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Mein Gadget-Friedhof: was ich in den letzten 10 Jahren gelernt habe

Ausprobieren und ehrlich darüber berichten ist so ziemlich der Kern dieses Blogs. Aber neben dem „nächsten großen Ding“ lohnt sich auch ein Blick zurück. Auf all die Dinge, die in der Schublade verschwunden sind – und auf die, die sich für mich wirklich gelohnt haben. Zeit für eine ehrliche Inventur.

High-Tech-Diagnostik: BSXinsight, Humon Hex, Runscribe Plus und Stryd

Der Ansatz war 2016 verlockend: Informationen direkt aus dem Muskel statt über indirekte Metriken wie Puls oder Pace. BSXinsight sollte genau das liefern — und war technisch auch beeindruckend. Nur zeigte sich schnell, dass der Zusatznutzen eben nicht bei jedem Lauf da ist, das Gerät aber trotzdem jedes Mal aufwendig angelegt werden musste. Mittlerweile gibt es den Hersteller nicht mehr — das Gerät ist damit praktisch tot, ganz unabhängig davon, ob es noch funktioniert.

Beinling mit „Tasche“ für den BSXinsight

Zwei Jahre später der zweite Anlauf mit dem Humon Hex, gleiche Grundidee, anderer Hersteller. Der Ansatz blieb vielversprechend genug für einen erneuten Test — das Problem blieb aber exakt dasselbe. Auch diesen Hersteller gibt es inzwischen nicht mehr. Zwei Geräte, zwei tote Firmen… Kein wirkliches Erfolgsmodell.

Dann gab es da noch die Runscribe Plus (2020) Sensoren: ein komplettes Laufbewegungs-Labor am Fuß, sehr viele Daten, grundsätzlich auch hilfreich. Nur braucht es einen Fachmann, um daraus im Training umsetzbare Maßnahmen abzuleiten — ohne den sitzt man einfach nur auf einem Berg Zahlen. Die Sensoren habe ich am Ende an einen Physio verkauft, der genau das kann. Die Technologie war also nicht schlecht — nur am falschen Nutzer.

Beim Stryd war der Start im Grunde nicht anders: der ursprüngliche Brustgurt war nur über Umwege in die bestehende Technik zu intergrieren. Was mit der neuen Metrik „Watt“ anzufangen ist, war auch nicht klar. Allerdings habe ich im Training schnell festgestellt, dass die Wattmessung eine sinnvolle Ergänzung zu Pace und Puls sein kann. Mittlerweile ist der Footpod bei jedem einzelnen Lauf dabei und hilft mir bei der Belastungssteuerung und dem Pacing im Rennen.

Was bleibt: immer prüfen, ob eine Technologie konkret umsetzbare Maßnahmen liefert — und ob man sie wirklich bei jedem Lauf oder zumindest wöchentlich nutzen würde. Ehrlicherweise scheitert es meist am „konkret umsetzbar“ im Training.

Elektrostimulation: die Saneo-Reihe, Compex und PowerDot

Bei EMS ging es mir 2016 vor allem um Regeneration. SaneoSPORT und SaneoVITAL waren der Einstieg, zwei Jahre später folgte Saneo4SPORT. Es folgte noch der Vergleich von günstigen Geräten zu Profi-Ausstattung: mit Compex — als Marktführer mit den sicher besten Karten — und PowerDot. Unterm Strich war das Ergebnis bei allen Geräten gleich: der Aufwand war im Verhältnis zum Nutzen im Alltag zu gross.

Die Saneo-Geräte würden heute noch funktionieren — sie werden schlicht nicht mehr benutzt. Kein Hersteller-Ausfall diesmal, sondern reines Nutzungsverhalten. Letztendlich wurden die Geräte von einer unkomplizierteren Methode verdrängt: die Theragun ist deutlich einfacher in der Handhabung und jederzeit spontan einsatzbereit — kein Elektroden-Kleben, kein Gel, kein Kabelsalat. Sie liegt bei mir dauerhaft geladen bereit, damit ich sie auch mal nur für 30 Sekunden einsetzen kann, wenn irgendwo etwas zwickt.

Nebenbei: es hätte auch gar nicht die Theragun sein müssen. Andere getestete Geräte bieten sicher neunzig Prozent des Nutzens für deutlich weniger Geld. Bei der aktuell genutzten Theragun PRO Plus überzeugt mich vor allem die vollständige Ausstattung mit Wärme- und Kälteaufsatz — das bekommt der Wettbewerb technisch bislang einfach nicht so gut hin.

