HRV-Messung mit dem Vitalmonitor NANO

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Back to the roots: vor fünf Jahren war der Vitalmonitor PRO mein Einstieg in die HRV-Messung. Mit dem Vitalmonitor NANO geht jetzt die neueste Generation an den Start.

Anzeige: Der Hersteller hat mir das Produkt für diesen Test auf meine Anfrage hin zur Verfügung gestellt. Dies hatte keinen Einfluss auf den Inhalt meines Testberichts. Der Beitrag ist frei verfasst und gibt ausschließlich meine persönlichen Erfahrungen wieder.

Produkttest

Vitalmonitor NANO

Herstellerlink
Vitalmonitor NANO
Preis
199 Euro
Aktiv getestet
6 Wochen

Erster Eindruck

Lange Zeit war der Vitalmonitor PRO für mich DIE Referenz für den HRV-Messung. Denn er konnte ein EKG erstellen und es an die Vitalmonitor-App übertragen. Das hat die Messung transparent gemacht, denn man konnte überprüfen, ob die R-Zacken auch richtig erkannt wurden – eine wesentliche Grundlage für die Bestimmung der Herzfrequenzvariabilität.

Leider kann das Gerät wohl nicht mehr hergestellt werden und selbst die Übertragung des EKGs per Bluetooth scheint nicht mehr möglich zu sein. Daher hat man sich entschieden, einen neuen Vitalmonitor zu entwickeln, der zwar intern weiterhin mit einem EKG arbeitet (und damit die entsprechende Präzision bringt), aber nur noch die Herzfrequenz überträgt.

Der neue Vitalmonitor NANO ist natürlich auch ein Brustgurt und unterscheidet sich optisch kaum von anderen Vertretern dieser Gattung. Das ist durchaus gewollt, denn er funktioniert nicht nur für die täglichen HRV-Messungen, sondern kann auch zur Messung der Herzfrequenz während des Laufens benutzt werden. Die Übertragung erfolgt allerdings ausschließlich per Bluetooth.

Mitgeliefert werden neben dem NANO natürlich der zugehörige Brustgurt und eine USB-C-Ladeschale samt Kabel. Auch die ID-Karte ist dabei, über die man sich in der Vitalmonitor-App registrieren kann.

Der NANO selbst verfügt auf der Vorderseite über eine LED, die sich im „O“ des Aufdrucks versteckt. Die Rückseite beherbergt die Ladekontakte und die Stifte zum Einklipsen in den Brustgurt.

Der Vitalmonitor NANO schaltet sich automatisch ein, sobald er die Herzfrequenz erkennt und macht das durch ein Piepen und optisch über das „O“ deutlich. Genau so schaltet sich das Gerät automatisch wieder ab, wenn keine Messung mehr stattfindet.

In der Praxis

Über die Vitalmonitor-App ist der NANO schnell in Betrieb genommen und man kann direkt mit der ersten Messung starten. Grundsätzlich gibt es drei bzw. vier unterschiedliche Messungen, die mit dem Gerät ausgeführt werden können.

Tägliche HRV-Messung

Genau darum geht es beim Vitalmonitor: mit der täglichen Messung seiner Herzfrequenzvariabilität bekommt man einen wichtigen Einblick in den Erholungszustand seines Körpers.

Dazu legt man jeden Morgen (idealerweise unter immer gleichen Randbedingungen) den NANO an und führt eine „Messung“ durch. Die dauert etwa drei Minuten und besteht aus einem freien Teil und einem mit geführter Atmung.

Das folgende Video bezieht sich zwar noch auf den Vitalmonitor PRO, aber bis auf die Anzeige des EKG ist der Vorgang auch beim NANO identisch:

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Der Vitalmonitor ermittelt aus den gesammelten Daten den Regenerationsstatus, der als Wert zwischen 0 und 100 Prozent dargestellt wird. Doch damit nicht genug: man erhält eine ganz konkrete Empfehlung, in welchem Intensitätsbereich man heute trainieren sollte – unterschieden nach Ausdauer und Kraft. Die Herzfrequenzbereiche kann man natürlich individualisieren.

Anschließend hat man noch die Möglichkeit, die Schlafdauer einzutragen, die Schlafqualität, sein aktuelles Befinden, die Arbeitsbelastung und die Intensität des letzten Trainings.

Anfangs braucht das System einige Tage, um die Baseline zu bilden, auf der die Einschätzung der Erholung dann basiert. Über den Stand dieser Anlaufphase informiert die App bereits auf der Startseite der Messung.

Die gesammelten Daten kann man sich jederzeit in der Übersicht ansehen und so die Entwicklung aller Metriken nachvollziehen – entweder als Wochen- oder Monatsübersicht.

