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Mich hat es für eine Woche auf die Insel verschlagen. Genauer: auf eine Finca in der Nähe von Manacor. Neben dem (Gross-) Familienurlaub stand für mich natürlich auch das Laufen auf dem Plan. Was hatte ich mich auf Singletrails in schattigen Pinienwäldern gefreut… ;) Die Realität sah etwas anders aus.

Planung

Der genaue Standort der Finca war im Vorfeld nicht ganz leicht zu ermitteln, aber ich habe ihn rausbekommen. Ich plane gerne immer zwei, drei Laufstrecken per Strava, damit ich ein Gefühl für die Entfernungen und lohnende Ziele in der unbekannten Gegend bekomme.

Leider stellte sich dabei schnell heraus, das die Gegend sooo spannend nicht ist – jedenfalls nicht für Läufer. Keine Pinienwälder, keine Berge, wahrscheinlich keine Trails… Nichtmal ordentliche Feldwege schien es zu geben. Maximal Land- und Forststrassen. Und die ganzen schönen „Wälder“ waren in Privatbesitz und eingezäunt. So viel war per Google StreetView zu erkennen.

Trotzdem habe ich drei Strecken erstellt, die ich in der Urlaubswoche ablaufen wollte.

Lauf 1: zum Strand und zurück

Direkt am ersten Urlaubstag konnte ich es nicht abwarten und bin schon nachmittags in die Laufsachen geschlüpft – bei guten 31°C nicht die beste Idee. ;) Ich habe auf die Kühlung des stetigen Windes gesetzt.

Von der Finca ging es über ein paar Nebenstrassen zur Ma-4015, die ich 2,5 km in Richtung Strand laufen musste. Nun… das hatte ich mir etwas idylischer vorgestellt. Es gab auf der gut befahrenen Strasse keinen wirklichen Seitenstreifen, so dass ich auf die Rücksicht der Autofahrer angewiesen war. Bis auf ein paar schlecht einzusehende Kurve war das aber auch kein Problem.

Der Beginn des Strandzugangs war schon lange vorher zu sehen, weil doch eine Menge Menschen dort hin unterwegs zu sein schienen. Die schnurgerade, schlaglochgespickte Geröllpiste endete nach einer halben Ewigkeit dann allerdings vor einem verschlossenen Tor.

Ich war allerdings der Einzige, den das ratlos machte, denn offensichtlich kannten alle den „offiziellen“ Weg über die beiden Mauern. ;)

Dahinter wartete noch ein Kilometer größtenteils nicht laufbarer Trail, bis plötzlich der Strand vor mir auftauchte.



Die Cala Varques scheint eine ziemliche In-Location zu sein, denn es gab nur junge Menschen dort und eine (höchstwahrscheinlich illegale) Strandbar, an der ich mir erstmal eine eiskalte Fanta Limon gönnte. :D



So gestärkt ging es exakt den selben Weg wieder zurück. Der Lauf war also größtenteils nicht sonderlich spannend, aber trotzdem ein kleines Abenteuer. Und: ich hatte das Meer gesehen. :)

Lauf 2: Höhenmeter sammeln

Zwei Tage später war ich bei der Wahl der Tageszeit zum Laufen schon etwas geschickter: um halb acht abends war es bei 25°C schon deutlich erträglicher. Wieder ging es zunächst über die Nebenstrassen und für ein kurzes Stück auf die Ma-4015, allerdings in die andere Richtung. Dann ging es links ab in die Feldwege.

Zwischen Feldern und Wäldern schlängelte sich der schattige Pfad ständig leicht nach oben. Immer mal wieder hatte ich das Gefühl, durch ein geöffnetes Tor auf Privatbesitz zu laufen, aber die geplante Route führte mich sicher über die öffentliche Strasse.

Mitten im Wald begann dann ein echter Anstieg (für mich Flachländer…). Gesäumt von hohen Zäunen links und rechts stolperte ich die Geröllstrasse aufwärts so lange es ging, um irgendwann vom Laufen ins Gehen zu wechseln. Wer weiss, was noch auf mich warten würde…



Auf der anderen Seite des Hügels veränderte sich dann die Landschaft. Alles war deutlich gefplegter und hochwertiger. Anscheinend kam ich nun in die besseren Gegenden. ;) Angenehm war auch das leichte Gefälle, das mich in wunderbaren Schlenkern zurück zur Ma-4015 brachte und damit wieder nach hause. Wurde ja auch schon fast dunkel.




Lauf 3: immer der Nase nach

Für den letzten Lauf hatte ich eine Strecke über die höchste Erhebung in der Nähe geplant, den Puig de sa Mola. Wieder bin ich abends gestartet und wieder ging es über die Nebenstrassen – bis zu einer Baustelle. Die komplette Strasse war frisch geteert und kein Weg daran vorbei möglich. Also gab es eine Planänderung und ich folgte spontan meiner Nase. :)

In schnurgerader Linie ging es erst über eine ordentliche Nebenstrasse, die dann zu einem Weg, dann zu einem schmalen Weg und dann zu einem gerade noch laufbaren Pfad wurde.



Irgendwo bei Kilometer 4,5 sprangen mich dann plötzlich ein paar Katzen aus dem Nichts an! Hab‘ ich mich erschrocken…! Anscheinend kommt da selten jemand lang und mit mir hatten sie erst recht nicht gerechnet. ;) Der Pfad endete an einem Gatter, das sich zum Glück öffnen lies.

Mir wäre ein Weg links herum ganz lieb gewesen, aber da ging es nicht weiter. Als lief ich rechts Richtung Meer und landete ziemlich genau an unserer Badebucht. Ich entschied mich aber eine Bucht weiter zu laufen, um mir die mal anzusehen.

Zurück quälte ich mich dann durch die langweiligen Strassen von S’Estany den Mas bis ich auf die Ma-4014 stieß. Die lief ich zurück bis zu der Einfahrt, die wir auch auf dem Rückweg vom Strand benutzen. Da kannte ich mich zumindest aus und musste nicht mehr mit ungeplanten Umwegen rechnen.

Fazit

Ich hätte nicht gedacht, dass ich auf meinen Läufen so viel entdecken und erleben würde. Sicher waren das keine großen Highlights, aber es gab bei der Rückkehr immer etwas zu erzählen. :)