Light beige running shoes with black laces and gray accents on a white surface.

norda 001A im Test — Trail-Schuh mit Nachhaltigkeits-Anspruch und einem kleinen Problem

norda war mir bis vor kurzem komplett unbekannt — das kanadische Label baut seine Trailschuhe um Dyneema-Obermaterial und einen ziemlich lauten Nachhaltigkeits-Anspruch herum. Der 001A läuft sich richtig gut, keine Frage. Aber am Fersenabschluss hat man schlicht zu wenig gepolstert.

Anzeige: Der Hersteller hat mir das Produkt für diesen Test auf meine Anfrage hin zur Verfügung gestellt. Dies hatte keinen Einfluss auf den Inhalt meines Testberichts. Der Beitrag ist frei verfasst und gibt ausschließlich meine persönlichen Erfahrungen wieder.


Wer oder was ist norda eigentlich?

Bis vor Kurzem sagte mir der Name norda ehrlich gesagt gar nichts — und damit bin ich vermutlich nicht allein. Die Marke ist noch jung: gegründet 2020 während der Pandemie von Nick und Willa Martire, einem Ehepaar aus Quebec mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Schuhindustrie und einer gemeinsamen Leidenschaft fürs Traillaufen. Die Ausgangslage war simpel — sie fanden keinen Trailschuh, der technisch überzeugte und gleichzeitig lange hielt, ohne bei der Nachhaltigkeit Kompromisse einzugehen. Also haben sie ihn selbst entwickelt.

Das Ergebnis war 2021 der norda 001, der erste Trailschuh der Welt mit einem nahtlos gewebten Obermaterial aus bio-basiertem Dyneema — einem Fasermaterial, das ursprünglich für Segel, Kletterausrüstung und kugelsichere Westen entwickelt wurde und angeblich 15-mal stärker als Stahl sein soll, bei einem Bruchteil des Gewichts. Seitdem ist norda schnell gewachsen: Der 002 kam als leichterer, technischerer Bruder dazu, der 005 als Renn-Modell mit Arnitel-Midsole, und mit dem 001A liegt nun ein Update des Flaggschiffs vor, das auf der UTMB in Chamonix vorgestellt wurde.

Nachhaltigkeit ist bei norda tatsächlich mehr als eine Marketingzeile. Die Produktion läuft nach Herstellerangaben größtenteils mit erneuerbarer Energie, die verwendeten Materialien sind auf lange Haltbarkeit statt schnellen Verschleiß ausgelegt — 700 bis über 1.600 Kilometer sollen laut Herstellerangaben und Nutzerberichten drin sein, deutlich mehr als der Branchenschnitt von 400 bis 600 Kilometern. Die neue Arnitel-Midsole im 001A, entwickelt mit dem Materialhersteller Envalior, soll zusätzlich 30 % mehr Energierückgabe bei 10 % weniger Gewicht liefern und laut Envalior auch nach über 1.000 Kilometern noch konsistente Dämpfungseigenschaften behalten. Ob sich das alles im Alltag so bestätigt, kann ich nach acht Wochen natürlich nicht abschließend beurteilen — aber die Grundidee, Schuhe nicht für die Mülltonne zu bauen, ist schon mal sympathisch.

Erster Eindruck

Gewicht (beide Schuhe, US 12.5): 701 Gramm — damit gehört er in die Klasse Halbschwergewicht.

Auf den ersten Blick wirkt der 001A schlicht, fast unauffällig für einen Schuh, der 280 Euro kostet. Kein Schnickschnack, keine bunte Overlay-Landschaft — stattdessen ein glattes, straff gewebtes Obermaterial, das sich beim Reinschlüpfen tatsächlich eher wie ein Handschuh anfühlt als wie ein klassischer Laufschuh. Der gegussete Zungenaufbau und das Norda-Lock-System sorgen für einen sehr direkten Sitz im Mittelfuß, ohne dass irgendwo Druckstellen entstehen … zumindest dort.

Die Passform selbst hat mich wirklich überzeugt. Der Vorfuß bietet genug Platz zum Spreizen, ohne dabei ausgelatscht oder instabil zu wirken, und im Mittelfuß liegt der Schuh eng, aber nie einschnürend. Wer schon mal in einem Dyneema-Obermaterial gestanden hat, weiß, dass sich das am Anfang etwas starr anfühlen kann — hier war das für mich nach wenigen Kilometern kein Thema mehr.

