plews — der ehrlichste Frühwarner
- Plan, Saison, Pulse — der Blick nach vorn und zurück
- Soll gegen Ist — habe ich den Plan getroffen?
- Zonen nach Norwegian Singles und Norwegian Method
- Sieben Themes, weil es einfach Spaß macht
- Was bringt mir das als Läufer wirklich?
- Meine Meinung:
Loop UI
Art
Selbstgebaut — eine eigenständige HTML-Datei, läuft auch offline
Basis
intervals.icu als Datenzentrale, live über die API
Zugriff
Lokal per Doppelklick — oder online, auch vom Handy
Loop UI: eine selbstgebaute Browser-Oberfläche für den eigenen intervals.icu-Plan, gedacht für datenverliebte Hobbyläufer. Kein Produkt zum Kaufen, sondern ein privates Werkzeug — offline lauffähig, bei mir aber online erreichbar, auch mobil. Fünf Ansichten vom Wochen-Cockpit bis zum Saisonverlauf, dazu eine HRV-Analyse nach Plews, die es so anderswo nicht gibt. Wer seinen Plan lieber liest als verwaltet, versteht den Reiz sofort.
Warum überhaupt eine eigene Oberfläche?
intervals.icu ist ein Schweizer Taschenmesser — mächtig, dicht, ein bisschen technisch. Der Kalender zeigt alles, aber er lädt nicht gerade dazu ein, morgens beim Kaffee einfach mal reinzuschauen. Genau das wollte ich aber: ein Werkzeug, das ich gern öffne … und nicht eins, durch das ich mich arbeiten muss.
Dazu kommt: Geplant wird mein Training gar nicht in intervals.icu, sondern über einen KI-Assistenten (Claude). intervals.icu ist bei mir die Datenzentrale — es speichert, wertet aus und schiebt die Workouts auf die Uhr. Was ich im Alltag wirklich vor Augen brauche, habe ich nach und nach in loop zusammengezogen.
- loop ist eine reine Browser-Datei. Sie läuft per Doppelklick — komplett offline, ohne Server, ohne Installation.
- Damit ich von überall drankomme, auch vom Handy, habe ich sie für mich zusätzlich online verfügbar gemacht — hinter einem Passwort.
- Sie verbindet sich live mit dem echten intervals.icu-Konto. Verschieben, Löschen und Anlegen wirken sofort im Konto — loop ist also keine Kopie, sondern eine zweite Tür zum selben Plan.
Das Cockpit — meine Woche auf einen Blick

Das Cockpit ist die Ansicht, die ich am häufigsten öffne. Eine einzelne Woche, dafür mit allem, was ich morgens wissen will: Bin ich frisch? Was steht an? Wohin läuft meine Form?
Das Wochenraster sortiert die Tage in drei Bänder — Lauf und Ausdauer oben, Kraft und Reha in der Mitte, Notizen unten. Darunter liegen der HRV-Streifen, ein „Form & Fitness“-Panel mit CTL/ATL/TSB-Verlauf und die Easy/Sub-T+-Auswertung der Woche.
- Der Hero-Streifen ganz oben zeigt geplante Stunden, Form (TSB), Fitness (CTL) samt eFTP und das nächste A-Rennen.
- Form-, Fitness- und eFTP-Werte folgen beim Blättern in die Vergangenheit der jeweils angezeigten Woche — historische Sichten stimmen also mit dem damaligen Stand überein.
- Eine Wellness-Fußzeile pro Tag ergänzt Ruhepuls, HRV und Schlafdauer.
Was ich als Läufer davon habe: ein ehrlicher Morgen-Check in fünf Sekunden. Kein Suchen, kein Scrollen — alles, was ich für die aktuelle Woche wissen will, steht einfach da.
HRV nach Plews — der ehrlichste Frühwarner

