Garmin Running Power
Garmin Running Power

Garmin Running Power – erster Eindruck

Bereits im Oktober hat Garmin wohl durchblicken lassen, dass sie in den Markt des „Laufens mit Watt“ einsteigen wollen. Seit gestern sind die technischen Möglichkeiten dafür geschaffen – und ich habe direkt einen Testlauf gemacht.

Voraussetzungen: Hardware

Das Spannende an Garmins Lösung ist, dass dazu keine neue Hardware notwendig ist. Besitzt man die notwendigen Gerätschaften also bereits, kann man direkt loslegen. Gleichzeitig ist diese Hürde aber nicht ganz ohne: eine Fenix 5/S/X oder eine Forerunner 935 muss es schon sein, gepaart mit ein HRM-Run- oder HRM-Tri-Brustgurt oder dem neuen Running Dynamics Pod.

Oder anders ausgedrückt: es wird eine Uhr benötigt, die mindestens Connect iQ Version 2.4 unterstützt und einen barometrischen Höhenmesser hat (das könnten in Zukunft natürlich auch noch andere Modelle sein). Und man braucht ein Device (von Garmin…), dass entsprechend detaillierte Daten zur Laufbewegung liefern kann.

Das Rechenmodell, das Garmin zur Ermittlung der Laufleistung bemüht, wurde nicht offengelegt. Aber in den Garmin Running Power App FAQs zeigt man zumindest auf, welchen Quellen für die Berechnung genutzt werden:

Datenquellen für die Berechnung
Datenquellen für die Berechnung

Interessant ist, dass man sogar den Wind berücksichtigt und dafür wohl Daten von umliegenden Wetterstationen benutzt. Angeblich werden diese über die App regelmäßig per Sync auf die Uhr gebracht. Ehrlich gesagt halte ich das aber für Quatsch: ob und welche Daten da genutzt werden, sind überhaupt nicht transparent. Und selbst wenn die Uhr mit den richtigen Daten rechnet, kann sie wohl kaum wissen, ob ich nicht sehr windgeschützt gelaufen bin (in der Stadt oder im Wald) und somit der Gegenwind keine Rolle spielte.

Der zweite kritische Faktor ist die Geschwindigkeit. Selbst bei perfektem GPS-Empfang ist das vielleicht nicht die gesichertste Quelle. Und ich kann so schon sagen auf welchen Teilstücken meiner Standard-Laufrunden Garmins Wattwerte nicht stimmen werden. Andererseits nimmt man zur Berechnung nicht zwingend GPS, sondern die angezeigte Geschwindigkeit – die also auch von einem gut kalibrierten Footpod kommen könnte (Stryd…? ;) ).

Voraussetzungen: Software

Letztendlich kommt Garmins Running Power dann aber über ein Connect-iQ-Datenfeld auf die Uhr. Es stehen dabei fünf Varianten zur Auswahl:

Garmin Running Power Apps
Garmin Running Power Apps

Die Datenfelder unterscheiden sich durch die Anzeige, also ob einfach nur die aktuelle Power, die Durchschnitts-Power gesamt oder pro Runde auf der Uhr erscheint. Im Hintergrund wird aber in jedem Fall der ermittelte Watt-Wert ins Fit-File geschrieben – falls man das in den Optionen nicht deaktiviert hat.

Einstellung der Connect-IQ-App
Einstellung der Connect-IQ-App

Wie man sieht, hat Garmin Funktionen in die App eingebaut, die man (derzeit noch) bei Stryd vermisst. So kann man Power-Zonen definieren und sich die aktuelle Zone mit anzeigen lassen. Und man kann auch einen oberen und unteren Alarm einstellen. Ansonsten platziert man eines der Datenfelder einfach auf einem seiner Screens im Laufmodus und es kann los gehen.

