Die Garmin Forerunner 225 ist derzeit wohl eine der beliebtesten Pulsuhren für Läufer. Als Nachfolger der großartigen Forerunner 220 hat sie deren Gene geerbt und um etwas mehr als eine optische Herzfrequenzmessung ergänzt.

Ich habe mit beiden Uhren schon einige Erfahrungen gesammelt und möchte hier einfach mal ein paar wertvolle Tipps aus der Praxis sammeln.

Pulsmessung

Einer der kritischsten Faktoren bei der Pulsmessung mit der 225 ist der richtige Sitz der Uhr am Handgelenk. Grundsätzlich geht es einfach darum, optimale Bedingungen für den Sensor zu schaffen, damit er möglichst fehlerfrei messen kann. Garmin hat mit der Lichtdichtung schon einen Teil dazu beigetragen. Damit diese aber optimal abdichtet, muss die Uhr eng genug getragen werden. Meine Daumenregel ist: 1-2 Löcher strammer, als man es intuitiv machen würde. Das sollte immer noch bequem genug sein, kann aber auch schon mal zu Abdrücken führen.

Ich habe mir außerdem angewöhnt die Uhr nach jedem Lauf kurz mit Wasser abzuspülen und insbesondere den Sensor sauber zu reiben. Ob das wirklich nötig ist, weiß ich nicht. Das war einer der Tipps aus dem amerikanischen Garmin-Forum, der einigen Läufern wohl bei schlechten Messungen geholfen hat.

Weitere kritische Faktoren sind die Beschaffenheit der Haut und die Temperatur. Ob man behaart oder besonders stark pigmentiert ist, lässt sich natürlich nicht beeinflussen. Aber es könnte sich lohnen mal das andere Handgelenk auszuprobieren. Mit bestimmten Voraussetzungen kommt der Sensor anscheinend überhaupt nicht zurecht. Das kann dazu führen, dass die Uhr für bestimmte Läufer einfach nicht zu benutzen ist. Theoretisch… Bisher habe ich noch von keinem solchen Fall gehört.

Die (Aussen-) Temperatur lässt sich natürlich genauso wenig ändern. Bei Kälte sind die Adern an den Extremitäten nicht so gut durchblutet, was eine Messung für die Forerunner 225 erschwert. Man sollte also den Bereich um das Handgelenk herum warm halten – falls möglich. Ein langärmliges Oberteil und Handschuhe kommen im Lauf des Winters sicherlich immer irgendwann zum Einsatz. Wer lieber weniger dick eingepackt läuft, muss bei kalten Temperaturen dann aber eventuell mit Fehlmessungen der Uhr rechnen.

Durch die Winterkleidung stellt sich aber auch eine weitere Frage: wie soll man die Uhr dann noch ablesen? Die Forerunner 220 konnte man genau so gut über der Kleidung tragen – im Zweifelsfall mit dem Velcro-Umbau. Das schließt sich bei der optischen Pulsmessung der 225 natürlich aus. Wer die Uhr dennoch über dem Shirt oder der Jacke tragen will, kann im Winter immer noch (zähneknirschend) auf einen Brustgurt wechseln…

Meine Tipps
  • Uhr eng genug tragen (1-2 Löcher enger als normal)
  • Regelmäßig den Sensor reinigen
  • Bei Problemen anderes Handgelenk ausprobieren

GPS-Empfang

Das GPS-Modul in der Forerunner 225 ist schon ziemlich gut und sogar ein Stück besser als das in der 220. Die Messung während des Laufs ist meistens kein großer Problem- oder Kritikpunkt. Eigentlich geht es immer um den GPS-Fix beim Loslaufen.

Dazu muss man wissen, dass die Uhr (falls vorhanden) gespeicherte Satellitenpositionen benutzt, um den GPS-Fix zu beschleunigen. Grundsätzlich merkt sich die Uhr wohl die letzten bekannten Positionen aus ihren eigenen Messungen. Darüber hinaus gibt es eine Datei mit den Positionen der nächsten Tage. Diese Daten erhält die Forerunner 225 bei der Synchronisierung mit Garmin Connect. Dabei gibt es wohl einen Unterschied, ob die Verbindung über die Handy-App oder den PC zustande kommt. Per PC sollen die Daten für mehr Tage als per App übertragen werden. Leider konnte ich das nicht verifizieren und muss das aus meiner Erinnerung wiedergeben.

