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Es ist vollbracht: nach drei Monaten intensiver Vorbereitung bin ich am 9. Mai 2015 meinen ersten Halbmarathon gelaufen – in einer sehr akzeptablen Zeit.

Anmeldung

Bereits Mitte letzten Jahres war klar, dass es in Coesfeld 2015 erstmalig eine Marathonveranstaltung geben wird. Zum 40. Jubiläum sollte der SparkassenMarathon wieder ins Münsterland kommen. Bei den angebotenen Strecken von 10 km, Halbmarathon und Marathon gab es keine Entschuldigung nicht dabei zu sein. Mir war klar, dass ein Marathon nicht in Frage kommt – dazu fehlt mir noch die Lauferfahrung. Aber ein Halbmarathon war sowieso der nächste logische Schritt, nach Wettkämpfen über 5 und 10 km. Also meldete ich mich im August 2014 verbindlich dafür an – zusammen mit meinem Bruder und meinem Schwager.

Vorbereitungszeit

Bis Mai 2015 war es noch lange hin. Und zunächst stand sowieso erst der Coesfelder Citylauf 2014 an, für den ich bereits nach Plan trainierte. Über den Winter bin ich dann durchgängig gelaufen – unterbrochen nur durch eine kleine Erkältungspause zum Jahreswechsel.

Trainingsplan

Für den Citylauf hatte ich nach einem Plan von Herbert Steffny trainiert und war damit ganz zufrieden. Nach meiner letzten 10-km-Zeit von 51:35 min sollte ein Halbmarathon unter zwei Stunden möglich sein. Also kam der Trainingsplan für eine Zielzeit von 1:49 h in Frage. Der sechswöchige Plan steigt mit einem Wochenumfang von 50 km ein… Da musste ich erstmal hin kommen. Ich ermittelte mit einer kleinen Tabelle also die Laufumfänge pro Woche für die Vorbereitungszeit. Dabei habe ich mich an einen Rhythmus von drei Wochen Belastung und einer Erholungswoche gehalten, sowie einer Steigerung der Umfänge von nicht mehr als 10% pro Monat.

Mit kleinen Einschränkungen konnte ich mich gut an diesen Grundlagenplan halten. Aus drei Trainingstagen in der Woche wurden irgendwann vier, um den größer werdenden Umfängen gerecht zu werden. Die richtige Arbeit fing aber erst mit dem Steffny-Plan an. Ich habe die letzten Wochen hier bereits beschrieben (Woche 1, Woche 2, Woche 3, Woche 4, Woche 5).

Zielzeit und Renneinteilung

Der Trainingsplan von Herbert Steffny sah einen Testwettkampf über 10 km zwei Wochen vor dem Halbmarathon vor. Ich entschied mich für den Frühlingslauf in Borken und stellte eine neue persönliche Bestzeit auf. Mit 47:27 min war ich allerdings deutlich schneller, als für den Plan vorgesehen. Die Rechenspiele in Runalyze zeigten eher in Richtung 1:45 h für den Halbmarathon…

Mit einer kleinen Erkältung kurz vor dem Rennen, wollte ich das aber nicht angehen. Mit 1:50 h wäre ich schon gut zufrieden gewesen. 1:48 h hielt ich für machbar – vielleicht 1:47 h, wenn es richtig gut läuft. Ich nahm mir also vor die erste Hälfte mit einer Pace von maximal 5:10 min/km zu laufen,  um in der zweiten Hälfte möglichst auf 5:00 min/km zu erhöhen. Sollte ich das durchhalten, könnten 1:47 h möglich sein, sonst würde ich zumindest die 1:48 h schaffen.

Vorbereitungen am Abend vor dem Halbmarathon

Vorbereitungen am Abend vor dem Halbmarathon

Das Event

In der Woche vor dem SparkassenMarathon war die Veranstaltung oft Gesprächsthema. Die Vorbereitungen wurden für alle Coesfelder immer sichtbarer: die notwendigen Straßensperrungen wurden angekündigt, Event-Points beworben und die Zeitungen brachten Sonderseiten. Am Freitag strömten die ersten Läufergruppen in die Stadt. Für die Betriebssportveranstaltung waren Sparkassenmitarbeiter aus dem gesamten Bundesgebiet angereist. 20.000 Gäste und 3.700 Läufer wurden erwartet! Bei der Ausgabe der Startunterlagen am Tag vorher, gab es bereits ein buntes Rahmenprogramm bei bestem Wetter. Volksfeststimmung.

Ich entwickelte noch schnell eine Roadmap, um Freunden und der Familie anzukündigen, wann wir drei Läufer wo auf der Strecke sein würden. So konnten sie die Wege zwischen den Event-Points planen, um uns an mehreren Stellen unterstützen zu können. Das war auf Grund der vielen Straßensperren und der großen Zuschauerzahl aber nicht so einfach…

Roadmap mit Durchgangszeiten

Roadmap mit Durchgangszeiten

Startschuss!

