Therabody RecoveryAir Pro

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Therabody ist sehr erfolgreich mit seiner Massage-Pistole, der Theragun. Nun wurde das Spektrum der Erholungs-Tools um Recovery Boots erweitert. Ich durfte mir das Top-Modell ausgiebig ansehen: die Therabody RecoveryAir Pro.

Anzeige: Affenhand.de hat mir die Therabody RecoveryAir Pro für diesen Test auf meine Anfrage hin zur Verfügung gestellt. Dies hatte keinen Einfluss auf den Inhalt meines Testberichts. Der Beitrag ist frei verfasst und gibt ausschließlich meine persönlichen Erfahrungen wieder.

Ich muss schon zugeben, dass ich ziemlich aufgeregt war, als ich im Affenhand-Newsletter die neuen Therabody-Produkte entdeckt habe. Recovery Boots sieht man regelmäßig bei Profi-Athleten, die damit ihre Beine zwischen zwei Trainingseinheiten frisch machen. Doch bisher kosteten diese Lösungen immer ein Vermögen und waren für „normale Läufer“ unerschwinglich.

Die Therabody RecoveryAir Prime startet als Einstiegsmodell allerdings schon bei 699 Euro und kostet damit nicht mehr als eine gute Laufuhr. Das ist immer noch viel Geld, aber sicher nicht unerschwinglich. Das solltet ihr im Hinterkopf behalten, wenn ich jetzt die (fast doppelt so teure) PRO-Version vorstelle.

Produkttest

Therabody RecoveryAir Pro

Preis
1.299 Euro
Aktiv getestet
10 Wochen

Kompressions-Massage

Das Wirkprinzip hinter den Therabody-Boots ist die Kompressions-Massage. Mit Hilfe von Druckluft werden Muskeln und Gewebe also leicht zusammengedrückt – ähnlich einer konventionellen Massage mit den Händen. Allerdings kommt bei den Kompressionsboots der Druck von allen Seiten.

Gleichzeitig kann über ein Kammersystem der Druck zonenweise gesteuert werden. Bei den RecoveryAir-Systemen gibt es vier solcher Kammern, die sich normalerweise nach und nach mit Luft füllen. Der Druckaufbau beginnt immer an den Füßen und wandert von dort in Richtung Körpermitte bzw. Herz. Die TruGrade-Technologie sorgt für ein Druckgefälle in die gleiche Richtung. Dadurch ist gewährleistet, dass die Benutzung sicher ist und der Blutfluss optimiert wird.

Denn darum geht es letztendlich: durch den Druckaufbau und -abbau kommt es zu einem schnelleren Austausch von Blut in den behandelten Bereichen, was zu einer besseren Versorgung mit Nährstoffen und dadurch zur schnelleren Erholung führen soll.

Lieferumfang

Das RecoveryAir-Pro-System besteht im Wesentlichen aus zwei Beinlingen (Sleeves) und einer Steuereinheit, die gleichzeitig auch der Druckluft-Kompressor ist. Das alles kommt handlich verpackt in einem großen Karton. Sleeves und Kompressor sind jeweils ein einem Beutel untergebracht, die später auch für Aufbewahrung und Transport genutzt werden können.

Die Kompressor-Bedieneinheit hat eine Akkulaufzeit von 4 Stunden, muss also nur zum Laden ans Stromkabel. Neben dem integrierten Display gibt es eine Bedienwippe zur Auswahl der Funktionen sowie einen Play/Pause-Knopf.

Die beiden Sleeves liegen gefaltet im Beutel. Man muss hier bei der Bestellung eine Größenauswahl treffen, damit sie gut passen. Es gibt aber nur drei Größen (S/M/L), daher dürfte die Zuordnung nach Körpergröße nicht schwer fallen. Liegt man genau auf einer Grenze (so wie ich), sollte man eher zur kleineren Größe greifen.

Im Fußteil der Beinlinge befindet sich das eingerollte Anschlusskabel, das mit dem Kompressor verbunden werden muss. Die Beinlinge sind übrigens identisch – es gibt also kein Links oder Rechts.

Zum Einstieg in die Sleeves öffnet man den (sehr langen) Reißverschluss, schlüpft hinein und schließt ihn wieder. Man sollte darauf achten, keine spitzen oder scharfkantigen Elemente mit einzuschließen. Ein Reißverschluss am Beinabschluss einer Trainingshose wird zwar nicht das Sleeve beschädigen, könnte aber unangenehme Druckstellen auf der Haut hinterlassen.

Hat man die Sleeves mit der Bedieneinheit verbunden, kann man direkt mit der ersten Session starten.

Bedienung

Die Therabody RecoveryAir Pro schlägt beim Start immer das Recovery-Programm mit den zuletzt gewählten Einstellungen vor. Über das Bedienkreuz lassen sich schnell und einfach (auch während der Nutzung) die Dauer und der Maximaldruck für das Programm verstellen – oder alle Einstellungen auf die Defaults zurücksetzen.

