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Kleine Standortbestimmung: ich laufe (wieder) seit gut vier Jahren. Meine 10-km-Bestzeit ist zwei Jahre alt, meinen schnellsten Halbmarathon bin ich vor einem Jahr gelaufen. An beide Zeiten bin ich seit dem nicht annähernd heran gekommen, obwohl ich es versucht habe.

Warum ist das wichtig (für mich)?

Erwartungsgemäß habe ich in den ersten Laufjahren die größte Entwicklung gemacht. Regelmäßig fielen bereits im Training die Bestzeiten und es hat wirklich Spaß gemacht, jedes neue Zeitziel anzugehen und auch zu erreichen. Mir war natürlich klar, dass das nicht ewig so weiter geht und die Schritte immer kleiner ausfallen würden. Aber ich hatte zumindest ein Plateau erwartet und keine großen Rückschritte.

Im Grunde ist die Frage also: was ist da passiert? Habe ich einfach ein schlechtes Jahr gehabt? Und: muss ich unbedingt noch schneller laufen können?

Wie läuft das denn normalerweise?

Es gibt ein paar ganz typische Entwicklungen, von denen man bei Läufern immer wieder hört. Meist beginnt es mit „immer schneller, immer weiter“. Auf den ersten 5er folgt ein 10er, dann der Halbmarathon oder gerne auch direkt der Marathon. Dann fällt man entweder in ein Loch oder hat so viel Blut geleckt, dass man sich bald auch einen Ultralauf vorstellen kann.

Irgendwann stößt die Entwicklung dann an natürliche Grenzen und die Ziele lassen sich nicht mehr weiter raus schieben. Dann scheint es für viele auf die Trails zu gehen, weg von der Strasse und vergleichbaren Wettkampfergebnissen. Die Zeit rückt in den Hintergrund, das Erlebnis in den Vordergrund. Lokale Laufveranstaltungen werden gerne besucht, um Lauffreunde zu treffen. Aber man jagt keinen Bestzeiten mehr hinterher.

Wo stehe ich?

Natürlich kann ich mich mit der ersten Phase identifizieren – bis auf das „immer weiter“, denn ein Marathon hat mich bisher noch nicht wirklich gereizt. „Immer schneller“ hätte es in diesem Jahr auch nicht unbedingt sein müssen. Aber über eine (ungefähre) Bestätigung der bisherigen Bestzeiten hätte ich mich durchaus gefreut. So hat mir dieses Laufjahr einen spürbaren Dämpfer verpasst, den ich irgendwie nicht abgeschüttelt bekomme.

Wie will ich das nächste Jahr angehen?

Die letzten Jahre waren sehr ähnlich strukturiert: es gab die 10-km-Laufserie über die Saison und im Frühjahr und Herbst einen Halbmarathon, auf den ich mich gezielt vorbereitet habe. Im Moment widerstrebt es mir aber, das im nächsten Jahr genau so zu machen. Stattdessen bin ich bereits für den Ibbenbürener Klippenlauf im März angemeldet – ein Trail-Lauf über 24,7 km und „9 Klippen“. Auch ein Trail-Camp in der Nähe hat schon meine Aufmerksamkeit erregt.

Gleichzeitig widerstrebt es mir, das Projekt „Bestätigung der Bestzeiten“ einfach beiseite zu legen. Muss ich einfach nur anders (also besser) trainieren? Sollte ich vielleicht mal nicht nach Plan, sondern nur nach Gefühl laufen?

Vielleicht mache ich das bis zum Klippenlauf einfach mal. Vielleicht auch nicht. Ich weiss es gerade wirklich nicht.

Warum mache ich das eigentlich alles?

Das ist zum Glück die einzige Frage, die ich mir gerade nicht stelle. ;) Als ich vor vier Jahren wieder mit dem Laufen angefangen habe, hatte das gute Gründe – und die gibt es jetzt immer noch. Mir tut die Bewegung einfach gut und es ist ein wichtiger Ausgleich für Körper und Geist. Ich bin wacher, leistungsfähiger und einfach fitter. Durch den Blog habe ich ausserdem die Möglichkeit, meine Neugier zu befriedigen und immer neue Dinge auszuprobieren. Auch das ist eine wichtige Bereicherung für mich geworden.

Zum Glück ist nichts davon abhängig von der Erreichung irgendwelcher Ziele, so lange ich einfach nur laufe. :)