Humon Hex
Humon Hex

Training und Leistungsdiagnostik mit dem Humon Hex

Es gab schon viele Produkte, die das Lauftraining revolutionieren sollten bzw. das auch geschafft haben. Zuerst war es die Messung der Herzfrequenz, dann das GPS und im Moment scheint das Laufen mit Watt das entsprechende Potential zu haben. Meiner Meinung nach fehlt in diesem Bild aber ein weiteres Produkt: der Humon Hex Sensor.

Exkurs: Messung der Trainingsbelastung

Die Steuerung des Lauftrainings basiert normalerweise auf messbaren Werten, die Aufschluss über die derzeitige Belastung des Körpers geben sollen. Am etabliertesten ist sicher die Kontrolle über die Herzfrequenz oder die Geschwindigkeit. Das kennen wir alle. Beide Metriken sind aber von vielen externen Einflussfaktoren abhängig, die einen Vergleich der Trainingsbelastungen untereinander erschweren: hohe Aussentemperaturen lassen das Herz schneller schlagen und eine Steigung bedeutet eine deutlich höhere Anstrengung bei gleichem Tempo. Beides kann über das Training nach Leistung (Wattmessung z.B. mit dem Stryd) neutralisiert werden, so dass die Beurteilung der Belastung unabhängig von äußeren Einflüssen wird.

Allen drei Wegen ist allerdings eines gemeinsam: sie messen „indirekt“. Selbst die Herzfrequenz steht nur stellvertretend für einen bestimmten körperlichen Belastungszustand, der zum Beispiel über eine Laktatdiagnostik chemisch genau bestimmt werden kann. Eigentlich wollen wir also wissen, was unser Stoffwechsel gerade macht bzw. was im Muskel vor sich geht. Nun kann man natürlich nicht bei jedem Lauf Blut abnehmen, um zu wissen, ob man im richtigen Trainingsbereich läuft sondern stellt eine Korrelation zwischen Laktatwert und Herzfrequenz her über die man dann sein Training steuert.

Nahinfrarotspektroskopie

Ideal wäre es also, wenn man nicht-invasiv feststellen könnte, was im Muskel passiert – möglichst sogar in Echtzeit. In der Medizin gibt es dazu seit ca. 30 Jahren das Verfahren der Nahinfrarotspektroskopie, das in der Lage ist, mittels Infrarotlicht durch die Haut z.B. den Sauerstoffgehalt des Blutes in den darunter liegenden Gewebeschichten zu messen.

Auch im Sport ist dieses Messverfahren nicht neu. Entsprechende Produkte gibt es schon seit einigen Jahren auf dem Markt, sind aber (natürlich) ziemlich teuer. Ein Beispiel ist der Moxy Monitor, der sowohl in der Wissenschaft als auch bei Sportlern eingesetzt wird. Deutlich günstiger war der BSXInsight, den ich bereits vor zwei Jahren testen konnte. Beide Produkte konfrontieren den Sportler allerdings mit nackten Messwerten, die erst interpretiert werden wollen. Ein direkt umsetzbares Feedback wie „zu schnell“ oder „zu langsam“ gibt es nicht, was einen Einsatz im Trainingsalltag quasi ausschließt. Hier kommt der neue Humon Hex Sensor ins Spiel.

Produkttest

Humon Hex

Herstellerlink
Humon Hex
Preis
ab ca. 320 Euro
Aktiv getestet
4 Monate
Anzeige: Der Hersteller hat mir den Sensor für diesen Test auf meine Anfrage hin zur Verfügung gestellt. Dies hatte keinen Einfluss auf den Inhalt meines Testberichts. Der Beitrag ist frei verfasst und gibt ausschließlich meine persönlichen Erfahrungen wieder.

Erster Eindruck

Humon Hex
Humon Hex

Der Humon Hex ist ein eher unspektakuläres Gerät. Man erhält einen sechseckigen, schwarzen Puck, der mittels eines Klettbandes z.B. am Oberschenkel befestigt werden kann. Auf der Aussenseite befindet sich ein Power-Taster und eine Status-LED. Auf der Innenseite sieht man die Licht-Emitter und -Empfänger, die durch den etwa handtellergroßen Körper des Sensors gut vor dem Aussenlicht geschützt sind.

