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Um es positiv zu formulieren: ich habe an diesem Wochenende wieder dazu gelernt. Und ich bin mir sicher, dass mich die Eindrücke noch einige Zeit beschäftigen werden.

Vorbereitung

Mein Trainingsplan für Köln ging über 19 Wochen und war darauf ausgerichtet, eine neue Bestzeit zu laufen. Im Frühjahr hatte das in Berlin leider nicht geklappt, aber die Strecke in der Domstadt bietet dafür sicher keine schlechteren Möglichkeiten. Natürlich lief das Training nicht ganz nach Plan, aber das war mir ja bereits einen eigenen Artikel wert. ;)

Ich durfte auch in diesem Jahr wieder für das „Team Saucony“ starten und hatte somit meinen Startplatz sicher. Um an die Startunterlagen zu kommen, war allerdings eine Anreise am Vortag notwendig. Weil das Rennen bereits um 8:30 Uhr startet, gibt es vorher (natürlich) keine Startnummernausgabe mehr. Also habe ich mir rechtzeitig ein Bett in der Jugendherberge reserviert.

Anreisetag


Pünktlich zum Check-In um 15 Uhr traf ich in der Jugendherberge „Pathpoint“ ein, die ich mir auf Grund ihrer strategisch günstigen Lage ausgesucht hatte. Sie liegt sowohl zentral und in erreichbarer Nähe zu Start und Ziel, gleichzeitig aber ausserhalb der Laufstrecken. Das dürfte also auch die Abreise nicht behindern.

Haus A, Etage 1, Zimmer 2, Bett 3

Haus A, Etage 1, Zimmer 2, Bett 3

Nachdem ich mein spartanisches Nachtlager bezogen hatte, ging es direkt zur Marathon-Messe auf dem Neumarkt. Bei dem herrlichen Wetter war die Freiluft-Veranstaltung ein echtes Highlight, wenn auch ziemlich überfüllt. Gut, es war ja auch Samstagnachmittag. Trotzdem hatte ich innerhalb weniger Minuten meine Startnummer und den Kleiderbeutel in der Hand – und auch noch Dirk getroffen. Er hat wieder an der Ausgabe geholfen. Ehrensache für so ein Kölner Läufer-Urgestein.

Open-Air-Messegelände

Open-Air-Messegelände

Beim Schlendern über die Messe bin ich natürlich am Saucony-Stand hängen geblieben. Statt mich in die lange Schlange zu stellen, um einen Beutel zu besprühen, habe ich mich mit Theresa und Claudia unterhalten. Mit Rebecca Robisch hatte Saucony wieder eine schnelle Frau am Marathon-Start und alle waren sehr hoffnungsvoll, dass sie das Rennen wieder bei den Frauen gewinnen könnte. Nicht ganz unbegründet, wie sich am Tag darauf herausstellte. ;)

Saucony-Stand

Saucony-Stand

Auch Laura Hottenrott habe ich in Köln wieder getroffen, die (nachdem sie 2016 den Halbmarathon gewonnen hatte) in diesem Jahr mit der Staffel antrat. Nach einem netten Plausch mit ihr, bin ich am Kaffee-Stand direkt in das nächste Gespräch gestolpert. Am Stehtisch kamen mir viele Gesichter sehr bekannt vor… ;) Und richtig: es war wohl ein kleines Influencer-Treffen mit u.a. Annette (@fight_your_schweinehund) und Yavuz (@run.koelner1979).

Auf dem Weg zur Unterkunft habe ich mich dann noch mit belgischen Pommes gestärkt (Tobias zu Ehren ;) und konnte sogar noch ein Eis schlecken. Das ist Carboloading nach meinem Geschmack. ;) Den Rest des Abends galt es dann die Füsse hochzulegen und früh schlafen zu gehen – was mit beides auch gelang.

Raceday

Nach gut sechs Stunden Schlaf war ich ausgeruht, hatte aber keinen Hunger auf das Frühstück. Mehr als einen Toast und später einen halben Riegel habe ich nicht runter bekommen. Aufregung? Nervöser Magen? Der Spaziergang zum Ottoplatz tat jedenfalls ganz gut.

Dom bei Nacht

Dom bei Nacht


Hohenzollernbrücke

Hohenzollernbrücke

Die Organisation mit der Abgabe der Kleiderbeutel an den UPS-Wagen war wieder vorbildlich. Zum Warmlaufen habe ich noch ein „Opfershirt“ angelassen, da mir Singlet und Splitshorts sonst zu kalt gewesen wären. ;) Mein Startblock „blau“ war dann allerdings so voll, dass wir erst nach dem Startschuss auf die Strecke konnten.