Das Recovery-Programm ist zur Erholung nach intensiven Trainingseinheiten und zur Vorbeugung von Muskelkater gedacht. Das bei der Pro vorhandene Programm „Warm Up“ unterscheidet sich davon nur in Länge und Intensität des Drucks.

Mit dem Isolationsprogramm kann man die Behandlung auf eine Beinregion beschränken: also entweder Knöchel / Unterschenkel, Kniebereich oder Knie / Oberschenkel. Will man mehrere Kompressionszyklen mit definierten Pausen dazwischen durchführen, wählt man das Intervall-Programm.

Im Pro-Modus schließlich kann man ein frei definiertes Programm ausführen – inklusive „Vorbehandlung“ ausgesuchter Bereiche mit weniger Druck und abweichenden Druckaufbauzyklen.

Therabody App

Noch etwas komfortabler ist die Bedienung über die Therabody-App. Dort sind grundsätzlich Workouts und Routinen für alle Therabody-Produkte gesammelt, also auch z.B. für die Theragun. Man kann all seine Geräte und die Ausstattungsoptionen dort hinterlegen und bekommt so immer das passende Angebot präsentiert.

Für die Therabody RecoveryAir Pro werden in der App keine Optionen angeboten, die es nicht auch direkt am Gerät gäbe. Allerdings kann man hier persönliche Einstellungen für die Modes abspeichern und sogar mit anderen Pro-Nutzern teilen.

Während des laufenden Programms sieht man die Befüllung der Kammern und kann jederzeit z.B. den Druck nochmal anpassen. Das gilt übrigens genau so für die Modelle Prime und JetBoots (siehe unten). Hier ist nur die Anzahl der abzuspeichernden Programme beschränkt.

In der Praxis

Falls ihr es noch nicht gemerkt habt: ich bin kein Profi-Athlet, der für seine 160 Kilometer in der Woche zwei Mal am Tag trainieren muss. ;) Aber auch ich habe im Rahmen meiner Möglichkeiten ambitionierte Ziele und damit regelmäßig Einheiten im Trainingsplan, die meine Beine ordentlich fordern. Dazu kommen noch lange Arbeitstage und Training zu ungünstigen Zeiten – nämlich oft abends nach 20 Uhr, wenn die Kinder im Bett sind. Regeneration ist also definitiv ein Thema für mich.

Zum Lockern der Beine habe ich mich schon länger von Schaumstoffrollen verabschiedet und setze eher auf Massage-Pistolen. Besonders, wenn es nur um einen lokal begrenzten Einsatz geht. Um beiden Beinen eine wohlige Erholung zu gönnen, muss man damit aber auch ganz schön arbeiten…

Der Einsatz der Therabody RecoveryAir Pro ist da ganz anders. Anfangs musste ich mich zwar etwas an die Handhabung gewöhnen, aber irgendwann schlüpft man in die Sleeves genau so selbstverständlich wie in seine Pantoffeln. ;) Seit zwei Wochen liegen sie sogar immer fertig angeschlossen bereit neben einem bequemen Stuhl, damit ich jederzeit spontan die Beine lang machen kann.

Das beim Start vorgeschlagene Recovery-Programm war für mich schon optimal eingestellt. Mit der Zeit habe ich aber je nach Tagesform und -bedarf mit der Stärke der Kompression gespielt. Bei der ersten Anwendung war ich allerdings schon etwas skeptisch, weil ich so etwas noch nie gemacht hatte. Doch ich hatte schon nach wenigen Minuten einfach nur noch ein breites Grinsen im Gesicht. :)

Den allmählichen Druckaufbau von unten nach oben fand ich immer sehr angenehm. Den maximalen Druck kann man jederzeit nach persönlicher Vorliebe einstellen und seinen perfekten Wert finden. Nachdem alle Kammern gefüllt sind, wird der Druck noch kurz gehalten, bevor die Luft wieder entweicht. In dem Moment spüre ich immer sehr deutlich, wie das Blut in die Beine strömt. Das ist einfach der beste Moment… :)

Noch besser ist allerdings das Gefühl der Beine nach einer Session. Egal wie kaputt sie sich vorher angefühlt haben: anschließend hatte ich immer das Gefühl, wieder Laufen gehen zu können. Zum Beispiel am Tag nach einer doppelten Trainingseinheit im Taekwondo, als ich mir selbst Intervalle auf den Plan geschrieben hatte. Morgens waren die Beine schwer wie Blei und es hatte sich auch ein leichter Muskelkater breit gemacht. Normalerweise wäre ich an dem Tag nicht gelaufen bzw. hätte nur einen kurzen Grundlagenlauf gemacht. Nach einer halben Stunde in den RecoveryAir fühlte ich mich aber bereit für die Intervalle.