Humon Hex
Humon Hex
Humon Hex
Humon Hex

Das Klettband zur Befestigung läßt sich im Umfang stufenlos einstellen und passt bei mir sowohl um den Oberschenkel als auch um den Oberarm. An der Innenseite ist es mit zwei gel-artigen Streifen versehen, die ein Verrutschen des Sensors verhindern sollen.

Humon Hex
Humon Hex

Der Humon Hex wird kontaktlos über die mitgelieferte Station aufgeladen. Allerdings funktioniert das nur ein genau einer Position: die Aussenseite des Sensors muss die Ladestation berühren.

Humon Hex
Humon Hex (falsch herum) auf der Ladestation

Konnektivität: App und ConnectIQ

Der Humon Hex Sensor überträgt seine Daten per Bluetooth an einen entsprechenden Empfänger. Das ist in erster Linie die App des Herstellers, über die man Workouts starten und aufzeichnen kann. Eine Grafik zeigt währenddessen den Kurvenverlauf der aufgezeichneten Daten und eine Farbcodierung – dazu später mehr. Natürlich stellt man hier auch sein Benutzerprofil ein, kann ggf. Firmware-Updates für den Hex abrufen und seine abgeschlossenen Workouts einsehen. Letzteres geht auch über die zusätzlich angebotene Web-Plattform.

Beim Laufen ist der ständige Blick auf ein Handy-Display unpraktisch, daher hat Humon auch Datenfelder für Garmin-Uhren auf Basis der ConnectIQ-Plattform entwickelt. Die stellen nicht nur einen der Messwerte dar, sondern geben auch die Farbcodierung wieder.

Messwerte und Farbzonen

Der Humon Hex ermittelt die Muskelsauerstoffversorgung (SmO2), indem die Bindung von Sauerstoff an das Hemoglobin (HbO2) gemessen wird. Diese beiden Messwerte werden angezeigt und aufgezeichnet. Aber was den Hex absolut einzigartig macht, ist die Interpretation dieser Daten durch die Software und dessen Übersetzung in vier Farbzonen.

Grün (Steady State)
Ist der Graph oder das Garmin-Datenfeld grün gefärbt, befinden sich Sauerstoffverbrauch und -lieferung in einem ausgeglichenen Zustand. Die aktuelle Belastung wird sich also für einen sehr langen Zeitraum aufrecht erhalten lassen.

Orange (nah am Limit)
Färbt sich die Anzeige orange, beginnt der Sauerstoffverbrauch über die Verfügbarkeit zu steigen. Allzu lange wird das nicht gut gehen…

Rot (Limit erreicht)
Steigt der Sauerstoffverbrauch signifikant über die Menge, die das Blut neu anliefert, ist man im roten Bereich angekommen und wird die aktuelle Geschwindigkeit nicht mehr lange durchhalten können.

Blau (Erholung)
Stellt das Blut deutlich mehr Sauerstoff bereit als durch die Muskeln verbraucht wird, färbt sich der Graph bzw. das Datenfeld blau.

Threshold Test

Neben der reinen Trainingsaufzeichnung kann man über die App auch einen geführten Stufentest zur Ermittlung der anaeroben Schwelle durchführen. Auf einem Laufband wird dazu alle drei Minuten die Geschwindigkeit minimal erhöht bis man schließlich die Erschöpfungsgrenze erreicht (oder vom Laufband fällt ;) ) und die Messung abbricht. Sinnvoll ist dabei die zusätzliche Kopplung eines Herzfrequenz-Brustgurtes, um in der Auswertung seine Herzfrequenz an den entsprechenden Stellen zu sehen.

Auswertung Threshold Test in der App
Auswertung Threshold Test in der App

Erfahrungen beim Laufen

Handhabung

Ich bin ja Kummer gewohnt, was das Mitschleppen von Gadgets beim Laufen angeht. ;) Trotzdem gab es da einen gewissen Widerstand, neben Pulsuhr, Brustgurt und Footpod auch noch ein Band um den Oberschenkel zu tragen. Doch letztendlich ist der Humon Hex schnell und sicher angelegt. Er sollte idealerweise direkt auf dem Oberschenkelstrecker liegen – genau genommen auf dem Muskel, der für die gemessene Tätigkeit die größte Bedeutung hat. Grundsätzlich ließe sich der Hex auch an der Wade oder auf dem Bizeps anbringen.