Der Teil, auf den ich am meisten stolz bin. Für jeden Tag der Woche zeigt loop einen HRV-Befund nach der Methode von Daniel Plews — angereichert um ein paar neuere Erkenntnisse aus der Forschung. Grundlage sind die täglichen RMSSD- und Ruhepuls-Werte, die ich per HRV4Training ermittle und von dort zu intervals.icu synchronisiere.
- Pro Tag entstehen ein rollender 7-Tage-Mittelwert und ein Variationskoeffizient, verglichen mit einer 60-Tage-Baseline.
- Daraus wird ein Signal: OK, NFOR (Ermüdung), HYPER oder SAT? (vagale Über-Anpassung statt Übertraining).
- Ein 3R-Badge (Vagal Tank) prüft nach Rennen und harten Tagen, ob die Erholung wieder da ist.
- An kritischen Tagen erscheint ein Warnbanner mit Bedeutung und Empfehlung.
Diese Auswertung — der Plews-Quadrant samt 3R-Erholungscheck — gibt es so weder in intervals.icu noch in irgendeinem anderen Tool, das ich kenne. Für diesen einen Baustein hat sich der ganze Aufwand fast schon gelohnt.
Was ich als Läufer davon habe: Ich sehe ein drohendes Loch, bevor es ein Infekt oder eine Verletzung wird. Das ist kein Orakel und schon gar kein medizinischer Rat — aber als Frühwarner, der über Wochen mitdenkt, ist es Gold wert. Wichtig dabei: Plews lebt von sauberer, morgens unter gleichen Bedingungen gemessener HRV-Historie. Ohne die ist die Anzeige nur halb so ehrlich …
Hätte ich die Auswertung Anfang des Jahres schon gehabt (aus der Zeit stammt der Screenshot), wäre ich vielleicht um meine Überlastungsverletzungen herum gekommen. Das war schon ziemlich Harakiri, was ich da veranstaltet habe. Meine bisherigen Warnsysteme (nur HRV-Trend) haben überhaupt nicht angeschlagen – Plews dafür um so deutlicher.
Plan, Saison, Pulse — der Blick nach vorn und zurück

Dasselbe Training, drei Flughöhen. Je nachdem, ob ich die nächste Woche feinjustiere oder ein ganzes Quartal im Blick haben will, wechsle ich die Ansicht — das Zeitfenster bleibt dabei erhalten.
- Plan — das mehrwöchige Raster über 4/8/12/16 Wochen, mit voller Wochen-Zusammenfassung.
- Saison — eine kompakte Tabelle, eine Zeile pro Woche, mit Phase und Sub-T+-Anteil (Soll und Ist). Krafttraining ist hier bewusst ausgeblendet, damit der Ausdauer-Fokus bleibt.
- Pulse — der Belastungs- und Formverlauf über 4 bis 52 Wochen, mit nach Sportart eingefärbten Load-Balken und CTL/ATL-Linien.

Was ich als Läufer davon habe: Ich kann zoomen. Mal die Woche, mal die Saison, mal das halbe Jahr — und sehe sofort, ob der Plan passt oder irgendwo nachgeschärft werden muss.

Soll gegen Ist — habe ich den Plan getroffen?
Ein Plan ist das eine, die Realität das andere. loop stellt beides nebeneinander und vergibt pro Einheit einen Status: absolviert, ausgefallen, offen oder spontan. Ein Klick auf eine Kachel öffnet einen Vollbild-Detailblick.
- Stat-Kacheln stellen Dauer, Distanz, Load und Easy/Sub-T+ als Soll gegen Ist — eingefärbt nach Plan-Treue (grün, gelb, rot).
- Der Compliance-Graph legt die Soll-Bänder jedes Workout-Schritts über die tatsächlich gelaufene Linie (Power, Pace oder Puls). Pausen werden herausgefiltert.
- Bei Laufeinheiten mit Watt-Daten zeigt ein Balken die Zeit in den einzelnen Power-Zonen.
- Der RPE-Wert lässt sich direkt im Detailblick per 1–10-Buttons eintragen.
Was ich als Läufer davon habe: ehrliches Feedback statt eines simplen Hakens. Nicht „erledigt“, sondern „getroffen — oder eben nicht“. Genau das hilft beim nächsten Mal.