Kurz zusammengefasst: egal wie vielversprechend die Technik ist, wenn es zu kompliziert in der Anwendung ist, benutzt man es nicht.

HRV- und Recovery-Wearables: von FLOW HRV bis Whoop

Hier wird die Liste am längsten — und die Erkenntnis am interessantesten. FLOW HRV (2016), EliteHRV CorSense (2018), ithlete (2019), der Oura Ring (2020), Whoop (2022), mySASY (2022), der Somnofy-Schlafmonitor (2023) — ich habe sogar zwei eigene Vergleichsartikel dazu geschrieben, 2018 und 2026 noch einmal. Es war immer die Suche nach dem perfekten System, das mich im Training wirklich unterstützt.

Oura und Whoop sind sicher keine Bastelprojekte, sondern gut finanzierte Marken mit eigenem App-Ökosystem — das Ausfallrisiko wie bei BSXinsight bestand hier also nicht. Geflogen sind sie trotzdem, aus zwei anderen Gründen: die Abo-Kosten auf der einen Seite, eine Black Box bei den Daten auf der anderen. Die meisten der gelieferten Werte nutze ich schlicht nicht — oder anders gesagt, sie nützen mir nicht. Der RMSSD-Wert reicht mir völlig, und den liefert HRV4Training zuverlässig. Dazu kommt: die Morgenmessung ist für mich schlicht aussagekräftiger als ein Dauertracking am Handgelenk oder Finger — das können die Ringe einfach nicht leisten.

Somnofy scheiterte an etwas anderem: einer Insellösung. Die Daten ließen sich nicht dorthin exportieren, wo ich sie eigentlich brauche — zum Beispiel zu intervals.icu. Mittlerweile ist das Gerät für Endverbraucher ohnehin nicht mehr zu kaufen. Und mySASY war mir am Ende zu experimentell, die Trainingsempfehlungen nicht immer nachvollziehbar — wenn ich mich auf die Daten nicht verlassen kann, nutze ich das System auch nicht mehr.

Der eigentliche Überlebende ist dabei gar nicht ein Gerät. Es ist eine Kombination aus HRV4Training als App, intervals.icu als Datendrehscheibe und einer eigenen Loop-UI zur Auswertung nach Plews. Der Vitalmonitor NANO ist dazu heute nur noch die Hardware-Quelle — praktisch, weil er schnell wieder aufgeladen ist und zuverlässig präzise HRV-Daten liefert, aber austauschbar, sobald ein anderes Gerät dieselbe Rohdaten-Qualität liefert. Die Hardware ist am Ende egal. Das (offene) System dahinter ist es, was bleibt.

Drei Kriterien, die übrig geblieben sind

Wenn ich mir das so ansehe, bleiben drei Ktiterien übrig, die sich immer wieder als entscheidend herausgestellt haben:

Geringer Aufwand

Wie hoch ist der Aufwand im Alltag, und ist das Gerät jederzeit spontan einsatzbereit — oder braucht es erst eine kleine Zeremonie, bevor man es überhaupt benutzen kann?

Konkreter Nutzen

Sind die Daten nachvollziehbar und liefern sie etwas, das sich tatsächlich in eine Trainingsentscheidung übersetzen lässt — oder sitzt man am Ende nur auf einer Black Box voller Zahlen?

Offene Plattform

Ist man unabhängig von einem einzelnen Hersteller oder einer geschlossenen Plattform, oder droht ein Totalausfall, sobald die Firma dichtmacht oder das Abo endet?

Stryd und Theragun erfüllen alle drei fast mustergültig. Die gesamte Muskeldiagnostik-Riege und der Großteil der HRV-Wearables scheitern an mindestens einem davon — meistens an mehreren gleichzeitig.

Fazit

Was lernen wir daraus? Man sollte sich nicht von jedem „nächsten großen Ding“ aus der Ruhe bringen lassen. Es ist häufig schwer zu sagen, ob sich die Investition auch dauerhaft lohnt. Meine drei Kriterien können dabei zwar eine Hilfestellung sein, aber wie man an meinen eigenen Irrwegen sieht, lässt sich das nicht immer von Beginn an einschätzen.