Humon Hex am Oberschenkel
Humon Hex am Oberschenkel
Humon Hex an der Wade
Humon Hex an der Wade

Die zweite Hürde: Handy oder Uhr? Da der Humon Hex das Workout derzeit noch nicht selbst aufzeichnet (soll aber bald möglich sein), braucht man ein Aufzeichnungsgerät, mit dem der Sensor gekoppelt wird. Natürlich kann das die zugehörige App sein und muss es sogar, wenn man den Threshold Test machen will. Bei Trainingsläufen bietet sich eine Garmin-Uhr an.

Humon Hex
Humon Hex

Garmin deshalb, weil die ConnectIQ-Plattform (mal wieder) die einzige Möglichkeit ist, die Humon Hex-Werte seinen Trainingsdaten hinzu zu fügen. Es gibt dafür zwei Datenfelder: „Endurance“ und „Intervall„, die jeweils unterschiedlich auf die Veränderungen der gemessenen Werte reagieren. Man sollte schon das passende wählen, denn das Endurance-Feld würde beim Intervalltraining viel zu behäbig reagieren und das Intervallfeld umgekehrt viel zu feinfühlig.

Im Fall der Aufzeichnung über die Garmin-Uhr muss der Humon Hex nicht nur eingeschaltet werden (logisch), sondern auch noch „kalibriert werden“. Dazu drückt man den Knopf anschließend nochmal lang, bis das blaue Licht der LED den Kalibrierungsvorgang anzeigt. Nach ein paar Sekunden ist das System einsatzbereit und überträgt Daten an die Uhr.

Um das gleich auch vorweg zu nehmen: beim Laufen sollte man darauf achten, dass das Klettband des Hex vom Stoff der Hose überdeckt wird. Das Band ist zwar relativ weich und angenehm zu tragen, doch wer sich im Sommer gerne mal einen Wolf an der Oberschenkelinnenseite läuft, wird gut daran tun, das mit dem Hex zu vermeiden. ;)

Humon Hex im Training
Humon Hex im Training

Grundlagenläufe

Wer nur mit niedriger Intensität unterwegs ist, wird den geringsten Nutzen aus dem System ziehen. Erwartungsgemäß ist der Muskel ständig mit genug Sauerstoff versorgt (grün), manchmal vielleicht sogar überversorgt (blau). Sollte sich das Feld orange färben, ist man definitiv im falschen Belastungsbereich unterwegs – und weiss das auch ohne den Humon Hex.

Andererseits bekommt man eine ziemlich gute Rückmeldung, wann sich eine optimale Sauerstoffversorgung eingestellt hat. So lange der SmO2-Wert noch munter steigt, läuft man sich warm. Erst wenn er ein Plateau erreicht, sind die Muskeln optimal mit Blut und Sauerstoff versorgt.

Endurance Run
Endurance Run

Schwellenläufe

Spannender wird es, wenn man sich seiner anaeroben Schwelle im Training nähert. Ein Lauf unterhalb der Schwelle läßt sich über den Humon Hex steuern, indem man versucht, an der Grenze zwischen grün und orange zu bleiben. Das Spannende daran ist, dass diese Schwelle im Gegensatz zu Pace, Herzfrequenz oder Watt den aktuellen echten Zustand des Muskels widerspiegelt und keine Schätzung ist, wo die Grenze liegen mag. Der genaue Punkt kann sich Tag für Tag verschieben und ist nach einem Erholungstag sicher woanders, als nach dem langen Lauf am Vortag.

Tempo Run
Tempo Run

Intervalle

Auch beim Intervalltraining eliminiert der Humon Hex die Schätzungen. Man läuft das Intervall im angestrebten Tempo einfach bis man in den roten Bereich kommt. Dadurch kann die Länge der einzelnen Intervalle natürlich variieren, aber man stellt sicher, immer genau nur bis zum Limit gegangen zu sein. Bei den Pausen ist es das Selbe: man wartet bis sich das Feld von blau wieder zu grün verfärbt, der Muskel also wieder ausreichend mit Sauerstoff versorgt ist, und startet dann in die nächste Wiederholung.

