Weltrekord!!! Also… zumindest für mich. 😉 Dabei sah es überhaupt nicht danach aus. Aber von vorne:

Vorbereitungen

Nach dem knapp verpassten Ziel beim Johannes-Lauf in Lette (ich sage nur: Projekt 44), bin ich in die Vorbereitung für den Halbmarathon in Köln eingestiegen. Die Methodik von Jack Daniels sieht vor, jeweils sechs Wochen den Fokus auf bestimmte Trainingsreize zu legen. Nach den Wiederholungsläufen in der Phase 2, bin ich mittlerweile fast am Ende der Intervallphase. Seit vier Wochen laufe ich also regelmäßig lange Intervalle – von 800 Metern aufwärts. Zusätzlich gibt es natürlich jeweils einen Lauf, der die Schwellenläufe der nächsten Phase vorbereitet, einen langen Lauf in Größenordnung 20 Kilometer und einen lockeren Lauf um die 10 Kilometer, bei dem ich oft mit den Lunas unterwegs bin.

Da ich bereits zwei Läufe der Streiflicher Laufserie verpasst hatte, wollte ich den Wasserlauf in Dülmen unbedingt mitnehmen. Auch aus Interesse, denn er ist neu in der Serie. Ich bin ihn voll aus dem Training gelaufen und habe nur den lockeren Lauf am Freitag vorher ausfallen lassen – quasi als Mini-Tapering.

Organisation vor Ort

Es war erst der 3. Dülmener Wasserlauf. Bei der ersten Veranstaltung gab es nur gut 30 Teilnehmer im Hauptlauf, im letzten Jahr waren es schon über 80 und in diesem Jahr sicher noch mehr. Vielleicht muss man sich bei der Organisation auf die Teilnehmerzahlen erst einstellen, denn vor Ort war es doch ziemlich wild… Der „Parkplatz“ bestand aus einem Feldweg, in dem man am Straßenrand direkt an einem Graben parken konnte. Teilweise kam man kaum an den parkenden Autos vorbei. Auf dem Vereinsgelände läuft man erstmal fast von hinten in den Zielbereich und kann das Vereinsgebäude nur durch zweimaliges Kreuzen der Strecke erreichen.

Die Anmeldung mussten wir regelrecht suchen und es gab auch keine Hinweise, wo man hin muss. Einen Streckenplan habe ich auch nicht gefunden. So haben wir von anderen Läufern erfahren, dass vier Runden zu laufen sind und die Strecke in großen Teilen kein Überholen erlaubt. Zumindest konnte man sich auf dem angrenzenden Ascheplatz ganz gut einlaufen und das Wetter spielte auch mit. Nur fühlte ich mich nicht so richtig gut. Seit zwei Tagen hatte ich ein Ziehen im Rücken und überhaupt hatte ich gar keine rechte Lust mich eine Stunde lang zu quälen. Naja…

Start

Zielbereich des Dülmener Wasserlaufs

Zielbereich des Dülmener Wasserlaufs

Trotzdem habe ich mich mal relativ weit vorne im Feld eingeordnet. Einen Schnitt von 4:45 min/km konnte ich mir trotzdem wohl vorstellen, und bei der Strecke schien ein Start von vorne dann sinnvoll. Wie der Zufall es wollte, habe ich Raphael noch kurz begrüßen können. Er stand direkt vor mir. Wir sind schon seit einiger Zeit per Strava verbunden, aber irgendwie hatte es noch nie zu einem kurzen Hallo gereicht. Viel Zeit zum Plaudern war allerdings nicht, denn plötzlich ging es schon los.

