Die Qual der Wahl: Polar Vantage V2 oder Polar Vantage M2?

Mit der Einführung der Vantage-Serie hat Polar ein ganz neues Kapitel aufgeschlagen. Mittlerweile sind beide Uhren der Serie in der zweiten Version verfügbar.

Anzeige: Polar hat mir beide Uhren für diesen Test auf meine Anfrage hin zur Verfügung gestellt. Dies hatte keinen Einfluss auf den Inhalt meines Testberichts. Der Beitrag ist frei verfasst und gibt ausschließlich meine persönlichen Erfahrungen wieder.

Polar Lineup

Aus meinen Blickwinkel liegen die drei für Läufer in Frage kommenden Modelle bei Polar relativ dicht beieinander. Ganz oben steht die bereits Ende letzten Jahres eingeführte Polar Vantage V2 als Flaggschiff mit dem größten Funktionsumfang und auch dem mit 500 Euro höchsten Preis. Dagegen ist die brandneue Polar Vantage M2 verhältnismäßig günstig, kostet sie doch nur 300 Euro. Zwischen beiden Modellen liegt die Polar Grit X – preislich und vom Funktionsumfang eher an der Vantage V2 orientiert, allerdings als Outdoor-Uhr beworben.

Letztendlich sollte aber der Funktionsumfang darüber entscheiden, ob die Uhr für den gewünschten Zweck geeignet ist, oder nicht. Natürlich wäre es eine sichere Wahl, direkt zur Vantage V2 zu greifen. Aber nicht jeder möchte für eine gute Laufuhr 500 Euro ausgeben. Daher habe ich mir beide Modelle genauer angesehen, um eine Empfehlung geben zu können.

Produkttest

Polar Vantage M2

Herstellerlink
Polar Vantage M2
Preis
ca. 300 Euro
Aktiv getestet
12 Wochen

Erster Eindruck

Mit der Polar Vantage M2 habe ich zum ersten Mal ein M-Modell des finnischen Herstellers in der Hand gehabt. Natürlich fallen die Materialien nicht ganz so hochwertig aus wie bei den hochpreisigeren Modelle, aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

Das glasfaserverstärke Polymergehäuse wird von einer geriffelten Lünette aus Edelstahl gekrönt. Das Farbdisplay wird von einem PMMA-Verbundglas mit Härtebeschichtung geschützt. In Kombination mit den Edelstahl-Drückern sieht das live deutlich edler aus, als die Fotos ahnen lassen.

Auf der Rückseite befindet sich der Precision Prime Sensor zur optischen Messung der Herzfrequenz. Interessanterweise benutzt dieser aber 9 statt 10 LEDs und entspricht damit eher der Version aus der Vantage V bzw. Grit X. Die Vantage V2 hat dagegen ein etwas anderes Layout, ist allerdings das etwas ältere Modell. Ich kann nur spekulieren, warum die neuere M2 wieder zum „alten“ Sensor zurück gekehrt ist. Die Präzision der OHR-Messung hat bei mir mit keiner der Uhren ein Problem gehabt.

Das Layout der Drücker und damit deren Funktionalität ist unverändert geblieben. Klar, jeder Hersteller hat da sein System, an dem er auch tunlichst festhalten sollte.

Die fünf Knöpfe sind gut zu ertasten und gut erreichbar, so dass alle Funktionen der Uhr mit ihnen ausgeführt werden können.

Eine Besonderheit der Polar Vantage M2 hatte mir schon bei der Grit X gut gefallen: der Standard-Bandanstoß. Damit lassen sich nicht nur die polar-eigenen Ersatzbänder verwenden, sondern jedes Sportarmband mit gleicher Anstoßbreite (22 mm). Über den Schnellverschluss sind diese ohne Werkzeug jederzeit selbst zu wechseln.

Das Farbdisplay der Vantage M2 hat (wie alle anderen Modelle auch) 240×240 Pixel und ist ein ganzes Stück kleiner als das Gehäuse, was zu einem relativ breiten Rand führt. Das tut der Ablesbarkeit allerdings keinen Abbruch, auch wenn ich es mir manchmal etwas heller gewünscht hätte.

Pro und Contra

Man muss schon genauer hinsehen, um Funktionsunterschiede zu den größeren Modellen zu finden. Denn erstmal bringt die Polar Vantage M2 alles mit, was eine moderne Multisport-Uhr heute so leisten muss. Dazu gehört ein brauchbares GPS, das bei meinen Vergleichsläufen gleichauf mit den anderen Polar-Uhren war. Auch bei der optischen Pulsmessung am Handgelenk hat die M2 sich bei mir keine Schwächen geleistet.

