Garmin Forerunner 630 - Brustgurt HRM-RUN
Garmin Forerunner 630 - Brustgurt HRM-RUN

Ich trage wieder Brustgurt

Vor fast vier Jahren bin ich auf die Pulsmessung am Handgelenk umgestiegen – mit wehenden Fahnen. Endlich war ich die blöden Brustgurte los, die immer stören und nie richtig sitzen wollen. Doch seit ein paar Monaten haben sie sich wieder eingeschlichen. Was ist passiert?

Kurzer Rückblick

Wer sein Training über die Herzfrequenz steuert, möchte einfach nur wissen wie oft sein Herz pro Minute schlägt. Das war lange Zeit nur per Brustgurt möglich. Ich kenne noch Zeiten, da musste man bei den Dingern alle 2-3 Monate die Batterie wechseln und unter Stromleitungen haben die Werte verrückt gespielt. Dann kamen verschlüsselte Übertragungen und auch längere Akkulaufzeiten. Nur bequemer waren die Gurte noch nicht geworden – in meinen Augen.

Die Forerunner 225 war dann meine erste Laufuhr mit optischer Messung der Herzfrequenz und ich habe die Freiheit genossen, einfach loslaufen zu können ohne an diesen blöden Brustgurt zu denken. Die Messung hat grundsätzlich schon gut funktioniert und wurde mit der Weiterentwicklung über die Modelle (Forerunner 235 und Forerunner 935) noch deutlich besser.

Parallel dazu hatte ich auch immer Laufuhren im Einsatz, die noch keinen optischen Sensor hatten. Wie die Suunto Ambit3-Modelle oder die Spartan Ultra zum Beispiel. Die kann man auch mit optischen Sensoren verbinden, wie dem Scosche Rhythm+ oder dem Polar OH1.

Stand der Technik

Mittlerweile gehört ein optischer HF-Sensor zum Standard bei Laufuhren. Garmin, Polar und Suunto verbauen ihn auch schon bei den Einsteigermodellen. Es ist allerdings zu beobachten, dass es eine deutliche technische Entwicklung bei den Sensoren gibt. Hielt man ursprünglich eine LED für ausreichend, sind daraus schnell zwei und mehr Lichtquellen geworden. Auch wird mit den Lichtfarben experimentiert, um durch die unterschiedlichen Wellenlängen verschiedene Eindringtiefen zu erhalten.

Polar Precision Prime Sensor
Polar Precision Prime Sensor

Polar hat in seiner neuen Vantage-Serie den wohl bisher technisch aufwendigsten Sensor verbaut. Gleich neun LEDs werden kombiniert mit Hautkontakt- und Beschleunigungssensoren, um immer eine optimale Messung zu erhalten. Leider bleibt auch der Precision Prime Sensor (derzeit noch?) hinter den Erwartungen zurück.

Probleme mit der optischen Messung

Während es Brustgurte relativ einfach haben aus dem gemessenen elektrischen Widerstand zwischen den Kontakten die Herzfrequenz zu erkennen, hat das optische Verfahren mit viel mehr Tücken zu kämpfen. Denn die auswertbaren optischen Veränderungen in den Hautschichten können nicht nur vom Puls herrühren. Schon minimale Bewegungen des Sensor können zu Fehlmessungen führen, regelmäßige Bewegungen (Schrittfrequenz) können als Herzfrequenz missinterpretiert werden, eine schlechte Durchblutung kann eine Messung deutlich schwieriger machen und dann gibt es auch noch Menschen, bei denen die Optik überhaupt keinen Puls finden kann.

Trageweise im Winter
Trageweise im Winter

Daneben gibt es noch ganz praktische Probleme: beim Laufen im Winter ist nicht nur die Durchblutung ein Problem, sondern auch die Trageweise der Uhr. Sie muss zwangsweise Hautkontakt haben, was ein Tragen über der (langärmligen) Kleidung ausschließt. Bei anderen Sportarten wie z.B. dem Radfahren kann es auch gewünscht sein, die Uhr nicht am Handgelenk zu tragen. Dadurch ist eine optische Messung natürlich auch unmöglich.

Vorteile des Brustgurtes

Brustgurte sind mittlerweile wahrscheinlich kaum noch in ihrer Grundfunktion zu verbessern. Die mitgelieferten Gurte der drei großen Hersteller gelten als absolut verlässlich, haben eine ziemlich gute Akkulaufzeit und sind ehrlich gesagt auch bequem zu tragen. Von daher gibt es kaum einen Grund, diese nicht zu tragen.

