Der 361° Miro Nude ST fühlt sich schnell an. Ob Race-Schuh oder Tempo-Trainer, lässt sich für mich noch nicht abschließend sagen — die leichte Ausstattung spricht aber eher für Race. Passform und Laufgefühl waren sehr gut, nur gefordert habe ich ihn leider noch nicht richtig … ;)
Anzeige: Der Hersteller hat mir das Produkt für diesen Test auf meine Anfrage hin zur Verfügung gestellt. Dies hatte keinen Einfluss auf den Inhalt meines Testberichts. Der Beitrag ist frei verfasst und gibt ausschließlich meine persönlichen Erfahrungen wieder.
Erster Eindruck

Optisch fällt beim Miro Nude ST zuerst das Obermaterial auf: Es ist weiß und so dünn, dass es fast durchsichtig wirkt. Die flachen Schnürsenkel haben eine gezackte Kante, und an der Seite zieht sich ein Regenbogen-Farbverlauf vom Obermaterial bis in die Zwischensohle. Dezent ist das nicht … ;) Zurückhaltung war hier aber ganz offensichtlich auch nicht das Ziel.

Im Seitenprofil ist die Zwischensohle mit ihrer nach oben gezogenen Spitze gut zu sehen. Laut den Angaben liegt die Stapelhöhe bei 33 mm an der Ferse und 27 mm im Vorfuß, der Drop bei 6 mm. Die Zwischensohle besteht aus CQT EXTREM3, einem TPEE-Schaum — der Name steht auch groß auf der Seite. Eine Carbonplatte gibt es nicht, 361° setzt auf eine Glasfaserplatte (QU!KBONE DYN). Wie schmal oder breit der Schuh ausfällt, kann ich nur so beantworten: Die Passform war bei mir sehr gut und ich trage eher schmalere Schuhe.

Die Unterseite ist fast komplett schwarz: Die Gummisohle (laut 361° RPU, über die gesamte Länge) lässt im Vorfuß quadratische Fenster frei, durch die der weiße Schaum zu sehen ist. Im hinteren Bereich gibt es zusätzliche Aussparungen in der Sohle. Das Profil besteht aus feinen Rauten und Dreiecken.

Von hinten fällt der Fersenbereich auf: eine graue, wildlederartige Fersenlasche und eine Fersenkappe mit Aussparungen. Die Zunge ist hauchdünn. Der Schaumstoff-Kragen in der Ferse ist leicht gehalten — genau wie das Obermaterial ein Grund, warum ich den Schuh eher bei den Race-Schuhen einsortieren würde.

Auf der Waage zeigen beide Schuhe zusammen 513 Gramm — das ist Federgewicht (450–525 Gramm). 361° nennt 220 g pro Schuh, bezieht sich dabei aber auf US 9, mein Paar lässt sich damit nicht direkt vergleichen. Das Geschwistermodell Miro Nude 2, der eigentliche Rennschuh der Reihe, wird mit rund 138 g pro Schuh angegeben — also deutlich weniger. Das erklären wohl vor allem das strukturiertere Obermaterial und die kräftigere Außensohle des ST.
In derselben Klasse liegen aus meinem Testarchiv der Hoka Cielo X1 3.0 (498 g), der Hoka Cielo X1 2.0 (506 g), der Hoka Rocket X 3 (521 g) und der Saucony Endorphin Pro 4 (522 g) — allesamt Rennschuhe. Auf der Waage spielt der Miro Nude ST also bei den Racern mit, auch wenn 361° ihn selbst eher für Tempoläufe, Workouts und lange Tage auf der Straße positioniert. Dazu passt mein Eindruck beim Laufen: Er fühlt sich schnell an.
Erfahrungen beim Laufen
Der Miro Nude ST hat mir sehr gut gefallen. Passform und Laufgefühl waren sehr gut. Und er hat mir eigentlich über alle Tempobereiche Spaß gemacht.

Auch wenn ich ihn leider nicht voll auslaufen konnte. Auf Wettkämpfe oder wirklich lange, harte Einheiten musste ich im Testzeitraum leider verzichten. Aber das trübt den Eindruck nicht: ich hätte den Miro Nude ST definitiv gerne dabei getragen.

Bleibt die Frage, was der Miro Nude ST nun eigentlich ist: Race-Schuh oder Tempo-Trainer? Für Race spricht die leichte Ausstattung — Obermaterial und Schaumstoff-Kragen in der Ferse sind klar auf wenig Gewicht getrimmt. Für Tempo-Trainer spricht, dass 361° ihn selbst so einordnet und mit dem Miro Nude 2 ein deutlich leichteres Geschwistermodell für reine Rennen im Programm hat.
Ich würde ihn trotzdem eher am schnellen Ende einsortieren … ;) Ob das am Ende stimmt, kann ich erst sagen, wenn ich ihn wirklich gefordert habe.
Spaßfaktoren / Eignung
Nicht jeder Schuh eignet sich für jede Art von Training oder Wettkampf. Das ist (neben dem Schuh an sich) abhängig von Lauferfahrung, Leistungsstand, Gewicht und persönlichen Vorlieben. Meinen Spaß mit dem Schuh würde ich für folgende Kategorien so einschätzen:
Wettkampf: Mein Eindruck geht eher in Richtung Race-Schuh, die leichte Ausstattung spricht dafür. Wirklich gefordert habe ich ihn dafür aber noch nicht.
Tempoeinheiten: Als Tempo-Trainer kann ich ihn mir gut vorstellen — der Schuh fühlt sich schnell an.
Lockere Einheiten / lange Läufe: Haben sich bei mir gut angefühlt, ist aber eigentlich nicht die Stärke des Schuhs.
Meine Meinung


Autor und Betreiber von Harlerunner.de. Läufer seit mehr als zehn Jahren, über 100 Wettkämpfe von 5 km bis Halbmarathon im Gepäck, bisher mehr als 500 Produkte getestet. Kein Labortest — alles kommt aus dem echten Training in und um Coesfeld. Was du hier liest, hat er selbst an den Füßen, am Körper, am Handgelenk oder im Ohr gehabt.
Author and owner of Harlerunner.de. A runner for over ten years, with more than 100 races under his belt – ranging from 5 km to half-marathons – and having tested over 500 products to date. No lab tests – everything is based on real-world training in and around Coesfeld. Everything you read here is something he has personally worn on his feet, on his body, on his wrist or in his ear.

