Ja, das sind Männerbeine. :)
Ja, das sind Männerbeine. :)

Barfuss laufen mit den Luna Sandals Venado

Laufen in Sandalen? Nur was für Verrückte, die sich in qualvollen Jahren den Vorfußlauf mühsam beigebracht haben. Nur um dann in Schlappen zu laufen, die jede Art von Komfort vermissen lassen. Musste ich also ausprobieren. ;)

Natural Running?

Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich mich schon mal mit dem Thema beschäftigt. Natürlich ausgelöst durch eine Lektüre von „Born to Run*„. Damals hat es nur zu Barfuß-Schuhen für die Freizeit gereicht. Mehr habe ich mich nicht getraut. Obwohl selbst das bereits eine ganz spannende Erfahrung war. Was sich erst ungewohnt anfühlt, wird sehr bald zur Normalität. In der Folge bin ich zuhause seit dem fast nur noch barfuß bzw. auf Socken unterwegs.

Hab heute mal meine uralten Laufschuhe wieder ausgepackt… 😉

Ein von Thomas (@harlerunner) gepostetes Foto am

Auch bei meinen bevorzugten Laufschuhen hat sich im vergangenen Jahr einiges verändert. War ich zuerst mit mittlerer Dämpfung und leichter Pronationsstütze glücklich, dürfen es jetzt gerne recht minimale Schuhe sein. Ohne Stütze und mit möglichst niedriger Sprengung. Meine Theorie: mittlerweile hat sich die Fußmuskulatur so gut an die Belastungen angepasst, dass die zunächst angenehmen „Service-Funktionen“ des Schuhs immer weniger gebraucht werden. In der Folge laufe ich mit den alten Lieblingsschuhen nur noch ungern.

Dazu kommt noch: andere machen vor, dass es auch anders geht. Der SchluppenChris aus der TRR-Crew zum Beispiel. Der läuft nur in seinen Schluppen. Und zuletzt sogar Martin, der eigentlich meine Laufschuh-Vorlieben teilt. Plötzlich steht er mit Sandalen am Start eines Rennens! Verrückter Hund. Irgendwas muss da also dran sein. Einen Impulskauf später war ich mit von der Partie… ;)

Produkttest

Luna Sandals Venado

Herstellerlink
Luna Sandals Venado*
Preis
ab ca. 90 Euro
Aktiv getestet
8 Wochen
Für die Transparenz: Die Luna Sandals habe ich zum regulären Preis im Online-Shop des Herstellers gekauft. Der Beitrag ist frei verfasst und gibt ausschließlich meine persönlichen Erfahrungen im Training wieder.

Erster Eindruck

Die Revolution wartet in diesem braunen Karton?
Die Revolution wartet in diesem braunen Karton?

Um zu diesem schlichten Karton zu kommen, muss man ein wenig Vorarbeit leisten. Die Größe der Sandalen bemisst sich nicht nach den üblichen Schuhgrößen. Man kann sich im Shop aber die Luna-Größen ansehen und ausdrucken. Ist der Umriss auf dem Blatt Papier gerade so groß wie der Fußumriss, hat man seine Größe gefunden.

Bei Unsicherheiten schickt man einfach eine Mail an den Shop und bekommt umgehend eine Beratung. (Die armen Kerle werden in ihrem Leben ’ne ganze Menge Füße auf Papier zu sehen bekommen…) ;) Überhaupt kann man sich jederzeit mit allen Fragen rund um die Sandalen vertrauensvoll an Andreas und Christian von www.gofreeconcepts.de* wenden. Ich habe es bereits einige Male getan und bekam immer schnell, unkompliziert und engagiert Hilfe. :)

No-Nonsense-Verpackung. Gefällt mir.
No-Nonsense-Verpackung. Gefällt mir.
Die Sandalen, zwei kleine Anleitungen und ein Aufkleber. Reicht.
Die Sandalen, zwei kleine Anleitungen und ein Aufkleber. Reicht.

Was man bekommt ist durchaus schockierend minimal: ein Paar Gummi-Fußsohlen mit Bändern dran. Und das ist schon die High-Tech-Variante dieser Schuhgattung. Wer „Born to Run*“ gelesen hat, wird sich an die Tarahumara erinnern. Und an Barefoot Ted, der ganz begeistert vom minimalen Schuhwerk der Indianer war. Die haben einfach ein Stück Leder genommen oder einen Autoreifen, ihre Fußform ausgeschnitten und diese Laufsohle mit Bändern an ihren Füßen befestigt. Fertig war das Schuhwerk für Ultraläufe. Ted hat die Begeisterung für diese Schuhe mit zurück nach hause genommen und stellt sie seitdem selbst her. Und weil er sie durch Manuel Luna kennengelernt hatte, gab er ihnen den Namen „Luna Sandals„. Fertig war das Start-Up. Coole Geschichte, oder? Meine Luna Venado wurden also in Teds Werkstatt (von einem seiner Mitarbeiter) handgefertigt.