Intervalle
Intervalle

Hier auch noch ein Video des Herstellers, dass die Zusammenhänge zwischen Belastungen beim Laufen und der Farbskala sehr gut deutlich macht. Dieses Video hat mich ursprünglich so neugierig auf den Hex gemacht und mittlerweile kann ich sagen: das ist nicht nur Werbeversprechen, sondern das, was das Produkt auch liefert!

[alert type=white ] Hinweis
Mir ist klar, dass diese Beschreibungen nur ein Teil der Wahrheit sind. Ein professioneller Trainer wird sicher über meine vereinfachte Darstellung lachen, aber sie soll ja auch nur das Prinzip und die Einsatzmöglichkeiten des Gerätes aufzeigen. Wer sich besser auskennt, kann sicherlich auch besser und präziser mit dem Humon Hex arbeiten.

[/alert]

Leistungsdiagnostik

Während man seine Trainingsreize sicher auch über andere Wege steuern könnte, ist der Humon Hex aber auf jeden Fall eine gute Alternative zur teuren Leistungsdiagnostik in einem Institut. Der in der App auswählbare Threshold Test wird auf einem Laufband durchgeführt und ist ein klassischer Stufentest. Man beginnt unaufgewärmt mit leichtem Gehen und steigert die Geschwindigkeit nach Angabe der App alle drei Minuten – bis der Punkt erreicht ist, an dem man die nächste Stufe nicht mehr schaffen würde und den Test beendet. Genau genommen muss man dafür aber nicht an seine Grenze gehen, denn man taucht deutlich vorher in den roten Bereich ein. Sobald sich daran nichts mehr ändert, kann man eigentlich aufhören. Und das kann durchaus 1-2 Stufen vor seiner Belastungsgrenze sein.

Das Laufband ist dabei ein kritischer Punkt. Ich verlasse mich da auf die Profi-Geräte im Studio und benutze in der Topfit-Arena immer dasselbe Gerät. Dort passt die angezeigte Geschwindigkeit immer sehr gut zu der durch den Stryd ermittelten. Auf dessen Werte würde ich mich ja auch bei einem Wettkampf verlassen, daher ist die Anzeige für mich wesentlicher als die des Laufbands.

Threshold Test auf dem Laufband
Threshold Test auf „meinem“ Laufband in der Topfit-Arena
Auswertung Threshold Test im Web
Auswertung Threshold Test im Web

Die gezeigten 12,5 km/h entsprechen 4:48 min/km und sind für mich sehr plausibel – wie bisher alle Threshold-Tests Ergebnisse gebracht haben, die sich sehr gut mit alternativen Testmethoden (z.B. mFTP in WKO4) deckten. In WKO4 kann man sich natürlich noch intensiver mit den Testdaten beschäftigen und auch die aerobe Schwelle ablesen.

Alternativen

Eigentlich gibt es keine Alternativen zum Humon Hex – besonders nicht für den „normalen Läufer“. Der Moxy Monitor hat zwar grundsätzlich ähnliche Eigenschaften, spielt allerdings in einer ganz anderen Preisliga. Nur für das nackte Gerät soll man schon ca. 1.000 Euro ausgeben. Dann fehlt aber noch die Auswertungssoftware und ein Studium, um die gemessenen Werte verstehen zu können. ;)

Auch der Humon Hex ist mit ca. 320 Euro sicher kein Schnäppchen, aber auch nicht teurer als eine gute Laufuhr. Dafür liefert er nicht nur Daten, sondern verwertbare Informationen, die man im Training wirklich benutzen kann. Allein über die Leistungsdiagnostik würde sich das Gerät schnell amortisieren und könnte z.B. in einem Verein auch von verschiedenen Sportlern benutzt werden.