Ambitionierte Läufer wird die Kompatibilität zu Stryd freuen. Zwar hat die Vantage M2 keine Powermessung am Handgelenk, aber der Footpod wird unterstützt. Mit Polar Flow steht einem ausserdem ein sehr gutes Tool zur Verfügung, das mittlerweile sogar strukturierte Trainingseinheiten nach Watt beherrscht.

Es fehlt dagegen eine Navigationsfunktion, um vorher geplante Routen ablaufen zu können. Für mich ist das kein großer Dealbreaker, weil ich diese Funktion im Trainingsalltag nur sehr selten brauche und alternativ auch mein Handy dafür benutzen kann. Auch auf den barometrischen Höhenmesser kann ich hier im Flachland ganz gut verzichten.

Andere Funktionen wie Recovery Pro und der Orthostatische Test sind allein der Vantage V2 vorbehalten. Im Vergleich mit anderen Systemen zur Erholungsmessung finde ich aber die in der Polar Vantage M2 integrierte Nightly Recharge Erholungsanalyse vollkommen ausreichend.

Ein kleiner Pluspunkt ist für mich der Standard-Bandanstoß der Vantage M2. Damit lassen sich auch problemlos die leichten Nylon-Armbänder montieren, oder ein Lederarmband, wenn die Uhr mal zum Anzug passen soll. ;)

Für den preisbewussten Läufer

Die Polar Vantage M2 gehört mit gutem Grund in die Vantage-Serie. Sie bringt eigentlich alles mit, was man für sein Lauftraining braucht – und das in bewährter Polar-Qualität. In technischer Hinsicht steht sie der großen Schwester V2 kaum nach.

Für den spürbar geringeren Preis muss man allerdings auf die Navigation und den Höhenmesser der größeren Modelle verzichten. Wer auf diese Funktionen angewiesen ist, wird wohl mit der Vantage V2 glücklicher.

Produkttest

Polar Vantage V2

Herstellerlink
Polar Vantage V2
Preis
ca. 500 Euro
Aktiv getestet
12 Wochen

Erster Eindruck

Die Polar Vantage V2 wirkt sehr hochwertig und edel. Polar hat es in meinen Augen geschafft, den Look der Uhr gegenüber der Vantage V nochmal deutlich zu verbessern.

Das Gehäuse besteht aus einer Aluminiumlegierung in mattem Finish und mit glasfaserverstärktem Polymer. Alle „Kanten“ sind deutlich runder geworden und als Gehäusefarbe gibt es neben Silber jetzt auch Schwarz.

Grundsätzlich bleibt Polar aber dem Vantage-Design treu und hat daher auch das Layout der Drücker nicht verändert. Sie sind weiterhin gut zu greifen, integrieren sich jetzt aber noch harmonischer ins Gehäuse.

Der Precision Prime Sensor auf der Rückseite arbeitet in der Vantage V2 jetzt mit einem Layout von 10 LEDs zur optischen Erfassung der Herzfrequenz. Auch die Farben der LEDs haben sich teilweise verändert. Damit soll wahrscheinlich die Präzision des Sensors erhöht werden.

Leicht angepasst wurde auch die Anbringung des Armbands: der Sicherungs-Pin lässt sich nun auch ohne Werkzeug heraus ziehen und ermöglicht so einen problemloseren Wechsel. Man ist zwar auf die polar-eigenen Straps beschränkt. Die gibt es allerdings ist einer Hand voll schöner Farben.

Neue Funktionen

Wie es sich für das Hersteller-Flaggschiff gehört, hat die Vantage V2 einige neue Funktionen spendiert bekommen. Einige davon sind nicht wirklich neu und wurden quasi von der Grit X übernommen: der Hill Splitter für die Erfassung von Uphill- und Downhill-Segmenten, der FuelWise Energieassistent oder das Wetter-Widget zum Beispiel. FuelWise finde ich davon noch am Spannendsten, denn eine an die tatsächlich verbrauchte Energie angepasste Ess- und Trinkempfehlung kann bei längeren Wettkämpfen (oder Trainingsläufen) schon sehr hilfreich sein.

Andere exklusive neue Funktionen wie der Lauf-Leistungstest oder der Bein-Erholungstest erschienen mir zunächst nicht so spannend zu sein. Doch gerade der sehr einfach auszuführende Bein-Erholungstest war in der Praxis eine ziemlich gute Hilfe zur Einschätzung der Gesamterholung. In Ergänzung zum Orthostatischen Test und Recovery Pro bzw. dem brauchbaren Nightly Recharge hat Polar hier mit der Vantage V2 eine ziemliche Alleinstellung auf dem Markt.