Anfangs habe ich mich mit allen Programmen der RecoveryAir Pro beschäftigt. Wobei sich die ersten beiden (Recovery und Warm Up) nur durch die vor eingestellten Werte (Zeit und Druck) unterscheiden. Längere Sessions, für die der Interval-Modus sinnvoll gewesen wären, habe ich nur ein Mal gemacht (testweise) und dann im Alltag nie einen Bedarf dafür gesehen.

Die Flexibilität des Pro-Modus war da schon hilfreicher. Bei akuten Problemen (Knöchel oder Knie) könnte ich mir gut vorstellen, hier ein passendes Programm zu gestalten. Ansonsten fand ich das Recovery-Programm eigentlich immer die beste Wahl.

Natürlich können die Kompressionsboots keine Wunder bewirken. Man kann damit weder Muskelkater noch Schmerzen wegzaubern. Und ehrlich gesagt kann ich auch gar nicht beurteilen, ob sie einen wissenschaftlich nachweisbaren Effekt auf die Regeneration haben. Aber für mich ist das Prinzip der Massage und höheren Durchblutung sehr einleuchtend und (auch körperlich) nachvollziehbar. Ich hatte immer das Gefühl, dass mir die Therabody RecoveryAir Pro ein bis zwei Tage Erholung „erspart“ haben – mit nur 30 Minuten rumsitzen. ;)

Denn das ist ein weiterer Vorteil des Systems: man muss nur eine halbe Stunde dasitzen und brauche nichts weiter tun. Daraus kann ein kleines Nickerchen in der Mittagspause werden oder man nutzt die abendliche Zeit vor dem Fernseher. Ich bin ehrlich gesagt auch schon mal nachts wieder aufgestanden, weil ich so unruhige Beine hatte. ;)

Modellauswahl

Die neue, zweite Generation der RecoveryAir besteht aus drei Modellen. Wie eingangs erwähnt ist die Therabody RecoveryAir Prime das Einstiegsmodell für jedermann.

Es unterscheidet sich von der hier gezeigten Pro-Version nur durch die Steuereinheit. Die Sleeves sind also absolut identisch und untereinander austauschbar. Statt vier hat man hier zwei Programme zur Auswahl (Recovery und Warm Up), die sich auch im Druck nicht so fein einstellen lassen (10er- statt 5er-Schritte). Auch beim Akku gibt es „nur“ drei statt vier Stunden Laufzeit. Dafür kostet das Modell auch nur 699 statt 1.299 Euro.

Für den mobilen Einsatz gibt es ausserdem die RecoveryAir JetBoots. Hier ist Kompressor und Akku jeweils am Fußteil der Boots angebracht. Das Steuerelement befindet sich am oberen Ende der Sleeves. Vom Funktionsumfang ist es gleichzusetzen mit der Prime: der Akku hält allerdings etwas länger, dafür sind die Druckstufen in 25er-Schritten vorgegeben. Für 899 Euro erkauft man sich vor allem Mobilität und erspart sich etwas Kabelgewirr.

Insgesamt ist die Therabody RecoveryAir Pro also das Modell mit den meisten Optionen und Einstellmöglichkeiten. Dazu kommt, dass es nicht nur mit den hier gezeigten Sleeves kompatibel ist, sondern sich auch die Compression Pants (gehen wie eine Hose bis über die Hüfte) oder die Vest (Kompression von Oberkörper und Arm) anschließen lassen.

Eine gute Auswahlhilfe ist auch das Review-Video von Affenhand.de:

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Meine Meinung

Therabody RecoveryAir Pro
Kann sich lohnen
Ich muss schon zugeben: von der Therabody RecoveryAir Pro bin ich echt begeistert! Die Kompressionsboots haben es immer geschafft, mir frische Beine zu zaubern.

Dafür muss man aber nicht gleich zum Pro-Modell greifen: wer (wie ich) im Grunde nur das Recovery-Programm nutzen möchte, ist mit den RecoveryAir Prime genau so gut bedient.

Bleibt trotzdem noch die Frage für wen sich die Therabody-Systeme lohnen? Ich würde sagen: für alle Läufer, die ihre Erholungszeiten verkürzen wollen oder müssen. Wer nicht die Zeit hat (Alltag oder zu dichter Trainingsplan), nach einem anstrengenden Training ein oder zwei Tage die Füße hochzulegen, kann hier sicherlich mit einem RecoveryAir-System nachhelfen.
Qualität
Funktion
Begeisterung
Preis / Leistung
4.5
Bewertung

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Ich bin der Harlerunner

Hier schreibt Thomas Pier über das Laufen und (deutlich mehr als nur die notwendige) Ausrüstung. Ich laufe weder besonders schnell noch weit. Aber ich teile gerne meine Erfahrungen, die ich als ambitionierter Freizeitläufer, neugieriger Early-Adopter und als mein eigener Trainer sammele.

Ich freue mich über jede digitale Kontaktaufnahme - noch mehr allerdings über jeden gemeinsam gelaufenen Kilometer.

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