Testlauf

Viele Daten konnte ich seit gestern noch nicht sammeln, aber zumindest einen ersten Testlauf konnte ich machen. Dabei hatte ich die Forerunner 935 und den HRM-Run im Einsatz. Zusätzlich habe ich auf Stryd nicht verzichtet und hatte auch dessen Power-Werte immer zum Vergleich im Display.

Links: #Garmin Running Power mit HRM-Run Rechts: #Stryd Power

Ein Beitrag geteilt von Thomas (@harlerunner) am

Ich war mir zunächst nicht sicher, ob sich die beiden Power-Datenquellen im Fit-File nachher nicht überschreiben werden, aber das ist nicht der Fall. Jede Datenreihe bekommt hier sauber einen eigenen Platz.

Garmin Connect (Stryd und Garmin Running Power)
Garmin Connect (Stryd und Garmin Running Power)

Bei diesem Lauf war allerdings keine der beiden Quellen so richtig perfekt, denn Stryd hat sich ein paar kleinere Peaks erlaubt, während die Garmin-Power häufig vom schlechten GPS-Empfang beeinflusst war. Aber auch so wird das grundsätzliche Problem sichtbar: die Zahlen sind nicht vergleichbar. Garmin liegt im Vergleich locker 30% über den von Stryd ermittelten Werten.

Zahlenspiele

Liegt Garmin mit seiner neuen Lösung für Running Power also leider daneben? So kann man das überhaupt nicht sagen. Das hat DC Rainmaker in seinem Beitrag auch ganz gut dargelegt. Keine der derzeit am Markt erhältlichen Systeme (dazu gehört auch noch Runscribe) wird beweisen können, dass seine Werte „richtig“ sind. Sie sind sicher alle auf Grund der getroffenen Annahmen, die zu dem Berechnungsmodell geführt haben, nachvollziehbar und hoffentlich auch in sich valide, was die Repräsentation der aufgewendeten Laufleistung angeht. Aber richtig in dem Sinne, wie ein Rad-Powermeter einen nachprüfbar richtigen Wert liefern kann, sind sie alle nicht – und können es auch nicht sein. Schließlich wird nicht gemessen, sondern auf Grundlage mathematischer Modelle berechnet.

Und die können sich durchaus unterscheiden. So geht man davon aus, dass Garmin und Runscribe die Gesamtarbeit mit einbezieht, die für die Laufbewegung notwendig ist. Dazu gehört zum Beispiel auch die Arbeit, die zur Bewegung der Arme aufgewendet wird. Stryd berücksichtigt wohl nur die externen Faktoren der Laufleistung – was die kleineren Zahlen vielleicht nachvollziehbar macht.

Andererseits ist es bei mir zum Beispiel so, dass ich mit den Formeln aus „Geheimnis des Laufens“ sehr gut die Werte nachvollziehen kann, die Stryd mir liefert. Die beiden Rechenmodelle scheinen also auf gleichen Annahmen zu beruhen – im Idealfall also auf der Physik. ;)

Ich bin jedenfalls gespannt, in welche Richtung sind das weiter entwickelt – und ob man sich auf einen gemeinsamen Standard wird einigen können. Im Moment läuft es darauf hinaus, dass man schön bei seinem „Watt-Dealer“ bleiben sollte und nicht zwischen den Anbietern wechseln.

    1. So würde ich das nicht nennen. Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft und ich erhoffe mir schon, dass sich daraus im nächsten Jahr eine Lösung entwickelt, die für viele Läufer zugänglich ist und auf dessen Werte man sich verlassen kann.

      1. Ein weiterer Anbieter (zu Stryd und RunScribe) ist gut, stelle ich nicht in Abrede. Die „krumme Spezifikationsgeschichte“ von Garmin ist sehr unsauber/unschön; wenn man sich mit der Materie etwas beschäftigt hat, geht das aus dem DCR’s Blog-Post und den User-Kommentaren gut ersichtlich.

  1. Schade, dass Garmin die Stryd Daten, beim Laufen, nicht vollständig als Fit Datei ablegt. Beim Radfahren werden ja auch Daten, von nicht Garmin Powermeter, abgelegt.