Was mich aber (wieder) auf diesen Weg gebracht hat sind die Einschränkungen, die man durch die ausschließliche Nutzung des optischen Sensors im Zusammenspiel mit der Uhr hat. Das ist mir erst wieder so richtig aufgefallen, als ich für den Test der Vantage V öfter mit Gurt unterwegs war. Hier beruht die komplette Recovery-Pro-Funktion auf der regelmäßigen Durchführung des orthostatischen Tests – der nur mit einem Brustgurt funktioniert.

Garmin HRM-RUN
Garmin HRM-RUN

Auch die Forerunner 935 habe ich im Winter häufig über der Kleidung getragen und dementsprechend dann mit dem Brustgurt verbunden. Und siehe da: mir wurden nach der Trainingseinheit neue Werte für meine Laktatschwelle angeboten. Das funktioniert mit der optischen Messung nicht… Auch für den HRV-Stresstest braucht man bei Garmin den Gurt, während die VO2max-Schätzung zwar auch ohne funktioniert – mit Brustgurt soll sie (samt Prognose der Wettkampfzeiten) aber deutlich genau sein.

In den Bedienungsanleitungen aller Hersteller findet man Formulierungen wie: „wir empfehlen einen Brustgurt zu verwenden, wenn du auf höchstmögliche Präzision Wert legst“. Auch wenn das Marketing etwas anderes suggeriert: im Zweifelsfall wird immer die herkömmliche Messung vorgegeben. Das gilt auch für herzfrequenzbasierte Trainingspläne.

Meine Meinung

Ich muss schon zugeben, dass ich in den letzten Monaten wirklich oft mit Brustgurt unterwegs war – auch wenn ich die Uhr nicht über dem Ärmel tragen musste. Gestört hat mich daran nur das Anlegen, wenn ich den richtigen Moment beim Anziehen verpasst hatte. ;)

Ansonsten finde ich keinen Grund mehr gegen den Gurt, sondern sehe eher einige Vorteile. Unterm Strich werde ich sicherlich weiterhin für Grundlagenläufe auf die Bequemlichkeit der Messung am Handgelenk setzen, aber für alle „wichtigen“ Läufe einen Brustgurt tragen.

  1. Als Multisportler geht es eh nicht ohne. Beim Radfahren im Freien möchte man den Puls am Tacho sehen, in Zwift muss man mit dem PC koppeln. Das geht alles nur mit HRM-Gurten. Dazu trage ich normalerweise meine Uhr recht locker am Handgelenk, eng empfinde ich als unangenehm.

    1. Hi Tom, ich glaube die optische Messung ist beim Radfahren eh auch richtig schlecht, oder? Vermutlich weil das Handgelenk alle Erschütterungen des Lenkers mitbekommt?

  2. Weder mit der Fenix 3HR noch mit der Suunto 9 habe ich eine anständige Messung am Handgelenk hinbekommen. Ich greife daher auch immer zum Gurt. Das klappt dann meistens, bis auf ein paar Ausreisser, ziemlich zuverlässig. Es sei denn, er verrutscht mal.

    1. Ausreisser beim Brustgurt? Hatte ich noch nie. Verrutschen tun die auch nicht mehr – müssen nur stramm genug sein. Allerdings mache ich auch keine Ultras mit Weste und so. ;)

  3. Jooo, wenn Pulsmessung, dann richtig. :)

    Zuverlässig geht das halt nach wie vor nur mittels elektrischer Ableitung, also Brustgurt. Die (wenigen) Schwächen sind (im Trainingsalltag) weit besser in Griff zu bekommen, als die mangelnde Zuverlässigkeit/Präzision bei oHR.

    1. Zuverlässigkeit und Präzision der oHR sind bei mir nah genug am Brustgurt, dass ich den deswegen nicht unbedingt bräuchte. Bin die letzten Jahre ja auch ganz gut ohne zurecht gekommen. Vielleicht bin ich auch einfach zu langsam dass sich das auswirkt… ;)

      1. „Zuverlässigkeit und Präzision der oHR sind bei mir nah genug am Brustgurt“
        Bei mir leider bisher nicht.

        oHR ist bisher immer sehr zappelig-nervös, heißt es pendelt ständig um ±1-5 bpm im direkten Vergleich zum Brustgurst. Hinzu kommen noch die zeitweisen (und völlig unvorhersehbaren) Aussetzer wären einer Einheit.

        Beim Brustgurt habe idR nur zu Anfang (1-5min) Schwierigkeiten, wenn die Batterie schwach wird und/oder der Gurt (Elektroden) nach einen Jahr verbraucht ist.

        Vor paar Tagen habe ich mal wieder aus Neugier einen Parallel-Test gemacht… HRM (Garmin, Brustgurt), Rhythm+ (Scosche, Unterarm), Series 3 (Apple, Handgelenk) wärend einer Session.