Zusätzlich zur App gibt es auch noch ein Web-Portal, über das nicht nur die Ergebnisse der Messungen, sondern auch das jeweilige Messprotokoll eingesehen werden kann.

Statusmessung

Während die Morgenmessung nur ein Mal am Tag möglich ist, kann man jederzeit auch eine Statusmessung vornehmen. Hier bekommt man auch eine Einschätzung der Erholung und eine Empfehlung für das nächste Training basierend auf der Baseline der Morgenmessung. Wann kann das Sinn machen? Zum Beispiel vor dem Training am Abend, wenn die Morgenmessung nicht so gut war und ein erholsamer Tag hinter einem liegt.

Oder man benutzt die Statusmessungen, um jeweils kurz vor und kurz nach einer Trainingseinheit seinen Erholungs- bzw. Stresslevel festzuhalten. So lässt sich noch präziser einschätzen, wie fordernd das Training für den Körper war. Das macht für den Freizeitsportler sicher weniger Sinn als für den Profi oder sehr ambitionierten Läufer mit einem hohen Trainingspensum.

Biofeedback-Messung

Die Biofeedback-Messung ist eigentlich eher eine Übung, um seinen Parasympathikus zu trainieren. Der ist für Erholung und Ruhe zuständig und hilft einem dabei, stressige Situationen besser zu meistern. Die gemessene Herzfrequenzvariabilität und die Ruheherzfrequenz werden in einer eigenen Statistik geführt.

Quickcheck

Der Quickcheck ist im Grunde wie eine normale Morgenmessung, nur dass keine persönliche Baseline aus vergangenen Messungen benutzt werden kann. Stattdessen wird über die Alterseingabe auf statistische Werte von Personen gleichen Alters zurück gegriffen, um so eine Baseline zu „simulieren“. Das Ergebnis ist also eventuell deutlich weniger aussagekräftig als die Morgenmessung.

Man kann den Quickcheck gut verwenden, um sich mit dem System und dem Messvorgang vertraut zu machen. Auch kann man so einem Freund oder Trainingskollegen den Vitalmonitor damit vorführen und für ihn (oder sie) eine Messung machen.

Vergleich mit anderen Systemen

Der Vitalmonitor NANO kam etwas zu spät, um ihn noch mit in meinen aktualisierten Vergleich von fünf HRV-Systemen zu nehmen. Aber ich habe den Testzeitraum natürlich genutzt, um Vergleichsmessungen mit zwei weiteren Systemen zu machen, die ich gut einschätzen kann.

Im ausgewählten Zeitraum von ca. vier Wochen sind ausreichend Aufs und Abs zu verzeichnen, um so einen Vergleich machen zu können. Aus dem Langzeit-Vergleich hat sich Kubios HRV als mein Favorit für tägliche Morgenmessungen heraus gestellt.

Legt man beide Kurven übereinander ist deutlich zu sehen, dass die Trends sehr gut überein stimmen. Insbesondere die beiden Tage mit sichtbar schlechteren Werten sind von beiden Systemen gleichermaßen erfasst worden. Tendenziell scheint mir der Vitalmonitor etwas „optimistischer“ bei der Beurteilung zu sein. Allerdings fällt ein Teil des Zeitraums auch noch in die Normierungsphase des Systems. Man sieht, wie die letzten beiden Wochen deutlich differenziertere Werte liefern.

Auch im Vergleich mit den nächtlichen Messungen des Oura Rings in Verbindung mit HRV4Training stimmt die Trendentwicklung ganz gut überein. Es gibt zwar an einzelnen Tagen auch Abweichungen, doch das ist bei den unterschiedlichen Messmethoden auch zu erwarten. Bei der Morgenmessung schleicht sich schnell eine Ablenkung ein, die zu nicht optimalen Ergebnissen führt – und bei der nächtlichen Messung einfach nicht vorhanden sind.

Meine Meinung

HRV-Messung mit dem Vitalmonitor NANO
Sehr empfehlenswert!
Der Vitalmonitor NANO stellt zwar kein sichtbares EKG mehr bereit, gehört aber ganz klar zu den empfehlenswerten HRV-Systemen.

Das liegt zum Einen an der eigenen Hardware, die optimale Messergebnisse verspricht. Und zum Anderen an der guten App mit konkreten, nachvollziehbaren Trainingsempfehlungen.

Mir fehlt leider immer noch die Möglichkeit, die Messergebnisse zu anderen Plattformen zu synchronisieren oder zumindest gesammelt exportieren zu können.
Qualität
Funktion
Preis / Leistung
4
Bewertung
Shop-Empfehlungen *
  1. Hallo Thomas,

    ich hatte auch mal den Vitalmonitor Pro, diesen jedoch nach ein paar Monaten abgestoßen.