Meine Meinung

kann man kaufen
Der Humon Hex hält was er verspricht. Das direkte Feedback über die Stoffwechselvorgänge im Muskel beim Laufen sind eine kleine Revolution und die zugehörige Farbskala eine geniale Idee. Das ist sicher kein Gerät, das jeder braucht. Aber für den stark ambitionierten Läufer sehe ich da einiges an Potential. Für mich ist allein der Threshold Test ein sehr starkes Kaufargument.

Ich habe den Hersteller immer sehr engagiert erlebt was Probleme von Benutzern angeht oder die offene Kommunikation über kommende Entwicklungen. Zuletzt wurde die Auswertung des Threshold Tests verbessert. Als nächstes erwarte ich die Nutzung des Gerätespeichers, um Trainingsdaten auch ohne Handy oder Garmin-Uhr aufzeichnen zu können. Es wird auch über alternative Befestigungsmöglichkeiten nachgedacht, zum Beispiel über Kompressionstights. Ich bin mit sicher, dass es noch sehr spannende Entwicklungen geben wird, die den Humon Hex noch weiter aufwerten.

[divider]Weitere Meinungen und Reviews[/divider] The Athletic Time Maschine

All in all, I’m quite happy with my Humon Hex. I feel that it really does help guide my workouts and helps make sure that I’m performing at my best. While I’ve pointed out a number of features that could be tweaked to make it even more useful, it’s currently head and shoulders above the competition in this space.

WIRED

For the tricky work of understanding what hard exercise is doing deep inside the body in the heat of competition, Hex promises better reliability than heart rate monitors or other low-cost methods. The battery life of the leg sensor is generous, offering two full weeks of workouts without a charge. On the downside, the colorful screens of the beta software are too confusing to get useful real-time information at a glance—it’s more useful for studying overall workout summaries.

[divider]Bezugsquellen[/divider] Es gibt zwar seit einiger Zeit einen spanischen Vertrieb für den Humon Hex, aber der scheint nur nach Spanien zu liefern. Der Preis ist mit 320 Euro (plus knapp 50 Euro Versand!) auch nicht sonderlich attraktiv und übersteigt sogar die Gesamtkosten für den Import aus den USA.

Im Shop des Herstellers kann ich mit dem Code HARLERUNNER einen Rabatt von 10% anbieten. Damit kostet der Hex „nur noch“ 265$, was inklusive Versand und Einfuhrumsatzsteuer ca. 320 Euro bedeutet.

  1. Teures Ding, dass sich erst wohl nach drei Diagnostiken amortisiert. Der Preis ist dann auch schon ein K.O.-Kriterium für alle Hobbysportler, die mal lernen wollen, was in ihrem Körper so vor sich geht und wie sie damit ihr Training steuern können. Empfehlen kann ich es deshalb nicht, auch wenn ich gern würde.

    Allerdings macht mich das persönlich sehr neugierig. Nicht unbedingt für mein eigenes Training – obwohl ich schon ein Datenjunkie bin – wohl aber als Ergänzung zur Leistungsdiagnostik, die ich bei meinen Kunden durchführe. Das ist ähnlich wie die Laktatkurve ein nettes Instrument, um Abläufe im Körper besser zu visualisieren.

    1. Hi David, das ist sicher kein Gerät für „ganz normale Läufer“. Die werden auch eher selten eine Leistungsdiagnostik machen und schon gar nicht 2-3 in kurzer Zeit, dass sich die Investition wirklich rechnen würde. Es sollte ja auch ein „lohnender Erkenntnisgewinn“ dabei herum kommen. Das sehe ich eher beim ambitionierten Läufern. Oder halt bei Trainern und Vereinen, denn das Gerät ist ja nicht auf eine Person kalibriert und kann somit auch verliehen bzw. von verschiedenen Läufern genutzt werden. Spannend ist aber einfach auch das Live-Feedback während des Laufens, also zur direkten Steuerung einer Trainingseinheit.

  2. „Der Humon Hex hält was er verspricht.“

    Leider, nein.

    Bei 55%FTP und 1.1-0.9 mmol/L dürfte die Anzeige bei nicht mal zucken. (Ein Beispiel mit mir als Versuchskaninchen: https://i.imgur.com/0GsAGMJ.jpg)

    Ich empfehle die „Studie“ (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5880957/pdf/PHY2-6-e13664.pdf) zu lesen und auf Plausibilität zu prüfen – da sind schon heftig viele systematische Fehler gemacht worden, doch darauf baut der ganze Algorithmus auf.

