Haltungs- und Ganganalyse bei Möller Orthopädie Schuh Technik in Münster

Ich bin immer wieder fasziniert, wie viele professionelle Dienstleister rund um den Sport es in meiner Nähe gibt. Möller Orthopäde Schuh Technik ist nur einen Katzensprung von mir entfernt – die Adresse kennen aber wohl die meisten deutschen Top-Läufer*innen.

Anzeige: Ich durfte die Ganganalyse bei Möller kostenlos machen.. Dies hatte keinen Einfluss auf den Inhalt meines Testberichts. Der Beitrag ist frei verfasst und gibt ausschließlich meine persönlichen Erfahrungen wieder.

Vorgeschichte

Mittlerweile laufe ich seit zwei Jahren mit gewissen Einschränkungen. Schmerzen im Bereich der rechten Pobacke bremsen mich immer mal wieder aus. Nach mehreren Stationen beim Orthopäden, Physiotherapeuten und Osteopathen stellt sich zwar eine Verbesserung ein, losgeworden bin ich das Problem „ISG-Blockade“ oder „Piriformis-Syndrom“ aber immer noch nicht.

Was mich an all den Untersuchungen bisher gestört hat: obwohl die Schmerzen nur beim Laufen auftreten, hat sich bisher noch niemand meine Laufbewegung angesehen. Es wurde also Zeit, einen „Bewegungsprofi“ aufzusuchen.

Review

Möller Orthopädie Schuh Technik

Unternehmen

Wie der Name schon verrät geht es bei Möller um Orthopädieschuhtechnik. Für uns Sportler übersetzt sich das meist in Einlagenversorgung, aber die Münsteraner bieten natürlich das komplette Spektrum bis hin zum Maßschuh.

Mir ist Möller Orthopädie schon lange ein Begriff, denn hier geben sich viele Größen des Laufsports die Klinke in die Hand. Und das sind nicht nur bekannte Läufer*innen aus der Nähe wie zum Beispiel Kerstin Schulze Kalthoff (3. Platz U23 über 5.000 Meter), Hendrik Pfeiffer (u.a. Sieger beim Köln Marathon) oder Tatjana Pinto (Deutsche Meisterin im Sprint): auch viele deutsche Top-Marathonläufer oder Olympioniken kann man hier regelmäßig treffen.

Das Sport und Ganglabor bei Möller scheint also ein echtes Kompetenzzentrum zu sein. Es ist aber nicht nur Profi-Athleten vorbehalten: Gründer und Geschäftsführer Michael Möller ist es sehr wichtig, allen ein Angebot zu machen, die besser laufen möchten.

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Sport-Bewegungsanalyse + Haltungsanalyse

Es gibt mehrere Bausteine im Angebot des Ganglabors. Die Bewegungsanalyse war mir natürlich besonders wichtig. Eine zusätzliche Haltungsanalyse hat sich schon im Vorgespräch als sinnvoll erwiesen. Grundsätzlich lassen sich hier aber die Bausteine frei wählen.

Für den Termin sollte man 60-90 Minuten Zeit einplanen. Im Ganglabor ist man normalerweise zu zweit. Neben einer ruhigen, entspannten Atmosphäre legt man bei Möller Wert auf ausführliche Erklärungen und genügend Zeit für eigene Rückfragen.

Anamnese / Untersuchung

Selbstverständlich begann mein Labortermin mit einer Anamnese. Neben ganz grundlegenden Parametern wie Größe, Gewicht und Alter wurden mir natürlich auch Fragen zu meinen sportlichen Aktivitäten und meinem Lebensalltag gestellt. Dabei ging es vor allem um den Faktor „Sitzen“.

Weiter ging es mit einer Untersuchung meiner Füße und der Beweglichkeit meiner Gelenke. Ein abschließender Blauabdruck meiner Füße brachte den ersten Hinweis, dass sich mein Fußgewölbe schon im Stehen zu sehr absenkt.