    Auch in Deinen neuen Beitrag zum Nano klingen diverse meiner Gründe an, die weniger mit dem brustgurt sondern eher mit der grundsätzlichen Konzeption zusammen hängen:
    – Wenn Du beispielsweise feststellst, dass „Tendenziell scheint mir der Vitalmonitor etwas „optimistischer“ bei der Beurteilung zu sein.“, dann liegt dies auch daran, dass die Software so manche Daten glättet, also auch Tendenzen heranzieht und daraus einen Wert ermittelt (ganz extrem zB beim BioAge). Bei anderen Werten konnte ich innerhalb weniger Stunden massive Sprünge feststellen (zB während nach der Morgenmessung besser kein Ausdauer/Kraftsport anstand, drehte sich das Bild nachmittags komplett – ich war nach der Arbeit angeblich gar „erholter“ und topfit; andere HRV Systeme, wie der orthostatische Test und selbst Elite HRV lieferten zuverlässige Werte).

    – Unvorteilhaft ist – wie Du es auch anmerkst – auch das „geschlossene“ System, bei dem man gar händisch Daten zum Schlaf etc erfassen soll, wenngleich diese anderweitig verfügbar sind.

    – Extrem negativ und geradezu „Geldmacherei“ scheint mit auch die kostenpflichtige und nicht übertragbare ID-Card, ohne die das Gerät nicht genutzt werden kann.

    Nach meiner Ansicht gibt es für viel weniger Geld DEUTLICH brauchbarere Systeme und wenn man schon 200 Euro in die Hand nimmt, sollte man definitiv eher einen Oura Ring in Betracht ziehen und keinesfalls den Vitalmonitor.

    1. Hi Jürgen, Sprünge innerhalb eines Tages sind ja ganz normal. Schon zwei Messungen direkt nacheinander kommen selten zum genau gleichen Ergebnis. Dazu kommt, dass Ereignisse wie ein besonders stressiger Arbeitstag oder (bei mir) eine schlecht Nacht, zu ungewöhnlichen Werten führen können – egal mit welchem System man misst. Letztendlich geht es ja auch nicht um den einzelnen Werten, sondern die langfristigen Trends.

      Es gibt auch sicherlich nicht DAS beste System. Die konkreten Trainingsempfehlungen mit HF-Bereichen findet man nur beim Vitalmonitor – das findet man so nicht beim Oura. Dafür ist es ein geschlossenes System. Ist halt immer die Frage, was genau den eigenen Bedürfnissen entspricht.

  2. Hallo Harlerunner,

    zunächst hatte ich Deinen Test zum Gerät nur überflogen, denn ich bin zu lange im „Laufgeschäft“ ;-) dabei, um mich von teurem Spielzeug beeindrucken zu lassen.
    98 Prozent sind Training, für den Rest ist eine gute Sportuhr (die heute eigentlich auch mehr können sollte und müsste, und zwar softwareseitig) nützlich – aber dann las ich den Beitrag von Jürgen. Den fand ich aussagekräftig …
    Und dann las ich nochmal Deinen Beitrag etwas genauer.
    Zitat:

    „Leider kann das Gerät wohl nicht mehr hergestellt werden und selbst die Übertragung des EKGs per Bluetooth scheint nicht mehr möglich zu sein. Daher hat man sich entschieden, einen neuen Vitalmonitor zu entwickeln, der zwar intern weiterhin mit einem EKG arbeitet (und damit die entsprechende Präzision bringt), aber nur noch die Herzfrequenz überträgt.“

    Ich musste schmunzeln.
    „Leider kann das Gerät wohl nicht mehr hergestellt werden … … Daher hat man sich entschieden …“. Herrlich, dieser butterweiche Euphemismus. :-D
    Das klingt ja so, als würden sich Wissenschaft und Wirtschaft zurückentwickeln.
    Die Wahrheit ist doch eine ganz andere – wir kennen sie alle.

    Sportliche Grüße
    Frank_BN

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Ich bin der Harlerunner

Hier schreibt Thomas Pier über das Laufen und (deutlich mehr als nur die notwendige) Ausrüstung. Ich laufe weder besonders schnell noch weit. Aber ich teile gerne meine Erfahrungen, die ich als ambitionierter Freizeitläufer, neugieriger Early-Adopter und als mein eigener Trainer sammele.

Ich freue mich über jede digitale Kontaktaufnahme - noch mehr allerdings über jeden gemeinsam gelaufenen Kilometer.

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