Quer über eine Rasenfläche ging es auf einen Schotterweg am Wasser entlang. Auf dem konnte man gerade so zu zweit nebeneinander laufen. Aber der Rasenstreifen bot Möglichkeiten zu überholen. So habe ich mich relativ zeitig in guter Gesellschaft gefunden was das Tempo angeht. Gut… 4:15 min/km war noch etwas fix, aber das regelte der nächste Abschnitt ganz automatisch. Scharf rechts ging es in den Wald mit einer Strecke wie beim Heidelauf: Wurzeln, Matsch und teilweise Single-Trail… Irgendwie kam mir der Läufer direkt vor mir bekannt vor: Thomas war schon beim Johannes-Lauf genau mein Tempo gelaufen und so waren wir auch hier ganz schnell wieder ein Team.

Der Wald spuckte uns auf eine Apshaltstrecke aus, die l-förmig bis ins Ziel führte – leicht abschüssig. Die Runde bestand also etwa zur Hälfte aus schnellen Passagen und zur anderen Hälfte aus diesem Wald-Trail. Kein Lauf für Bestzeiten, das war uns beiden direkt klar. Doch mit einem Schnitt knapp unter 4:30 min/km waren wir voll auf Bestzeit-Kurs.

Zweite Hälfte

Am Ende der zweiten Runde hatte ich Thomas dann plötzlich verloren. Ich hatte ihn hinter mir vermutet, aber der Läufer schnaufte plötzlich…? Umgedreht: das war er gar nicht! Auch nicht der dahinter. Schade… also alleine weiter. Am Ende der dritten Runde zog ein Läufer in schwarz an mir vorbei. Der sah ganz fit aus, also heftete ich mich an seine Fersen. Ich musste in bisschen grinsen, als er in der Waldpassage einen Energieriegel aus seinem Trikot zauberte. Der hilft ihm sicherlich nicht mehr auf den letzten Kilometern. 😉

Auf der Asphaltstraße waren es vielleicht noch so 2 Kilometer bis ins Ziel. Bisher war ich ganz gut im aeroben Bereich gelaufen – vom Gefühl und vom Puls her. Zeit also ein wenig Gas zu geben. Lief ja soweit ganz gut. Ich zog an dem anderen Läufer vorbei und wartete noch, bis es wirklich nur noch bergab bis ins Ziel ging. Ruckartig legte ich nochmal eine Schippe drauf und merkte, wie ich ihn stehen ließ. Er kam zwar noch mal fast ran, aber da konnte ich das Ziel schon sehen und schaltete nochmal leicht hoch.

Kurz vor dem Zieleinlauf sah ich die offizielle Uhr: sie zählte gerade die letzten Sekunden der Minute 44 hoch. VIERUNDVIERZIG?! Scheisse… nochmal Gas und vor der magischen Grenze durch. Krass… Weltrekord?! Also: neue persönliche Bestzeit? Konnte doch nicht sein, oder? Die Uhr zeigt nur 9,8 Kilometer an – das wird’s sein. Schade… Aber immerhin mal eine 44 auf einer Urkunde. 😉

Im Zielbereich stellte sich dann raus: das ist eine offiziell und aktuell gültige vermessene Strecke! Echte 10 Kilometer in (offiziell) 44:57 min! Krass… Und das bei der Strecke und ohne sich zu quälen. Einfach nur klasse!

Ausklang

Ich habe mich im Zielbereich noch ein wenig mit dem Läufer in schwarz unterhalten und natürlich auch auf Thomas und Tobi gewartet. Ein Bratwurst war gerade nicht passend fertig und mir wurde auch schnell kalt. So bin ich ohne Urkunde nach hause – in der Hoffnung sie nachher vielleicht online zum Ausdrucken zu bekommen. Scheint aber nicht möglich zu sein… 🙁

Die Zeit überrascht mich wirklich. Gleichzeitig ist sie natürlich auch ein gutes Zeichen dafür, dass das Training gut anschlägt und ich auf einem guten Weg für Köln. Runalyze prognostiziert für den Halbmarathon Zeiten, die ich nicht ganz glauben kann. Aber wer weiss, was da noch alles möglich ist. 🙂