Der gelbe Puck und die Schnalle sind die einzigen beiden Stücke High-Tech
Der gelbe Puck und die Schnalle sind die einzigen beiden Stücke High-Tech
Unten Vibram-Sohle, oben Luna MGT-Fussbett
Unten Vibram-Sohle, oben Luna MGT-Fussbett

Natürlich hat er die Sandalen weiterentwickelt und „modern gemacht“. Die Sohle besteht nicht mehr aus einem alten Reifen, sondern einer Vibram-Laufsohle und einem entsprechenden Fußbett. Der Fuß wird durch eine Schnürung gehalten, die zwar grob noch der traditionellen entspricht, aber deutlich mehr Komfort bietet.

Im Prinzip immer noch die traditionelle Huaraches-Schnürung - in einer modernen Version.
Im Prinzip immer noch die traditionelle Huaraches-Schnürung – in einer modernen Version.

Das erste Anziehen ist schon etwas schwieriger als bei einem normalen Laufschuh. Denn wenn man den Fuß erstmal in der Schnürung platziert hat, muss diese noch angepasst werden. Das bedeutet vor allem die Länge der einzelnen Riemenabschnitte richtig einzustellen. Das reicht aber erstmal grob nach Gefühl, denn nach den ersten Läufen wird man wahrscheinlich eh nachjustieren.

Die ersten Schritte

Eingewöhnung im Haus
Eingewöhnung im Haus

Der ersten Schritte mit den Venado habe ich im Haus gemacht. Die zweiten auch. ;) An den Riemen zwischen den Zehen musste ich mich ein wenig gewöhnen. Aber da er auch nach einigen Tagen regelmäßigen Tragens keine Hautirritationen hervor rief, war die Sorge schnell abgehakt. Die Lunas durften also mit in den Urlaub. Zur Not nur als Freizeitschuhe. Aber da sie sich für den Zweck schon bewährt hatten, sah ich dem ersten Lauf ganz hoffnungsvoll entgegen.

Super Bedingungen für den ersten Lauf: kaum Steinchen...
Super Bedingungen für den ersten Lauf: kaum Steinchen…

Als ich dann wirklich in Dänemark auf der Straße stand, war ich mir nicht mehr so sicher, ob das eine gute Idee war. Schotterpisten so weit das Auge reicht…

Auf zum Meer!
Auf zum Meer!

Ich sah mich schon humpelnd und fluchend nach zwei Minuten zurück im Haus, um meine Laufschuhe zu holen. ;) Die Realität sah aber ganz anders aus. Der Lauf war von den ersten Schritten an einfach nur geil… :) Die Steinchen waren gar kein Problem und haben sich nicht wie erwartet zwischen Fuß und Sohle geschoben. Wenn überhaupt sind sie ganz am Rand ein Paar Schritte mit gelaufen und fielen dann einfach wieder runter.

Dünen so weit das Auge reicht. Herrlich...
Dünen so weit das Auge reicht. Herrlich…

Und zum Glück bestand die 5-km-Runde nicht nur aus solchen Wegen. Es gab gepflasterte Abschnitte und jede Menge sandige Dünen. Die Lunas haben das alles nicht nur locker mitgemacht, sondern den Füßen gleichzeitig so ein tolles Freiheitsgefühl geboten, wie ich es noch nie beim Laufen erlebt habe! Zumal es bei dem sonnigen Wetter wirklich angenehm war die Füße nicht in Socken und Schuhe stecken zu müssen.

Nach dem ersten Lauf: alles noch dran
Nach dem ersten Lauf: alles noch dran

Lektion nach dem ersten Lauf: das geht ja wirklich! ;) Ich musste weder meinen Laufstil wirklich anpassen, noch haben die Luna Sandals Schwierigkeiten gemacht. Die Waden- und Fußmuskulatur kribbelte nach der Runde zwar ein wenig, aber auch am nächsten Tag gab es keinen Muskelkater.

Das Kribbeln kam zwei Tage später in anderer Form: ich wollte unbedingt wieder raus in den Lunas. Es sollten noch mehr Dünen werden und am Strand ging es sogar ein gutes Stück durch die Brandung. Das breite Grinsen habe ich tagelang nicht aus dem Gesicht bekommen. Es hat einfach nur Spaß gemacht.

