Pair of pale mint-green racing shoes with black graphics and neon yellow midsole accents, seen from above at an angle on a white surface.

Kiprun Kipride Max und Kipstorm Elite im Test — Komfort-Dickschiff und Carbon-Racer einer unterschätzten Laufmarke

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Kiprun hatte ich bisher einfach in die Schublade „Decathlon-Marke“ gesteckt — zu Unrecht, wie sich bei diesen beiden Schuhen zeigt. Der Kipride Max ist ein weich gedämpftes Komfort-Dickschiff, das ich ziemlich gerne gelaufen bin, der Kipstorm Elite ein echter Carbon-Racer, der sich hinter den großen Marken nicht zu verstecken braucht.

Anzeige: Der Hersteller hat mir das Produkt für diesen Test auf meine Anfrage hin zur Verfügung gestellt. Dies hatte keinen Einfluss auf den Inhalt meines Testberichts. Der Beitrag ist frei verfasst und gibt ausschließlich meine persönlichen Erfahrungen wieder.


Kiprun — Expertenmarke für Laufen und Trailrunning

Bevor es an die Schuhe geht, lohnt ein Blick auf die Marke — denn ehrlich gesagt hatte ich Kiprun bisher einfach als Decathlon-Eigenmarke abgespeichert. Ganz falsch ist das nicht, Kiprun gehört zu Decathlon. Genannt werden möchte die Marke aber am liebsten alleine, und zwar als das, was sie sein will: eine Expertenmarke, die sich dem Laufen und Trailrunning verschrieben hat.

Dahinter steckt ein Team aus Ingenieuren, Designern und Produktmanagern, das die Produkte im Headquarter in Lille entwickelt. Der Anspruch ist ziemlich groß: immer technisch fortschrittlichere und intelligentere Produkte und Services, die das Laufen erleichtern — Kiprun spricht davon, 100 % der Bedürfnisse von Läufern zu erfüllen. Das will schon etwas heißen … ;)

Der Name erzählt dabei eine kleine Geschichte: Er geht auf das „Keep running!“ zurück, das den Läufern beim New York City Marathon 2007 vom Streckenrand zugerufen wurde. Wer Kiprun nur aus dem Decathlon-Regal kennt, übersieht außerdem, wie leistungsorientiert die Marke inzwischen auftritt. Spitzenathleten wie der 10.000-m-Weltmeister Jimmy Gressier geben Feedback, und mit dem 42 House betreibt Kiprun in Kenia ein Leistungszentrum für talentierte Läufer.

Das Sortiment ist heute in drei Linien gegliedert: Kipride für Komfort und Training, Kipstorm für Tempo und Wettkampf und Kipsummit für den Trail. Dazu kommen die Schaum-Technologien Softech (Komfort) und Fastech (Energie) — und genau die begegnen uns bei den beiden Testschuhen: Der Kipride Max setzt auf Softech+, der Kipstorm Elite auf Fastech+.

Preislich bleibt Kiprun dem Anspruch treu, hochwertige Laufausrüstung für viele erreichbar zu machen. Der Kipride Max kostet 149,99 Euro, der Kipstorm Elite 219,99 Euro — für einen Carbon-Racer mit patentierter Platte und PEBA-Schaum liegt das eher unter den Preisen der direkten Konkurrenz von Nike und Adidas.

Auf einen Blick

Kipride MaxKipstorm Elite
Gewicht (beide Schuhe, US 12.5, gemessen)640 g515 g
GewichtsklasseMittelgewichtFedergewicht
Herstellerangabe (Einzelschuh, EU 42)271 gca. 216 g
Stack (Ferse / Vorfuß)42 / 36 mm39 / 34 mm
Sprengung6 mm5 mm
ZwischensohleSoftech+ (EVA-/PEBA-/OBC-Mix)Fastech+ (A-TPU und PEBA, zwei Dichten)
PlattekeineCarbon (patentiert)
ObermaterialWarp-Knit (98 % recyceltes PET)3D-Knit
Preis (UVP)149,99 €219,99 €
Einsatzlockere und lange Läufeschnelle Intervalle, Wettkampf

Kiprun Kipride Max — viel Schuh für viele Kilometer


Preis

149,99 Euro (UVP)

Aktiv getestet

11 Wochen


Erster Eindruck

„Ziemlich viel Schuh“ — das war mein erster Gedanke beim Auspacken. Der Kipride Max kommt bei mir komplett in Schwarz, nur das graue KIPRUN-Lettering an den Seiten und an der Zunge setzt ein paar Akzente. Dezent und unauffällig, fast schon Understatement für einen Schuh dieser Größe … ;)

Im Seitenprofil zeigt sich, wo die Dämpfung sitzt: Die Zwischensohle ist hoch, ausladend und an der Ferse deutlich ausgestellt. Laut Kiprun liegt die Stapelhöhe bei 42 Millimetern an der Ferse und 36 Millimetern im Vorfuß, der Drop bei 6 Millimetern. Das Material heißt Softech+ — ein weicher Schaum-Mix aus EVA, PEBA und OBC —, eine Platte gibt es nicht. Von oben wirkt der Schuh eher großzügig als schmal geschnitten, was zum Komfort-Charakter passt.