Aber das denkt sich auch mit meiner Erfahrung: je länger die Laufpause war, desto wahrscheinlicher ist ein langsamer GPS-Fix. Als kleinen Trick kann man die aktivierte Uhr vor dem Umziehen schon mal auf die Fensterbank legen – dann spart man die Zeit vor der Tür und muss nicht fluchend in den Himmel schauen. 😉

Vor dem Loslaufen sollte man nicht nur überprüfen, ob das GPS-Symbol einen Empfang anzeigt, sondern auch, ob eine Pace angezeigt wird. Das kann nämlich einen großen Unterschied machen. Manchmal ist der Empfang trotz “grünem” Symbol einfach schlecht und fängt sich erst nach einigen hundert Metern. Wird im Gehen eine Pace angezeigt, ist man aber auf der sicheren Seite. Seit ich das so mache, habe ich noch keinen fehlerhaften GPS-Track gehabt.

Meine Tipps
  • Uhr vor dem Umziehen aktiviert auf die Fensterbank legen
  • Vor dem Loslaufen auf Pace-Anzeige warten

Konfiguration

Bei der Konfiguration an der Uhr gibt es einen Punkt, den sich sofort geändert habe: die Signaltöne. 😉 Die Forerunner 225 hat einen wunderbaren Vibrationsalarm, der mich ausreichend deutlich an das Erreichen des nächsten Kilometers erinnert. Es gibt also keinen Grund in das Piep-Konzert der anderen Läufer einzustimmen. Einzige Ausnahme: Intervalltraining. Da ist eine zusätzliche akustische Rückmeldung manchmal ganz hilfreich.

Wie schon bei der Forerunner 220 lassen sich an der Pulsuhr zwei Bildschirme konfigurieren, welche die verschiedenen Messdaten anzeigen können. Bei mir hat sich folgendes Setup im Training und bei Wettkämpfen bewährt:

Bildschirm 1: oben Pace der aktuellen Runde, mittig aktuelle Pace und unten die Herzfrequenz. Mit dieser Anzeige verbringe ich sicher 95% meiner Laufkilometer.

Bildschirm 2: oben Durchschnittspace (gesamt), mittig den Timer und unten die Distanz. Die ersten beiden Angaben sind zum Ende eines Wettkampfes manchmal ganz interessant. Auf die Distanz sehe ich nur sehr selten. Schließlich überlege ich mir normalerweise vorher wie weit ich laufen will.

Zusätzlich habe ich den Herzfrequenz-Bildschirm aktiviert. Das ist dieser bunte Halbkreis, mit dem Garmin so viel Werbung macht. 😉 Bei einem einfachen Grundlagenlauf wechsle ich gerne auf diese Anzeige, weil ich gar nicht mehr wissen will, als ob ich so grob im richtigen Pulsbereich unterwegs bin. Das ist natürlich nur sinnvoll, wenn man seine Herzfrequenzbereiche kennt (Stichwort: Leistungsdiagnostik) und eingetragen hat.

Es könnte Sinn machen die Auto-Pause-Funktion zu deaktivieren, weil das bei (kurzzeitig) schlechtem GPS-Empfang sonst zu Problemen führen könnte, weil die Uhr ständig stoppt. An der Ampel muss man dann halt selbst auf die rote Taste drücken – wenn man das will. Auto-Lap lasse ich gerne eingeschaltet, damit ich zwischendurch meine Pace auf dem letzten Kilometer kontrollieren kann.

Meine Tipps
  • Vibration an, Signaltöne aus (ausser beim Intervallraining)
  • Bildschirme sinnvoll konfigurieren
  • Auto-Pause aus, Auto-Lap an

Intervalltraining und Wettkämpfe

Ich kann nur jedem Läufer empfehlen, sich mit den Möglichkeiten Trainingseinheiten auf Garmin Connect anzulegen vertraut zu machen. Das ist eine unglaublich leistungsfähige Funktion, die sich so noch bei keinem anderen Pulsuhren-Hersteller gesehen habe. Bei mir finden sich dort nur Trainingseinheiten mit “wechselnden Vorgaben”. Da soll heißen: für einen Tempolauf mit konstanter Pace-Vorgabe brauche ich keine weitere Hilfe durch die Uhr, als die sowieso vorhandene Pace-Anzeige. Gleiches gilt für alle (konstanten) HF-Vorgaben.