Oft lohnt es sich, auf die zweite Generation der neuen Technologie zu warten. Bis dahin sollten auch genug Erfahrungsberichte von Anwendern vorliegen, um den Nutzen für das eigene Training besser einschätzen zu können. Den Job übernehme ich weiterhin gerne und werde sicher noch in einigen Sackgassen landen, damit ihr es nicht müsst. 😉

  1. Hallo Thomas, danke für den Artikel. Man neigt ja häufig dazu, sich diese Gadgets zuzulegen, weil man sich etwas davon verspricht. Was mir dazu noch einfällt ist, nicht jedes Gadget muss zur Leistungssteigerung beitragen, manches nutze ich zur Kontrolle während des Trainings. Ich gehöre zur Ü60 Generation und bin noch sehr aktiv, möchte während der Einheiten gern wissen, wie die Körperdaten sind unabhängig von meinem Gefühl. Dazu gehört für mich definitiv der Puls aber seit Jahren auch auch die Körpertemperatur mittels Core Sensor. Gerade in der aktuellen Hitzephase schaue ich bei längeren Einheiten gern auf den Wert. Parallel wäre Hitzeregulation z.B. mittels Kühlmaßnahmen (Glacier Hat, Ice Bandana, Omnius etc.). Wäre ggf. mal ein Thema zum Berichten. Testen. LG Maik

    1. Hi Maik, den Core habe ich hier auch liegen. Aber ich habe für mich irgendwie noch kein sinnvolles Einsatz-Szenario gefunden. An heissen Tagen merke ich ja spätestens über die Herzfrequenz, dass der Körper mehr leistet als sonst. Und ein echtes Hitzetraining finde ich für mich übertrieben… Aber das ist ja genau das, was ich meinte: wenn der Core für Dich zu konkreten, hilfreichen Trainingsentscheidungen führt, läuft ja alles richtig.

  2. Hallo Thomas,

    die Liste ließe sich sicher auch noch ergänzen: So denke ich an die Sohlen Kinematix Tune, Arion, Nurvv, Lauftrainer SHFT oder auch an simple Gadgets wie den Milestonepod (heute Zwift) oder noch einfacher „Moov Now“.

    Tatsächlich besitze ich auch noch Runscribe Pods. Allerdings hat bei einem der Akku aufgegeben und der US Anbieter ist durch die Steuer-/Zollthematik durch Trump nach eigene Angaben ausgebremst. Runscribe ist zwar ein Zahlengrab, doch wenn man Probleme erkennen will, ist das System genial und man bekommt gewünschte Metriken auch die direkt auf eine Garmin FR! Sicher nicht für jeden Lauf, aber für die Erkennung und Entwicklung hätte ich beide Pods sehr gerne wieder!!!

    Humon Hex liegt hier auch. Für Garmin gibts auch noch immer Anwendungen in GarminIQ. Tatsächlich benutze ich die auch SEHR selten, doch zB beim Intervall-Training, sehr langen Läuf- oder Radfahr-Einheiten gar nicht so uninteressant.

    Nach dem Abschalten der Server von Moov Now habe ich leider den gleichen Effekt wie beim Milestonepod: Wertloser Elektronik Schrott. Dabei hatte Moov Now bei Intervallen durchaus Vorteile, die man anderweitig bis heute nicht mehr finden.

    Klar, vieles sind Sackgassen-Entwicklungen und ich habe den Eindruck, dass es eher weniger solcher Systeme gibt. Gleiche Tendenz kann man auch bei großartigen Ankündigungen für Schwimmtrainer oä finden.

    Manches bleibt jedoch „hängen“ und findet sich dann anderweitig wieder.

    Gruß

    1. Hi Jürgen, die Liste hätte auf jeden Fall noch länger sein können. ;) Aber mir ging es eher um das Prinzip als um jedes einzelne Gadget. Ursprünglich war der Ansatz sogar herauszufinden, welche Tools ich schon am längsten benutze. Das ist definitiv der Stryd.

      Ich wusste garnicht, dass man den Humon Hex noch in Betrieb nehmen könnte. Mit welcher Garmin IQ Anwendung machst Du das denn?

  3. Hallo,

    Danke für den Artikel, dadurch fühle ich mich (fast) besser wenn ich so an mein Gadgetgrab denke.