    Die Idee (des Produkts) ist richtig geil, aber es ist noch ein weeeeeeeeeeeeeeeeeeiiter Weg. Aktuell ist’s für die Tonne.

    1. Hi Boris, wieso sollte die Anzeige „nicht mal zucken“? Ich würde doch hoffen dass Du selbst beim (mehr oder weniger) Spazieren gehen einen gewissen Anteil an Hämoglobin im Blut hast. Bei der geringen Belastung dürfte er sich auch über die Zeit nicht groß verändern. Genau so wie es Deine Grafik auch zeigt. Daher verstehe ich nicht ganz, wie Du darüber auf die Aussage kommst, dass der Humon Hex eben nicht hält was er verspricht. Vielleicht übersehe ich aber auch etwas in Deinem Testaufbau und Du kannst genauer erläutern wie Du zu dem Schluss kommst.

      Das Dokument kenne ich. Ob darin systematische Fehler gemacht worden sind, kann ich nicht beurteilen. Ich bin kein Wissenschaftler. Was ich auch nicht weiß ist, ob „der ganze Algorithmus“ darauf aufbaut – schließlich ist er nicht offen gelegt. Oder übersehe ich da eine Informationsquelle, die Du dazu kennst?

      Wenn Du eine wissenschaftlichere Meinung zu dem Gerät hast, als ich sie als ganz normaler Läufer hier haben kann, würde ich mich über mehr Informationen freuen. Ich kann nur sagen, dass für mich die Werte des Humon Hex immer plausibel waren und ich erstmal nicht davon ausgehen würde, dass es „für die Tonne“ ist.

  3. „wieso sollte die Anzeige „nicht mal zucken“?“
    Metabolisch betrachtet kann und darf die Farbcodiederungsanzeige bei dem dem Level (absoluter Wattwert, Puls, RPE, Dauer, Laktat, Spiro, praktische Erfahrung) bei mir niemals Orange anzeigen. Die absolute Prozentanzeige, die leider nicht hilfreich ist, hat sich auch nur im 0.1-0.5% Bereich verändert – was plausibel ist.

    „Ob darin systematische Fehler gemacht worden sind, kann ich nicht beurteilen. Ich bin kein Wissenschaftler.“
    Um die gemachten systematischen Fehler zu sehen, braucht man kein Wissenschaftler zu sein. Deine ‚Skills‘ (bspw. die gute Transferleistung) reichen eigentlich vollkommen aus.

    „würde ich mich über mehr Informationen freuen“
    Werde dir die Tage was zusammentragen.

  4. Soo, büddeschön…

    Ergometer:
    Ein billiges Teil, welches für diesen Zweck nicht geeignet ist. Das Gerät wurde nicht kalibriert (geht auch gar nicht) und auch nicht gegen Referenzgeräte (bspw. Assioma DUO, Powertap P1) abgeglichen. Stattdessen wurde blind darauf vertraut, dass die Werte schon stimmen werden. Wer mit Leistungsmessern und Smarttrainern zu tun hat, weiß dass es krasse Schwankungen gibt. Bei Laufbändern weiß man ja mittlerweile auch, dass die teilw. massiv (und nicht linear) abweichen – sogar beim identischen Modell.