Zonen nach Norwegian Singles und Norwegian Method
Weil ich nach aktuell nach der Norwegian Singles Method trainiere, gehört eine saubere Zonen-Referenz dazu. loop leitet sie aus dem aktuellen eFTP und den Sport-Settings ab — und kennt beide Lager.
- Norwegian Singles — sechs Zonen mit Power (Watt + % eFTP), Pace, Puls, Zweck und Wochenlimit.
- Norwegian Method — vier Zonen inklusive Laktatwerten, mit hervorgehobener Golden Zone.
- Die vLT2-Threshold-Pace ist editierbar und wird aus den intervals.icu-Settings vorbelegt — alle Pace-Spalten rechnen live mit.
Was ich als Läufer davon habe: meine tatsächlichen Trainingsbereiche immer griffbereit, im selben System, nach dem ich auch laufe. Kein Wechsel in eine andere App, kein Umrechnen im Kopf.

Sieben Themes, weil es einfach Spaß macht
Ein bisschen Spaß muss auch sein … ;) loop kommt mit sieben umschaltbaren Themes — sechs helle und ein dunkles „Neon“. Darunter Varianten, die an Tools wie Strava, TrainingPeaks oder Athletica angelehnt sind.
Das klingt nach Spielerei, hat aber einen praktischen Kern: Die Oberfläche fühlt sich vertraut an, weil sie aussieht wie die Tools, die ich ohnehin kenne. Und morgens im dunklen Neon-Theme zu planen, ist halt einfach schöner als ein nüchterner Kalender.

Was bringt mir das als Läufer wirklich?
Zweierlei. Zum einen ordnet loop die vorhandenen Daten so, wie ich über mein Training denke — das senkt die Hürde, überhaupt hinzuschauen. Zum anderen steckt echte Auswertung drin, die intervals.icu so nicht liefert, allen voran der HRV-Frühwarner nach Plews.
Morgens das Cockpit, beim Planen die Plan- und Saison-Ansicht, im Zweifel HRV-Streifen und Compliance-Graph. Drei, vier Klicks, und ich weiß, woran ich bin. Dass loop offline läuft, aber bei mir auch online steht, heißt: Der Blick auf die Woche ist nie weiter weg als das Handy. Dass alles sofort ins echte Konto schreibt, macht es bequem — und ein klein wenig gefährlich, weil Löschen nicht zurückgeht.
Meine Meinung:
loop wird nie ein fertiges Produkt sein, und das ist auch gut so. Es ist genau auf mich, meinen Plan und meine Macken zugeschnitten — eine fremde Person könnte damit wenig anfangen. Aber für mich hat sich die kleine Bastelei mehr als gelohnt.
Gleichzeitig hat mir das Bauen per KI auch viel Spaß gemacht — und macht es immer noch. Ich kann mir jede Funktion wünschen und die KI kümmert sich um die Umsetzung. Die letzten Kleinigkeiten sind sogar entstanden, während ich den Artikel hier geschrieben habe.
Beim Bauen habe ich nebenbei mehr über die Logik meines eigenen Trainings gelernt als durch manches Tool davor. Und die Gewohnheit, morgens loop zu öffnen statt des nackten Kalenders … das macht einfach mehr Spaß. :)

Autor und Betreiber von Harlerunner.de. Läufer seit mehr als zehn Jahren, über 100 Wettkämpfe von 5 km bis Halbmarathon im Gepäck, bisher mehr als 500 Produkte getestet. Kein Labortest — alles kommt aus dem echten Training in und um Coesfeld. Was du hier liest, hat er selbst an den Füßen, am Körper, am Handgelenk oder im Ohr gehabt.
Author and owner of Harlerunner.de. A runner for over ten years, with more than 100 races under his belt – ranging from 5 km to half-marathons – and having tested over 500 products to date. No lab tests – everything is based on real-world training in and around Coesfeld. Everything you read here is something he has personally worn on his feet, on his body, on his wrist or in his ear.