Die Unterseite besteht aus mehreren großen Gummifeldern mit feinem Rillenprofil und vielen kleinen Aussparungen, dazwischen liegt die Zwischensohle frei. Mittig prangt das KIPRUN-Logo als Profil in der Sohle. Auffällig ist die breite Auflagefläche — der Kipride Max steht auf einer richtig soliden Plattform.

Von hinten fällt der kräftig gepolsterte, hochgezogene Fersenkragen ins Auge, den Kiprun als 360°-Kragen beschreibt. Die Zunge ist gestrickt und gepolstert (3D-Strickzunge). Insgesamt macht der Schuh von hinten einen ziemlich massiven Eindruck, den die breite Fersenplattform noch unterstreicht.

Auf der Waage zeigt der Kipride Max 640 Gramm für beide Schuhe (US 12.5) — damit gehört er in die Klasse Mittelgewicht. Kiprun selbst nennt 271 Gramm für einen Herrenschuh in EU 42 und gibt an, dass der Schuh trotz höherem Stack rund sechs Prozent leichter ist als der KS900.2, ein älteres Modell der Marke. Erklären lässt sich das Gewicht über die 42 Millimeter hohe Softech+-Zwischensohle, den gepolsterten Kragen und die breite Plattform — viel Schaum und viel Material wiegen eben etwas.

In meinem Archiv liegt er damit auf einer Höhe mit dem Hoka Clifton Pro (640 Gramm) und dem Hoka Mach X 3 (641 Gramm), etwas schwerer als der Mizuno Neo Vista 2 (628 Gramm) und der Salomon Spectur 3 (627 Gramm) und rund 28 Gramm über dem Saucony Ride 18 (ca. 612 Gramm). Mittelgewicht heißt hier: Allrounder für lange Läufe und lockeres Training, kein Renngewicht. Passend dazu war das Gewicht beim Laufen eigentlich kein Problem — für so viel Schuh sind 640 Gramm völlig in Ordnung.

Erfahrungen beim Laufen

Der Kipride Max fühlte sich schon bei den ersten Läufen direkt gut an — ohne langes Herantasten. Daher bin ich ihn ziemlich viel und gerne gelaufen.

Die weiche, ausladende Dämpfung passt zu dem, wofür der Schuh gemacht ist: Kilometer sammeln, ohne groß darüber nachzudenken. Ein Schuh, den man einfach anzieht und laufen geht.

Einen Haken gibt es allerdings: Der Kipride Max ist relativ warm. An sonnigen Sommertagen ist das spürbar — mit so viel Schuh am Fuß ist er eben kein luftiger Sommerschuh. Im Herbst und Winter dürfte das eher ein Vorteil sein … ;)

Geschwindigkeit ist nicht seine Welt. Der Kipride Max lädt eher zum entspannten Dahinrollen ein als zu schnellen Läufen — ein Komfort-Trainer, kein Tempomacher. Für den Alltag und viele ruhige Kilometer ist er bei mir bisher aber ein ziemlich angenehmer Begleiter.

Spaßfaktoren / Eignung

Nicht jeder Schuh eignet sich für jede Art von Training oder Wettkampf. Das ist (neben dem Schuh an sich) abhängig von Lauferfahrung, Leistungsstand, Gewicht und persönlichen Vorlieben. Meinen Spaß mit dem Kipride Max würde ich für folgende Kategorien so einschätzen:

Lockere Einheiten / Grundlagenläufe: Sehr gut geeignet — hier fühlt sich der Kipride Max am wohlsten, weich, bequem und ohne Eingewöhnung.
Lange Läufe: Gut geeignet — viel Dämpfung, und das Gewicht fiel beim Laufen nicht negativ auf.
Schwelleneinheiten / Tempodauerläufe: Eher nicht sein Revier — dafür ist er mir zu weich und zu gemütlich.
Intervalle / kurze schnelle Einheiten: Kein Schuh für Geschwindigkeit — dafür gibt es in dieser Runde den Kipstorm Elite.
Warme Tage: Mit Einschränkung — der Schuh ist relativ warm.

Kiprun Kipstorm Elite — ein Racer, der sich nicht verstecken muss


Preis

219,99 Euro (UVP)

Aktiv getestet

8 Wochen


Erster Eindruck

Schon vom ersten Eindruck her ist der Kipstorm Elite ein echter Racer, der sich hinter den großen Marken nicht zu verstecken braucht. Mintgrünes Strick-Obermaterial, neongelbe Akzente in der Zwischensohle und ein großes schwarzes Grafikelement an der Seite — ziemlich auffällig, ganz klar. Direkt auf dem Schaum stehen „Fastech+“ und „Drop 05“, das wirkt eher nach Rennmaschine als nach Alltagsschuh.

Im Seitenprofil dominiert die hohe weiße Zwischensohle mit der neongelben Linie — typisch Carbon-Racer. Laut Kiprun liegt die Stapelhöhe bei 39 Millimetern an der Ferse und 34 Millimetern im Vorfuß, der Drop bei 5 Millimetern. Von oben wirkt der Schnitt eher schlank, wie man es von einem Racer erwartet, das 3D-Knit soll den Fuß sockenartig umschließen.