Dünenpfade an Dänemarks Nordseeküste
Dünenpfade an Dänemarks Nordseeküste

Integration ins Training

Seitdem gehören die Lunas zu meinem Training dazu. Ich trage sie mindestens einmal in der Woche bei meinem lockeren Lauf und habe die Distanz mittlerweile auf 10 Kilometer hoch geschraubt. Da wäre sicher auch schon mehr gegangen und ich hätte die Venado sehr gerne auch noch häufiger getragen, aber ich habe mich entschlossen es langsam anzugehen.

Auch so ist der Trainingseffekt nicht zu übersehen: mein Laufstil hat sich deutlich verbessert. Man läuft in den Sandalen ganz automatisch „runder“. Nicht unbedingt immer nur über den Vorfuß, aber ganz sicher auch nicht über die Ferse. Man setzt die Füße viel bewusster und auch die Muskulatur wird ganz anders beansprucht. Schließlich muss der Fuß jetzt alles selber machen und wird nicht durch einen Schuh in seiner natürlichen Bewegung eingeschränkt.

Auch bei derzeit nur einem Lauf in der Woche mit den Luna Sandals, macht sich die veränderte Lauftechnik auch in Laufschuhen deutlich bemerkbar. Besonders am Tag nach einem „Barfusslauf“, aber mittlerweile auch ganz grundsätzlich. Das liegt sicher an der Kräftigung der Fußmuskulatur, aber meiner Meinung nach auch an dem Erlernen eines wirtschaftlicheren Bewegungsablaufes.

Ausblick

Werde ich jetzt zum Barfussläufer? Ja und nein. Ich werde sicherlich die Distanzen mit den Lunas weiter erhöhen, so daß ich vom Prinzip her auch mal einen Halbmarathon damit laufen könnte. Das hat aber noch Zeit. Aus dem Training kann ich sie mir mittlerweile jedenfalls nicht mehr wegdenken. Es gibt kaum ein Stück Ausrüstung, das in letzter Zeit einen größeren positiven Einfluss auf mein Training gehabt hätte!

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Meine Meinung

Ich kann jedem Läufer nur empfehlen sich ein Paar Luna Sandals anzuschaffen. Der Zuwachs an Laufspaß und sauberer Lauftechnik ist einfach enorm.
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  1. Moin Thomas,

    bin vor einiger Zeit auch auf die Sandalen gestoßen und war direkt ganz angetan. Da ich sowieso gerne in Flip Flops durch die Gegend laufe – vorrausgesetzt es ist mal Sommer – sind Lunas oder ähnliche Modelle naheliegend.
    Werde mir mal überlegen, ob ich diese nicht auch in den Laufalltag einbiden sollte.

    Viele Grüße, Martin | derJogger.de

    1. Hi Martin, nach meinen Erfahrungen solltest Du das tun. ;) Für mich war der Einstieg im Urlaub natürlich ideal. Auf nassen Asphaltstrassen hätte ich sicher nicht so viel Freude damit gehabt. Mittlerweile mache ich aber auch das ganz gerne. Es gibt ja auch die Möglichkeit sich selbst Huaraches zu bauen. Aber ehrlich gesagt war mir das für die ersten Erfahrungen zu experimentell – bis zum letzten Wochenende. ;) Ergebnis: geht auch, aber ist nicht ganz vergleichbar.

  2. Hallo Thomas,
    ich muss sagen, ich bin sehr überrascht, wie positiv deine Erfahrungen mit den „Sandalen“ waren ;-))
    Persönlich kann ich mir kaum vorstellen, auf normale Laufschuhe zu verzichten, aber wer weiß … auf einen Langzeit-Bericht bin ich auf jeden Fall gespannt!
    Hattest du denn gar keine Nebenwirkungen im Sinne von z.B. Knieschmerzen oder andere schmerzende Gelenke nach dem Laufen?

    1. Hi Tobias, ich war im Grunde genau so überrascht. ;) Nebenwirkungen hätte ich auch erwartet, aber die sind bisher ausgeblieben. Ein Mal hatte ich eine kleine Blase unter dem Fußballen – aber da hatte ich auch die Schnürung verändert gehabt. Ansonsten merke ich bei der Ausdehnung der Strecken immer nur, dass die Muskulatur angestrengt ist. Aber da ich es mit den Kilometern bisher nie übertrieben habe, gab es weder Muskelkater noch andere Schmerzen. Ich kann mir auch (noch?) nicht vorstellen auf normale Laufschuhe zu verzichten. Aber ich glaube nicht, dass es eine Entweder-Oder-Frage ist. Ich würde eher sagen, dass die Lunas das Spektrum der für mich gut funktionierenden Laufschuhe deutlich erweitert haben.

