North Sea Beach Marathon 2017
North Sea Beach Marathon 2017

Bin ich bereit für den nächsten Schritt?

Kleine Standortbestimmung: ich laufe (wieder) seit gut vier Jahren. Meine 10-km-Bestzeit ist zwei Jahre alt, meinen schnellsten Halbmarathon bin ich vor einem Jahr gelaufen. An beide Zeiten bin ich seit dem nicht annähernd heran gekommen, obwohl ich es versucht habe.

Warum ist das wichtig (für mich)?

Erwartungsgemäß habe ich in den ersten Laufjahren die größte Entwicklung gemacht. Regelmäßig fielen bereits im Training die Bestzeiten und es hat wirklich Spaß gemacht, jedes neue Zeitziel anzugehen und auch zu erreichen. Mir war natürlich klar, dass das nicht ewig so weiter geht und die Schritte immer kleiner ausfallen würden. Aber ich hatte zumindest ein Plateau erwartet und keine großen Rückschritte.

Im Grunde ist die Frage also: was ist da passiert? Habe ich einfach ein schlechtes Jahr gehabt? Und: muss ich unbedingt noch schneller laufen können?

Wie läuft das denn normalerweise?

Es gibt ein paar ganz typische Entwicklungen, von denen man bei Läufern immer wieder hört. Meist beginnt es mit „immer schneller, immer weiter“. Auf den ersten 5er folgt ein 10er, dann der Halbmarathon oder gerne auch direkt der Marathon. Dann fällt man entweder in ein Loch oder hat so viel Blut geleckt, dass man sich bald auch einen Ultralauf vorstellen kann.

Irgendwann stößt die Entwicklung dann an natürliche Grenzen und die Ziele lassen sich nicht mehr weiter raus schieben. Dann scheint es für viele auf die Trails zu gehen, weg von der Strasse und vergleichbaren Wettkampfergebnissen. Die Zeit rückt in den Hintergrund, das Erlebnis in den Vordergrund. Lokale Laufveranstaltungen werden gerne besucht, um Lauffreunde zu treffen. Aber man jagt keinen Bestzeiten mehr hinterher.

Wo stehe ich?

Natürlich kann ich mich mit der ersten Phase identifizieren – bis auf das „immer weiter“, denn ein Marathon hat mich bisher noch nicht wirklich gereizt. „Immer schneller“ hätte es in diesem Jahr auch nicht unbedingt sein müssen. Aber über eine (ungefähre) Bestätigung der bisherigen Bestzeiten hätte ich mich durchaus gefreut. So hat mir dieses Laufjahr einen spürbaren Dämpfer verpasst, den ich irgendwie nicht abgeschüttelt bekomme.

Wie will ich das nächste Jahr angehen?

Die letzten Jahre waren sehr ähnlich strukturiert: es gab die 10-km-Laufserie über die Saison und im Frühjahr und Herbst einen Halbmarathon, auf den ich mich gezielt vorbereitet habe. Im Moment widerstrebt es mir aber, das im nächsten Jahr genau so zu machen. Stattdessen bin ich bereits für den Ibbenbürener Klippenlauf im März angemeldet – ein Trail-Lauf über 24,7 km und „9 Klippen“. Auch ein Trail-Camp in der Nähe hat schon meine Aufmerksamkeit erregt.

Gleichzeitig widerstrebt es mir, das Projekt „Bestätigung der Bestzeiten“ einfach beiseite zu legen. Muss ich einfach nur anders (also besser) trainieren? Sollte ich vielleicht mal nicht nach Plan, sondern nur nach Gefühl laufen?

Vielleicht mache ich das bis zum Klippenlauf einfach mal. Vielleicht auch nicht. Ich weiss es gerade wirklich nicht.

Warum mache ich das eigentlich alles?

Das ist zum Glück die einzige Frage, die ich mir gerade nicht stelle. ;) Als ich vor vier Jahren wieder mit dem Laufen angefangen habe, hatte das gute Gründe – und die gibt es jetzt immer noch. Mir tut die Bewegung einfach gut und es ist ein wichtiger Ausgleich für Körper und Geist. Ich bin wacher, leistungsfähiger und einfach fitter. Durch den Blog habe ich ausserdem die Möglichkeit, meine Neugier zu befriedigen und immer neue Dinge auszuprobieren. Auch das ist eine wichtige Bereicherung für mich geworden.

Zum Glück ist nichts davon abhängig von der Erreichung irgendwelcher Ziele, so lange ich einfach nur laufe. :)

  1. Hi Thomas,
    als ehrgeiziger Mensch und Sportler verstehe ich deine Überlegungen sehr gut und kann mir auch vorstellen, dass es mir irgendwann ähnlich ergehen wird und so manchem vor uns sicher auch schon so ergangen ist ;-)
    Persönlich denke ich, dass die Hauptsache ist, dass du den Spaß am Laufen behältst :-)
    Welche Rennen/Veranstaltungen du dabei machst, ist irgendwo egal solange es dir Freude bereitet (zumindest hinterher).
    Ansonsten ist etwas Abwechslung nie verkehrt, also warum nicht mal ein paar Trails laufen oder auch mal „nur“ nach Lust und Laune trainieren?
    Es wird sich bestimmt dabei herauskristallisieren, was dir momentan am meisten gut tut und dabei würde ich dann auch bleiben.
    In der Hoffnung, dir wieder etwas Motivation fürs Laufen gebracht zu haben, wünsche ich dir ein schönes Wochenende ;-)
    Molto Grüße aus dem Nachbarländle,
    Tobias

