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Ich bin ein neugieriger Mensch. Mich interessiert es wie Dinge funktionieren. Ich will den Mechanismus dahinter verstehen. Das Konzept. Wenn ein neues Gadget mein Interesse weckt, will ich es am liebsten sofort ausprobieren. Mir reicht es dann nicht nur darüber zu lesen oder zu hören – ich will selbst Erfahrungen damit sammeln.

Neugierig auf High-Tech

Seit einiger Zeit bezieht sich diese Neugierde auf das Laufen und alles was dazu gehört. Nicht ohne Grund habe ich so viel Spaß an dem Blog hier und den Reviews. Meine Testberichte entstehen immer auf die gleiche Art und Weise: ich entdecke etwas Neues, recherchiere und lese, frage das Produkt an und bekomme es mit etwas Glück zum Testen. Neben Laufschuhen bin ich besonders aufgeregt, wenn es dabei um High-Tech geht. Also die neuesten Laufuhren zum Beispiel. Was die nicht alles können!

Mittlerweile ist es selbstverständlich eine GPS-Laufuhr am Arm zu haben, die über jeden gelaufenen Kilometer Auskunft gibt. Ein Brustgurt oder ein optischer Sensor messen zusätzlich die Herzfrequenz. Trainingspläne sind ohne so ein Ding kaum noch umzusetzen, da sie entweder auf einer Puls- oder Pacevorgabe basieren. Und selbst der reine Fitnessläufer, der nur nach Lust und Laune in die Laufschuhe springt, zeichnet seine Einheiten auf. Warum?

Technik als Werkzeug, nicht als „Diktator“

Im Grunde ist glaube ich klar, dass man kein High-Tech braucht, um gesund zu laufen. Der Körper sollte die richtigen Signale senden und man sollte als Läufer gelernt haben darauf zu hören. Ich brauche kein Gadget das mir sagt, wann ich an meiner aeroben Schwelle laufe. Wenn ich knapp drüber bin, merke ich das sehr schnell. Gleichzeitig finde ich es aber sehr hilfreich ein Werkzeug zu haben, mit dem ich meine subjektiven Eindrücke überprüfen kann.

Nach einer Trainingspause fühlt sich eine Pace von 6:30 min/km vielleicht an wie 5:30 min/km – die Uhr zeigt die Wahrheit. Genau so kann mich so ein Werkzeug immer wieder daran erinnern, dass ich den langen Lauf viel zu schnell angehe. Ich finde das sehr praktisch – als Werkzeug. Nicht als „Diktator“. Wenn mein Körper sagt er will ballern, dann tue ich das auch. Egal was der Trainingsplan sagt oder die Pulswerte. Über die Laufuhr werte ich dann später gerne aus, wie schnell und wie weit ich unterwegs war – und welche Pulsgrenzen ich alle überschritten habe. 😉

Was geht noch?

Activity-Tracker

Distanz, Geschwindigkeit und Puls sind eigentlich nur noch die Basiswerte. Längst werden per Activity-Tracker Schritte gezählt, der Schlaf überwacht oder der Ruhepuls bestimmt. Bewegt man sich zu wenig, brummt der Tracker böse vor sich hin und lässt einen zum Kollegen laufen statt ihn anzurufen. Eigentlich also auch ganz sinnvoll. So lange man nicht abends vor dem Fernseher noch drei Runden um den Tisch läuft, nur um seine x.000 Schritte voll zu machen. Oder sich Sorgen um seinen Schlaf macht, weil die Auswertung „zu viel Bewegung“ anzeigt, obwohl man sich jeden Morgen frisch und erholt fühlt.

Herzfrequenzvariabilität

Die Veränderungen in den Pausenlängen zwischen den Herzschlägen kann über viele Dinge Auskunft geben. Als „Morning Readiness“ sagt einem zum Beispiel Elite HRV wie gestresst oder erholt der Körper gerade ist. Und gibt damit einen Hinweis darauf, ob man die harte Trainingseinheit heute wirklich durchziehen sollte. Viele Pulsuhren benutzen die HRV aber auch, um den Fitnesslevel abzuschätzen oder nach einer Einheiten eine Regenerationsemfehlung zu geben. Das alles beruht auf wissenschaftlichen Untersuchungen und ist grundsätzlich sicherlich richtig. Aber auch da gilt, dass man die Anzeigen nur als Hinweis verstehen sollte. Also als kleine, zusätzliche Informationsquelle zum eigenen Körpergefühl. Auch wenn die Uhr drei Ruhetage verordnet hat, kann man am zweiten Tag laufen gehen. Vor allem dann, wenn die Füße unbedingt in die Schuhe wollen. 😉

Running Dynamics oder Laufökonomie

So langsam kommen wir zur High-Tech. Bewegungssensoren haben zwar auch schon in viele Uhren Einzug gefunden, aber detaillierte Auswertungen zu Bodenkontaktzeiten, Schrittlängen, vertikaler Bewegung und der Balance der Bewegung sind den Flaggschiffen der Uhrenhersteller vorbehalten. Ein Unterschied in diesen Werten zwischen einem Laufanfänger und einem versierten Läufer sind sicher auch noch über das Körpergefühl abbildbar. Ob das bei dem Schritt von einer effizienten zu einer sehr effizienten Lauftechnik auch noch der Fall ist, kann ich nicht beurteilen. Genau so wenig, wie ich die ausgespuckten Werte sinnvoll interpretieren kann. Also so, dass ich daraus konkrete Veränderungen für mein Training ableiten könnte. Ist eine vertikale Bewegung von 8 cm nun gut oder schlecht? Ist es sinnvoll zu versuchen diesen Wert zu verkleinern? Es hängen zu viele Parameter voneinander ab. Als Hobbyläufer kann man sich die Kurven zwar interessiert ansehen, aber ohne ein vertiefendes Studium der Materie sind die Zahlen nicht besonders hilfreich.

