Gerade wenn ich mir mal wieder innerlich auf die Schulter klopfe, weil sich die Verletzungspausen in den Social-Media-Feeds häufen, während ich selbst topfit bin, sollte ich ganz vorsichtig sein. Schneller als mir lieb ist, bin ich jetzt auch mal dran… 🙁

Erste Anzeichen

Mein Problem mit der hinteren Oberschenkel-Muskulatur (den Hamstrings) begann sehr schleichend. Ich kann mich noch gut an ein Gespräch mit Norbert vor einigen Wochen erinnern, in dem ich ihm davon erzählt habe, dass ich diesen Teil meines Körpers neuerdings manchmal beim Laufen spüre. Das hatte noch nichts mit unangenehmen Empfindungen zu tun, sondern war eher so eine Art „Belastung“. So wie man am Tag nach einer harten Einheit manchmal ein wenig bestimmte Muskeln spürt.

Circa zwei Wochen vor dem Johannes-Lauf in Lette änderte sich das dann. Ich hatte den Rekener Volkslauf in den Beinen und zwei anstrengende Schwellenläufe. Am Tag darauf bemerkte ich ein deutliches Ziehen in den Hamstrings bei jedem Schritt. Wohlgemerkt: nicht beim Training, sondern im Alltag. Das war schon sehr unangenehm und führte zu einer spontanen Laufpause von vier Tagen. 🙁

Natürlich war der darauf folgende Schwellenlauf keine gute Idee, aber das habe ich erst hinterher realisiert. Mit Hilfe des SaneoSports wollte ich eine schnelle Linderung herbei führen – was auch teilweise funktionierte. Die verbleibenden zwei Läufe vor Lette habe ich dann mit einem Ziehen begonnen, das sich aber nach einem Kilometer wieder verflüchtigte. Beim Warmlaufen vor dem Johannes-Lauf war das befürchtete Ziehen sogar ganz verschwunden – was ich einigen intensiven Anwendungen der Blackroll zuschreibe.

Am Tag danach war das Ziehen im Alltag aber wieder da. 🙁 Einen Regenerationslauf habe ich mir noch gegönnt, aber dann waren wieder vier Tage Pause dran. Bei einem lockeren Trainingslauf danach verstärkte sich das ursprünglich dumpfe Ziehen nach und nach, so dass ich den Lauf verkürzte. Irgendwann wird auch dem Dümmsten klar, dass das so ja nicht weiter gehen kann…

Doktor Internet

Natürlich hatte ich vorher auch schon nach dem Schmerzbild gegoogelt, aber jetzt ging ich das Thema noch intensiver an. Neben vielen anderen Quellen, entdeckte ich auch die „Sports Injury Clinic“ mit einer ausführlichen Darstellung eines Behandlungsweges.

Meine vier Tage Pause entsprechen der Empfehlung daraus, gepaart mit Kompression und Kälteanwendungen. Sobald bei Alltagsbewegungen keine Schmerzen mehr auftreten, kann man im zweiten Schritt mit leichten Dehnübungen anfangen. Zusätzlich seien Massagen sinnvoll und auch der Einsatz von Reizstrom.

Daran habe ich mich gehalten und bin erstmal einige Tage über längere Zeit mit einer Oberschenkel-Bandage herum gelaufen. Das tat eigentlich ganz gut. Schmerzen hatte ich bereits am zweiten Tag nicht mehr, habe mich aber erst am vierten Tag vorsichtig und ausgiebig gedehnt – nach einer entsprechenden Aufwärmung natürlich. Das war auch nicht unangenehm und hat sogar zu deutlichen Verbesserung der Symptome geführt.

Also habe ich einen kurzen Lauf über 5 km mit Bandage gemacht. Der war schmerzfrei, allerdings nicht symptomfrei… Ein dumpfes Ziehen im hinteren Oberschenkel blieb, war nach ausführlichen Dehnübungen anschließend aber komplett verschwunden. Auch am nächsten Tag kehrte der Schmerz nicht zurück, was vorher ja immer der Fall war.

Bei einem weiteren Lauf über ca. 7 km habe ich dann am Anfang eine kurze Dehnpause eingelegt, nachdem die Muskulatur warm genug war. Und siehe da: habe ich auf dem ersten Stück die Hamstrings noch leicht wahrgenommen, lief ich anschließend komplett ohne Probleme weiter! Mir ist zwar aufgefallen, dass ich in einen „Schongang“ verfalle (wohl in Erwartung weiterer Schmerzen), aber lockeres Laufen war definitiv wieder gut möglich.

Kontrolle beim Sportarzt

Mir war es aber doch wichtig, einen richtigen Arzt aufzusuchen. Das Halbwissen aus dem Internet hatte zwar Erfolge gezeigt, aber ich habe ehrlich gesagt keine Lust in einen Verletzungskreislauf zu geraten. Also lieber richtig abklären lassen. Der Sportmediziner wurde mir von einem Bekannten empfohlen, weil dieser selbst Läufer ist und daher wohl auch im die Möglichkeiten weiß, eine Heilung ohne allzu große Trainingsunterbrechung hin zu bekommen.

Zum Glück hatte ich relativ kurzfristig einen Termin bekommen und der Arzt hat sich auch viel Zeit genommen. Neben den Hamstrings kam nach seiner Meinung auch die Piriformis für das Schmerzbild in Frage. Zur Abklärung wurde ein Röntgenbild der Hüfte gemacht. Darauf zu erkennen ist eine Abnutzung des Oberschenkelknochen-Kopfes – und zwar nur links, also auf der schmerzenden Seite. Insgesamt nicht weiter wild und meinem Alter entsprechend (oha… es geht bergab).

Er geht davon aus, dass das Zusammenspiel von Abnutzung und Trainingsumfängen zu einer Überlastung der Muskulatur und damit zu meinem Problem geführt hat. Oder wie er es ausgedrückt hat: „Wenn man die Kilometerleistung erhöht, machen die Stoßdämpfer irgendwann nicht mehr mit und die Schwächen der Karrosserie kommen zum Vorschein.“ Ne, iss klar… 😉

Krankengymnastik

Um das Problem aktiv anzugehen, habe ich einige Termine beim Physiotherapeuten aufgeschrieben bekommen. Die sollen das Gelenkspiel verbessern und mir Übungen mit auf den Weg geben, damit ich daran selbst weiter arbeiten kann.

Natürlich sind die Physios aber gut beschäftigt, so dass mein erster Termin wohl erst nach der gefühlten Heilung stattfinden wird. 😉 Im Moment bin ich durch ausgiebiges Dehnen nach dem Lauf komplett beschwerdefrei und habe auch bereits einige schnellere Einheiten hinter mir, ohne dass das Problem zurück gekehrt wäre. Trotzdem werde ich es natürlich weiterhin vorsichtig angehen lassen und nur langsam an der Umfangschraube drehen.