Pro und Contra

Für den ambitionierten Sportler ist die Vantage V2 mit Sicherheit ein sehr interessantes Produkt. Gerade die hohe Integration von Tests und Erholungsdaten für Trainingsempfehlungen sind bei Polar wirklich gut. Dieses Gesamtsystem findet man sonst bei keinem anderen Hersteller und sind in meinen Augen ein sehr starken Argument.

Andererseits trifft das im Grunde auch weiterhin noch für die Vantage V zu. Deren Besitzer müssen sich schon genau überlegen, ob ein Update auf das neue Modell wirklich Vorteile mit sich bringt.

Auch bei dem Preis will die Entscheidung für eine Polar Vantage V2 gut überlegt sein. Die Mitbewerber haben in der Preiskategorie um 500 Euro auch eine Menge spannender Funktionen zu bieten.

Für den ambitionierten Athleten

Mich überzeugt das Gesamtpaket aus hochwertiger Uhr und funktionellem Ökosystem bei der Polar Vantage V2. Nicht nur Multisportler, auch ambitionierte Läufer können sicher von den exklusiven Funktionen der Uhr profitieren. Selbst ein leistungsgesteuertes Training durch Power am Handgelenk oder per Stryd ist mittlerweile möglich.

Meine Meinung

Die Qual der Wahl: Polar Vantage V2 oder Polar Vantage M2?
Im Zweifelsfall: Polar Vantage V2
Ich würde mal behaupten: kein Läufer braucht wirklich mehr Funktionen, als sie die Polar Vantage M2 bereits mitbringt. Trotzdem würde ich mich wahrscheinlich eher für die Polar Vantage V2 entscheiden, weil ich dort von den Recovery-Funktionen und -tests profitieren würde.

Die optische Messung am Handgelenk funktioniert bei beiden Modellen zwar gut, beim Kauf würde ich aber immer dazu raten, direkt den Polar H10-Brustgurt mitzubestellen.
Qualität
Funktion
Begeisterung
Preis / Leistung
4.3
Bewertung

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  1. Hallo Harlerunner,

    natürlich die V2. Was sonst.

    Polar bietet mit der V2 die einzig sinnvolle Sportuhr an. Der Rest sind untergeordnete Marketingmodelle, die Kundenillusionen bedienen, aber am Ende kauft man doppelt. Und wenn nicht: Dann war die Uhr eh umsonst.

    Ich sag’s mal so: Halbseriöses Training ergibt keinen Sinn, darum sollte man auch keine halbseriösen Sportuhren kaufen. Denn es geht hier NICHT ums Geld, sondern um eine effiziente, sportbezogene Datenerfassung und -analyse. Da kann man nicht einfach aus Kostengründen was weglassen. Zweifelsohne sieht das Marketing das anders – sonst gäbe es diese (überflüssige) Branche ja auch nicht. Die haben diese „Unterschiede“ doch erst verursacht. Das waren keine Sportwissenschaftler. Diese wurden vor dem Produktionsprozess höchsten mal angehört.

    Und wer an „Funktionen“ glaubt, dem würde ich vorwerfen, seinen Sport noch nicht wirklich verstanden zu haben.
    „Funktionen“ sind doch die Hebel am einarmigen Banditen. Und was passiert, wenn man am Hebel zieht, dürfte ja bekannt sein: Träumer verlieren immer.

    Natürlich sind RecPro (Naja, wenig zu gebrauchen.) und OT auch Funktionen, die haben allerdings einen seriösen Bezug zum Sport, gehören also zur Essenz. Unterscheidungen dieser Art sind für die meisten Anwender dann aber leider wohl schwierig – denen fehlt einfach das Wissen. Darum sind sie ja auch dankbare Melkkühe der Industrie und kaufen brav nach deren „Vorgaben“. Zuerst das Einsteigermodell, dann das Fortgeschrittenenmodell und dann das Profimodell. Und morgen kommt der Osterhase! ;-)

    Sportliche Grüße
    Frank_BN

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Ich bin der Harlerunner

Hier schreibt Thomas Pier über das Laufen und (deutlich mehr als nur die notwendige) Ausrüstung. Ich laufe weder besonders schnell noch weit. Aber ich teile gerne meine Erfahrungen, die ich als ambitionierter Freizeitläufer, neugieriger Early-Adopter und als mein eigener Trainer sammele.

Ich freue mich über jede digitale Kontaktaufnahme - noch mehr allerdings über jeden gemeinsam gelaufenen Kilometer.

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Thomas (der Harlerunner)