    1. Hi Volker, die Stryd-Daten finden sich komplett und sauber im Fit-File. Die Leistung wird in den Power-Kanal geschrieben und die weiteren Metriken in die Developer-Felder.

  2. Hallo,

    schön, dass sich Menschen die Zeit nehmen mal Daten und Erfahrungen zu teilen. Habe selbst eine 735XT und müsste umsteigen, um Garmins Lösung zu nutzen, weshalb ich eher an Stryd interessiert bin.
    Habe die Power App mal installiert und habe jetzt gesehen, dass ich nur 1 Datenfeld in die Laufdaten einbinden kann, also aktuelle Leistung oder Durchschnittsleitung pro Runde etc. – Ist das so korrekt?
    Ich werte meine Laufdaten aktuell nur sehr grob aus (exportiere nichts aus Garmin Connect) und frage mich, ob das Power Datenfeld auch z. B. In der connect App ausgewertet/angezeigt wird. Ich finde dazu keine Informationen, so wie überhaupt sehr wenig zu dem Thema zu finden ist. Leider…

    Viele Grüße
    Marcus

    1. Hi Marcus, das ist (leider) korrekt: die Platzierung von Datenfeldern ist sehr beschränkt. Zumindest bei Garmin. Suunto unterstützt Power nativ, daher kann man sie in so vielen Variationen auf den Bildschirmen verteilen, wie man will. Ich habe aber ehrlich gesagt noch nie etwas anderes als die aktuelle Power gebraucht. Ansonsten: wenn Power aufgezeichnet wird (egal ob Stryd die Quelle ist oder Garmin Running Power), gibt es dazu auch einen Graphen auf Garmin Connect. Damit kann man aber nicht so viel anfangen. Das große Potential vom Laufen nach Leistung liegt in den enormen Auswertungsmöglichkeiten – siehe WKO4 oder Golden Cheetah.

  3. Sehr interessanter Blog Beitrag, Danke dafür. Da ich mich derzeit auch mit dem Thema beschäftige und kürzlich durch Zufall erst auf Garmin´s „Lösung“ gekommen bin (und glücklicherweise auch die Hardware dafür habe) ist Deine Erkenntnis sehr interessant für mich. Denn letztlich habe ich keinen Stryd Sensor und bin aktuell etwas geizig mir den auch noch zuzulegen ;-) Ich „arbeite“ jetzt erstmal mit den Garmin-Werten.

    VG
    Thomas

    1. Hi Thomas, habe euren letzten Podcast dazu gerade gehört. Peter ist ja schon etwas tiefer im Thema – und Michael auf jeden Fall ein guter Orientierungspunkt. Zum Reinschnuppern reicht die Garmin-Lösung allemal. Leider läßt sich das nicht mehr parallel zu Stryd nutzen, weil Garmin seit dem letzten Update in den selben Kanal schreibt. Daher ist das für mich etwas unattraktiver geworden. Zudem scheinen sich die Experten halbwegs einig zu sein, dass Garmins Powerwerte viel zu hoch sind. Aber wie Peter schon richtig gesagt hat: so lange man sich an den relativen Veränderungen orientiert und nicht die absoluten Werte als „reine Wahrheit“ ansieht, läßt sich damit ganz gut arbeiten. Ich habe allerdings auch aus gut informierten Quellen gehört, dass wir da aus Richtung Garmin bald noch etwas erwarten dürfen. Ich finde das Thema jedenfalls weiterhin extrem spannend und das Laufen nach Watt eine große Verbesserung für die Trainingssteuerung.