    Laktat:
    4 bzw. 2 mmol/L als fixe Schwellenpunkte haben einen historischen Hintergrund und sind schwer veraltet. Sie taugen nichts zur Bestimmung bzw. zur Definition/Ableitung von Zonen. Für einen Coach, der aus einem Pool von Probanden/Athleten, die er nicht kennt, auswählen muss, kann 2 bzw. 4 mmol/L als erste Orientierungshilfe dienlich sein.
    Laktat ist vergleichsweise langsam. Nachdem der Körper aufgewärmt ist, braucht Laktat bei konstanter Last etwa 8 (sic!) Minuten bis es sich stabilisiert hat. Alle Stufenprotokolle, die kürze Stufen verwenden, verfälschen das Ergebnis – meistens nach oben (man erscheint leistungsfähiger). Man kann/muss, zum ersten Rantasten/Einschätzen, kürzere Stufen machen, muss das dann aber hinterher Validieren (bspw. Feldtest, MLSS-Test, 30-40min bei MLSS). LT2 lässt sich noch relativ leicht bestimmen, da es hier eine natürliche metabolische Obergrenze gibt. Bei LT1 wird’s schon sehr schwierig, da LT1 sich mittels Training weeeeeeeeeeeit nach rechts (also in Richtung LT2) verschieben lässt. Zwischen LT2 und LT1 gibt es auch keinen (sic!) direkten Zusammenhang, das lässt sich (fast) beliebig zu-einander-hin-trainieren. Und… vorwiegend vorhandener Muskelfasertypus hat auch einen großen Einfluß auf die im Körper vorhandene (produzierte und wiederverwertete) Laktatmenge.

    Laktatmessung (Prozedur):
    Ich habe YT-Videos von Humon gesehen, wo sie zeigen wie sie Laktat messen – mann, hab‘ ich einen Rappel bekommen. Es gibt sehr viele Wege die Laktatmessung zu versauen. Die Messstreifen sind sehr empfindlich auf Schweiß (gibt hohe Werte), müssen frisch sein. Alkoholtufer desinfizieren zwar, lösen aber kein Laktat, Wasser löst Laktat. Pro Stich nur eine Entnahme, der erste Bluttropfen muss entsorgt werden, es darf aber kaum drückt werden. Ohrläppchen ist meistens sicherer von der Entnahme, als die Fingerkuppe. Bluttropfen an Entnahmestelle muss genug Volumen haben, auch wenn die Lanzette effektiv nur einen Bruchteil braucht. 2-3 unmittelbare Entnahmen pro Bluttropfen, dann mittelwert bilden, würde helfen. Hydrationsstatus (hoher bzw. niedriger Hämatokritwert) hat Einfluss auf’s Laktat. Proteinpulver (enhalten L-Cysteine) haben Einfluss auf’s Laktat, genau so Vitamin C.

    Atemgasanalyse:
    Gab es schlicht und ergreifend nicht. Kein Abgleich mit VT1 und VT2. Gerade das wäre aber notwendig gewesen.

    Probanden:
    In der Leistungsdiagnostik ist es bekannt, dass der Stoffwechsel von nicht-ausdauertrainierten Personen anders reagiert, als der von gut-ausdauertrainierten Personen. Zwischen nicht-ausdauertrainierten und gut-ausdauertrainierten Personen gibt es keine direkte Korrelation. In Schaubild 5 wurden die Werte der beiden „besten“ Probanden veranschaulicht – ca. 205 bzw. ca. 170W bei 4 mmol/L… da kann man leider nicht von sportartspezifisch-ausdauertrainiert sprechen. Man beachte auch die insgesamt hohen Laktatwere von Proband B.

    Validierung:
    Hat nicht (sic!) stattgefunden. Weder in Selbstkontrolle, noch durch Dritte. Im besonderen rote Fahne für: Die Peer-Review-Studie wurde von einem Mitglied durchgeführt, welches wiederum vermutlich ein finanzielles Interesse hat, dass der Hex gut wegkommt. ;-)

    Mein Fazit:
    Für’n Oasch.

    Disclaimer:
    Ich hatte mit Humon diesbezüglich Schriftverkehr (e-mail). Ich habe relevante weitergehende Infos angefragt, allerdings nie bekommen – nur „wischiwaschi-Antworten“, die allerdings immer flott. :) In meinen eigen durchgeführten Testreihen gab es viele Unstimmigkeiten – keine davon konnte nur ansatzweise befriedigend beantwortet werden. Letztendlich haben wir uns auf Rückgabe gegen volle Erstattung geeinigt. Die Rückerstattung ging dann leider nicht gänzlich ohne Diskussion über die Bühne – hatten versucht mit einer Teilrückersttung durchzukommen. Auf den Versandkosten bin ich dann trotzdem hängen geblieben.