Erfahrungen beim Laufen

Auf Trails im eigentlichen Sinne konnte ich den 001A ehrlich gesagt nicht wirklich fordern — dafür fehlten mir im Testzeitraum die passenden Strecken. Was ich aber sagen kann: Auf Wald- und Wirtschaftswegen, leicht wurzeligem Terrain und ein paar steinigeren Abschnitten hat sich das Laufgefühl richtig gut angefühlt. Die Arnitel-Midsole ist angenehm reaktionsfreudig, ohne dabei wabbelig zu werden, und der Vibram-Megagrip-Außensohle mit den 5-mm-Lugs traut man auf Anhieb einiges zu.

Der Schuh liegt für seine Stack-Height angenehm stabil auf dem Boden — man fühlt sich nicht wie auf Stelzen, sondern hat noch ein ordentliches Maß an Bodenkontakt und Kontrolle. Das dürfte auch daran liegen, dass norda den 001A konsequent als Trailschuh entwickelt hat und nicht einfach einen Straßenschuh mit gröberer Sohle versehen hat.

Der wunde Punkt — im wahrsten Sinne des Wortes — ist der Fersenabschluss. Dort ist praktisch keine Polsterung verbaut, das Dyneema-Gewebe liegt relativ hart und roh am Achillessehnenbereich an. Bei mir hat das nach längeren Läufen zu Hot Spots geführt, genau dort, wo der Schuhrand auf die Ferse trifft. Kein Drama, aber spürbar unangenehm — und bei einem Schuh in dieser Preisklasse hätte ich mir hier ehrlich gesagt etwas mehr Sorgfalt gewünscht.

Interessant ist: Ich bin damit offenbar nicht allein. Eine kurze Recherche in anderen Tests zeigt, dass genau dieses Problem seit dem ursprünglichen 001 immer wieder auftaucht — und norda es beim 001A nicht grundlegend gelöst hat. Es scheint stark von individueller Anatomie und Lauftechnik abzuhängen — aber die Häufung der Beschwerden über mehrere unabhängige Tests hinweg zeigt, dass es kein Einzelfall ist. Bei mir ist es ehrlich gesagt durch das Tragen von etwas dickeren Socken (Trail-Modelle) verschwunden.

Spaßfaktoren / Eignung

Nicht jeder Schuh eignet sich für jede Art von Training oder Wettkampf. Das ist (neben dem Schuh an sich) abhängig von Lauferfahrung, Leistungsstand, Gewicht und persönlichen Vorlieben. Meinen Spaß mit dem Schuh würde ich so einschätzen:

Für lange, ruhige Trail-Läufe und Grundlagentraining auf gemischtem Terrain macht der 001A wirklich Spaß — die Kombination aus stabiler Führung und angenehmer Dämpfung passt gut zu längeren Umfängen. Für technisch anspruchsvolle, steinige Trails mit viel Auf und Ab traue ich ihm nach meinen begrenzten Erfahrungen ebenfalls einiges zu, kann das aber mangels passender Strecken nicht abschließend beurteilen. Als reinen Renn-Schuh für kurze, schnelle Wettkämpfe würde ich wahrscheinlich eher zum leichteren 002 oder 005 aus dem norda-Programm greifen — der 001A ist eher der Allrounder fürs lange Training. Wer empfindliche Fersen hat oder öfter No-Show-Socken trägt, sollte den Schuh vor dem Kauf unbedingt anprobieren oder zumindest lange Laufsocken einplanen.

Meine Meinung:

Light beige running shoes with black laces and gray accents on a white surface.
norda 001A im Test — Trail-Schuh mit Nachhaltigkeits-Anspruch und einem kleinen Problem
Besonders nachhaltig
norda hat mit dem 001A einen Schuh gebaut, der handwerklich und konzeptionell wirklich Substanz hat — Nachhaltigkeit als echtes Entwicklungsprinzip statt als Feigenblatt, dazu ein Laufgefühl und eine Passform, die für mich absolut überzeugen. Der nicht gepolsterte Fersenabschluss ist aber ein Wermutstropfen, den man bei diesem Preis eigentlich nicht erwarten sollte — und die Recherche zeigt, dass ich damit keineswegs allein dastehe. Wer sich das vorher bewusst macht und notfalls mit dickeren Socken gegensteuert, bekommt einen Trailschuh, der lange durchhält und ehrlich Freude macht.
Qualität
Funktion
Begeisterung
Preis / Leistung
4.1
Bewertung

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Hier schreibt Thomas Pier über das Laufen und (deutlich mehr als nur die notwendige) Ausrüstung. Ich laufe weder besonders schnell noch weit. Aber ich teile gerne meine Erfahrungen, die ich als ambitionierter Freizeitläufer, neugieriger Early-Adopter und als mein eigener Trainer sammele.

Ich freue mich über jede digitale Kontaktaufnahme - noch mehr allerdings über jeden gemeinsam gelaufenen Kilometer.

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