Kleidung macht den Läufer: ein Brand Guide

Zuletzt aktualisiert:

This post is also available in: Englisch

Vielleicht habe ich es schon mal erwähnt: ich bin anfällig für gutes Design. Damit meine ich nicht nur die Optik: Funktion und Qualität müssen genau so gut sein, damit ich wirklich überzeugt bin.

Mittlerweile habe ich mit so vielen Marken Erfahrungen gesammelt, dass ich die Vorzüge der eher kleinen, spezialisierten Marken sehr zu schätzen weiss. Jede bringt einen eigenen Ansatz mit, hat ihre eigene „Philosophie“ oder einfach nur ihre Marktlücke gefunden.

Diese Exklusivität hat oft auch ihren Preis. Denn natürlich macht es einen Unterschied, ob ich Massenware in China produzieren lasse oder bedarfsgerecht nach hohen ökologischen Standards in Europa. Mal ganz abgesehen davon, dass sicher manchmal auch das Marketing dabei eine Rolle spielt.

Unterm Strich sind es für mich aber eben diese eher kleinen Marken, an denen ich besonders viel Spaß habe, zu denen ich am liebsten bei jedem Lauf greifen würde (und es oft auch tue) und die für mich einfach gut funktionieren.

Brand Guide

Abseits der jeweiligen Produkttests möchte ich hier einen Überblick geben, was für mich die einzelnen Brands ausmacht – zum Vergleich und zur Orientierung. Die Reihefolge ist alphabetisch, also nicht nach persönlicher Vorliebe. ;)

Ciele

Die Kanadier haben sich auf Caps und Mützen für Läufer spezialisiert. Die funktionieren nicht unbedingt wesentlich besser als die der Mitbewerber, dafür ist das Design einfach ungeschlagen. Man kann zwischen mehreren Modellen und Gestaltungslinien wählen und hat so ständig fast 100 Produkte zur Auswahl.

Material und Schnitt funktionieren für mich einfach sehr gut, daher trage ich mittlerweile ausschließlich Ciele-Caps. Man bekommt sie auch sehr gut in Deutschland, allerdings ist dann die Modellauswahl beschränkt.

Typ: Style
Standard-Cap: 40 Euro
Highlight: GOCap
Insight: es gibt immer mal wieder Schnäppchen bei Amazon

Fusion

Die Dänen kommen auf den ersten Blick recht unscheinbar daher. Es gibt keine Eyecatcher, keine verrückten Muster oder ständig neue Trends. Auch die Produktpalette ufert nicht aus: es ist alles da, was den Läufer (und die Läuferin) gut über das Jahr bringt. Aber eben nicht in zig Modellvarianten, sondern vielleicht nur in der einen, gut durchdachten. Die wird regelmäßig überprüft und ggf. verbessert – wenn das überhaupt noch möglich ist.

Dem entsprechend sind meiner Erfahrung nach Sitz, Funktion und Material der Produkte „unaufgeregt perfekt„. Alle Materialien fühlen sich sehr hochwertig und weich an – und sind zudem noch in Europa nach OekoTex-Standards produziert. Es gibt auch ein wachsendes Händlernetz in Deutschland, so daß man recht gut lokal kaufen kann. Die Preise unterscheiden sich nicht vom Webshop.

Absolutes Highlight sind die Tights mit Beintaschen. Egal ob kurz, lang oder in der Winter-Version: diese Lösung ist einfach genial und löst für mich alle Transportprobleme beim Laufen.

Typ: Understatement
Basic-Laufshirt: 50 Euro
Highlight: C3 Tights mit Beintaschen
Insight: Oberteile evtl. eine Nummer größer kaufen

Incylence

Das junge Start-Up aus Hamburg hat sich im letzten Jahr durch seine Socken einen Namen gemacht. Gutes Design und gute Qualität überzeugen mittlerweile nicht nur Triathleten, sondern auch Läufer.

In meiner übervollen Sockenschublade greife ich fast immer zu Incylence, weil mir neben den sehr guten Trageeigenschaften das Design so gefällt.

Typ: Style
Laufsocken: 18 Euro
Highlight: Modelle mit gespiegelten Farben
Insight: es gibt spannende Kollaborationen

Saysky

Saysky ist ein dänischer Senkrechtstarter, der mittlerweile den meisten bekannt sein dürfte. Die Triathlon- und Laufbekleidung fällt neben ihrer guten Funktion vor allem durch die auffälligen Designs ins Auge: Camouflage, Tiger-Muster oder Blumen-Prints. Jede Saison gibt es neue Slogans, Farben und Muster in (teilweise) überschaubarer Stückzahl zu kaufen.

Material und Funktion der Saysky-Kollektion ist gut bzw. dem Preis auf jeden Fall angemessen. Abgesehen von der Gestaltung gibt es bei den Produkten aber kaum Weiterentwicklung oder -innovation.

Typ: Style
Basic-Laufshirt: 50 Euro
Highlight: Floral Prints
Insight: schnell sein (begrenzte Stückzahl)

Soar

Tim Soar ist Mode-Designer und Läufer. Beides ist an den Produkten aus England deutlich abzulesen. Es gibt einen stetigen Verbesserungsprozess, der immer nach dem noch besseren Schnitt, dem optimalen Material und perfekten Details sucht. Innovative neue Produkte überraschen mich jedes Jahr sehr positiv und unterstreichen soar’s Anspruch, eine „running performance“ Marke zu sein.