    1. Hi Tobias, mach Dir mal keine Sorgen: Motivation zum Laufen ist ja da. Sonst hätte ich mich nicht für den Klippenlauf angemeldet. Vielleicht ist es auch nur das Herbsttief bei mir… ;)

  2. Ich glaube, einen Post wie diesen hier schreibt irgendwann jeder Lauf-Blogger. Wir stellen uns alle diesen Fragen. Früher oder später. Wichtig sind die Antworten auf diese Fragen aber nicht. Denn sie verändern sich mit der Zeit. Wichtig ist einzig und allein, dass das, was wir tun, uns Spaß macht. Und dass es uns gut tut – so wie Du es im letzten Absatz geschrieben hast. So lange diese beiden Faktoren passen, sollten wir einfach weiter machen. Und genießen, was uns dabei noch alles passiert.

    1. Hi Eddy, mir war irgendwie schon klar, dass ich da nicht der Erste bin. Trotzdem ist es schön, tröstende Worte von gestandenen Läufern zu hören. ;)

    1. Hi Daniel, viele der Fragen stelle ich mir bei jeden Wettkampf. ;) Nur danach sind sie neu… Ich bin mir aber auch sicher, dass die Fragen wieder gehen bzw. sich verändern werden.

  3. Wie ich deinen Eintrag gelesen habe, dachte ich mir, der stammt von mir :-)

    Mir ist es 1:1 gleich gegangen.

    Ergänzen kann man dies noch, dass Verletzungen einfach dazukommen und man zum Umdenken anfängt.
    Bei mir ist es jetzt 3 Jahre her, dass ich einen Halbmarathon gefinisht (mit PB) habe. Verletzungen haben mich immer zurückgeworfen.
    Jetzt ist es so, dass ich wieder gerne trainiere und laufe und einfach andere Ziele habe.
    Ich sehe es so: ich habe mir eine gewisse Zielzeit für den Halbmarathon vorgenommen. Diese habe ich 2016 erreicht. Warum soll ich immer nach noch schnelleren Zeiten streben? Man wird älter und die Leistung lässt nach.

    1. Hi Christian, ich fand es eine ganz gute Idee, irgendwann nur noch in „Jahresbestzeiten“ zu denken und nicht „Lebensbestzeit“. So kann man in jedem Jahr neu starten und sich über seine Ergebnisse freuen. ;)

  4. Viele Empfinden den Laufwettkampf als Erntezeit für Ihr zuvor gesätes Training.
    Ein Laufwettkampf misst schlicht die tagesaktuelle Leistungsfähigkeit unter Berücksichtigung externer Faktoren wie Wetter, Gelände, etc. Dies ist also nichts anderes als ein öffentlich gemachter Test unter offiziellen Bedingungen. Wer sich diesem Wettkampf mit sich selbst und gegen sich stellt, den halte ich zunächst einmal für mutig. Denn am Ende steht ein nacktes, brutales Zeitergebnis ohne Erklärung oder Ausreden.

    Ein Ergebnis ohne Ausreden und Erklärungen zu akzeptieren ist ein anstrengender Weg, welcher womöglich nochmals anstrengender als das härteste Training selbst sein kann.
    Indem wir uns stets erwartungslos Bemühen und ganz „einfach“ unser Bestes, unser Letztes geben, ohne sich einer bestimmten Zielsetzung zu unterwerfen – nichts anderes ist nämlich eine konkrete Erwartungshaltung – können wir dauerhaft Freude am Sport und generell im Leben erfahren. Dies steht im Kontrast zu extrinsischen Motiven und der Leistungswelt , die vom ständigen Vergleich lebt (-> der Tod jeglichen Glücks ist der Vergleich). So kann auch jede Trainingseinheit den gleichen Stellenwert erreichen wie der Wettkampf. Wie wäre das?

    Mich begeistert dieser Blog eher aufgrund seiner Neugier für Methoden und Gerätschaften und der Beschäftigung mit seinen Wirkungen als das Streben nach neuen oder vergangenen Bestzeiten.

    Lautet die Frage hingegen: Wie erreiche ich mein Limit und was passiert dann mit mir währenddessen oder was passiert, wenn ich dieses Limit erreicht habe? – nun auf solche Beiträge freue ich mich sehr und hoffe auf viele weitere spannende Blogartikel.

    1. Hallo Sven, Du wirfst spannende Fragen auf. ;) Meine Hauptmotivation beim Laufen ist sicher nicht die neue Bestzeit. Es ist aber sicher die Beschäftigung mit dem Training und mir und wie das alles zusammenpasst. Selbsterfahrung wenn man so will. Die Zeit bei einem Wettkampf ist dann wie das Ergebnis bei einem Experiment: man meint zu wissen, wie es ausgehen müsste – es bleibt aber eben ein Experiment.

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Ich bin der Harlerunner

Hier schreibt Thomas Pier über das Laufen und (deutlich mehr als nur die notwendige) Ausrüstung. Ich laufe weder besonders schnell noch weit. Aber ich teile gerne meine Erfahrungen, die ich als ambitionierter Freizeitläufer, neugieriger Early-Adopter und als mein eigener Trainer sammele.

Ich freue mich über jede digitale Kontaktaufnahme - noch mehr allerdings über jeden gemeinsam gelaufenen Kilometer.

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