Fußdruckmessung

Mittels Messplatte wurde anschließend die Druckverteilung im Gehen ermittelt. Ich durfte ein paar Mal hin und her laufen, bis genügend Messwerte vorlagen. Diese bekräftigten den ersten Befund: der Druck verläuft etwas zu weit innen, insbesondere beim linken Fuß. Das kann auf eine zu große Pronation und zu wenig Stabilität im Sprunggelenk hindeuten.

Markierungen

Dann wurde es ernst: im Nebenraum schlüpfte ich in meine enge Tight und wurde vom Sprunggelenk bis an die Halswirbelsäule mit Markierungen versehen.

Die sind für die spätere Beurteilung des Bildmaterials bei der Bewegungsanalyse notwendig. So konnte ich später auch Frau und Kindern mal zeigen, wo meine Achillessehne in den Wadenmuskel übergeht. ;)

Haltungsanalyse

Die Haltungsanalyse wird mit einem 3D-Rückenscan durchgeführt. Dieser gibt Aufschluss über das „innere Gleichgewicht“, also die Statik des Körpers im Stehen.

Er hat vor allem meine leichte Skoliose zum Vorschein gebracht. Mit kleinen Plättchen unter den Fußsohlen haben wir gemeinsam nach ersten Ansatzpunkten gesucht, hier etwas mehr Symmetrie zu erzeugen und dadurch das System zu entlasten.

Bewegungsanalyse

Für die Bewegungsanalyse ging es dann zunächst barfuß auf das Laufband. Bei mäßiger Geschwindigkeit ging es erst in die eine, dann in die andere Richtung, damit die Videokameras meine Bewegung aus allen Blickwinkeln aufzeichnen konnten.

Dann durfte ich in meine Laufschuhe schlüpfen, um den gleichen Ablauf nochmal zu wiederholen.

Ins Schwitzen gekommen bin ich dabei nicht. So konnte ich einfach wieder in meine Klamotten schlüpfen und war bereit für die Auswertung.

Auswertung

Wir sind zum Abschluss nochmal alle Ergebnisse in Ruhe durchgegangen. Ich konnte dabei immer mit auf den Bildschirm sehen, um in der Video-Zeitlupe die besprochenen Punkte genau nachvollziehen zu können (dazu gleich mehr).

Dabei war genug Zeit für meine Rückfragen und nachvollziehbare Erklärungen. Im Zweifelsfall habe Zusammenhänge auch am Modell erklärt bekommen oder wurden mir ganz praktisch demonstriert.

Eine Dokumentationsmappe fasst dann alle Ergebnisse nochmal zusammen und enthält auch die passenden Übungen, um an den identifizierten Problempunkten zu arbeiten. Die Kräftigungs- und Dehnungsübungen findet man auch als Trainingsplan in der Möller-App (!) wieder, kann dort seine Fortschritte festhalten und auch die Analyseergebnisse jederzeit einsehen.

Ursache gefunden

Bezogen auf meine persönliche Problemstellung haben wir in dem Termin die Ursache glaube ich endlich gefunden. Anscheinend kippt meine Hüfte rechts zu weit ab, während ich mich links in der Standphase befinde. Was die zu schwache Stützmuskulatur hier nicht leistet, müssen andere Muskeln natürlich auffangen – und da sind vor allem die Muskelgruppen im rechten Po gefragt.

Gleichzeitig ist es so, dass man Oberkörper bzw. die Schulter rechts zu weit nach vorne rotiert. Das führt beim Aufsatz des rechten Fußes dann schnell zu einem Overcrossing, was wiederum zu Mehrbelastungen der Pomuskulatur rechts führt. Ich hätte also in der Anamnese nicht erzählen brauchen, wo ich die Schmerzen habe: das wäre von den Bildern her eindeutig gewesen…

Daher ist der Weg ganz klar: Abduktoren-, untere Bauch- und Gesäßmuskulatur kräftigen und die Hüftbeuger dehnen, um die Beckenstellung zu stabilisieren.