Nach einer ruhigen Nacht, einem kleinen Frühstück und einer kurzen Anreise zum Treffpunkt per Fahrrad, liefen wir uns noch kurz warm. Im mittleren der drei Startblocks reihte ich mich relativ weit vorne ein, um von Beginn an mein Tempo laufen zu können.

Start des Halbmarathons

Start des Halbmarathons

Beflügelt durch die vielen Zuschauer und die gute Stimmung, lief es auf den ersten Kilometern durch die Innenstadt gut. Als wir durch meine ehemalige Nachbarschaft kamen, lief plötzlich ein alter Bekannter neben mir. Er war für den Marathon angemeldet und hatte ziemlich genau mein Tempo. Also unterhielten wir uns die nächsten Kilometer – raus aus Coesfeld, über den Isfelder Weg nach Lette und wieder Richtung Coesfeld. Die Zeit verging wie im Flug und scheinbar ohne Anstrengung. Vielleicht auch wegen der Energie-Gels, die ich alle 5 Kilometer zu mir nahm.

auf der Strecke Richtung Lette

auf der Strecke Richtung Lette

Zweite Rennhälfte

Bei Kilometer 10 meldete die Uhr die zweite Rennhälfte an. Bisher war ich im Schnitt 5:11 min/km gelaufen, also genau nach Plan. Ich verabschiedete mich von meinem Laufpartner und zog das Tempo auf dem Letter Berg an. Nach zwei leichten Steigungen folgten lange Geraden durch die Felder. Ich überholte nicht wenige Läufer und suchte immer nach einem Pacemaker für mich. Manchmal fand ich eine Gruppe, doch spätestens bei der nächsten Verpflegungsstation war ich wieder alleine. Ich hatte einen selbst gemischten Isodrink dabei und zwei Gels – das reichte.

Event-Point Goxel

Event-Point Goxel

Nach den großen Event-Points an der Freilichtbühne und in Goxel, merkte ich so langsam meine Beine. Trotzdem fühlte ich mich nach 17 Kilometern aber noch sehr frisch. Nach der letzten Brücke beschloss ich also nach Gefühl „am Anschlag“ zu laufen. Vielleicht etwas früh, wie sich herausstellte. Ich hätte mir vielleicht ein extra Gel für die letzten Kilometer einstecken sollen… Die Beine waren auf der letzten Steigung vor der Innenstadt schon ziemlich schwer. Aber der Puls war noch im Rahmen.

Schlußspurt

Schlußspurt

Die letzten 1,5 bis 2 Kilometer konnte ich das Tempo sogar noch etwas anziehen und bis ins Ziel halten! Rechts und links der Strecke waren nun überall dicht gedrängt die Zuschauer. Man hörte den Sprecher über die Lautsprecher Namen und Zeiten ansagen. Helfer dirigierten die Marathonläufer nach rechts, damit sie auf ihre zweite Runde gehen konnten.

Zielgerade

Zielgerade

Ziel

Auf der Ziellinie zeigte meine Uhr eine gute Zeit an: offiziell waren es 1:47:31 h! Damit bin ich wirklich sehr zufrieden. Nach zwei Energy-Drinks wartete ich in der Auslaufzone auf meinen Bruder – verpasste ihn aber zunächst, weil am Zaun bereits ein Freund wartete. Meinen Schwager haben wir auch erst später gefunden. Es waren einfach zu viele Läufer in roten Shirts unterwegs… Bei weiteren Energy-Drinks und alkoholfreiem Bier haben wir unsere Geschichten ausgetauscht und uns gemeinsam über die gelungene Veranstaltung gefreut. Jeder hatte sein persönliches Ziel übertroffen!

Zielfoto (c) sportograf

Zielfoto (c) sportograf

Das war der 40. Sparkassen-Marathon Westmünsterland – Rund um Coesfeld, rundum anders!

Fazit

Ich bin wirklich mehr als zufrieden. Läuferisch ist für mich alles optimal gewesen. Vielleicht hätte ich in der ersten Hälfte ein höheres Tempo verkraftet – aber vielleicht wäre ich dann am Ende zu müde gewesen.

Mir hat der Austausch und die gegenseitige Motivation in der Vorbereitungszeit sehr gefallen. Besonders mit meinem Bruder und meinem Schwager – aber auch über Strava und den Blog. Die Veranstaltung war vorbildlich organisiert und insgesamt eine gute Werbung für Coesfeld und das Münsterland. Herzlichen Dank an die vielen, vielen ehrenamtlichen Helfer aus den Vereinen! Ich habe auch nur positives Feedback von den Zuschauern bekommen: es war für alle ein großartiges Erlebnis.