UltrAspire Lumen 600 3.0 Waist Light

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Jetzt bin ich ganz schön in der Zwickmühle… Habe ich nicht gerade erst die perfekte Stirnlampe gefunden? Was ist, wenn eine Hüftlampe noch besser funktioniert?

Anzeige: GoFreeConcepts hat mir die Lampe für diesen Test auf meine Anfrage hin zur Verfügung gestellt. Dies hatte keinen Einfluss auf den Inhalt meines Testberichts. Der Beitrag ist frei verfasst und gibt ausschließlich meine persönlichen Erfahrungen wieder.

Waist Light?

Eigentlich mag ich Stirnlampen nicht. Aber irgendwo muss das Licht beim Laufen im Dunkeln ja herkommen. Ich habe schon mit Handlampen experimentiert und auch Brustlampen waren bei mir schon im Einsatz. Auf die UltrAspire Waist Lights hat mich schon im letzten Jahr der GingerRunner aufmerksam gemacht. Doch leider waren die Produkte in Deutschland nicht wirklich gut verfügbar.

Mittlerweile sind die Hüftlampen im ausgesuchten Fachhandel aber zu bekommen. Ich habe sie im Shop von GoFreeConcepts entdeckt, die sich hauptsächlich auf Barfuss-Schuhe und Sandalen spezialisiert haben (siehe auch mein Artikel über die Skinners Sockenschuhe!).

Man sieht hier auch direkt drei Geschwister-Modelle. Vom Einstiegsmodell mit 200 Lumen bis zum Top-Modell mit 800 Lumen ist alles dabei. Für den Test hatte ich die Mittelklasse mit 600 Lumen.

Produkttest

UltrAspire Lumen 600 3.0

Preis
ca. 160 Euro
Aktiv getestet
3 Wochen

Erster Eindruck

Was man da aus dem Karton holt, erinnert sehr an einen typischen Hüftgürtel, mit dem man Sachen beim Laufen transportiert. Was im Grunde nicht ganz falsch ist, ausser dass man vorne eben eine Lampe trägt.

Die eigentliche Lampe der UltrAspire Lumen 600 ist ein daumendickes Aluminiumrohr, an dem mittig eine LED samt Reflektor befestigt ist. Die Form ergibt sich auch wohl dadurch, dass eine Batterie vom Typ 18650 verwendet wird.

Diese kann in der Lampe aufgeladen werden. Der Anschluss ist im Normalzustand gut unter einer Abdeckung geschützt und muss erst freigelegt werden.

Der Lampenkörper wird am Gürtel in eine Halterung geklemmt und lässt sich dort relativ frei nach oben und unten drehen, um den Lichtkegel zu steuern. Ein gut erreichbarer Drucktaster an der Seite des Lampenkörpers schaltet die insgesamt vier Modi durch: High (600 lm, 4 Stunden), Medium (300 lm), Low (150 lm, 10 Stunden) und Blinken (600 lm).

Am elastischen Hüftgurt ist hinten eine frei bewegliche Tasche befestigt, die sich auch entfernen lässt. Von der Größe her fasst sie locker ein modernes Handy und hat auch eine Schlüsselsicherung.

Erfahrungen beim Laufen

In der Praxis ist die Rückentasche sehr praktisch, denn beim Laufen im Dunkeln nehme ich immer ein Handy mit. Mit der Tasche habe ich da ein Problem weniger.

Während der Bauchgurt nur mit der Lampe relativ locker getragen werden kann, sollte man ihn bei gefüllter Rückentasche allerdings etwas enger stellen, um ein Hüpfen zu vermeiden. Grundsätzlich ist aber weder das Gewicht der Lampe noch der Zuladung beim Laufen ein Problem.

Tatsächlich trägt sich die UltrAspire Lumen 600 sehr, sehr angenehm. Da drückt, reibt oder rappelt nichts. Man vergisst total, dass man sie trägt – ganz anders als bei einer Stirnlampe, die mit der Zeit etwas stören kann.

Das größte Plus der Lumen 600 ist aber die tiefe Position. Weil die Augen deutlich höher liegen, sieht man den Schatten hinter den beleuchteten Hindernissen sehr deutlich. Bei einer Stirnlampe ist es genau umgekehrt: dort verschwindet der Schatten für die Augen hinter dem Gegenstand.

Das verändert die 3D-Wahrnehmung des Geländes sehr deutlich! Damit hätte ich ehrlich gesagt so nicht gerechnet. So extrem wie in der „Werbegrafik“ des Herstellers oben habe ich es zwar nicht erlebt, aber der Effekt ist definitiv da und absolut nützlich.

Auf meinen Hausstrecken kenne ich jedes Schlagloch und jeden Stein, so dass ich dort auch im Dunkeln gut laufen kann. Doch mit der UltrAspire Lumen 600 nehme ich diese Hindernisse viel früher und deutlicher wahr. Im Bild oben sieht man zwei ungefähr gleich große Schlaglöcher. Obwohl das bei der Petzl deutlich näher ist, ist es viel schlechter auszumachen als auf der anderen Seite bei der UltrAspire.