      Gruss

      Thomas

  4. Hallo HarleRunner

    Besten Dank für diesen Interessanten Beitrag. Irgendwie finde ich das bei Garmin lustig. Ich habe mir extra den Stryd gekauft, weil ich eine exakte Anzeige für die Geschwindigkeit wollte. Bei meiner Laufstrecke ist das GPS Signal bei diversen Modellen sehr unzuverlässig. Ich traniere in einem Tal. Zudem stört noch der Wald und der Fluss das GPS Signal. Mit dem Stryd bin ich sehr zufrieden, der Stryd reagiert viel schneller als der Puls. OK Geschwindigkeit wird beim Garmin eben nicht angezeigt, mit der Zeit weiss man aber, dass xxx Watt etwa die gewünschte Geschwindigkeit ergeben.

    Nun will eben Garmin mit der unzuverlässigen GPS Methode die Watt ermitteln?!?

    Viele Grüsse

    Markus

    1. Hi Markus, welche Garmin-Uhr benutzt Du denn? Grundsätzlich kann Stryd ja schon sowohl Watt als auch Pace und Geschwindigkeit anzeigen. Meine 935 ist so konfiguriert und damit bin ich sehr zufrieden.

    2. Hallo Thomas,

      Habe den Stryd nun auch bestellt und der wirklich nette Händler hat mir telefonisch und in einigen Mails noch Hinweise gegeben. Man müssen der Uhr den Sensor für die Pace auf den Stryd umstellen können. Ich nutze eine 735XT, da soll es gehen, habe den Sensor noch nicht, sonst könnte ich sagen wie…

      Grüße
      Marcus

      1. Hi Markus, Du meinst nicht etwa Stephan von Bewegungsfelder? ;) Sobald der Sensor mit der Uhr gekoppelt ist (reicht als Laufsensor), kann man in den Optionen zum Sensor einstellen, ob und wann Pace und Distanz des Sensors verwendet werden sollen: immer, nur wenn kein GPS oder nie. Bei mir steht das auf „immer“.

  5. Moin Zusammen,
    Markus schrieb :
    „Nun will eben Garmin mit der unzuverlässigen GPS Methode die Watt ermitteln?!?
    Viele Grüsse“
    Wie Thomas oben im Blog_Artikel schrieb, nimmt Garmin mehrere Quellen zur Berechnung der Power zur Hilfe und berechnet daraus die Leistung. Diese stammen teils aus dem Brustgurt und teils aus der Uhr.
    Habe ich das richtig verstanden ?

    VG Thomas

    1. Hi Thomas,

      Markus hat schon vollkommen Recht. Auch wenn Garmin seine genaue Formel zur Berechnung nicht offen legt (die einzelnen Faktoren stehen ja oben), dürfte die Pace den weitaus größten Einfluss auf den Watt-Wert haben. Es hat ja auch seinen Grund, warum Stryds Pace- und Distanzangaben zu präzise sind! Wie abhängig die Garmin Running Power vom GPS ist, kann jeder leicht testen, wenn er durch in einen Tunnel läuft, in den Wald oder einfach in einen Bereich mit schlechtem GPS-Empfang. Dann spielt der Watt-Wert verrückt. Ich würde einen gut kalibrierten Footpod als Geschwindigkeitsquelle dem GPS vorziehen. Dafür würde sich der Stryd sehr gut eigenen ;) oder der MilestonePod.

  6. Ich weiß, bin spät dran.

    Ich habe heute versucht, den hrm rum mit fenix 5 zu nutzen. Beim Lauf wurde mir kein Wattwert angezeigt.

    Woran kann das liegen? In Connect finden sich dann auch keine wattzahlen…

    Viele Grüße

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Ich bin der Harlerunner

Hier schreibt Thomas Pier über das Laufen und (deutlich mehr als nur die notwendige) Ausrüstung. Ich laufe weder besonders schnell noch weit. Aber ich teile gerne meine Erfahrungen, die ich als ambitionierter Freizeitläufer, neugieriger Early-Adopter und als mein eigener Trainer sammele.

Ich freue mich über jede digitale Kontaktaufnahme - noch mehr allerdings über jeden gemeinsam gelaufenen Kilometer.

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