  3. In jedem Fall interessant ;-))
    Ich werde weiter gespannt folgen … solche Sandalen oder Ähnliches aber ziemlich sicher erstmal selber nicht ausprobieren.

  4. Hey Thomas,
    du hast geschrieben, dass du dir mittlerweile auch schon Huaraches selbst gebastelt hast. Wie schaut das Ergebnis denn aus und welche Materialien hast du verwendet? Würde mich mal interessieren, da ich mir zukünftig nämlich keine Luna Sandals mehr kaufen werde.

    Beste Grüße
    Sascha

    1. Hi Sascha, da musste ich erstmal ungläubig mit dem Kopf schütteln: keine Lunas mehr? Was ist passiert?! Ich sehe meine Selbstbauten eher als Experiment und Ergänzung, nicht als Ersatz. Dafür ist der Laufkomfort in den „Profi-Sandalen“ doch einfach ein Stück besser. Anleitungen zum Selbstbau gibt es ja im Netz genug. Wobei eigentlich nur das Sohlenmaterial entscheidend ist. DIE Quelle dafür ist anscheinend extremtextil.de. Dort gibt es Vibram-Platten als Grundlage für so ein Projekt. Die sind im Vergleich zu den Luna-Sohlen sehr dünn und weich, funktionieren aber halt auch. Bänder gibt es auch im Shop – wenn man nicht auf ganz normale Schnürsenkel zurückgreifen möchte. Schnürtechniken kennst Du ja. ;) Und so ganz viel mehr ist da je echt nicht dran, an so Huaraches. Hier mal mein Produkt:

    1. Hi Daniel, bisher gab es nur einen Lauf bei etwas kühleren Temperaturen (keine Experimente während der HM-Vorbereitung, Du weisst schon). Da war das kein Problem. Die Füße werden beim Laufen sehr schnell warm. Für den Herbst werde ich es erstmal ohne, oder im Zweifelsfall mit Injinjis probieren. Es gibt bei Luna auch spezielle Füßlinge. Wenn es mir zu kalt wird, werde ich für meinen „Lauftechnik-Tag“ auf Barfuss-Schuhe ausweichen (müssen).

  5. Hi Daniel!
    Seit einem Jahr laufe ich mit diesen Sandalen, nutze jedoch die Version mit deutlich mehr Profil.
    Ich bin zu anfangs direkt 5 oder 6 km gelaufen, mit dem Ergebnis, daß ich danach tagelang keine Treppe mehr steigen konnte, weil sich meine Waden angefühlt haben wie Beton. Also zurückgeschraubt und klein mit 2,5 km begonnen und mich dann wöchentlich um rund 10% Laufstrecke gesteigert. Damit kam ich dann letztendlich auf rund 10km.
    Das Problem mit dem Waden habe ich aber nie ganz in den Griff bekommen, immer haben Sie danach -ein wenig oder mehr- geschmerzt und fühlten sich hart an.
    Zu guter Letzt hatte ich nun 2x in relativ kurzen Abständen einen Muskelfaserriss (oder mehrere) in der rechten Wade, und nun habe ich mich entschlossen, wieder auf Laufschuhe umzusteigen. Sehr schweren Herzens, denn das Laufen mit den Sandalen ist wunderbar, leicht, luftig, dynamisch, frei – einfach schön.

    1. Hallo Lutz, bist Du denn in der Zeit ausschließlich mit Lunas gelaufen? Das mache ich ja z.B. nicht. Ich integriere weiterhin nach Möglichkeit einen Minimalschuhlauf in mein wöchentliches Laufpensum. Allerdings hatte ich nie Probleme mit den Waden. Ich laufe mir eher mal eine kleine Blase in den Sandalen, daher bin ich meist mit Vivobarefoots unterwegs.

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Ich bin der Harlerunner

Hier schreibt Thomas Pier über das Laufen und (deutlich mehr als nur die notwendige) Ausrüstung. Ich laufe weder besonders schnell noch weit. Aber ich teile gerne meine Erfahrungen, die ich als ambitionierter Freizeitläufer, neugieriger Early-Adopter und als mein eigener Trainer sammele.

Ich freue mich über jede digitale Kontaktaufnahme - noch mehr allerdings über jeden gemeinsam gelaufenen Kilometer.

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