Einzelne Steine sind schon aus dem Augenwinkel erkennbar und können so umlaufen werden, was mit einer Stirnlampe schon schwerer fällt. Das ist allerdings abhängig von der Helligkeit. Ich finde die mittlere Stufe auf asphaltierten und leicht geschotterten Wegen ok, schalte aber doch recht oft auf die höchste Stufe.

Das hängt auch vom jeweiligen Bedürfnis ab, wie weit man sehen möchte. Der Lichtkegel der Lumen 600 ist ziemlich breit und im Nahbereich auch hell, doch diese Helligkeit verliert sich relativ schnell. Gleichzeitig ist der Kegel aber ziemlich stabil und bewegt sich nur minimal während des Laufens. Wer schon mal mit einer Brustlampe gelaufen ist, weiß wie irritierend das ständige Schwenken sein kann.

Bei den ersten Läufen war ich auch ziemlich irritiert, wenn es neben mir im Wald raschelt und knackt, ich dort hinsehe und… nichts sehe. Denn der Lichtkegel der UltrAspire-Lampe geht natürlich weiterhin nach vorne, egal wohin ich meinen Kopf drehe. Das betrifft nicht nur den „gruseligen Wald“, sondern auch jede Strassenüberquerung, bei der eine Stirnlampe zusätzlich auf mich aufmerksam machen kann.

Ein wenig lässt sich das allerdings dadurch aushebeln, dass die Lumen 600 sich wirklich mit einem Handgriff vom Gürtel lösen und wieder befestigen lässt. Damit lässt sie sich spontan als normale Taschenlampe benutzen, was mit Stirnlampen wiederum schwerer fällt.

Pluspunkte sammelt die Hüftlampe auch bei Kälte, Nieselregen oder Schnee. Bei einer Stirnlampe führt schon der Atemnebel zu einer eingeschränkten Sicht, weil der Lichtkegel ihn natürlich sofort erfasst. Das passiert bei der UltrAspire überhaupt nicht. Auch sind damit die Zeiten vorbei, in denen man kilometerlang durch das Star-Wars-Intro läuft. ;)

Etwa eine Stunde vor Ende der Laufzeit auf höchster Stufe, meldet sich die Lampe übrigens mit einem dreimaligen Blinken, das alle fünf Minuten wiederholt wird. Eine andere Methode, sich über den Batteriestand zu informieren, gibt es leider nicht. Für meine Trainingsläufe ist das vollkommen ausreichend.

Meine Meinung

UltrAspire Lumen 600 3.0 Waist Light
Genial!
Die UltrAspire Lumen 600 ist eine ziemlich perfekte Lösung für das Laufen im Dunkeln. Die Sicht bei Regen und Schnee ist deutlich besser als bei Stirnlampen und die 3D-Wahrnehmung von Gegenständen am Boden sehr überzeugend. Dazu kommt noch, dass sie sich extrem bequem trägt und Dank der Rückentasche auch noch einen weiteren, praktischen Nutzen hat.

Leichte Abstriche muss man nur bei der Leuchtweite machen und wegen dem Grusel-Faktor. ;) Auch der Preis ist nicht ganz ohne. Wer abseits der Asphaltpisten unterwegs ist, sollte von der Investition aber deutlich profitieren.

Würde ich jetzt also von der Stirn- zur Hüftlampe wechseln? Wahrscheinlich schon, obwohl beide Systeme ihre Vor- und Nachteile haben.
Qualität
Funktion
Aussehen
Preis / Leistung
4.9
Bewertung
  1. Interessantes Teil auf jeden Fall!
    Wieder was Neues kenngelernt ;-) danke.

    Ich werde dann gleich wieder mit der Brustlampe rausgehen, aber die Waist Light bleibt mal auf dem Schirm – vielleicht findet sich eine der 3 Varianten ja irgendwann deutlich günstiger!?

    1. Hi Tobias, wenn Dir 200 Lumen (z.B. zusätzlich zu einer Stirnlampe) reichen, gibt es da ja ein günstiges Einsteigermodell. Für Trails im Dunkeln wäre das nichts, aber der 3D-Effekt wird schon ähnlich sein. Ansonsten lohnt es sich immer, nach Schnäppchen Ausschau zu halten. :)

      1. Hallo Thomas,

        Die Grundidee finde ich schon mal gut und erscheint mir in Kombination mit Gürtel und Tasche sehr praktisch.
        Effektiv ist es wie so oft ein wenig teuer …
        Aber ja, es muss nicht unbedingt die Luxus-Version sein ;-)

        Du hast damit wie so oft auf jeden Fall wieder mal was entdeckt, was mir völlig neu ist – danke!

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Ich bin der Harlerunner

Hier schreibt Thomas Pier über das Laufen und (deutlich mehr als nur die notwendige) Ausrüstung. Ich laufe weder besonders schnell noch weit. Aber ich teile gerne meine Erfahrungen, die ich als ambitionierter Freizeitläufer, neugieriger Early-Adopter und als mein eigener Trainer sammele.

Ich freue mich über jede digitale Kontaktaufnahme - noch mehr allerdings über jeden gemeinsam gelaufenen Kilometer.

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