Die Unterseite zeigt, was den Schuh antreibt: Zwischen den schwarzen Gummiflächen im Vorfuß und an der Ferse ist die Carbonplatte durch eine Aussparung sichtbar. Laut Kiprun ist sie patentiert und seitlich verbreitert, damit sie stabiler zur Sache geht. Umschlossen wird die Platte von A-TPU, darüber sitzt PEBA-Schaum. Auf der Sohle steht „Made for Pace“ — der Name ist Programm.

Von hinten fällt zuerst die große, abgeschrägte Fersenkante der Zwischensohle auf. Der Fersenbereich ist weich gestrickt, der Kragen schlank gehalten — typisch Racer: so wenig wie nötig, so viel wie sinnvoll. Sitz und Passform waren bei mir von Anfang an gut.

Auf der Waage zeigt der Kipstorm Elite 515 Gramm für beide Schuhe (US 12.5) — damit gehört er in die Klasse Federgewicht. Kiprun selbst nennt rund 216 Gramm für einen Herrenschuh in EU 42. Das Gewicht erklärt sich durch den hohen Schaumstack mit zwei Dichten, die Carbonplatte und zusätzlichen Gummi unter Vorfuß und Ferse, den andere Tester als kleinen Gewichtsaufschlag zugunsten von Haltbarkeit und Grip nennen.

In meinem Archiv liegt er zwischen dem Hoka Cielo X1 2.0 (506 Gramm) und dem Hoka Rocket X 3 (521 Gramm), dahinter folgt der Saucony Endorphin Pro 4 (522 Gramm); der Hoka Cielo X1 3.0 ist mit 498 Gramm rund 17 Gramm leichter. Ein Fliegengewicht wie der Adidas Adizero Adios 9 (416 Gramm) ist er nicht — das Federgewicht steht für Wettkampf und Tempoeinheiten, und genau dahin gehört er. Entscheidend ist ohnehin, wie sich ein Racer beim Laufen anfühlt, und da ist er schnell.

Erfahrungen beim Laufen

Der Kipstorm Elite saß von Anfang an gut — Sitz und Passform stimmen. Das ist bei einem Racer keine Selbstverständlichkeit, denn ein Schuh, der nicht passt, bremst auch mit der besten Platte.

Und schnell ist er auch! Genau dafür ist der Kipstorm Elite gebaut, und dieses Tempo-Versprechen löst er bei mir ein: Für schnelle Intervalle oder den Wettkampf ist er genau der richtige Schuh.

Bei meinen Intervall-Einheiten war jedenfalls ziemlich schnell klar, dass der Schuh mehr will als das. Leider stand im Testzeitraum kein Wettkampg an, sonst hätte ich ihn sicher mit an die Startlinie genommen.

Spaßfaktoren / Eignung

Auch beim Kipstorm Elite hängt die Eignung von Lauferfahrung, Leistungsstand, Gewicht und persönlichen Vorlieben ab. Meinen Spaß mit dem Schuh würde ich für folgende Kategorien so einschätzen:

Wettkampf: Sehr gut geeignet — ein echter Racer, der sich hinter den großen Marken nicht verstecken muss.
Intervalle / kurze schnelle Einheiten: Sehr gut geeignet — hier macht er richtig Spaß.
Schwelleneinheiten / Tempodauerläufe: Dafür ist er eigentllich zu schade.
Lockere Einheiten / Grundlagenläufe: Dafür ist er nicht gedacht — dafür würde ich eher zum Kipride Max greifen.

Meine Meinung:

Kiprun hat mich mit diesem Doppelpack überzeugt — und das, obwohl ich die Marke vorher in die falsche Schublade gesteckt hatte. Der Kipride Max ist für mich ein ziemlich bequemer Trainer für viele ruhige Kilometer, solange man mit der Wärme leben kann und keine Tempoeinheiten von ihm erwartet. Der Kipstorm Elite ist ein schneller Racer für Intervalle und Wettkampf, der sich mit seiner Carbonplatte und dem PEBA-Schaum auch preislich nicht hinter den großen Marken verstecken muss.

Eine klare Empfehlung gibt es deshalb nach Einsatz: Wer vor allem lockere und lange Läufe sammelt, ist mit dem Kipride Max gut bedient. Wer den Renntag oder schnelle Intervalle im Blick hat, sollte den Kipstorm Elite anschauen — und wer beides abdecken will, kommt mit der Kombination ziemlich weit. Das waren jedenfalls nicht meine letzten Kiprun, und ich bin gespannt, was die Marke als Nächstes bringt :)

Hier schreibt Thomas Pier über das Laufen und (deutlich mehr als nur die notwendige) Ausrüstung. Ich laufe weder besonders schnell noch weit. Aber ich teile gerne meine Erfahrungen, die ich als ambitionierter Freizeitläufer, neugieriger Early-Adopter und als mein eigener Trainer sammele.

Ich freue mich über jede digitale Kontaktaufnahme - noch mehr allerdings über jeden gemeinsam gelaufenen Kilometer.

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