Marathon@Home

Nein, keine Sorge: ich bin keinen Marathon gelaufen. Das steht für mich immer noch nicht auf der Agenda. Genau genommen bin ich überhaupt nicht gelaufen…

Aber von vorne: Lisa (@lisa_laeuft auf Instagram) ist eine Coesfelder Läuferin, die mir bei den lokalen Laufveranstaltungen regelmäßig davon läuft. Nach ein wenig Verletzungspech und teilweise Umstieg aufs Rad, hatte sie sich in diesem Jahr den Münster Marathon als nächstes Laufziel ausgesucht. Der hätte eigentlich am letzten Wochenende stattfinden sollen, ist aber (natürlich) abgesagt worden.

Das hat Lisa aber nicht vom Training abgehalten. Plan ist Plan. ;) Und wie man bei Strava und Instagram gut verfolgen konnte, hat sie den auch sehr konsequent durchgezogen – zusätzlich zu den Rennrad-Touren.

https://www.instagram.com/p/CDZRCxxoYso/

Als sich dann der Wettkampftag näherte, hat sie die Frage in die Runde gestellt, ob sie nicht jemand bei ihrem Bestzeit-Versuch unterstützen mag. Nicht unbedingt für die ganze Strecke, aber so ganz ohne Begleitung ist ein Marathon@Home natürlich ein zähes Unterfangen.

Die Resonanz war gut und zahlreich. So gut, dass Lisa plötzlich ein kleines Event organisieren musste – mit Hilfe ihres Freundes Chris. Es gab einen offiziellen Streckenplan, einen Verpflegungspunkt und einen Einsatzplan für die Mitläufer. Es wurde Kuchen gebacken, Kaffee gekocht, … Der Tag war also bestens vorbereitet.

Mich hat leider kurz vorher eine Sinusitis erwischt, so dass ich leider nicht mitlaufen konnte. Aber ich habe mir es natürlich nicht nehmen lassen, am Streckenrand zu stehen. So kam ich am Sonntagmittag bei bestem Wetter am „Cheering Point“ an.

Lisa hatte die Strecke in Form einer Acht angelegt, so dass sie ca. alle 8 Kilometer an diesem zentralen Punkt vorbei kommt, sich verpflegen kann und auch die Mitläufer aus- und einsteigen können. Chris hatte sogar eine offizielle Zeitnahme auf dem iPad und konnte so gut vorhersagen, wann die Läufer das nächste Mal auftauchen sollten. Das „Rennen“ war pünktlich um 9 Uhr gestartet und bisher war alles im grünen Bereich.

Wie bei einem Elite-Rennen hatte Lisa permanent 2-3 Pacer dabei. Das sah schon ziemlich cool aus, als die Truppe relativ pünktlich an der Kreuzung vorbei rauschte. Natürlich wurden sie schon aus der Ferne gebührend von den angereisten Fans bejubelt. ;)

Beim Abbiegen verabschiedete sich Christian aus der Runde, der die Gruppe 15 Kilometer lang begleitet hatte. Wie alle Mitläufer wurde er von Chris direkt versorgt und bekam eine selbstgemachte Medaille und eine Urkunde. Ich hatte ja gesagt: alles war bestens vorbereitet. :)

Leider erzählte Christian von leichten Rückenproblemen bei Lisa, was auch erklärte warum der nächste Durchlauf etwas auf sich warten lies… Habe ich eigentlich schon erzählt welche Zielzeit sie sich gesetzt hatte? Die Pace von knapp unter 5 min/km war auf eine Marathonzeit unter 3:30 Stunden angelegt – also ein durchaus ambitioniertes Unterfangen und auch mit guter Vorbereitung sicher kein Zuckerschlecken.

Nun war das nicht Lisas erster Marathon und der Umstand ist ihr ganz sicher bewusst gewesen. Aber der Plan hatte eigentlich nicht vorgesehen, dass der Tag sooo anstrengend sein würde. Mit zwei treuen Lauf- und gleich zwei Fahrrad-Begleitern ging es auf die letzte Runde. Die Wunschzeit war schon nicht mehr zu erreichen, aber für eine neue Marathon-Bestzeit war noch etwas Luft.

Und so war die Spannung im Ziel groß, als Chris angerast kam, um alles für das Finish vorzubereiten. Leider war nicht ganz klar wo genau das Ziel sein würde, denn die digitale Vorplanung stimmte schon längst nicht mehr mit den gemessenen GPS-Distanzen überein. Geplant war, dass es noch ein Mal an der Kreuzung vorbei geht und dann nach vielleicht 100-200 Metern das erlösende Piepen der Uhr käme.

Das kam allerdings schon vor der Kreuzung und so waren die jubelnden Fans etwas irritiert, als Lisa statt zum Ziel-Sprint ins Gehen wechselte. Aber das Kämpfen hat sich am Schluss ausgezahlt: mit 3:40 Stunden darf auch sie eine Sieger-Urkunde mit nach hause nehmen und hat ihre Bestzeit um einige Minuten verbessert. Darüber war sie zwar im Ziel aber nicht so richtig glücklich… ;)


Warum ich das alles erzähle, obwohl ich nicht mal mit gelaufen bin? Weil mich das alles sehr berührt hat. Da waren ein Dutzend Menschen direkt zur Stelle, um Lisa zu unterstützen. Völlig egal was dabei heraus kommt. Die waren einfach da und haben ihren Teil beigetragen – als Mitläufer oder als Helfer an der Strecke. Das fand ich einfach großartig!

Genau so hat mich Lisas Wille berührt, ihren Plan durchzuziehen. Sich nicht abbringen zu lassen und auch die harten Einheiten voll anzugehen – obwohl am Ende eben kein offizieller Wettkampf mit Urkunde oder Medaille steht.

Für mich waren da am Sonntag ein Dutzend Helden am Start. :)

Ich bin der Harlerunner

Hier schreibt Thomas Pier über das Laufen und (deutlich mehr als nur die notwendige) Ausrüstung. Ich laufe weder besonders schnell noch weit. Aber ich teile gerne meine Erfahrungen, die ich als ambitionierter Freizeitläufer, neugieriger Early-Adopter und als mein eigener Trainer sammele.

Ich freue mich über jede digitale Kontaktaufnahme - noch mehr allerdings über jeden gemeinsam gelaufenen Kilometer.

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