Mich beeindruckt die untermüdliche Suche nach der perfekten Lösung – von Läufern für Läufer. Die Gestaltung ist teilweise etwas „britisch“, aber Funktion und Qualität sind immer über jeden Zweifel erhaben. Auch preislich spielt soar eher in der Oberliga, dafür findet man aber auch selten Vergleichbares bei den Mitbewerbern.

Typ: Funktion
Basic-Laufshirt: 73 Euro
Highlight: Ultra Rain Jacket
Insight: nur Herrenkollektion

Tracksmith

Tracksmith feiert (nach eigenen Worten) den „Amateur Spirit“ und die Gemeinschaft der nicht-professionellen, aber ambitionierten Läufer. Die Laufkleidung der Amerikaner orientiert sich am New England Style der Ivy League Universitäten aus den 50ern und 60ern: klassisch und zeitlos also. Das führt zu einem breiten Spektrum an hochwertigen Produkten, bei denen ganz klar Design und Material im Vordergrund stehen.

Natürlich stimmt auch die Funktion, wobei man hier keine Wunder oder gar Innovationen erwarten sollte. Ganz im Gegenteil: auch Baumwolle ist noch mit im Programm – passend zu den klassischen Markenwurzeln. Spätestens wenn man zu den Preisen auch noch die Versandkosten rechnet, bewegen wir uns bei Tracksmith in der obersten Liga. Nichts, was man sich „mal eben so“ kauft. Eher ein Luxus, den man sich hin und wieder gönnt.

Typ: Luxus
Basic-Laufshirt: 49 Euro (plus Versand!)
Highlight: Van Cortlandt Tee und Singlet
Insight: oft eher großzügig geschnitten (für Europäer)

Weitere Empfehlungen

Mit allen Marken des Brand Guides bin ich schon viele Kilometer im Training und im Wettkampf gelaufen, so daß sich sie aus eigener Erfahrung wirklich empfehlen kann. Andere Marken sind für mich noch neu, haben sich aber bereits eine Empfehlung von mir verdient.

Wer sich (so wie ich) in Merinowolle beim Laufen wohl fühlt, sollte sich ashmei mal ansehen. Das englische Unternehmen hat sich auf dieses Material spezialisiert und ausserdem noch ein gutes Händchen beim Design.

Mit der Kollektion von André Kossmann bin ich erst vor kurzem in Berührung gekommen. Als ehemaliger Leistungssportler hat er ein gutes Auge für die Funktionalität seiner nachhaltigen, in Europa produzierten Kollektion.

Auch YMR Track Club ist noch neu für mich. Design, Funktion und Nachaltigkeit sind drei gute Gründe, das junge schwedische Label im Auge zu behalten.

So halte ich es

Ich nehme gerne etwas mehr Geld in die Hand, wenn ich dadurch wirklich langfristig Spaß an den Sachen habe. Für eine vernünftige und letztendlich preiswerte Grundausstattung würde ich derzeit immer zu Fusion greifen. Hin und wieder ergänzt durch einzelne Teile von Saysky, die mich vom Design her besonders ansprechen. Dazu noch eine Cap von Ciele und einige Socken von Incylence und man ist wirklich gut und komplett ausgestattet.

Sandsteinmeile Havixbeck 2019

Bei Soar lohnt es sich immer dann zu stöbern, wenn es um spezielle Funktionen bei der Kleidung geht, die einem das Geld dann auch wert sind. Gerade bei den Oberteilen gibt es sehr viele einmalige Stücke, die niemand sonst so bieten kann (Ultra Gilet, All Weather Jacket).

Soar Sierra Half-Zip und Lightweight Cap
Soar Sierra Half-Zip und Lightweight Cap

Und als kleines Krönchen oben drauf, wenn das Geld wirklich dafür übrig ist, darf es auch mal ein Teil von Tracksmith sein. Wenn man gerade in den USA ist und weder Versandkosten noch Steuern zu fürchten hat, gerne auch zwei oder drei… ;)

  1. Cool. Da sind ja mal ein paar Marken dabei die ich noch nicht kannte.

    Ich bin jahrelang immer mit einer bekannten Discounter-Hausmarke gelaufen (die nach wie vor gute Sachen haben), muss aber sagen das ich in den letzten Monaten immer mehr auf „Markenkleidung“ nutze. Willpower mag ich z.B. ganz gerne.

    1. Hi Daniel, die Discounter-Marken waren natürlich auch mein Einstieg und sind genau dafür auch vollkommen ok. Keine schlechten Produkte, aber eben auch nicht richtig gut. Bei den Preisen will man aber teilweise nicht wissen, unter welchen Bedinungen die hergestellt wurden. Willpower habe ich schon ein paar Mal bei Dir gesehen. Irgendwie werde ich mit denen aber nicht warm. Schwarz ist ja ok, aber Symbolik und Sprüche sind irgendwie nichts meins.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich bin der Harlerunner

Hier schreibt Thomas Pier über das Laufen und (deutlich mehr als nur die notwendige) Ausrüstung. Ich laufe weder besonders schnell noch weit. Aber ich teile gerne meine Erfahrungen, die ich als ambitionierter Freizeitläufer, neugieriger Early-Adopter und als mein eigener Trainer sammele.

Ich freue mich über jede digitale Kontaktaufnahme - noch mehr allerdings über jeden gemeinsam gelaufenen Kilometer.

Strava Badge