Auch wenn die nötigen Übungen keine Raketenwissenschaft sind, ist das Aufzeigen der möglichen Ursache für meine Probleme doch ein großer Schritt. Und eine Erkenntnis, die mir bisher kein anderer Spezialist bieten konnte!

Meine Meinung

Für mich war die Bewegungsanalyse bei Möller Orthopädie Schuh Technik ein sehr wertvoller und erfolgreicher Termin. Wer sich über die Problemstellungen aus seiner Laufbewegung ein genaues Bild machen will, sollte sich das Angebot der Laufspezialisten auf jeden Fall ansehen.

    1. Echt jetzt? Ich dachte, wir teilen nur die Vorliebe für bestimmte Schuhe. ;) Wo zwickt es denn bei Dir, welche Übungen machst Du und was davon hilft?

  1. Wie lustig! Das hört sich auch ähnlich wie bei mir an! :)
    Ich habe seit Ende 2020 Probleme im Bereich des rechten Gesäßmuskels und der Hüfte. Angefangen hat es bei mir nachdem ich nach längerer Laufpause (Achilles) und wegen Corona im Homeoffice an einen schlechten Bürostuhl „gefesselt“ war und anschließend wieder voll in den Sport eingestiegen bin. Wobei Laufen bei mir weniger problematisch ist. Aber das Radeln zur Arbeit, v.a. mit Klickpedalen, nach der Pause hat dann schlagartig zu Problemen geführt. Wirkliche Schmerzen hatte ich nie. Aber ich hatte Druck auf dem Ischias entlang der Oberschenkelrückseite und speziell auch am Piriformis, außerdem Missempfindungen im Oberschenkel und bis in die Fußsohle. Teilweise war es wirklich extrem unangenehm!
    Irgendwann habe ich herausgefunden, dass mir die Selbstmassage mit einem kleinen Ball von Blackroll, sowie einem Triggertool (der von Dir empfohlene Triggerdinger ;)) im Bereich der Gesäßmuskeln und Hüfte sehr helfen. Seitdem ist es zwar nicht ganz weg habe es aber gut im Griff.
    Die zwei Osteopathen und die zwei Orthopäden bei denen ich war konnten mir bisher leider nicht wirklich helfen.
    Im September letzten Jahres habe ich dann auch eine Laufbandanalyse gemacht (eigentlich hauptsächlich wegen meinen regelmäßig wiederkehrenden Achillesbeschwerden). Resultat: Overcrossing sowie abkippen des rechten Beckens. Seitdem mache ich fleißig Stabiübngen, 2-3x pro Woche. Die Beschwerden sind seitdem noch seltener – ganz weg sind sie allerdings nicht. Morgen bekomme ich das letzte mal Stoßwelle. Ich hatte gehofft die Probleme damit entgültig und nachhaltig wegzubekommen, was leider nicht geklappt hat. Die Selbstmassage mit Ball und Triggertool, außerdem Dehnung des Hüftbeugers, haben mir deutlich mehr geholfen! Außerdem versuche ich lange Sitzpausen zu vermeiden. In der Arbeit habe ich jetzt einen höhenverstellbaren Tisch und ich versuche mich mindestens 1x pro Stunde zu bewegen. Das hat mir auch etwas gebracht.
    LG!
    Sebastian

    1. Hi Sebastian! Noch ein Leidensgenosse… ;)

      Dann vermutest Du also auch, dass das Sitzen eine der Ursachen ist. Ich meine bei mir auch festzustellen, dass ich an Tagen, an denen ich kaum „Sitzpausen“ machen konnte, mehr Probleme mit dem ISG / Piriformis habe. Die hintere Muskelkette zu dehnen scheint aber kontraproduktiv zu sein. Krafttraining scheint viel mehr zu bringen. Und den Couch-Stretch kenne ich auch nur zu gut. ;)

