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Über den Sinn und Unsinn, sein Gewicht in den Einstellungen des Stryd-Footpod anzupassen, gibt es viele Diskussionen. Gerade heute habe ich wieder eine verfolgt und meinen Senf dazu beigetragen – mit mäßigem Erfolg. Dabei ist das doch gar nicht so schwer zu verstehen! Ich erkläre das Mal auf Grundlage meines bescheidenden Wissens… ;)

Berechnungsgrundlagen

Stryd ist ein Beschleunigungssensor. Im Unterschied zu Powermetern bei Rennrädern wird Leistung nicht gemessen, sondern „nur“ berechnet. Was also auf der Laufuhr als absoluter Watt-Wert ankommt ist kein Messergebnis, sondern das Ergebnis einer (komplexen) Berechnung. In diese wird natürlich auch das Gewicht einbezogen – allerdings erst als abschließender Faktor, um aus den „Watt-pro-Kilogramm“ des internen Berechnungsmodells eben diesen absoluten Watt-Wert zu machen.

Leider finde ich keine offizielle Hersteller-Quelle, in der dieser Umstand belegt wäre. Er geht zwar aus vielen Dialogen im Stryd Club hervor und wurde mir auch per E-Mail vom Hersteller bestätigt, aber direkt belegen kann ich es nicht. Was dem noch am nächsten kommt, ist Steve Paladino. Er arbeitet als Trainer mit dem Stryd und ist ein Experte. Er hat eine umfangreiche Sammlung von Texten zu dem Thema. Einer davon, „Understanding the Stryd Weight Setting„, bestätigt die Berechnung auf Grundlage von W/kg direkt im ersten Satz. Wer die Annahme selbst überprüfen will, kann ja einfach mal sein 10-faches Gewicht eingeben und feststellen, dass die Watt-Werte beim nächsten Lauf „zufällig“ auch genau 10-Mal so hoch sind. Das dürfte als Grundlage für die weiteren Überlegungen reichen.

Praxisbeispiele

Nun könnte man annehmen, dass man immer sein aktuelles Gewicht hinterlegen sollte, damit die angezeigten Watt-Werte richtig sind. Das stimmt grundsätzlich auch. Genau genommen müsste man sich also vor jedem Lauf mit seiner kompletten Ausrüstung wiegen und diesen Wert dann per App auf den Stryd übertragen. Nur so kann man sicher sein, dass der Watt-Wert auch wirklich „stimmt“. Der Meinung war ich auch lange. Doch so „richtig“ das auch ist, es macht eigentlich überhaupt keinen Sinn.

Ein großer Vorteil der Wattmessung gegenüber Pace und Herzfrequenz ist doch, dass sie Läufe untereinander absolut vergleichbar macht. Pace ist abhängig von Gelände und Steigung, die Herzfrequenz von vielen äußeren und inneren Faktoren. Eine erbrachte Leistung von 300 Watt bleiben aber 300 Watt. Oder? Bringen wir mal das Gewicht mit ein. Sagen wir mal bei dem 300-Watt-Lauf vor vier Wochen war ich noch zwei Kilogramm leichter. Bei einem Gewicht von 78 kg wäre das also eine Leistung von ca. 3,8 W/kg.

Wenn ich heute den gleichen Lauf mit 304 Watt mache – habe ich mich dann verbessert oder verschlechtert? Ich bin zwei Kilogramm schwerer. 304 Watt / 80 kg sind… auch 3,8 W/kg. Ich habe also die selbe Leistung erbracht, obwohl der Watt-Wert etwas anderes nahezulegen scheint. Um die Watt-Werte einzelner Läufe miteinander vergleichen zu können, müsste ich also immer auch das jeweils im Stryd hinterlegte Gewicht wissen.

Drehen wir das Modell mal um: mein Gewicht im Stryd bleibt unverändert bei 78 kg. 300 Watt im ersten Lauf entsprechen also den 3,8 W/kg. Beim zweiten Lauf würde ich auch 300 Watt (statt 304 Watt) angezeigt bekommen, obwohl ich jetzt zwei Kilogramm schwerer bin. Allerdings sehe ich auf den ersten Blick, dass ich bei beiden Läufen die selbe Leistung erbracht habe. Lasse ich das Gewicht immer unverändert, kann ich so also jeden Lauf über beliebige Zeitspannen direkt miteinander vergleichen.

Meine Empfehlung

Finger weg von den Gewichtseinstellungen des Stryd! Das eingetragene Gewicht sollte niemals (!) verändert werden, um jederzeit alle Läufe direkt miteinander vergleichen zu können. Wer nicht damit leben kann, „falsche“ Werte angezeigt zu bekommen, kann das Gewicht auf 1 kg (alternativ 100 kg) setzen und sieht so immer den Wert der „echten“ W/kg. Ich habe bei mir ein realistisches Gewicht eingegeben und das seitdem nicht mehr verändert.

Es gibt allerdings eine einzige Ausnahme, bei der man sich doch um das Gewicht kümmern sollte: Wettkämpfe mit schwerer Ausrüstung. Hat man aus dem Training Watt-Werte als Orientierung für diesen Wettkampf gewonnen, ist dann aber mit 5-10 Kilogramm mehr Gewicht unterwegs, sollte man dem Rechnung tragen. Gehen wir mal von den 300 Watt als Richtwert bei 80 kg Körpergewicht aus und addieren 10 kg Ausrüstung. Dann sollte der Richtwert auf (80/90)*300 = 267 Watt reduziert werden. Die Gewichtseinstellungen im Stryd können dann unberührt bleiben.