    1. Hi Boris, danke für die ausführliche Antwort! Du bist anscheinend vom Fach. :) Wie gesagt, zu den eventuellen methodischen Fehlern kann ich nichts sagen. Aber ein paar Rückfragen hätte ich schon. Darf ich?

      Ich lese aus Deinen Ausführungen, dass die Studie Deiner Meinung nach mehr Marketing als Wissenschaft ist. Sagen wir mal, sie ist so schlecht angelegt und ausgeführt, dass die Ergebnisse keinerlei Aussagekraft haben. Folgt daraus nicht erstmal nur, dass die Studie (!) „für’n Oasch“ ist und man über den Humon Hex dadurch eigentlich gar nichts herausgefunden hat? Wenn sie die Wirksamkeit somit nicht beweisen kann, kann sie doch auch die Unwirksamkeit nicht beweisen, oder?

      Der wissenschaftliche Beweis, dass der Hex die Schwelle genau so gut wie ein Laktattest bestimmen kann, bleibt also aus. Gehörte das nicht zufällig auch zu Deinen Testreihen? Du scheinst ja die Möglichkeiten zu haben, einen ordentlichen Test machen zu können. Das ist vielleicht auf Grund der Anzahl der Testobjekte auch nicht besonders wissenschaftlich ;), aber mehr hatte ich ja auch nicht einzubringen.

      Und zu guter Letzt: hast Du zufällig Erfahrung mit anderen NIRS-Systemen wie dem Moxy Monitor?

  5. Zu deinen Fragen: Der Hex misst schon. Das hat man ja mit dem Portamon recht plausibel gezeigt. Für „meinen Geschmack“ sollten/dürften/müssten es aber mehr und andere Probanden sein. Mir fehlt da auch noch das vice versa (also anderes Bein). Muskelbiopsie hätte man auch gleich mitmachen sollen. Das Problem sind die abgeleiteten Zonen (grün, orange, rot, blau) und die damit verbundene Trainingsempfehlung. Dieses Konzept, welches auf der ‚Krücke Laktat‘ basiert, ist broken by design. Die reine Messung der Muskelsauerstoffsättingung in der Arbeitsmuskulatur ist hochsensibel und ausgeprägt fehleranfällig. Alleine wenn man den Sensor 1-2cm anders plaziert kommen schon ganz andere Werte raus. Mit einem Sensor kommt man in der Praxis eigentlich auch nicht weit. Der Körper kann (und tut das) die Zufuhr bedarfsweise „umlenken“, also ungenutzte Bereiche weniger versorgen. Im Bereich Krafttraining ist die Sättingungsmessung praktikab(el|ler). Es gibt Leute die müssen aus gesundheitlichen Gründen die Gewichtslast reduzieren, wollen aber dennoch Hypertrophie. Mit überwachter Unterversorgung kann man das dann dennoch erreichen. Im Ausdauersport ist der Nutzen von NIRS, trotz andauerndem mantraähnlichem Marketinggeblubber recht fraglich – lot of interesting data, but not actionable. Die ‚Studie‘ ist im besten Fall eine Machbarkeitsding… sozusagen eine Art Flyer/Einladung für Geldgeber um das Projekt zu fördern und weitere ernsthafte (sic!) Studien zu machen. So kann u.U. in ein paar Jahren evtl. ein brauchbares Produkt zu Stande kommen, das für das Zielpublikum nützlich sein kann. Für Leute die sich wissenschaftl. mit der Materie beschäftigen und in erster Linie am Datensammeln interessiert sind, Testreihen mit Probanden fahren wollen, usw. kann der Hex schon jetzt interessant sein – dich (und deine Leser) würde hierzu jedoch nicht zählen.

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Ich bin der Harlerunner

Hier schreibt Thomas Pier über das Laufen und (deutlich mehr als nur die notwendige) Ausrüstung. Ich laufe weder besonders schnell noch weit. Aber ich teile gerne meine Erfahrungen, die ich als ambitionierter Freizeitläufer, neugieriger Early-Adopter und als mein eigener Trainer sammele.

Ich freue mich über jede digitale Kontaktaufnahme - noch mehr allerdings über jeden gemeinsam gelaufenen Kilometer.

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