      Wie dosierst Du den Einsatz von Ball und Triggertool? Ein sanftes Ausrollen scheint bei mir ok zu sein. Aber gehe ich nur etwas zu hart ran, ist der Muskel ziemlich beleidigt und beruhigt sich erst am nächsten Tag. Fühlt sich dann fast an wie eine Prellung…

      Welche Stabiübungen hast Du im Programm? Vermutlich fällt Dir der Seitzstütz auf der linken Seite auch deutlich schwerer als rechts? ;)

      1. Hi Thomas,

        ja, sitzen macht es bei mir eindeutig schlechter. Habe mir fürs Homeoffice einen neuen Stuhl angeschafft, seitdem ist das besser. Aber wenn ich mich einige Zeit wieder auf den alten Stuhl setze merke ich direkt, dass es beim Sitzen wieder anfängt (ich wollte den Stuhl mal vermessen um herauszufinden woran es liegen könnte).

        Mit dem Ball und dem Triggertool brauche ich tatsächlich extremen Druck, so dass es sich auch beim mir danach tatsächlich auch etwas malträtiert anfühlt :) Mit dem Triggertool muss ich sogar ganz tief in den Muskel eindringen und komme damit an Stellen, an die ich mit dem Ball nicht komme. Die eigentlichen Beschwerden sind dann aber dafür wieder für ne Weile verschwunden.

        An Dehnungen mache ich jeden Morgen nach dem Aufstehen v.A. was für Gluteus Medius & Minimus. Außerdem den Rectus Femoris (meine Übung: https://www.youtube.com/watch?v=5jxocc1o720). Den Piriformis hatte ich anfangs auch gedehnt, mache ich aber kaum noch.

        Bzgl. Stabi: Hmm einen Unterschied links/rechts beim Seitstütz ist mir nicht aufgefallen. Aber ja, die Übungen mache ich auch. Außerdem trainiere ich gezielt den Gluteus Maximus und mit Gummibändern v.A. die äußeren Abduktoren.
        Eine meiner Lieblingsstabiübungen für die Stabi ist der One Leg Deadlift. Ach und noch ein Tip: im Badezimmer habe ich ein Balance Pad auf dem ich am Abend einbeinig die Zähne putze ;)
        Hab da zwei super PDF-Dateien mit einer ganzen Reihe an Core-Stabis. Da habe ich mir einiges daraus zusammengestellt. Bei Interesse könnte ich Dir das zukommen lassen. Aber wahrscheinlich hast du selber einiges zusammengesucht.

        Grüße
        Sebastian

        1. Hi Sebastian,

          die Videos von Wiktor kenne ich auch. Aber das von der verlinkte Video war irgendwie noch nicht in meiner Liste. Da stecken wertvolle Hinweise drin! Bin wohl eher in Richtung Couch Stretch und Hohlkreuz unterwegs… Danke für den Hinweis!

          Bei den Stabis habe ich natürlich auch die Gluteus-Muskeln im Visier. Habe da schon so einige Übungen und Programme ausprobiert und bin jetzt gerade mit einem (leider kostenpflichtigen) Programm sehr zufrieden. Ist allerdings erst die zweite Woche. Trotzdem meine ich schon spürbare Fortschritte zu merken. Vielleicht muss ich mir Ball und Triggertool aber auch nochmal zusätzlich vornehmen, um das Leiden endlich mal los zu werden…

          Halte mich mal auf dem Laufenden was bei Dir so passiert!

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Ich bin der Harlerunner

Hier schreibt Thomas Pier über das Laufen und (deutlich mehr als nur die notwendige) Ausrüstung. Ich laufe weder besonders schnell noch weit. Aber ich teile gerne meine Erfahrungen, die ich als ambitionierter Freizeitläufer, neugieriger Early-Adopter und als mein eigener Trainer sammele.

Ich freue mich über jede digitale Kontaktaufnahme - noch mehr allerdings über jeden gemeinsam gelaufenen Kilometer.

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