Sind ja nur gut 14.000 Läufer, die auf die Strecke wollen... ;)

Sind ja nur gut 14.000 Läufer, die auf die Strecke wollen… ;)

Das Rennen

Meine Rennstrategie war simpel: 288 Watt im Durchschnitt war das Ziel. Wenn es richtig gut läuft, könnten bis zu 294 Watt drin sein. An beide Werte war auf den ersten Kilometern nicht zu denken, weil es doch ein wenig Zeit brauchte, bis das Feld sich sortiert hatte.

Endlich geht es los!

Endlich geht es los!


Kaum los gelaufen, ist schon der Dom in Sichtweite

Kaum los gelaufen, ist schon der Dom in Sichtweite

Trotz bedecktem Himmel und ein, zwei Tropfen, war die Wahl des Outfits genau richtig. Gut gekühlt läuft meine Maschine am besten. ;) Es fehlte leider die erhoffte Leichtigkeit und selbst die ersten Kilometer fühlten sich nach Arbeit an. Dafür gab es immer wieder Stimmungsnester, die sich auch positiv auf die Pace auswirkten. :)

Tobende Stimmung, als uns die anderen Läufer entgegen kamen!

Tosende Stimmung, als uns die anderen Läufer entgegen kamen!


(noch) gut drauf

(noch) gut drauf

Bis Kilometer 15 war ich gut im Plan, hatte schon an zwei Verpflegungsstellen ausreichend getrunken und auch ein Gel genommen. Dann fing leider die Tankanzeige an zu leuchten… Die Beine wurden schwerer und die Wehwehchen summierten sich. Die Pace habe ich zwar halbwegs halten können, aber an den Wasserstellen war nun Gehen angesagt.

Nur zu dritt, machten aber Lärm für 10! :)

Nur zu dritt, machten aber Lärm für 10! :)

Zum Glück habe ich nicht den gleichen Fehler gemacht wie 2016 und habe den Spurt erst auf der Zielgeraden angesetzt. Ein Blick auf die Uhr enthüllte nämlich, dass ich zumindest noch unter 1:45h reinkommen könnte. Trotz Mobilisierung der letzten Kräften sollten dazu am Ende 4 Sekunden fehlen.

Der Dom ist das Ziel!

Der Dom ist das Ziel!


Sieht man meine Gänsehaut...? Liegt nicht am Outfit!

Sieht man meine Gänsehaut…? Liegt nicht am Outfit!


Netto-Zielzeit: 1:45:03

Netto-Zielzeit: 1:45:03

Geschafft…

Ich war tot im Zielbereich… Zumindest konnte ich mir nicht vorwerfen lassen, nicht alles gegeben zu haben! Trotzdem habe ich mich relativ zügig durch die Auslaufzone bewegt, um meinen Kleiderbeutel abzuholen und unter die Dusche zu kommen. Auch das war wieder hervorragend organisiert, wodurch ich fast zwei Stunden vor Plan mit allem durch war. :)

Offiziell K.O.

Offiziell K.O.

Belgischer Kreisel

Ein kleines Highlight sollte noch folgen, denn auch Tobias war in Köln gestartet und wir hatten uns im Anschluss zum Essen verabredet. Gemeinsam mit seinem Freund Benno habe ich ihn am Heumarkt getroffen. So niedergeschlagen ich wegen meinem Rennergebnis war, so froh war er über seines: mit 1:26h ist er eine neue Bestzeit gelaufen! Unvorstellbar für mich, aber ich hatte ja schon am Fühlinger See festgestellt, dass er in einer anderen Liga unterwegs ist. ;) Die lustige Runde war leider viel zu schnell vorbei. Es bleibt festzuhalten: die Pizza am Fühlinger See ist unschlagbar. Und: wir werden definitiv nicht zum letzten Mal zusammen gelaufen sein. :)

Aktueller Status

Am Tag nach dem Rennen habe ich Muskelkater. Zwar nur leicht, dafür überall. Auch die Stimmung ist nur so mittel. Das Wochenende war klasse, aber mit meiner Laufleistung kann ich nicht so ganz zufrieden sein. Vor zwei Jahren habe ich auf der gleichen Strecke fast fünf Minuten weniger gebraucht. Aber seit Mitte letzten Jahres komme ich an die Zeiten irgendwie nicht mehr ran… :(

Weitere Wettkampf- und Trainingsanalyse spare ich mir aber erstmal auf. Schließlich wartet nächstes Wochenende noch der Coesfelder Citylauf auf mich. Da wird mir Norbert sicher wieder weg laufen ;), aber vielleicht führt das ja zu einer passablen Zeit und einem versöhnlichen Saisonabschluss.