Leistungsmessung

Ein ganz neuer Ansatz ist die Messung der Leistung beim Laufen. Also im Grunde die Messung der Energie, die über eine bestimmte Zeitspanne aufgebracht werden musste, um die gelaufene Strecke zurück zu legen. Die Einführung der Wattmessung ist bei den Rennradfahrern eine kleine Revolution gewesen und mittlerweile auch für den Hobby-Athleten irgendwie bezahlbar. Das System funktioniert über Drehmoment und Trittfrequenz. Bei Läufern ist die Leistung nicht so einfach zu messen. Eine direkte Messung schließt sich sogar aus. Aber es gibt Ansätze die Leistung möglichst gut zu schätzen.

Cool… Ich bin sowas von gespannt auf dieses Ding! 😀 #stryd #laufen #running #harlerunner

Ein von Tom (@thomas_harlerunner) gepostetes Foto am

Dazu wird bei Stryd die 3D-Bewegung des Oberkörpers (also der zentralen Masse eines Läufers) gemessen und unter Einbeziehung des Körpergewichts eine Zahl berechnet, die in Watt ausgedrückt wird. Wie gesagt: es geht nicht um eine Messung, sondern um eine Art Rückschluss. Der Vorteil: eine direkte Rückmeldung über die zum Laufen eingesetzte Energie.

Bisher würde man die Belastung über die Herzfrequenz messen – die jedoch abhängig von vielen Faktoren ist und zudem eher schleppend auf Belastungsänderungen reagiert. Den höchsten Puls hat man ja, wenn man nach dem Zielspurt hinter der Linie stehen bleibt. Was nichts mit der Leistung zu tun hat, die der Körper gerade generiert.

Auch die Geschwindigkeit ist kein besserer Ratgeber, denn bergauf und bergab machen da einen großen Unterschied, obwohl der aufzubringende Energieaufwand gleich sein könnte. Spannend wäre es also nicht den Puls oder die Pace, sondern die Wattzahl zu kennen, die man über einen längeren Zeitraum maximal leisten kann. Die kritische Wattzahl könnte über einen Stufentest ermittelt werden, den man jederzeit selbst machen kann, statt einen aufwändigen Laktattest oder eine Spiroergometrie machen zu müssen.

Klingt spannend? Finde ich auch. Daher habe ich den Stryd-Brustgurt auch in meinem Testlabor und werde hier nach und nach über meine Erfahrungen berichten.

Muskelsauerstoffniveau

Muskel…was? Klingt verrückt. Ist es auch. Was ein Laktattest über eine Blutuntersuchung leisten kann, verspricht BSX Athletics mit ihrem Produkt BSXinsight über eine optische Messung. Das Stichwort ist NIRS – auf deutsch: Nahinfrarotspektroskopie.

Es geht dabei um die Erfassung des Sauerstoffniveaus im Muskel. Transportieren also die roten Blutkörperchen genug Sauerstoff zum Muskel, dass er seine Leistung bringen kann, oder sinkt der Wert unter eine kritische Schwelle, so dass die derzeitige Leistung nicht lange aufrecht erhalten werden kann. BSX ist mit diesem optischen Messverfahren nicht allein auf dem Markt: der Moxy Monitor verspricht das Gleiche. Also einem Laktattest nahezu ebenbürtige Messergebnisse, dafür aber ohne Testlabor für Jedermann zu jederzeit durchführbar. Mit so einem Gerät kann man also nicht nur alle paar Wochen sein Leistungsniveau kontrollieren und die Trainingszonen neu bestimmen, sondern auch während eines Wettkampfes genau sehen wie nah man gerade an seiner Laktatschwelle ist.

Hatte ich schon erwähnt, dass ich sehr neugierig bin und alles gerne sofort selbst ausprobieren möchte? Ich kann ausserdem noch hartnäckig sein und so habe ich über viele Stationen endlich einen Weg gefunden den BSXinsight testen zu können.

Und jetzt?

Ich bin sehr gespannt darauf mit dem Stryd-Powermeter und dem BSXinsight-Sensor meine Erfahrungen zu sammeln. Das wird einige Zeit dauern und ist sicher nicht mit einem einfachen Review abzuhandeln. Wahrscheinlich werde ich hier so einige Artikel über den Stand der Dinge veröffentlichen, bevor ich zu beiden Geräten einen abschließenden Bericht schreiben kann.

Gleichzeitig ist es mir total wichtig beim Laufen weniger auf die Uhr zu sehen. So lange ich mich nicht für einen Trainingsplan an konkrete Vorgaben halten sollte, möchte ich häufiger so tun, als hätte ich die Uhr nicht dabei. Meine Trainingseinheiten detailliert aufzuzeichnen und sogar noch neue Werte zu erheben, ist dadurch ja nicht ausgeschlossen.