        HRM:
        https://i.imgur.com/2uwcjRl.png

        R+:
        https://i.imgur.com/0SPGi2E.png

        AW3:
        https://i.imgur.com/3EMglrO.png

        …aktuell teste ich einen OH1+

        „Vielleicht bin ich auch einfach zu langsam dass sich das auswirkt… ;)“
        LOL

        1. Hi Boris, die OHR-Kurven sehen schon etwas zappeliger aus, aber was für Auswirkungen hat das denn? Bei mir stimmt der Durchschnittspuls im Vergleich immer genau überein oder hat maximal einen Schlag unterschied. Wenn es zappelt, dann also anscheinend relativ gleichmäßig in beide Richtungen. Es könnte also höchstens sein, dass der angezeigte Wert mal 1-2 Schläge über und mal 1-2 Schläge unter der vom Brustgurt angezeigten HF liegt. Das hätte für mich selbst dann kaum eine Konsequenz, wenn ich versuche z.B. lange exakte an meiner Schwellen-HF zu laufen (Halbmarathon). Denn die Schwankungen, die sowieso beim Laufen auftreten, sind doch viel größer. Also… was hat das für Dich für eine konkrete Auswirkung, wenn der Puls eine leichte Streubreite hat?

  4. ich hab da eine sehr gute erfahrung mit dem oh1 pulsband in verbindung mit dem polar vantage m, welches man zb am oberarm trägt, gemacht. stimmt bei mir 100% mit den werten zusammen die mein gleichzeitig getragener garmin fr235 mit pulsgurt ausgibt. handgelenksmessung funzt nur „richtig“ bei keiner aktivität. beim laufen hängt der voll hinterher bzw. zeigt teilweise irgendwas an… das ist leider beim überaus gelobten polar so als auch bei den garmins. deshalb hat es mich so verwundert das der oberarmpulsmesser OH1 solch exakte daten liefert. deshalb muss ich leider meine „geliebten“ garminprodukte vergessen und steige NUR wegen diesem OH1 pulsgurt auf die polar um. Der lästige Brustgurt hat somit für mich für immer erledigt!

  5. Hallo erstmal muss ich sagen das mir deine Seite sehr gut gefällt. Zum Thema muss ich sagen bei haben die Brustgurte auch immer Fehlmessungen produziert. Einzig der H10 macht bei mir keine Probleme. Ich Teste seit ein paar Tagen Die Sunnto 9 und die Vantage V mit und ohne Brustgurt. Bei mir klappt die Messung am Handgelenk erstaunlich gut. Was bei mir dazu kommt ist das ich nichts von Training nach Puls halte ich Trainiere nach Tempo und habe damit die besten Erfahrungen gemacht. Deshalb kann ich mit leichten Abweichungen beim Puls auch gut leben.

    1. Hi Kurt, vielen Dank für Dein Lob! :) Bei mir funktioniert die Messung am Handgelenk meist auch gut – nur beim Suunto-Sensor gibt es immer wieder Probleme. Ich habe auch eine ganze Zeit nach Pace bzw. zuletzt eher nach Watt trainiert. Für die Grundlagenläufe halte ich die Herzfrequenz aber für die beste Vorgabe.

  6. Ich habe zwangsläufig von optischer Messung auf Brustgurt gewechselt, weil meine Polar M600 die langen Einheiten meines Wanderurlaubs nicht durchgehalten hätte. Also V800 an den Arm und Brustgurt umgeschnallt. Das Ergebnis: ich bin wieder unzufrieden, weil die Messungen so viele Aussetzer haben. Max-Puls über 220 und Min-Puls unter 60 – da muss ich nix sagen, oder? Vielleicht muss ich aber auch nur das neueste Modell anschaffen. Es gibt ja mit dem H10 eine neuere Ausführung… Ich denke mal darüber nach. Aber erst einmal trage ich wieder die M600. Vielleicht bis zur nächsten Weitwanderung. :-)

    1. Hi Eddy, hast Du denn den H7, oder sogar noch einen Vorgänger? Vielleicht hast Du einfach auch nicht genug geschwitzt und der Brustgurt hatte schlechten Kontakt. ;) Angeblich wirkt auch ein Batteriewechsel oft Wunder. Alternativ schwören mittlerweile sehr viele auf den Polar OH-1. Ist natürlich auch kein Brustgurt, aber in den Ergebnissen verdammt nah dran.

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Ich bin der Harlerunner

Hier schreibt Thomas Pier über das Laufen und (deutlich mehr als nur die notwendige) Ausrüstung. Ich laufe weder besonders schnell noch weit. Aber ich teile gerne meine Erfahrungen, die ich als ambitionierter Freizeitläufer, neugieriger Early-Adopter und als mein eigener Trainer sammele.

Ich freue mich über jede digitale Kontaktaufnahme - noch mehr allerdings über jeden gemeinsam gelaufenen Kilometer.

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