    Tymewear: Fand die Idee ziemlich interessant und dass Visma Lease a Bike den Gurt verwendet hat mich zum Kauf bewogen. Die Daten des Atemsensors sind eigentlich auch ziemlich zuverlässig, aber der mitgelieferte Herzfrequenzsensor liefert keine zuverlässigen Daten. Mit ein wenig Bastelei kann man wohl einen Garmin HRM600 anbringen, aber an die benötigen Teile bin ich noch nicht rangekommen für einen vernünftigen Preis. Der Treshold Test hat bei mir auch nicht richtig funktioniert. Für diesen muss man die Daten mit dem Handy aufzeichnen und nicht mit der Uhr. Auf dem Laufband sicher kein Problem, aber draußen musste ich immer wieder checken ob der Gurt noch verbunden war. Ein weiterer Knackpunkt war, dass meine Garmin mit Stryd + Core + Tymewear Connect IQ Datenfeldern überfordert war.

    Pulsetto: Das Gerät stimuliert den Vagusnerv und soll dadurch Erholung und Schlag verbessern. Habe leider nichts davon bemerkt und auch meine HRV Daten haben sich nicht verändert.

    Und dann noch Gadgets die ich nicht ganz als Fehlkauf bezeichnen würde, aber auch nicht vermisse.

    Whoop: Habe ich 2 Jahre genutzt. Die Erholungsdaten waren ganz nett, aber die bekomme ich von Garmin auch so ähnlich. Die Pulsmessung vor allem beim Laufen war absolut nicht zu gebrauchen (sowohl am Handgelenk als auch am Bizeps) und hat immer zu erhöhten Strain Werten geführt.

    Core Sensor: Trage ich immer noch, aber auch nur weil es kein Aufwand ist, außer das Ding jede Woche mal zu laden. Mit den Daten mache ich nichts und auf Hitzetraining habe ich sowieso Lust. Zumindest kann ich ein DNF damit schönreden (Körperkerntemperatur bei über 39 Grad).

    Liebe Grüße

    1. Hi Mario,

      Danke fürs Teilen! Den Tymewear Sensor habe ich ehrlich gesagt noch auf meiner Haben-Wollen-Liste. Im Athletica-Forum wird er ziemlich gehyped. Aber wenn ich das so lesen, warte ich vielleicht auf die nächste Version. ;)

      Spannend auch, dass bei Dir auch wieder der Core Sensor auftaucht. Scheint doch verbreiteter zu sein, als ich dachte. Hast Du ihm noch keinen sinnvollen Daten abringen können?

    2. Hi again,

      also für den Humon Hex gibt es zunächst die noch immer verfügbaren Orginal-App für Garmin. Da diese jedoch nicht weiter entwickelt wurden, funktionieren diese mit aktuellen Garmin-Modellen nicht mehr. Daher entweder gegen Entgelt die Anwendung von MoxZones, die angeblich auch die Farben etc von der Origal Humon-App wiedergeben soll. Kostenfrei geht’s mit SmO2 Graph DataField! :)

      Tja, und weil Du bzgl. Core Sensor anderweitig überrascht warst: Ja, so einen habe ich auch hier. Ich halte es so wie Mario und lasse das Teil mitlaufen: Einen echten Vorteil kann ich nicht erkennen.

      Ähnlich geht es mir bei meinem Stryd: Läuft halt noch mit, doch einen echten Mehrwert kann ich nicht erkennen. Statt Stryd Duo würde ich VIEL lieber wieder Runscribe Pods haben: Da kann Stryd bei weitem nicht mithalten.

      Gruß

  4. Danke für diesen herrlich ehrlichen und erfrischenden Einblick in deine Schubladen. Fast jeder von uns kennt das Gefühl, von neuem Tech-Spielzeug begeistert zu sein, nur um es nach ein paar Wochen verstauben zu lassen. Deine Reflexion darüber, wie wichtig ein echter Mehrwert im Alltag ist, trifft den Nagel voll auf den Kopf. Besonders schön finde ich, dass du nicht nur über teure Staubfänger berichtest, sondern auch zeigst, welche Tools wie der Stryd wirklich im Training hängen bleiben. Zusammenfassend ist das ein wunderbarer Beitrag, der perfekt zeigt, dass weniger Daten oft mehr Laufspaß bedeuten. Mach unbedingt weiter so und viele Grüße, Roland

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Hier schreibt Thomas Pier über das Laufen und (deutlich mehr als nur die notwendige) Ausrüstung. Ich laufe weder besonders schnell noch weit. Aber ich teile gerne meine Erfahrungen, die ich als ambitionierter Freizeitläufer, neugieriger Early-Adopter und als mein eigener Trainer sammele.

Ich freue mich über jede digitale Kontaktaufnahme - noch mehr allerdings über jeden gemeinsam gelaufenen Kilometer.

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