Der Hoka Clifton Pro sieht aus, sitzt und funktioniert wie ein Hoka — nur die Dämpfung ist deutlich straffer, als man es von der Marke kennt. Das hat mich anfangs irritiert, am Ende aber zu einem Schuh geführt, den ich gerne anziehe und der bei knackigen Schwelleneinheiten richtig Spaß macht.
Anzeige: Der Hersteller hat mir das Produkt für diesen Test auf meine Anfrage hin zur Verfügung gestellt. Dies hatte keinen Einfluss auf den Inhalt meines Testberichts. Der Beitrag ist frei verfasst und gibt ausschließlich meine persönlichen Erfahrungen wieder.
Der Hoka Clifton Pro ist ein Mittelgewicht-Trainer (640 g für beide Schuhe, US 12.5) mit PROGLIDE+-Zwischensohle ohne Karbonplatte. Sitz, Passform und Geometrie sind typisch Hoka, die Dämpfung fühlt sich aber härter und direkter an. Ich habe ihn 12 Wochen getestet — besonders gut passte er zu Schwelleneinheiten, komfortabel genug ist er aber auch für längere Läufe.
Hoka Clifton Pro
| Vorschau | Produkt | Preis | |
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Erster Eindruck

Optisch ist der Clifton Pro ein ziemlicher Hingucker: weißes Obermaterial, dazu ein Verlauf aus Neonorange und Limette in der Zwischensohle und das große schwarze HOKA-Logo an der Seite. Dezent geht anders … ;) Auf dem Foto wirkt das fast schon wie ein Rennschuh, im Alltag ist es einfach ein frischer Colorway, der gute Laune macht. Das Obermaterial ist laut Hoka ein atmungsaktives Funktionsmesh mit reflektierenden Details für schlechte Sichtverhältnisse.

Von oben zeigt sich ein klassischer Hoka-Schnitt mit großzügiger Zehenbox, im Seitenprofil das hohe Schaumpaket mit deutlich erkennbarer Rocker-Geometrie. Laut Hoka liegt die Stapelhöhe bei 42 mm an der Ferse und 34 mm im Vorfuß, der Drop bei 8 mm. Die Zwischensohle besteht aus PROGLIDE+, einem superkritischen Schaum, kombiniert mit einer ausgeprägten MetaRocker-Geometrie — eine Karbonplatte gibt es nicht. Hoka ordnet ihn als Neutralschuh ohne zusätzliche Stabilitätselemente ein.

Die Unterseite fällt durch die orangefarbenen Gummi-Pods auf, zwischen denen der weiße Schaum frei liegt. Die Gummiflächen sind fein profiliert; laut Hoka kommt im Vorfuß haltbarer Gummi zum Einsatz, an der Ferse eine besonders abriebfeste Mischung.

Von hinten sieht man die breite, ausgestellte Fersenbasis und den ordentlich gepolsterten schwarzen Kragen. Der Komfort an der Ferse ist wirklich gut — da gibt es nichts zu meckern. Die Zunge ist ebenfalls gepolstert, drückt aber nicht.