Interessanter wird es bei Einheiten, in denen Abschnitte schneller gelaufen werden. Klassiker bei Steffny: Trainingseinheit über 12 km, davon 7 km in einem bestimmten Tempo. Das könnte man auch noch “von Hand” erledigen, aber andererseits ist das bei Garmin Connect so schnell zusammen geklickt, dass man sich beim Laufen den Kopf dafür freilassen kann. Bei Intervallen führt meines Erachtens kein Weg an dieser Funktion vorbei. Es sei denn, man läuft auf der Bahn mit Trainer und Stoppuhr.

Hat man ein solches Training gestartet, sieht man nicht den Bildschirm 1, sondern einen Bildschirm mit den Vorgaben der Trainingseinheit. Also zum Beispiel nur die Herzfrequenz und die Distanz bis zum Ende des Abschnitts. Der vertraute Bildschirm 1 ist nur einen Tastendruck entfernt und würde einem auch die aktuelle Pace verraten. Aber genau diesen Tastendruck sollte man nicht machen. Wenn man sich für eine Trainingseinheit mit der Vorgabe “Herzfrequenz” entschieden hat, sollte “Pace” keine Rolle spielen – und umgekehrt. Nachher kann man sich ja sowieso alles genau in der Auswertung ansehen.

Bei Intervallen könnte der Wechsel auf den ersten Bildschirm allerdings schon Sinn machen. Denn bei schnellen Tempowechseln, kommt die “aktuelle Pace” durch die Glättung dieses Wertes einfach nicht nach. “Pace der Runde” hat allerdings keine Glättung und ist somit auf den ersten Metern wahrscheinlich wesentlich dichter am echten Wert.

Für manche Wettkämpfe baue ich mir auch ein “Training” in Garmin Connect. Vor allem, wenn es um eine neue, ambitionierte Bestzeit geht oder ich mir einen negativen Split vorgenommen habe. Dazu hat es sich bewährt, neben dem eigentlichen Abschnitt mit der Tempovorgabe einen weiteren Abschnitt ohne Vorgaben zu erstellen. So erspart man sich das nervige Piepen oder Vibrieren, wenn man sich nicht an die Vorgaben hält. Zum Beispiel, weil man auf den letzten Kilometern noch mal richtig zulegen kann – oder das Tempo überhaupt nicht mehr schafft. Ein Druck auf die Lap-Taste erlöst einen dann von den störenden Signalen der Uhr.

Meine Tipps
  • Trainingseinheiten per Garmin Connect erstellen lernen
  • Nach Vorgaben-Bildschirm trainieren und nicht wechseln
  • Für Wettkämpfe Training mit Vorgabe und leerem Abschnitt erstellen

Sync und Backup

Nach dem Lauf synchronisiert sich die Garmin Forerunner 225 normalerweise über das Handy mit Garmin Connect. Das ist zumindest mein bevorzugter und sicherlich auch der bequemste Weg. Damit liegen die Daten schon mal auf dem Server des Herstellers. Wer noch weitere Laufportale wie Strava oder Runtastic versorgen will, braucht einen weiteren Sync.

Fürs Handy gibt es verschiedene Apps, um seine Trainingseinheit direkt zu den anderen Portalen hochzuladen. Als Android-Benutzer verwende ich “SyncMyTracks“. Das ist zwar eine kostenpflichtige App, aber diese einmalige Anschaffung erspart einem viel manuelle Arbeit. Lohnt sich, finde ich.

Hat man keine Angst davor seine Zugangsdaten zu den Portalen einem weiteren Anbieter zu verraten, ist tapiriik.com die beste Wahl für eine komfortable Synchronisation zwischen den Portalen. Für zwei Dollar im Jahr synchronisiert der Dienst automatisch im Hintergrund. Das manuelle Anstoßen des Syncs ist allerdings kostenlos. Das es sich um eine Open-Source-Projekt handelt, könnte man sogar selbst so einen Sync-Server aufsetzen. Ich benutze den Dienst zur Zeit nur noch dafür, eine Kopie meiner Trainingseinheiten in die Dropbox zu speichern. So habe ich einerseits ein Backup und andererseits eine Quelle für den manuellen Upload der Daten zu Runalyze.

Meine Tipps
  • Automatischen Upload des Trainings per Handy einstellen
  • Per Handy-App Daten zwischen Sport-Portalen synchron halten
  • Mit Tapiriik ein Backup in die Dropbox machen