Auf der Waage zeigen beide Schuhe zusammen 640 Gramm (US 12.5) — Hoka selbst gibt 296 g pro Schuh an (EU 44), mein Paar in der größeren Größe liegt mit 320 g pro Schuh plausibel darüber. Das ist Mittelgewicht — genauer gesagt die Klasse Mittelgewicht (600–675 Gramm). Zum Vergleich: Der Hoka Mach X 3 liegt mit 641 g praktisch gleichauf, der Mach X2 mit ca. 590 g knapp darunter und der Skyward X2 mit 682 g schon im Halbschwergewicht. Dass der Clifton Pro deutlich schwerer ist als ein schneller Tempo-Hoka, überrascht bei dem hohen Schaumpaket und der robusten Außensohle nicht.
In derselben Klasse finden sich unter anderem der Adidas Adizero Boston 13 (610 g), der Saucony Ride 18 (ca. 612 g) und der Saucony Ride 17 (651 g) — also eher Allrounder als Renn-Tempo-Schuhe. Das passt zum Charakter des Clifton Pro. Beim Laufen fühlt er sich dank der straffen Dämpfung und der Rocker-Geometrie allerdings agiler an, als es die Zahl vermuten lässt.
Erfahrungen beim Laufen
Beim Anziehen und in den ersten Metern ist alles vertraut: Der Halt im Mittelfuß ist gut, in der Zehenbox ist genügend Platz und die Ferse sitzt komfortabel. Sitz, Passform und Geometrie sind also eindeutig Hoka. Nur die Dämpfung passt nicht zum Bild — sie fühlt sich härter an, als man es von einem Clifton erwartet.
Das hat mich am Anfang tatsächlich irritiert. Ich wusste lange nicht, ob ich das gut finde oder nicht … ;) Der Schuh fühlt sich nicht weich und schwammig an, sondern direkter, mit mehr Rückmeldung vom Untergrund. Deshalb hat das finale Urteil bei diesem Test etwas länger gebraucht als sonst.

Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass ich den Schuh einfach gerne anziehe und gerne damit laufe. Der Komfort ist trotz der straffen Abstimmung gut, auch auf längeren Strecken. Genau diese Mischung hat sich mit der Zeit als Stärke herausgestellt.
Seinen Platz in meiner Rotation hat der Clifton Pro bei knackigen Schwelleneinheiten gefunden. Das direktere Laufgefühl hilft hier, ohne dass man auf Dämpfung verzichten muss.

Spaßfaktoren / Eignung
Nicht jeder Schuh eignet sich für jede Art von Training oder Wettkampf. Das ist (neben dem Schuh an sich) abhängig von Lauferfahrung, Leistungsstand, Gewicht und persönlichen Vorlieben. Meinen Spaß mit dem Schuh würde ich für folgende Kategorien so einschätzen:
Lockere Einheiten / Grundlagenläufe: Gut geeignet — der Komfort stimmt, auch wenn die Dämpfung straffer ist, als man es von Hoka gewohnt ist.
Schwelleneinheiten / Tempodauerläufe: Hier hat der Clifton Pro bei mir seinen Platz gefunden — das direktere Laufgefühl passt sehr gut.
Intervalle / kurze schnelle Einheiten: Geht natürlich auch, macht mit leichteren Schuhen aber mehr Spaß.
Lange Läufe: Der Komfort reicht auch für längere Strecken, wobei ich ihn dafür nicht als weichsten Hoka bezeichnen würde.
Breite Füße: Bei mir war in der Zehenbox genügend Platz — wie es bei wirklich breiten Füßen aussieht, kann ich nicht beurteilen.
Meine Meinung:

Ich würde ihn allen empfehlen, die ein direkteres Laufgefühl mögen, aber nicht auf Dämpfung verzichten wollen. Wer dagegen die klassische, weiche Hoka-Dämpfung sucht, sollte vorher anprobieren — dann ist der Clifton Pro vermutlich eher nichts. Bei mir hat er sich jedenfalls einen festen Platz bei den Schwelleneinheiten erarbeitet :)

Autor und Betreiber von Harlerunner.de. Läufer seit mehr als zehn Jahren, über 100 Wettkämpfe von 5 km bis Halbmarathon im Gepäck, bisher mehr als 500 Produkte getestet. Kein Labortest — alles kommt aus dem echten Training in und um Coesfeld. Was du hier liest, hat er selbst an den Füßen, am Körper, am Handgelenk oder im Ohr gehabt.
Author and owner of Harlerunner.de. A runner for over ten years, with more than 100 races under his belt – ranging from 5 km to half-marathons – and having tested over 500 products to date. No lab tests – everything is based on real-world training in and around Coesfeld. Everything you read here is something he has personally worn on his feet, on his body, on his wrist or in his ear.

